Webster | Tatort Berlin - Görlitzer Park | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 695 Seiten

Webster Tatort Berlin - Görlitzer Park


2. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7450-9701-6
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 695 Seiten

ISBN: 978-3-7450-9701-6
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie sie unschwer dem Titel entnehmen können, ist der Hauptschauplatz Berlin, in der heutigen Zeit. Trotz seines Charmes und dem Flair einer Millionen Metropole, hat Berlin auch seine Schattenseiten. Abseits der Reichen und Mächtigen, gibt es auch Menschen, denen es nicht so gut geht. Sie sind arm, alt und haben fast keine soziale Kontakte mehr, weil es das Schicksal nicht so gut mit ihnen gemeint hatte. Deshalb verwundert es auch niemanden, dass es in letzter Zeit, einige Selbstmorde gegeben hat. Wie es schien, hatten diese Menschen private Probleme, mit denen sie nicht mehr fertig wurden. Es waren scheinbar Krankheiten, Schulden, oder zwischenmenschliche Probleme, die diese Leute zum Suizid getrieben haben. Kaum jemand nahm Notiz davon, bis eines Tages Henriette Berger, erhängt in ihrer Wohnung, von Freunden aufgefunden wurde. Für die Polizei war es eindeutig Suizid. Nur ihre zwei engsten Freude, Linda Hoffmann und ihr Neffe Hans Kramer zweifelten daran. Hans war früher Hauptkommissar bei der Berliner Kriminalpolizei, bis er den Dienst quittierte und sich als Privater Ermittler selbstständig machte. Für ihn war von Anfang an klar, dass es kein Selbstmord war, sondern Mord. Warum sollte jemand eine fast 70 jährige Rentnerin umbringen? Henriette war alles andere als senil oder vom Leben frustriert. Im Gegenteil. Sie hatte zwar ihre körperlichen Gebrechen, aber geistig war sie hellwach. Für die Polizei kamen erst Zweifel auf, als ein Abschiedsbrief gefunden wurde, der auf einem Computer geschrieben war. Nur hatte Henriette keinen Computer und vor allem keinen Drucker. Auf drängen von Linda und Hans, veranlasste die Polizei eine Obduktion der alten Dame. Das Ergebnis war eindeutig. Henriette wurde, bevor man sie erhängte, mit KO Tropfen betäubt. Es war eindeutig Mord.

Geboren in Lübeck, Lehre als Verkäufer im Einzelhandel. Vor drei Jahren die Schriftstellerei als Hobby entdeckt.
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Kapitel 2 – Böser Verdacht


Hans hatte viel zu tun am Wochenende. Er wertete die Aufnahmen aus, die er mit seinem Smartphone am Stammtisch gemacht hatte. Die Aufnahmen waren zwar nicht ganz legal, aber das kümmerte ihn wenig. Und da der Speicher, nach über eine Stunde voll war, musste Lindas Smartphone weiter aufnehmen. So hatte er das ganze Gespräch vom Freitagabend Digital erfasst. Hans notierte akribisch, Namen und Adressen und sonstige Ungereimtheiten, die die Stammtischbrüder und Schwestern von sich gaben. Zum Schluss zog er Bilanz. Sieben Todesfälle in den Häusern von Henning und das in den letzten drei Monaten. Vier davon konnte er aller Wahrscheinlichkeit nach wieder streichen. Sie verstarben nach langer Krankheit, wie Krebs oder an Altersschwäche. Im Wohnzimmer hängte er die Bilder ab und tat das was er im Präsidium auch immer machte, wenn er einen Mordfall aufklären musste. Name um Name schrieb er auf die Tapete und dazu alle Infos die er hatte darunter. Und damit kein Fremder diese Infos sah, wurde alles mit einem Wandteppich verhangen. Linda kam erst am späten Samstagnachmittag dazu, weil sie noch arbeiten musste. Sie läutete und brachte ein Sixpack mit. Linda fragte: „Sind die Aufnahmen was geworden? Versteht man alles?“ Hans: „Es geht gerade so. Anfangs sprachen alle noch leise, aber je mehr Bier und Schnaps sie intus hatten, um so lauter wurden sie. Deshalb hat auch Jupp alles mitbekommen.“ Linda sah nun was Hans auf die Wand geschrieben hatte. Linda: „Das sind eine Menge Informationen. Wie willst du jetzt herausbekommen, dass da wirklich etwas nicht stimmt? Du kannst doch nicht hingehen und zu den Hinterbliebenen sagen: „Hey, ich vermute einen Mord, erzähle mir alles.“ Hans: „So scheiße das auch ist, aber ich nehme Henriettes ableben als Türöffner.“ Linda: „Du machst einen auf Mitleid? Wie schräg ist das denn?“ Hans: „Aber nein, ich erzähle den Hinterbliebenen nur, das meine Tante vor ihrem Tod, viel über der oder die Verstorbenen gesprochen hat. Und da noch niemand weiß, das es Mord war, versuche ich eben so viel wie möglich über meine Tante in Erfahrung zu bringen. Das ist ganz legal und nicht verwerflich. Es geht schlicht und einfach darum, Henriettes Tod aufzuklären. Das, und nichts anderes, hätte ich auch als Bulle getan. Überprüfen und nachforschen, Beweise und Indizien zusammentragen. Stein für Stein, bis es ein Gesamtbild ergibt.“ Linda: „Wie bekommst du heraus, wo die Hinterbliebenen der Toten wohnen? In den Wohnungen der Verstorbenen wohnt bestimmt niemand mehr, die sind entmietet.“ Hans: „Irgendjemand aus der angrenzenden Nachbarschaft wird das wissen. Wenn nicht suche ich die Firma, die die Entrümpelung der Wohnung vorgenommen hat. Jemand muss ja den Auftrag erteilt und die Rechnung bezahlt haben. Und wer zahlt schon freiwillig ein paar tausend Euro, wenn nicht die liebe Verwandtschaft. Schwieriger wird es erst, wenn es um sensible Daten geht, wie Kontoauszüge, Telefonverbindungen und Testamente.“ Linda: „Wie so Testamente?“ Hans: „Die meisten Morde wird von Verwandten ausgeführt, Mutter, Vater, Bruder, Schwester und so weiter. Meist ist da viel Kohle im Spiel. Geld ist nun einmal die Triebfeder vieler Verbrechen und Morde. Du glaubst nicht, was für Abgründe sich da auftun. Das war auch mit einer der Gründe dafür, dass ich den Dienst quittiert habe. Jeden Tag nur noch Mord und Totschlag, verstümmelte und entstellte Leichen. Grausame Anblicke, die mich teilweise noch nachts verfolgt haben. Und weil das noch nicht genug ist, der Gestank. Menschen haben nun einmal die dumme Angewohnheit, nach einer bestimmten Zeit zu verwesen. Da machen sich kleine Bakterien daran den Körper von innen her aufzufressen. Das lockt Fliegen und anderes Getier an. Alle wollen mitessen und die Brut in diesen Festtagsschmaus ablegen, damit der Nachwuchs auch genügend zu fressen hat, wenn er schlüpft. Und das stinkt bestialisch. Ich habe mehr als einmal gekotzt. An diesen Gestank werde ich mich wohl nie gewöhnen.“ Linda: „Da hätte ich mich auch übergeben. Na ja, das ist ja jetzt vorbei. Geht es dir, in deinem neuen Job besser?“ Hans: „Schon, aber mir fehlen manchmal die Kollegen. Wenn man alles alleine machen muss und keinen hat mit dem man sich während der Arbeit unterhalten kann, ist nicht schön. Auch die ganzen reisen ins Ausland, man ist immer auf sich alleine gestellt.“ Linda: „Dann fange ich bei dir an. Aber mein Gehalt ist nicht verhandelbar. Ich verdiene im Augenblick 1580.- Euro Netto und die möchte ich auch weiterhin haben.“ Hans lachte und erwiderte: „Für so wenig Geld würde ich morgens nicht einmal aufstehen. Mein Tagessatz beträgt von Fall zu Fall zwischen 1000.- und 3000.- Euro. Spesen extra.“ Linda bekam große Augen und sagte entsetzt: „So viel Kohle? Das kann doch keiner bezahlen.“ Hans: „Wenn ich eine Firma davor bewahre, dass ihnen Patente oder geheime Formeln gestohlen werden, dann lassen die noch viel mehr springen. Und wenn ich denen noch den Übeltäter auf einem silbernen Tablett serviere, dann gibt es obendrauf noch eine satte Prämie. Ich arbeite in den meisten Fällen auf Erfolgsbasis. Finde ich das was sie suchen, bekomme ich die vereinbarte Summe, wenn nicht 500,- Euro am Tag als Aufwandsentschädigung. Ich habe in den letzten Jahren sehr gut verdient und hätte nicht bei Tantchen wohnen müssen.“ Linda: „Braucht du wirklich keine Sekretärin oder ein Mädchen für alles? Ich würde sofort kündigen und bei dir anfangen.“ Hans: „Vorsicht, sonst nehme ich dich noch beim Wort.“ Zu diesem Zeitpunkt ahnte Hans noch nicht, dass Linda bald ein fester Bestandteil seiner Arbeit werden würde. Aber dazu später mehr. Sie half ihm, soweit dies möglich war, die Adressen und Telefonnummern von den nächsten Angehörigen herauszufinden. Hans versuchte derweil, mehr über Michael Henning im Internet herauszubekommen. Aber viel mehr als den Firmensitz, Inhaber und Familienchronik war nichts über ihn zu finden. Er war ein unbeschriebenes Blatt, zumindest was seine Präsenz im Internet betraf. Hans musste andere Wege finden, um mehr über ihn in Erfahrung zu bringen.

Wagner betrat den Konferenzraum, wie gerade KOK Steiner über die Ermittlungsergebnisse der letzten Woche berichtete. Viel war es nicht, außer dass er und sein Kollege Strobel, die Heizungsfirma ausfindig gemacht hatten, die für Wartung der Heizung zuständig waren. Der dafür zuständige Monteur Heinz Funke, war trotz Vorladung, nicht auf dem Präsidium erschienen. Darum fuhren Steiner und Strobel zu ihm nach Hause. Nach mehrfachen klingeln, öffnete Heinz Funke im Schlafanzug. Er ließ sie herein und wie unschwer zu erkennen war ging es ihm nicht gut. Funke: „Entschuldigen sie, das es hier so unordentlich ist, aber mir geht es im wahrsten Sinne des Wortes beschissen. Ich habe mir einen Magen- Darm Virus eingefangen und verbringe den halben Tag auf der Toilette. Was wollen sie von mir? Ist irgendwas nicht in Ordnung? Vom Morddezernat sind sie?“ Mehr sagte der junge Mann nicht, denn da war er schon wieder auf dem Weg zur Toilette. Wenige Minuten später kam er wieder zurück. Bleich und schmerzverzerrt war sein Gesicht, als er sich bei den beiden entschuldigte. Steiner: „Wir wollen es kurz und schmerzlos machen, damit sie sich wieder hinlegen können. Wir haben lediglich ein paar Fragen, was die Wartung der Heizkörper in der Görlitzer Strasse betreffen. Die Görlitzer Strasse ist doch ihr Bezirk?“ Funke: „Ja, warum?“ Steiner: „Und wann waren sie im Haus Nummer 36 ?“ Funke: „Gar nicht. Ich sollte am Mittwochmorgen dort anfangen, aber da hatte ich schon Beschwerden, so dass ich gegen 9:00 Uhr meinen Arzt aufsuchte. Um 11:00 Uhr war ich dann wieder zu Hause. Seitdem habe ich die Wohnung nicht mehr verlassen.“ Strobel: „Und sie haben in der ganzen Strasse, kein einziges Röhrchen ausgewechselt?“ Funke: „Nein, wenn ich es doch sage. Aber warum fragen sie mich das alles?“ Steiner: „Wechseln die Farben der Röhrchen jährlich?“ Funke: „Na klar, sonst könnte man betrügen ohne Ende. Der Monteur würde ein paar Euro einsacken, wenn er dem Mieter ein paar alte Röhrchen zum nachfüllen da lassen würde. Letztes Jahr waren sie gelb und die neuen sind rot. Aber warum wollen sie das alles wissen?“ Steiner: „Kennen sie eine Frau Berger?“ Funke: „Nein, kenne ich nicht.“ Strobel: „Wie könnte ich an die alten Röhrchen gelangen, wenn ich unbedingt welche bräuchte?“ Funke: „Da müssten sie in einer Heizungsbaufirma arbeiten, oder einen guten Freund dort haben, der ihnen die Röhrchen besorgt.“ Steiner: „Was geschieht eigentlich mit den alten Röhrchen, die sie ausgetauscht haben? Da sind ja immerhin noch Reste von der Flüssigkeit drin.“ Funke: „Die Flüssigkeit wird gesammelt und bei einer Firma entsorgt. Die Röhrchen werden gewaschen, neu befüllt und kommen wieder zum Einsatz. Es wird alles recycelt. Aber was ist denn los, warum; Entschuldigung.“ Und wieder sprang Funke auf und rannte zur Toilette. Steiner meinte zu Strobel: „Der war es bestimmt nicht, denn bei seinem Durchfall, hätte er bestimmt die Bude vollgeschissen. Lass uns gehen, wenn er wieder kommt.“ Strobel: „Und wenn er uns etwas vorspielt?“ Steiner: „Hörst du das? So viele Fürze kannst du nicht vortäuschen. Und vor allem, dieser frische Duft, der an das Landleben im Kuhstall erinnert.“ Funke kam wieder und trank einen schluck Tee. Steiner: „Sie sollten es einmal mit Cola und Salzstangen probieren. Also mir hat das geholfen. So, Herr Funke, das wars auch schon. Wir wünschen ihnen eine gute Besserung. Auf Wiedersehen.“ So in etwa berichtete Steiner den Sachverhalt bevor er sich wieder setzte. Martina kam nun dazu und sagte: „Darf ich schnell?“ Wagner nickte und Martina fuhr fort: „Gerade war der Schornsteinfeger Harald...



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