Weber Krieg der Baumkatzen
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7325-1516-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 492 Seiten
Reihe: Lübbe
ISBN: 978-3-7325-1516-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Kampf um den Planeten der Baumkatzen geht weiter. Kaum sind die Flammen auf Sphinx gelöscht, steht der nun heimatlose Baumkatzenclan bereits der nächsten Bedrohung gegenüber. Und gerade jetzt sind seine Freunde, die Rangerin Stephanie Harrington und ihr Baumkater Löwenherz, nicht an seiner Seite.
Auf Manticore absolviert Stephanie ein erstklassiges Studienprogramm, doch auch hier werden politische Intrigen zur Ausbeutung der Spezies geschmiedet. Es liegt an Stephanie und ihren Freunden, die Baumkatzen ein für alle Mal zu schützen ...
»Weber schreibt hochgradig unterhaltsame Space Opera!« Booklist
Die großartige Vorgeschichte zur Erfolgsserie Honor Harrington von Bestseller-Autor David Weber - für Fans und Neueinsteiger!
Band 1: Begegnung auf Sphinx
Band 2: Flammenzeit
Band 3: Krieg der Baumkatzen
David Weber ist ein Phänomen: Ungeheuer produktiv (er hat zahlreiche Fantasy- und Science-Fiction-Romane geschrieben), erlangte er Popularität mit der Honor-Harrington-Reihe, die inzwischen nicht nur in den USA zu den bestverkauften SF-Serien zählt. David Weber wird gerne mit C. S. Forester verglichen, aber auch mit Autoren wie Heinlein und Asimov. Er lebt heute mit seiner Familie in South Carolina.
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1
»Sie wollen uns nach Manticore schicken?!«
Sosehr sich Stephanie Harrington um Gelassenheit bemühte und darum, gefasst und erwachsen zu klingen, war ihre Stimme vor Aufregung und Überraschung höher als sonst. Karl Zivonik, einer ihrer engsten Freunde, saß gleich neben ihr und unterdrückte unverkennbar ein Grinsen. Auch Löwenherz, ihr sphinxianischer Baumkaterfreund, bliekte belustigt von Chief Ranger Sheltons Schreibtischkante herunter, wo er es sich gemütlich gemacht hatte.
Nur der Chief Ranger selbst schien nicht zu bemerken, wie sehr sein Vorschlag Stephanie begeisterte. Ohne Pause setzte er seine Erläuterungen fort.
»Ganz genau«, sagte er. »Unerwarteterweise sind in einem Kompaktkurs für die Forstdienstausbildung auf Manticore zwei Plätze frei geworden. Tja, aber wegen der Nachwehen der diesjährigen Flammenzeit, die ja so besonders heftig ausgefallen ist, kann ich keinen meiner Ranger entbehren. Wenn überhaupt – und dann auch nur gerade so eben! – meine beiden Ranger auf Probe.«
»Stephanie und mich«, sagte Karl. Weil sie beiden die einzigen Ranger auf Probe waren, war die Klarstellung unnötig und ein Zeichen dafür, wie aufgeregt Karl selbst war.
»Stephanie und Sie«, bestätigte Chief Ranger Shelton und deutete dann auf zwei Stühle. »Setzen Sie sich. Bevor Sie zusagen, sollte ich wohl lieber erklären, auf was Sie sich da einlassen.«
Die beiden nahmen Platz, und Stephanie musste sich sehr zusammennehmen, um nicht auf dem Stuhl vor Aufregung hin und her zu rutschen oder sich auf die vorderste Stuhlkante zu hocken. Löwenherz erleichterte ihr die Sache, indem er in einer fließenden, anmutigen Bewegung vom Schreibtisch auf ihren Schoß sprang und sich dort einrollte. Mit einem Meter vierzig war Stephanie für fünfzehneinhalb recht klein und im Ganzen eher zierlich. Löwenherz mit seinen fünfundsechzig Zentimetern Gesamtlänge fand auf ihrem Schoß kaum Platz. Doch jeder, der die beiden ein wenig länger beobachtete, konnte nur zu einem Schluss kommen: In einer nur schwer zu beschreibenden Art und Weise waren die beiden, das Mädchen und die Baumkatze, einander ähnlich. Sie waren es, obwohl im graugetigerten Gesicht des Baumkaters grüne Augen leuchteten, während Stephanies Augen ebenso braun waren wie ihr kurzes Haar.
Karl, Haar und Augen dunkler als die seiner Freundin Stephanie und bereits achtzehn, war zwar auch aufgeregt, hatte sich aber wesentlich besser im Griff als sie … Nun, er war ja auch in vielerlei Hinsicht erstaunlich reif für sein Alter. Stephanie wusste, dass seine erste Liebe auf tragische Weise ums Leben gekommen war. Das überschattete sein ganzes Wesen, denn er hatte den Verlust nie ganz verwunden. Auch von der Statur her – ein Meter fünfundachtzig groß und breitschultrig gebaut – war er bereits kein Jugendlicher mehr, sondern unbestreitbar ein junger Mann.
Chief Ranger Shelton blickte sie beide nachdenklich an, bevor er weitersprach. »Damit Sie es gleich wissen: Mein Vorschlag, Sie beide nach Manticore zu schicken, hat für viel Wirbel gesorgt. Ranger auf Probe gibt es ja erst, seit Sie beide hier sind, und manche halten die ganze Sache immer noch für eine Schnapsidee. Und, zugegeben, vor allem Stephanie ist wirklich noch sehr jung für diese Schulung.«
Stephanie verbiss sich den Protest, in den sie reflexartig hatte verfallen wollen. Der Chief wusste besser als die meisten anderen, zu was Stephanie fähig war. Ja, er hatte den Rang eines ›Rangers auf Probe‹ überhaupt erst eingeführt, um ihre bisherigen Leistungen angemessen zu würdigen. Sie musste einfach darauf vertrauen, dass er auf ihrer Seite stand.
Ein sanfter mentaler Stups riss Stephanie aus ihren Gedanken. Sie hatte keine Ahnung, wie Löwenherz ihre Gefühle beeinflusste, aber eines wusste sie mit absoluter Sicherheit: Baumkatzen waren Empathen und Telepathen. Natürlich war das ein bislang sorgsam gehütetes Geheimnis – und das würde auch so bleiben, bis Sphinx’ Ureinwohner endlich als vernunftbegabte Spezies anerkannt wären und in den Genuss all der Rechte und des Schutzes kämen, die ihnen nach Zuerkennung eines solchen Status zustanden. Vorerst jedoch reichte es Stephanie, zu der Hand voll Menschen zu gehören, die die Wahrheit kannten: Während die meisten in dem sechsbeinigen Geschöpf mit langem, schmalem Körper, langem Schweif und dichtem Fell eine Kreuzung aus Wiesel und Katze sahen und fälschlicherweise deshalb nur zu oft für ein flauschiges Haustier hielten, war sich Stephanie bewusst, dass Löwenherz nicht anders als sie selbst über eine eigenständige, voll entwickelte Persönlichkeit verfügte – und sich nicht scheute, ein gewisses Menschenmädchen gelegentlich zu ermahnen, wenn es wieder einmal nicht aufpasste. Auch wenn sich der Baumkater dabei etwas unkonventionellerer Methoden bediente als ein Mensch.
»Sie, Karl«, sagte Chief Ranger Shelton gerade, »sind mittlerweile volljährig, und angesichts Ihrer Leistung als Ranger auf Probe hätte ich Sie, um die Angelegenheit voranzutreiben, einfach zum Assistant Ranger befördern können. Dann hätte sich die Frage, ob Sie zur Teilnahme an einem solchen Kursus überhaupt berechtigt sind, gar nicht erst gestellt. Und Sie, Stephanie, haben Ihre Tüchtigkeit bereits ausreichend unter Beweis gestellt und sich aufopferungsvoll für das Wohlergehen unserer Wälder und all derer eingesetzt, die darin leben. Lassen wir es dabei bewenden und machen es kurz: Nach einer recht ausgiebigen Diskussion habe ich es geschafft, auch für Sie die erforderliche Genehmigung durchzuboxen. Sie können die Schulung also ebenfalls mitmachen, wenn Sie wollen.«
Am liebsten hätte Stephanie gleich »Ich-will-ich-will-ich-will!« geschrien, aber sie hielt sich zurück und beschränkte sich auf ein höfliches »Danke, Sir.«
Außerdem meldete sich in ihrem Hinterkopf eine Stimme, die unverständlich noch Unbehagen mit dieser Idee verbreitete – so sehr, dass sie sich fragte, ob sie Sheltons Angebot wirklich annehmen wollte. Aber sie verdrängte die aufkommenden Zweifel und konzentrierte sich ganz auf Sheltons Worte.
»Bei dieser Schulung geht es nicht nur darum, mehr über das Forstwesen zu erfahren. Was die Gegebenheiten auf Sphinx betrifft, können Sie beide auch hier vor Ort reichlich dazulernen – und wahrscheinlich bei so manchem Thema anderen etwas beibringen! Aber zum Forstdienst auf Sphinx gehört deutlich mehr, als sich nur um die heimische Pflanzen- und Tierwelt zu kümmern. Sphinx ist weitgehend unerschlossen und dünn besiedelt, daher ist unsere Polizeitruppe deutlich kleiner als Manticores. Das bedeutet, dass Ranger in besonderem Maße die Rolle des Gesetzeshüters ausfüllen müssen – eben nicht nur Feuerwehr, Retter in der Not und Umweltschützer sind. Deswegen gehören zu der Schulung, um die es geht, auch der Umgang mit polizeiüblichem Gerät, Einführung in Techniken der Spurensicherung und Forensik, eine Grundlagenvorlesung zur Gesetzeslage sowie der professionelle Umgang mit Zivilisten.
Dazu kommen Prüfungen, in denen Sie Ihre grundlegenden Fachkenntnisse auf dem Gebiet des Forstwesens unter Beweis stellen müssen. Karl, weil Sie Ihr ganzes Leben nur eine einzige Biosphäre kennengelernt haben – eben die von Sphinx –, können Sie schon jetzt davon ausgehen, dass Sie ein paar zusätzliche Lerneinheiten absolvieren dürfen, um entsprechende Wissenslücken zu schließen. Und von Ihnen, Stephanie, weiß ich ja, dass Sie ungefähr die ersten zehn Lebensjahre auf Meyerdahl verbracht haben, aber es würde mich nicht wundern, wenn man Ihnen ein paar speziell auf Sie zugeschnittene Lerneinheiten zusammenstellen würde, die Sie durchlaufen müssen. Wenn es etwas gibt, das ich während all der Jahre gelernt habe, die ich nun schon im Forstdienst verbringe, dann das hier: Zu viel zu wissen ist schlichtweg unmöglich.«
Das klang nach einem ziemlich strammen Pensum, aber Stephanie hatte bisher immer und überall zu den Kursbesten gehört. In manchen Kursen hatten zwar ihre Leistungen und damit ihre Noten ein wenig nachgelassen, seit sie dem SFD beigetreten war, aber wegen ein paar lumpiger Prozentpunkte machten ihre Eltern ihr gewiss nicht die Hölle heiß – vor allem, wo glasklar war, welchen beruflichen Weg Stephanie anstrebte, so klar, dass jeder Dorfdepp es begriffen hätte. Aber wo sie gerade an ihre Eltern dachte …
»Chief, Sie haben es ja gerade selbst gesagt: Ich bin noch minderjährig. Haben Sie denn schon mit meinen Eltern gesprochen?«
Shelton grinste – bei jedem anderen, der keine solche Respektsperson wie ihr Vorgesetzter war, hätte Stephanie es ausgekocht genannt. »Habe ich nicht, Ms. Harrington. Betrachten Sie die Aufgabe, Ihre Eltern von der Wichtigkeit dieses Kurses zu überzeugen, als ersten Test dafür, ob Sie die nötige Reife zur Teilnahme haben. Selbstverständlich dürfen mich Ihre Eltern jederzeit kontaktieren, um etwaige Fragen zu beantworten.«
Nervös räusperte sich Karl. »Chief? Da wäre noch die Frage der Kursgebühren. Ich habe viele Brüder und Schwestern. Meine Familie besitzt zwar reichlich Land, aber ich glaube nicht, dass meine Eltern das Geld für die Interplanetartickets und die Unterbringungskosten vor Ort aufbringen können – schon gar nicht so kurzfristig. Trotz meiner Arbeit helfe ich zu Hause mit, auch wenn ich glaube, dass für die Kursdauer aufgefangen werden kann, dass ich als Arbeitskraft ausfalle.«
»Um die Kursgebühren brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen«, versicherte ihm der Chief Ranger. »Wenn Sie nach Manticore fahren, dann ganz offiziell als Mitarbeiter des SFD. Von Privatanschaffungen für den persönlichen Gebrauch einmal abgesehen, übernehmen wir sämtliche Kosten.«
»Danke,...




