Weck | Quereinsteiger*innen in der Sozialen Arbeit | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 342 Seiten

Weck Quereinsteiger*innen in der Sozialen Arbeit

Auf biografischen Umwegen zur Berufsidentität
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7799-9108-3
Verlag: Beltz eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Auf biografischen Umwegen zur Berufsidentität

E-Book, Deutsch, 342 Seiten

ISBN: 978-3-7799-9108-3
Verlag: Beltz eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Üblicherweise wird die Zunahme von Quereinsteiger*innen im Berufsfeld der Sozialen Arbeit innerhalb des gängigen Diskurses mit der Gefahr einer De-Professionalisierung gleichgesetzt. Doch worauf beruht diese Annahme? Die vorliegende empirische Untersuchung geht dieser Frage biografieanalytisch nach. Sie beleuchtet dabei zum einen, warum und wie Quereinsteiger*innen überhaupt in das Berufsfeld der Sozialen Arbeit einsteigen, und zum anderen, inwiefern eine professionelle Berufsidentität auch fernab eines genuinen Studiums der Sozialen Arbeit berufsbiografisch ausgeprägt werden kann.

Dr. Niels Weck ist Leiter der Stabsstelle für Jugendhilfe-, Sozial- und Gesundheitsplanung der Landeshauptstadt Magdeburg. Zuvor war er u.a. Referent am Landes-Demokratiezentrum Sachsen-Anhalt sowie Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Sozialpädagogik/Soziale Arbeit an verschiedenen Hochschulen wie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Hochschule Mittweida. Seine Promotion erfolgt an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg im Bereich Soziologie. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Rekonstruktive Sozialforschung, insbesondere Biografieforschung; Professionalität in der Sozialen Arbeit; Wandel der Arbeitswelt; Migration und Flucht im Kontext der Sozialen Arbeit; Förderung von Demokratie und Vielfalt.
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Autoren/Hrsg.


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2.Berufsgeschichte


2.1Die Berufsfeldbezeichnung im historischen Kontext


Die Berufsfeldbezeichnung Soziale Arbeit erscheint heutzutage in der Bundesrepublik Deutschland im Berufsfeld, in der Ausbildung und auch in der Wissenschaft für die vielfältigen Tätigkeiten des Sozialwesens einer modernen Gesellschaft als weit verbreitet und anerkannt – schlicht als fachlich und gesellschaftlich weitestgehend legitim. Erstmals verwendet zu Beginn der 1980er-Jahre, sieht Amthor (2012, S. 30) in diesem Begriff nun auch den vorläufigen Schlusspunkt einer Historie sich ständig wandelnder Termini. Soziale Arbeit stellt dabei den Versuch dar, „Sozialpädagogik und Sozialarbeit gemeinsam zu fassen“ (Klatetzki; Wedel-Parlow 2001, S. 584) und als Sammelbegriff die verschiedenen Maßnahmen, Dienste und Einrichtungen der Sozialarbeit sowie Sozialpädagogik gemeinsam zu bündeln (ebd., S. 583). Für Münchmeier (2011, S. 528) stellt dieser Sammelbegriff jedoch keine zufriedenstellende Antwort hinsichtlich der „in den letzten Jahrzehnten immer bedeutsamer gewordenen“ (ebd.) historischen Forschung zur Geschichte der Sozialen Arbeit dar. So verweist er auf „einige Grundprobleme und methodologische Fragen“ (ebd.), die weiterhin kontrovers diskutiert werden und deren Klärung keineswegs abgeschlossen seien. Als das gewichtigste Problem betrachtet er hierbei die theoretische Bestimmung sowie die Eingrenzung des Gegenstands, also „welche Prozesse, Wirkzusammenhänge und Diskurse“ (ebd.) für die Historie der Sozialen Arbeit prägend sind. Hierfür reiche eine auf den Begriff fokussierte historische Nachzeichnung nicht aus.

Mit Bezug auf Konrad (1998), gilt es sowohl für die Bezeichnung der Sozialpädagogik als auch für den Neologismus Soziale Arbeit zu konstatieren, „dass es zwar bestimmte Traditionslinien der Verwendung des Terminus“ (Münchmeier 2011, S. 528) gäbe, die inhaltliche Füllung beider Begrifflichkeiten sei allerdings sehr heterogen oder auch schlicht uneindeutig. Nach Münchmeier lässt sich diese Uneindeutigkeit daher auch nur historisch nachvollziehen. So verweist er darauf, dass das Feld der sozialen Praxis im historischen Verlauf mit vielfältigen Begriffen und Umschreibungen tituliert wurde: „Früher sprach man von Fürsorge oder Wohlfahrtspflege, heute gebraucht man unterschiedliche Begriffe wie Soziale Arbeit, Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Sozialarbeit/Sozialpädagogik, Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, soziale Dienste, soziale Praxis, soziale Hilfsarbeit, sozialpflegerischer Bereich, psycho-soziale Hilfen, (Sozial-)Fürsorge, Sozialwesen und andere mehr“ (ebd.). Während es für all diese Begriffe charakteristisch ist, sich auf das Feld der Sozialen Arbeit zu beziehen, lassen sie sich jedoch infolge der Betonung variierender Aspekte und Bereiche keineswegs als kongruent bezeichnen. Somit lässt sich bereits festhalten, dass sich das Feld der Sozialen Arbeit bzw. sozialen Praxis ebenso wenig als ein einheitlich und systematisch strukturierter Bereich bezeichnen lässt. Die Soziale Arbeit ist vielmehr aus „verschiedenen Ursprüngen und geschichtlichen Traditionen zusammengewachsen“ (ebd.)6.

Eine Konsequenz hieraus ist, dass sich das Praxisfeld der Sozialen Arbeit auch nicht trennscharf von anderen beruflichen Bereichen abgrenzen lässt. Münchmeier erkennt unscharfe Grenzziehungen „insbesondere im Übergang zum Sozialhilfesystem, zum psychotherapeutischen Bereich, zum Strafvollzugs- und Justizwesen, zur Kinder- und Jugendpsychiatrie, zur Arbeitsverwaltung, zur Schule und dem Bildungswesen, zur Selbsthilfe- und Initiativgruppenbewegung“ (ebd., S. 528 f.). Auch der pragmatische Versuch, Soziale Arbeit nur als diejenigen Aktivitäten und Bereiche zu verstehen, welche eine gesetzliche Grundlage durch das Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) besitzen, würde zwar die meisten Handlungsfelder der Sozialen Arbeit einbeziehen, wäre dennoch als verkürzt zu bezeichnen und hätte zur Folge, dass verschiedene bedeutende Handlungsfelder gänzlich ausgeschlossen blieben: „wie z. B. die betriebliche Sozialarbeit, Gemeinwesenarbeit, Bildungsarbeit, Sozialarbeit im Gesundheitswesen, den Bereich der Seniorenarbeit und der Sozialen Gerontologie und andere“ (ebd., S. 529).

Des Weiteren wird darauf verwiesen, dass es auch unabhängig der unscharfen Grenzen nicht ausreicht, sich das Praxisfeld von heute zu betrachten und dessen Entwicklung schlicht nachzuzeichnen. Aus Sicht des Autoren führt eine solche Herangehensweise nur zu einer sogenannten Aspektegeschichte, „also z. B. zu einer Geschichte der Methoden, Ausbildung, einzelner Arbeitsfelder usw.“ (ebd.), vernachlässige so aber zum einen die Frage nach der Bedeutung der einzelnen Aspekte für den Gesamtzusammenhang – „z. B. von Gesellschaft, sozialen Problemen, Lebenslagen oder individueller Lebensführung“ (ebd.) – und zum anderen welche Rolle diese Aspekte bei einer Theorie Sozialer Arbeit zu spielen vermögen. Diese Überlegung führt wiederum weg von der Frage des Gegenstands einer Geschichte der Sozialpädagogik/Sozialarbeit und wendet sich der Frage nach der Theorie Sozialer Arbeit zu (ebd.). Dieser Überlegung liegt die Annahme zugrunde, dass sich weder der thematische Kern der Sozialen Arbeit noch deren historische Entwicklungsprozesse darlegen ließen, ohne einer theoretischen Klärung, „worin denn die Eigentümlichkeit Sozialer Arbeit bestehe, wie ihr Auftrag, ihre Funktion für Gesellschaft und zu verstehen und zu rekonstruieren seien“ (ebd.).

Bezugnehmend auf Böhnisch et al. (1997, S. 10 f.) lassen sich wie weiter oben schon aufgeführt zwei theoretische Positionen veranschaulichen, die den historischen Diskurs prägen. Die erste Position bezieht sich auf die Sozialpädagogik in der Traditionsline von Paul Natorp. Natorp versteht jede Form der Erziehung als eine Gemeinschaftserziehung und die Sozialpädagogik sei hierbei als allgemeines Prinzip von Bildung und Erziehung zu verstehen. Dieser Sichtweise folgend versteht sich die Geschichte der Sozialpädagogik auch als eine Geschichte der Gemeinschaftserziehung (in Form von „Kindergärten, Volksbildungseinrichtungen, Schule und Jugendgemeinschaften“ (Münchmeier 2011, S. 529) – oder auch als „Erziehung und Nacherziehung“ (Klatetzki; Wedel-Parlow 2001, S. 584) – und grenzt sich hierbei von der Individualerziehung ab. Der Ansatz der Sozialpädagogik fände demnach quer durch alle Erziehungs- und Bildungsorte hindurch Anwendung. Klatetzki und Wedel-Parlow betonen jedoch, dass der Fokus sich hierbei nicht auf staatliche, „sondern auf bürgerliche, durch die Aufklärung beeinflusste Wohlfahrtstätigkeit“ (ebd.) richtet.

Die zweite Position steht in der Traditionslinie von u. a. Alice Salomon, Getrud Bäumer und Herman Nohl. Entgegen der ersten Position liegen die Wurzeln der zweiten Position in der Tradition der Armenfürsorge sowie deren socialer Ausgestaltung. Hierbei wird Sozialpädagogik – oder auch Sozialarbeit (ebd.) – als eine Form der Nothilfe, bei der erzieherische Reaktionen auf die sozialen Probleme (u. a. Armut, Verwahrlosung oder Devianz) der modernen Gesellschaften reagieren und gewissermaßen diejenigen Lücken füllt, „die durch die Funktionseinbußen der Familien entstanden sind“ (Münchmeier 2011, S. 529). Für Münchmeier liegt es auf der Hand, dass diese zweite Position „als Geschichte der Entwicklung sozialer Hilfen, einschließlich erzieherischer Hilfen rekonstruiert werden muss“ (ebd.). Hierbei handelt es sich nun wiederum nicht um die Historie allgemeiner Pädagogik, sondern um einen bestimmten Ausschnitt oder auch geschichtlichen Bereich. Mit Bezug auf Böhnisch et al. (1997) lässt sich die zweite Traditionslinie auch als diejenige Perspektive historischer Forschung festmachen, die sich mehrheitlich zur Geschichte der Sozialpädagogik bzw. Sozialarbeit durchgesetzt hat, „wenn auch nicht unumstritten“ (Münchmeier 2011, S. 529).

2.2Zur Berufsgeschichte der Sozialen Arbeit


Bevor nun eine überblicksartige Nachzeichnung der Historie Sozialer Arbeit...



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