Weiler | Im falschen Film | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 224 Seiten

Reihe: Julchen ermittelt

Weiler Im falschen Film

Ein Hundekrimi vom Öresund
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-9825950-5-4
Verlag: edition croissant
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Hundekrimi vom Öresund

E-Book, Deutsch, Band 5, 224 Seiten

Reihe: Julchen ermittelt

ISBN: 978-3-9825950-5-4
Verlag: edition croissant
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Julchen ermittelt am Öresund. Der fünfte Fall führt die pfiffige Hündin und ihre Assistentin in die dänische Hauptstadt. Es ist Herbst und in Kopenhagen wird eine Frau vermisst. Ein gut situierter Mann beauftragt das Team mit der Suche. Julchens erster Auftrag! Leider weiß der Auftraggeber wenig über die Verschwundene und das Foto ist keine große Hilfe. Stammt die Frau aus Schweden? Julchen und ihre Assistentin dehnen die Recherchen bis nach Malmö aus. Während der Zugfahrt passiert es: eine Leiche auf der Öresundbrücke! Mitten im Chaos trifft das Team auf eine gute Bekannte. Polizistin Mette hat sich mitsamt Baby nach Kopenhagen versetzen lassen.

Die Buchautorin, Bloggerin und Journalistin zog 2010 vom Rheinland an die Küste. Auf ihrem mehrfach ausgezeichneten »Meerblog« berichtet sie über das Leben an der Nordsee und schreibt Geschichten vom langsamen Reisen in der Welt. Im Norden entstanden die ersten Romane der Serie "Julchen ermittelt" mit einem eigensinnigen Bearded Collie als Hauptfigur. Ein Hund, der weiß, was er will. Stark inspiriert von der echten besten Freundin der Autorin. Elke Weiler lebt mit Mann, Hund und Hühnern in Nordfriesland.
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1. Der Auftraggeber


Die Hennen pickten sorglos in der Morgensonne, als wir Møgeltønder verließen. Sie tanzten ihren Tschaka Dance, schmissen die Beine nach rechts, nach links, liefen zwei Schritte vor, einen zurück. Irgendwie war ich neidisch auf sie. Unsere Hühner lebten in den Tag hinein, hatten keinen Auftrag, keinen Job. Wenn ein Ei kam, war das gut. Wenn nicht, piepegal.

Monsieur stand winkend vorm Haus, daneben Ole, der zufällig oder absichtlich vorbeigekommen war um mitzuwedeln. Janni gab ein paar dunkle Wuffs von sich, die nicht misszuverstehen waren: »Keine Eskapaden, okay?«

Ich schnaubte zur Antwort und schritt wie eine torkelnde Diva über die Rampe in den hinteren Teil der Blechhöhle, wo ich mich grunzend niederließ. Nach einer mehrstündigen Tour, bei der man sich zwischendurch mal bewegen und an einer Raststätte mit umgebender Botanik herumschnüffeln konnte, war mir gerade überhaupt nicht. Lieber hätte ich mich zu den Hennen gesellt und ihnen beim Picken zugeschaut, während eine frische Brise unsere Nasen umwehte. Ein Gruß des Meeres! Mein Bedürfnis nach Entspannung war so groß wie der blaue Mond der letzten Nacht. Gemeinsam mit Madame hatte ich im Garten gestanden und das Ding am Himmel bewundert, während die Jungs schon schliefen, beziehungsweise anderweitig beschäftigt waren.

Auch meine Beste schien voller Zweifel zu sein, was unseren Städtetrip betraf. Dabei hatte unser Auftraggeber bereits eine beträchtliche Summe überwiesen, was uns ein wenig unter Zugzwang setzte. Eine hundefreundliche Unterkunft hatte er vorschnell gebucht. Kopenhagen Nordhavn!

Madame hatte allein die Aussicht auf ein schickes Panorama einen kleinen Schrei der Verzückung entlockt: Glitzerndes Wasser direkt vorm Fenster! Schiffe, die am Horizont entlangzogen. Gassis, untermalt vom Tuten der Fähren. Sie schwärmte und schwärmte. Mir schwante, dass sie dieses Kopenhagen mochte.

Aber lag die Stadt nicht am Öresund? Dabei handelte es sich quasi um die Ostsee. Dieses Plätscherwasser mit wenig Salz!

Ich hegte diesbezüglich keine großen Erwartungen. Mein Lieblingsmeer blieb die Nordsee. Frech und ungestüm, wie sie war. Diese Brandung! Ihr wisst ja, dass ich nie müde werde, mit dem wildesten aller Meere zu diskutieren. An laschen Fjorden und anderen Binnengewässern machte das einfach weniger Spaß. Und was den Fall betraf: Es schien sehr dringlich zu sein, dabei war nicht mal jemand umgekommen. Ein neuer Fall ohne Leiche. Unterschrieben und pfotensigniert hatten wir allerdings noch nichts.

*

Ein stattlicher Typ mit grauen Schläfen und piekfeinem Ersatzfell kam uns entgegen, als wir die Penthouse-Bude betraten. Rundherum verglaste Wände mit Blick auf die Stadt, den Hafen, funkelnagelneue Gebäude und Wasser.

Viel Wasser. Der elegante Auftragslutscher reichte Madame eine Hand. Er stellte sich als Mikkel vor und bat sie an einen Tisch von familiärem Ausmaß. Madame schien zu überlegen, auf welchem der diversen Designerstühle sie Platz nehmen sollte. Ich kannte meine Beste gut. Sie war drauf und dran, alle Stühle der Reihe nach auszutesten. Da musste ich kurz an das Kunstmuseum im heimischen Tønder denken. Beim vorigen Fall war ich auf der Suche nach Madame unbemerkt in der Oberetage gelandet. Inmitten einer nicht minder kuriosen Stuhlauswahl konnte ich die Aussicht auf die Stadt nicht so recht genießen. Akute Schwindelgefühle vermiesten mir den Ausflug. Lieber stieg ich gleich wieder in den Aufzug nach unten. Mein Lieblingsort im Kunstmuseum war eh der blaue Kuppelraum. Perfekt für Jodelproben, sage ich nur. Natürlich alles für euch getestet.

Dieser Mikkel schien die schönen Künste jedenfalls zu lieben, die Bude wirkte wie das reinste Museum. Opulente Farbklecks-Szenarien zierten die Wände ebenso wie Fotografien, deren Sujets nur schwer zu identifizieren waren.

Madame hatte sich inzwischen für einen Stuhl entschieden und sah sich interessiert um, während Mikkel ihr Tee und Gebäck anbot. Der Chefermittlerin hingegen wurde noch nicht mal eine Schale Wasser gereicht, was ich mit einem Laut des Unmuts quittierte.

Unser Klient bekam gerade nichts mit. Er machte sich in einem anderen Raum zu schaffen und kam mit einem verglasten Teil in der Hand zurück.

»Ich habe leider nur dieses Foto von ihr.« Der Typ entfernte den Rahmen und reichte Madame das Bild.

Durfte die Chefermittlerin vielleicht auch einen Blick auf das Foto werfen? Einen weiteren akustischen Einwurf konnte ich mir nicht verkneifen.

Der Ignorant blickte von Madame zu mir und wieder zurück.

Er verzog keine Miene. Bestimmt wollte er meiner Besten zu mehr Disziplin zu raten, zu ebenso langweiligen wie unnützen Regeln, die nur einem Lutscherhirn entspringen konnten. Es gab genug von diesen Typen, die dachten, alles mit Strenge und diesem Erziehungskram ausrichten zu können, quasi das ganze Leben. Und dann wunderten sie sich tatsächlich, wenn etwas anders lief. Außerplanmäßige Dinge brachten sie aus dem Konzept, sie lähmten sie.

»Er braucht die volle Kontrolle, um sich sicher zu fühlen«, kam prompt eine erste Einschätzung von Mademoiselle Julie. Hallo Psychotante! Lange nichts gehört.

Vermutlich lag sie richtig. Ich erhob mich und lief für eine olfaktorische Einordnung auf den Mann zu. War er trotz fortgeschrittenen Alters eher der ängstliche Typ, der schnell die Contenance verlor?

Als ich mich näherte, bat er Madame mich zurückzupfeifen.

Na, was dachte er denn, wie wir arbeiteten?

»Es wäre nett, wenn du ihr eine Kontaktaufnahme erlauben würdest. Wir arbeiten und entscheiden im Team«, klärte die beste aller Assistentinnen ihn auf.

Eben. Wir konnten die ganze Sache an dieser Stelle knicken und uns ein paar schöne Tage in Kopenhagen machen. Kohle hin, Aussicht her.

Er rutschte ein wenig auf seinem Sessel herum, als ich mich näherte, und ließ ein vorsichtiges Schnuppern zu. Als meine Nase seine Hand leicht berührte, winselte er um Gnade.

Schließlich wäre er kein Krimineller, sondern unser werter Auftraggeber. Mikkel rang sich ein kurzes Lächeln ab und blickte gleich wieder ernst drein. Ich also des lieben Friedens willen zurück zu meiner Assistentin. Außerdem wollte ich einen Blick auf besagtes Foto werfen. Sie kapierte das gleich und hielt mir eine Schwarzweißaufnahme mit scharfen Kontrasten hin. Das Ganze wirkte eher wie Kunst denn wie ein aussagefähiges Foto. Man sah eigentlich nur den Rücken der mutmaßlich Verschwundenen, ihr hübsches langes Kopffell, das im Wind wehte, und ein sommerliches Kleid, ebenfalls in Bewegung. Keine Beine, kein vernünftiges Profil, nichts. Das Bild schien auf einem Boot gemacht worden zu sein. Unscharfes Wasserglitzern im Hintergrund.

»Du hast kein Bild von vorne?« Madame runzelte die Stirn, sie verfügte über ein sogenanntes offenes Gesicht. Ein bisschen Fell vor den Augen hätte ihre Gedanken besser geschützt.

Der Typ schüttelte den Kopf.

»Das Foto hast du gemacht? Bist du Fotograf? Es ist sehr ästhetisch.« Mikkel schien sich geschmeichelt zu fühlen. »Danke dir. Ich bin Hobbyfotograf. Im Hauptberuf arbeite ich als Architekt, aber das ist für euch nicht von Interesse. Bitte lasst meinen Namen in der Sache unerwähnt, vor allem gegenüber der Presse.« Madame sagte dies leichtsinnigerweise zu, ohne mit mir Rücksprache zu halten. Was, wenn der Typ Dreck am Stecken hatte? Leichen unter frisch gegossenem Beton. Ich hoffte, ihm war wenigstens bewusst, dass die zugehörige Industrie bei der Erderwärmung kräftig mitmischte?

Mademoiselle Julie fluchte leise vor sich hin.

»Architekt in Kopenhagen, interessant«, vernahm ich nun seitens Madame, die lieber an ihre Kunstgeschichte als an die Klimakrise dachte.

»Hast du auch Gebäude in Nordhavn entworfen?«

Mikkel nickte fast unmerklich und sah aus dem Fenster. Es war klar wie Kloßbrühe, dass er nicht drüber reden wollte.

Vermutlich saßen wir gerade in einem seiner Entwürfe.

»Hauptsache, der kracht nicht ein«, ließ die sonst gar nicht so witzige Mademoiselle Julie verlauten.

»Okay. Hast du den Namen der Frau für uns?«

»Ehrlich gesagt, weiß ich nur, dass sie Freya mit Vornamen heißt. So hat sie sich mir vorgestellt.«

Großgütiger Auftraggeber, wir hatten also ein Frisurenbild und einen nicht verifizierten Vornamen. Wie zur Ackergülle sollten wir diese Person finden, wenn wir sie nicht identifizieren konnten?

Madame wurde langsam ungeduldig. Einer ihrer Füße wippte, wie aus Bodenperspektive unschwer zu erkennen war. Meine Assistentin blickte erneut auf das Foto, dann fragte sie Mikkel: »In welcher Beziehung steht ihr zueinander?«

»Wir kannten uns flüchtig, fühlten uns jedoch einander verbunden. Ich erzähle dir, beziehungsweise euch …«, jetzt blickte er mich widerstrebend an, als wäre es ein Unding, mit einem Hund zu schnacken, »… gerne die ganze Geschichte.«

Mikkel holte tief Luft und setzte an.

»Ich weiß...


Weiler, Elke
Die Buchautorin, Bloggerin und Journalistin zog 2010 vom Rheinland an die Küste. Auf ihrem mehrfach ausgezeichneten 'Meerblog' berichtet sie über das Leben an der Nordsee und schreibt Geschichten vom langsamen Reisen in der Welt. Im Norden entstanden die ersten Romane der Serie "Julchen ermittelt" mit einem eigensinnigen Bearded Collie als Hauptfigur. Ein Hund, der weiß, was er will. Stark inspiriert von der echten besten Freundin der Autorin. Elke Weiler lebt mit Mann, Hund und Hühnern in Nordfriesland.



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