E-Book, Deutsch, Band 2, 480 Seiten
Reihe: Broken Artists
Weiler A Dancer's Kiss (Broken Artists, Band 2)
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7320-2657-9
Verlag: Loewe Intense
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Berührende Liebesgeschichte im traumhaften Schweden mit Wohlfühlvibes und Tiefgang
E-Book, Deutsch, Band 2, 480 Seiten
Reihe: Broken Artists
ISBN: 978-3-7320-2657-9
Verlag: Loewe Intense
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Rebekka Weiler schrieb mit zehn Jahren ihren ersten (und ziemlich kurzen) Roman und hat seit damals nie wieder aufgehört, emotionale Geschichten mit Tiefe und authentischen Figuren zu entwickeln. Auf ihren Reisen nach Skandinavien hat sie sich hoffnungslos in Schweden verliebt und all die Orte besucht, die die Broken Artists ihr Zuhause nennen dürfen. Sie selbst wohnt in Süddeutschland, wo sie als Lehrerin tätig ist. Wenn sie nicht gerade an einem neuen Buch arbeitet, liest sie gern, malt, geht schwimmen oder hört stundenlang dieselben Songs. Weitere Informationen zur Autorin auf Instagram und TikTok unter @rebekka.weiler
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Prolog
Neles Version
Mut.
Das einzelne kleine Wort auf meinem Perlenarmband scheint mich regelrecht anzuschreien. Sei mutig, Nella. Trau dich. Es ist wichtig.
Natürlich brüllt es nicht wirklich, aber es ist eine gute Erinnerung daran, warum ich hier bin, in diesem dunklen Club mit der stickigen Luft und den tanzenden Menschen. Normalerweise sind Orte wie das Norrsken nichts für mich. Aber seit zwei Jahren ist nichts mehr normal, und wenn ich nicht endlich etwas dagegen unternehme, wird es das auch nie wieder sein.
Ich bin zum Glück nicht allein hier. Elisa war mehr als erfreut, von meiner Idee zu erfahren, und hat darauf bestanden, mich zu begleiten.
Du musst echt mehr unter Leute. Das Norrsken ist perfekt dafür, glaub mir.
Ihre Worte sind mir immer noch im Ohr. Und ehrlich gesagt habe ich bis zur letzten Sekunde daran gezweifelt, dass ich es durchziehen werde. Aber nachdem wir einen Freitagabend gefunden haben, an dem wir beide freihaben, bin ich zumindest schon einmal bis in den Club gekommen. Und das sogar in einem Kleid, das ich mir ohne ihren Zuspruch niemals selbst ausgesucht hätte. Seit ich das Balletttanzen an den Nagel gehängt habe, trage ich überhaupt keine Kleider mehr. Mit der heutigen Ausnahme. Der schwarze Stoff schmiegt sich weich an meinen Körper, wie Wellen eines dunklen, tosenden Meeres. Obwohl es ziemlich bequem ist, ist es deutlich kürzer als alles, was ich in den letzten Monaten getragen habe. Es reicht mir knapp bis zur Mitte meiner Oberschenkel und ich weiß, dass ich heute Abend definitiv keine Sekunde sitzen werde. Es ist ein Stehkleid, das laut Elisa wie für mich gemacht ist.
»Du siehst großartig aus.« Sie strahlt mich an und langsam ist ihrem Blick deutlich anzumerken, dass das nicht ihr erstes Getränk ist. Inzwischen hält sie einen Cocktail in einer undefinierbaren Farbe in den Händen und muss beinahe schreien, damit ich sie verstehen kann. Der Bass wummert laut durch den gesamten Club. Die Musik ist nicht mein Geschmack, aber heute Abend spielt das keine Rolle. Heute Abend bin ich hier, weil ich eine Mission habe. Und je schneller ich sie erfülle, desto eher kann ich wieder verschwinden.
Und das im besten Fall nicht allein.
Leider habe ich noch niemanden entdeckt, den ich ansprechen will. An den meisten Männern hier drin stört mich etwas. Manche sind zu groß, andere zu dunkelhaarig, wieder andere haben die Art von Bart, die eher einem ungepflegten Gesichtsgarten gleicht. Und die zwei, die optisch sympathisch genug auf mich gewirkt haben, sind mit ihren Freundinnen da.
Am liebsten würde ich wie Elisa trinken. Würde so für den fehlenden Mut sorgen. Aber ich werde nicht unverantwortlich sein und meine Sinne benebeln. Für das, was ich vorhabe, brauche ich einen klaren Kopf. Und den behalte ich nur, wenn ich auf Alkohol verzichte. Also nippe ich brav an meinem Wasser und versuche, nicht darüber nachzudenken, wie klug oder unklug mein Plan ist. Wenn ich erst einmal in dieses Loch falle, komme ich nicht mehr heraus oder mache direkt einen Rückzieher. Ganz besonders heute Abend werde ich das nicht riskieren.
Zum Glück greift Elisa in diesem Augenblick nach meiner Hand und zieht mich weiter auf die Tanzfläche. Während sie herumwirbelt, bewege ich mich weniger, als ich es in einem anderen Outfit tun würde. Aber das ist okay. Für mein Vorhaben ist es wichtiger, ein sexy Kleid zu tragen, als ausgelassen tanzen zu können.
Elisa ist ein Phänomen für mich. Immer gut gelaunt, für jede noch so wilde Schandtat zu haben. Mit ihr könnte man Pferde stehlen, vorausgesetzt, es gäbe welche in Stockholms Zentrum, die nicht im Besitz der königlichen Familie sind. Sie ist die Art von Mensch, die nachts um drei plötzlich vor deiner Haustür steht, weil sie einen Ausflug machen will. Die mit dir durch den Regen tanzt und bei Sonne mit selbst gemachtem Eis oder Kuchen vorbeikommt. Und die ständig schwarzfährt, weil sie die hohen Nahverkehrspreise nicht einsieht. Sie hat nur das Glück, bisher nicht erwischt worden zu sein.
»Was ist mit ihm?« Fragend wirbelt Elisa herum und beugt sich so dicht zu mir, dass sie in mein Ohr sprechen kann.
»Wer?« Ich folge mit dem Blick ihrem Fingerzeig. Der Kerl, den sie meint, scheint Anfang bis Mitte zwanzig zu sein. Hellbraune Haare, dunkle Augen, schwarze Jeans und ein graues T-Shirt. Er bewegt sich auf eine Art im Takt der Musik, die verdammt sexy ist. Oder es liegt daran, dass er ziemlich trainiert ist. Der Stoff seines Shirts spannt über den Oberarmen, sein Bauch ist flach und an seinem Handgelenk trägt er ein schwarzes Armband. Alles an ihm ist dunkel und gleichzeitig auf faszinierende Art und Weise einladend. Ich verstehe, warum Elisa ihn mir vorgeschlagen hat. Der Kerl ist umwerfend. Und damit leider keine Option.
»Nein.« Ich schüttle den Kopf.
»Warum nicht?« Sie sieht mich fassungslos an. »Er ist der heißeste Mann im ganzen Club!«
»Eben.«
»Hä?« Sie runzelt die Stirn. »Wenn du mir zustimmst, verstehe ich nicht, wie du ihn ablehnen kannst.«
»Er ist zu schön.« Ich seufze leise. Eigentlich ist es völlig egal, wie er aussieht. Für die einmalige Sache, die ich plane, spielt sein Aussehen keine Rolle. Aber es kostet mich schon genug Überwindung, jemanden anzusprechen, der nur halb so gut aussieht wie er. Bei ihm könnte ich nicht ansatzweise genug Mut aufbringen.
»Komm mir jetzt bloß nicht damit, dass du Komplexe neben ihm kriegst.« Energisch piekt Elisa mir mit einem Finger in die Schulter. »Du bist selbst viel zu schön.«
»Danke?« Keine Ahnung, was ich dazu sagen soll. Ich war noch nie gut darin, Komplimente anzunehmen. Weil es sie in meiner Kindheit und Jugend nie gab. Alles war immer nur verbesserungswürdig. Oder maximal passabel.
»Jetzt geh rüber und sprich ihn an, bevor es eine andere tut.« Sie will mich in seine Richtung drängen, aber ich halte dagegen.
»Elisa …« Bedächtig schüttle ich ein weiteres Mal den Kopf. Das ist wirklich definitiv absolut keine gute Idee. Nicht er.
»Nein!« Sie sieht mich so eindringlich an, dass ich fast Angst vor ihr bekommen könnte, würde ich sie nicht so gut kennen. Elisa ist zwar manchmal etwas verrückt, aber sie ist auch der harmloseste Mensch der Welt. Zumindest, wenn sie nicht anfängt, von der neusten True-Crime-Serie zu erzählen, die sie gerade schaut. »Ehrlich, Nella. Es ist so verflucht mutig, was du vorhast. Also tu dir bitte selbst den Gefallen und lass dich nicht von irgendwelchen abstrusen Gedanken einschüchtern. Es ist zwar nur Sex.« Sie malt Anführungszeichen in die Luft. »Aber es ist dein erster Sex seit über zwei Jahren. Du hast es verdient, dass du den mit einem Kerl hast, der nicht nur ganz passabel aussieht. Sondern mit einem, der dich wirklich umhaut.«
»Das ist ganz schön oberflächlich«, protestiere ich halbherzig.
»Na und?« Sie zuckt mit den Schultern. »Jeder, der behauptet, Aussehen spiele keine Rolle, lügt. Ja, Charakter und Sympathie und die inneren Werte sind auf lange Sicht wichtiger. Aber die sind nun einmal nicht das Erste, was du von einem Menschen siehst. Tut mir leid, ich kann nichts dafür, dass es so ist.« Sie hebt ihre Hände, was gar nicht so einfach ist, weil sie in der einen immer noch ihren sonderbaren Cocktail hält. »Außerdem geht es gerade nicht darum, ob ich oberflächlich bin oder nicht.« Ihren Worten folgt ein vielsagender Blick. »Sondern darum, was du verdient hast. Und das ist nur das Beste. Also bitte, tu dir selbst den Gefallen und sprich ihn an.«
»Aber was, wenn er … doof ist?«
»Dann bedankst du dich für das Gespräch und wir suchen einen neuen Kandidaten. Der Abend ist jung.« Damit schiebt sie mich energisch auf ihn zu.
Ich mache automatisch ein paar Schritte, ehe ich stehen bleibe. Keine drei Meter von mir entfernt tanzt er und ist umgeben von einigen Frauen und ein paar Kerlen, die alle so aussehen, als hätten sie die Zeit ihres Lebens. Als fühlten sie die Musik in jeder Faser ihres Körpers, als feierten sie jeden einzelnen Augenblick.
Normalerweise würde ich jemanden wie ihn niemals ansprechen. Er ist beschäftigt, zu attraktiv und ich bin grundsätzlich ein viel zu großer Feigling dafür. Ich habe noch nie einen Mann aktiv angesprochen. Das haben immer entweder meine Freundinnen für mich übernommen oder die Kerle kamen auf mich zu.
Aber heute ist alles anders.
Zwei Jahre. Auf den Tag genau.
Es wird Zeit, diese viel zu lange Zeitspanne zu beenden. Egal, wie viel Mut es mich kostet. Denn das ist es, was ich heute sein muss. Mutig, weil ich fest davon überzeugt bin, nur mit neuen Erfahrungen die alten Erinnerungen überschreiben zu können.
Ich straffe meine Schultern und bereue es kurz, mir kein alkoholisches Getränk erlaubt zu haben, auch wenn ich weiß, dass es besser so ist. Klarer Kopf, Nella! Dann drücke ich Elisa meine leere Wasserflasche in die Hand und steuere schnurstracks auf ihn zu.
Er sieht mich nicht kommen, steht mit dem Rücken zu mir. Gott, ich habe keinen Plan, was ich tun soll, wenn ich bei ihm bin. Ich kann mich schlecht vor ihn hinstellen und sagen: Hey, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen komisch, aber würdest du mit mir schlafen? Falls du keine Lust hast, ist das auch okay, dann suche ich jemand anderen. No worries.
Mit einem Mal bin ich mir mit aller Deutlichkeit bewusst, wie bescheuert das hier ist. Ich kann nicht ernsthaft vor einem wildfremden Mann stehen und ihn fragen, ob er mit mir ins Bett geht.
Warum nicht?
Obwohl Elisa ein ganzes Stück weg ist, habe ich sofort ihre Stimme im Kopf....




