Weber | Unsere Krim | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 262 Seiten

Weber Unsere Krim

Staatsstreich oder demokratische Entscheidung
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7504-5905-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Staatsstreich oder demokratische Entscheidung

E-Book, Deutsch, 262 Seiten

ISBN: 978-3-7504-5905-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Krim, Ukraine, Donbass 2014 wurde die Krim von russischen Streitkräften annektiert und die Ukraine destabilisiert. So der Westen. Wer hat das Recht auf die Krim? Was geschah auf dem Maidan in Kiew? Wie ist die Situation im Donbass? Nach zahlreichen Reisen auf die Krim und die Volksrepublik Donezk, kommen in diesem Buch Stimmen zu Wort, die in unseren Medien normalerweise kein Gehör finden. Um die Situation besser verstehen zu können, ist es wichtig, beide Seiten gehört zu haben.

Hendrik Weber geboren 1977 in Nordrhein Westfalen / Deutschland ist Unternehmer und wohnt seit 2006 in Norwegen. Seit seiner Jugend ist er politisch interessiert und engagiert. Später vor allem in den Bereichen Aussen- und Sicherheitspolitik. Seit 2014, im Zuge der Ukraine Krise hat er sich intensiv mit dem Thema: Russland, Krim, Donbass befasst und reist seit 2016 regelmässig dorthin um mit Menschen und Politikern zu sprechen. 2017 gründete er den Verein "Volksdiplomatie Norwegen", welcher sich für einen Dialog zwischen Norwegen und Russland einsetzt.
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Einleitung


Ich möchte dieses Buch mit einem Zitat beginnen:

1

Das Zitat stammt vom 18. April 1946 und ist von Hermann Göring, als er in der Gefängniszelle in Nürnberg sein letztes Interview gab.

Kann man diese Aussagen auch auf die heutige Zeit übertragen? Durch unsere Regierungen und Medien wird uns tagtäglich Angst gemacht. Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, vor einer schlechteren sozialen Absicherung, vor dem islamischen Terrorismus, dem Iran, Nordkorea und natürlich Angst vor Russland. Angst ist allerdings ein schlechter Ratgeber: Sie lähmt uns, die richtigen Entschlüsse zu fassen und für diese zu streiten.

Medien spielen in der heutigen Politik eine noch viel wichtigere Rolle als zu Hermann Görings Zeiten. Sie transportieren die Meinung der Regierung in unsere Wohnzimmer und teilen uns allzu oft auch gleichzeitig mit, wie wir über die jeweilige Nachricht zu denken haben.

Medien, die in ihren Artikeln von der offiziellen Meinung abweichen, werden von den etablierten Medien als Fake News beschimpft und teilweise aktiv in ihrer Arbeit behindert. Das heißt selbstverständlich nicht, dass unsere staatlich kontrollierten Medien generell schlecht und sogenannte alternative Medien generell gut sind. Durch das Internet haben unsere staatlichen Medien und große Medienhäuser in den letzten Jahren ohnehin dramatisch an Einfluss verloren. Die Verkaufszahlen der meisten Zeitschriften und Zeitungen fallen seit Jahren.2 Heute hat jeder die Möglichkeit, weltweit Informationen aus dem Internet zu bekommen: an jedem Ort und zu jeder Zeit. Es ist scheinbar einfacher geworden, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Noch vor 20 Jahren wäre das undenkbar gewesen. Während man damals auf die Fernsehnachrichten angewiesen war, um zum Beispiel Informationen aus einer Pressekonferenz zu erhalten, ist es heute möglich, das gesamte Geschehen live im Internet zu verfolgen und gleichzeitig auch noch Kommentare oder Einschätzungen der jeweiligen Journalisten zu erhalten. Diese ständige Verfügbarkeit von Informationen hat unsere Möglichkeiten der Informationsbeschaffung stark erweitert, birgt aber gleichzeitig auch große Risiken. Zeitungen und Medienhäuser sehen sich unter dem stetigen Druck, neue Nachrichten so schnell wie möglich zu veröffentlichen. In einer Welt, in der Medienhäuser im Wettbewerb zueinander stehen und um Werbeeinnahmen kämpfen müssen, zählen vor allem Geschwindigkeit und die Anzahl der Zugriffe auf die jeweiligen Internetseiten. Eine gute Recherche aber braucht Zeit und kostet daher Geld. Beides ist im derzeitigen Medienalltag kaum vorhanden. Das führt dazu, dass Journalisten und Reporter nicht mehr die Freiheit haben, eine Nachricht wirklich fundiert zu recherchieren.

Die sogenannten «alternativen Medien», die sich auf einzelne Themen oder Nachrichten konzentrieren können und dazu teilweise sehr sachliche und fundierte Artikel schreiben, gewinnen immer mehr Leser, weil der Informationsgehalt ihrer Artikel oft erheblich höher ist als der der sogenannten «Mainstream-Medien».

Das führt dazu, dass Medienhäuser und damit auch der Staat immer mehr das Monopol auf die Meinungsbildung verlieren. Beide kommen durch aufgeklärte Bürger immer mehr unter Druck. Offensichtlich werden falsche oder ungenaue Berichte und Artikel schneller enttarnt, wodurch der Druck auf die Medienhäuser noch verstärkt wird.

Das Resultat ist, dass in vielen Ländern sogenannte «Faktenfinder» eingerichtet wurden. Diese Organisationen sollen den Zuschauern und Lesern bei strittigen Themen die reinen Fakten liefern. Die Gemeinsamkeit bei fast allen dieser Organisationen besteht darin, dass sie von einem Zusammenschluss der grössten Medienhäuser der jeweiligen Länder finanziert werden.3 Hier kontrolliert der Kollege den Angeklagten. Wie objektiv und neutral diese Faktenfinder im Endeffekt wirklich sind, ist daher fraglich.

Im Zuge der sogenannten Ukraine-Krise von 2014 haben die Medienhäuser einem Sturm von entrüsteten Bürgern gegenübergestanden. Leser warfen den Zeitungen vor, zu einseitig zu berichten und die wichtigen Zusammenhänge nicht ausreichend zu erklären.

In diesem Buch will ich mich mit den Themen Ukraine, Krim und Donbass und der gefühlten Angst vor Russland befassen. Ist diese Angst wirklich berechtigt oder nur erzeugt? Meine Antwort dazu ist klar: Sie ist seit Jahren künstlich erzeugt. Das Einzige, was uns helfen kann, diese Angst und das Misstrauen zu überwinden, ist ein Dialog mit Russland und gegenseitiges Verständnis. Verständnis heißt dabei nicht, dass man sich die Meinung des anderen zu eigen machen muss. Aber Dialog und Diplomatie helfen, den anderen zu verstehen, um die Situation richtig einschätzen zu können. Man kann dies Volksdiplomatie nennen.

Mit Russland verband mich bis 2015 gar nichts. Ich hatte weder russische Freunde noch russische Arbeitskollegen und hatte daher keinerlei Kontakte zu Menschen aus Russland. In den Jahren zuvor, hatte ich die Nachrichten im Bezug auf Russland weder im Fernsehen noch in der Zeitung besonders aufmerksam verfolgt.

Einzig von meinem Großvater, der im Zweiten Weltkrieg zwischen 1941 und 1944 als Panzergrenadier der 6. Panzerdivision in Russland gekämpft hat, kannte ich Geschichten mit oder von Russen.

Ende 2013, im Zuge der Ukraine-Krise und der beginnenden Demonstrationen auf dem Maidan in Kiew, mehrten sich die Zeitungsartikel in unseren westlichen Medien darüber, dass Russland der eigentliche Auslöser der Unstimmigkeiten zwischen West und Ost war.

Vladimir Putin, der 2012 erneut zum russischen Präsidenten gewählt worden war, wurde in westlichen Medien persönlich für die Ausschreitungen und das Scheitern der Verhandlungen zwischen der Ukraine und der Europäischen Union verantwortlich gemacht. Er wolle einen Keil zwischen Europa treiben. Das Bild eines skrupellosen Despoten, der auch vor dem Abschuss von Passagierflugzeugen (MH 17) nicht zurückschreckte, um seine Ziele zu erreichen, wurde auf Zeitschriften-Covern und in Zeitungsartikeln verbreitet.4

In den darauffolgenden Jahren, als die Krim längst wieder ein Teil der russischen Föderation geworden war, und in der Ostukraine die beiden selbstständigen Republiken Donezk und Lugansk ausgerufen worden waren, rissen die Zeitungsartikel über ein «unberechenbares Russland» nicht ab.

Anfang 2015 habe ich angefangen, mich für die Zusammenhänge in Russland und in der Ukraine zu interessieren. Auslöser für dieses Interesse war einzig und allein die Berichterstattung unserer westlichen Medien, in welchen der russische Präsident Putin nahezu für alles Unheil in der Welt verantwortlich gemacht wurde. Die Überschriften waren teilweise derart übertrieben und polemisch gestaltet, dass es mir schwerfiel, mich den Artikeln mit dem nötigen Ernst zu widmen. «Wann stoppt die Welt endlich Putin?», «Der Putin-Komplex», «Putin-Russland übt Krieg über Schweden und Norwegen» und so weiter. Es sah dabei so aus, als wolle Präsident Putin die Weltherrschaft ergreifen, während der Westen nur Demokratie und Menschenrechte fördern wollte.

Zwei Dinge haben mich dabei besonders angetrieben:

1. Ich sah und ich sehe noch immer die Gefahr, dass wir den Kontakt zum größten Land der Erde verlieren. Ein isoliertes Russland kann für uns weder wirtschaftlich noch politisch erstrebenswert sein.

2. Ich finde es ganz einfach nicht gerecht, wenn wir Russlands Handeln mit einem anderen Maß messen als unser eigenes: Sei es das Handeln der EU-Staaten, Norwegens, der USA oder das der NATO. Wir berufen uns auf das Völkerrecht, wenn es uns passt, ansonsten finden wir andere Erklärungen.

Mir schien es wichtig und an der Zeit, mich mehr mit diesem komplexen Thema auseinanderzusetzen, um die Zusammenhänge besser zu verstehen.

Deutschland und Russland verbindet eine lange gemeinsame Geschichte, die bis in das Jahr um 970 nach Christus zurückreicht. Gegenseitiger Respekt und Anerkennung für Leistungen in Kunst, Literatur, Wissenschaft und Technik, trugen selbst...



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