E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Weiner Big Summer
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-95762-291-4
Verlag: Lago
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Spannende Sommerlektüre über toxische Freundschaften
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
ISBN: 978-3-95762-291-4
Verlag: Lago
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sechs Jahre nach dem Streit, der ihre Freundschaft beendete, ist Daphne schockiert, als Drue wieder in ihr Leben tritt, so hübsch und erfolgreich wie eh und je, und sie um einen großen Gefallen bittet: Daphne soll ihre Trauzeugin werden. Drue war immer diejenige, die alles hatte - von allen vergöttert. Doch inzwischen ist Daphne nicht mehr dasselbe zurückhaltende Mauerblümchen, das sie in der Highschool war. Sie hat sich ein Leben aufgebaut, das sie liebt, einschließlich einer wachsenden Karriere als Plus-Size-Influencerin. Die glamouröse, verführerische Drue wieder in ihr Leben zu lassen, ist riskant, die Bitte kommt aber mit einer Einladung, ein Wochenende in einer Villa am Wasser zu verbringen. Als Drue bettelt und fleht und süße Single-Männer in Aussicht stellt, ist Daphne so machtlos wie immer, dem Sirenengesang ihrer Freundin zu widerstehen.
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Kapitel sieben
Am dritten Freitag im Juni stieg ich schließlich von der Fähre, die mich nach Provincetown, Massachusetts, und somit direkt an die Spitze von Cape Cod gebracht hatte. Die Luft war frisch und angenehm salzig, und der Himmel strahlte in einem reinen Dunkelblau, über das hübsche flauschig-weiße Wolken zogen. Ein Steg führte ins Wasser, und Motorboote und Segelyachten lagen ein Stück vom Ufer entfernt vor Anker oder durchschnitten weiter draußen die sanften Wellen. Bunte Segel blähten sich im Wind. Das Wasser schwappte leise an den goldenen Sandstrand, und die Wettervorhersage verhieß noch mehr davon: sieben klare, sonnige Tage mit kühlen, sternenklaren Nächten. Perfekt. Weil Drue Lathrop Cavanaugh nichts anderes als Perfektion verdient hatte.
Wir blieben noch eine Weile am Steg, damit eine Frau aus Drues Fotografenriege auf dem Bretterboden in die Hocke gehen und Fotos mit ihrer Kamera machen konnte. Und anschließend auf Drues Bitte hin auch mit unseren Handys. Ich hatte ein weiteres Stück von Leef für die Reise gewählt, einen Prototyp, der noch nicht einmal in Produktion gegangen war. Es handelte sich um ein Neckholder-Kleid aus marineblauer Seide mit einem knielangen Rock, der herrlich im Wind tanzte. Dazu trug ich einen blauen Strohhut und rote Lippen und fühlte mich extrem seefahrerisch, wenn nicht sogar ein wenig overdressed, denn Drue trug lediglich abgeschnittene Shorts, ein ausgebleichtes Lathrop-Shirt und Flip-Flops. »Ich werde das ganze restliche Wochenende im Korsett und in Highheels verbringen. Ich bleibe leger, so lange es geht«, hatte sie gemeint.
Eine Limousine holte uns und unser Gepäck vom Ende des Steges ab, und wir nahmen die zwanzigminütige Fahrt nach Truro in Angriff. Edward Hopper hatte in dem Städtchen westlich von Provincetown gelebt und gemalt, und die Familie von Drues Mutter verbrachte dort seit Generationen die Sommerferien.
»Stuart und ich hatten überlegt, in den Hamptons zu heiraten, aber das wäre so vorhersehbar«, meinte Drue. »Außerdem gibt es hier viel mehr Spielraum, was am Strand erlaubt ist und was nicht. Warte nur auf die Party heute Abend.« Sie vollführte einen Shimmy auf dem Rücksitz und grinste.
Fünfzehn Minuten später rollte die Limousine eine lange Auffahrt hinauf, die von zerstoßenen weißen Muscheln gesäumt wurde, und hielt vor einem modernen, mit silbrigen Zedernholzschindeln verkleidetem Haus. Es gab eine Terrasse mit eingelassenem Swimmingpool und einem Whirlpool vor dem Haus, die von Rosen- und Hortensienbüschen, Töpfen mit rotem und violettem Springkraut und zahllosen Sonnenliegen mit dunkelblauen Auflagen und blau-weiß-gestreiften Sonnenschirmen umgeben waren. Drue führte mich ins Haus und eine kurze Treppe hinauf.
»Ihre Suite, Madam«, meinte sie und öffnete feierlich die Tür.
Ich trat ins Zimmer. »Wirklich?«, fragte ich und sah mich um. »So richtig wirklich?«
»Jap!« Sie drückte meine Schulter. »Alles deins.«
Das Zimmer war riesig und hell, mit einer hohen Decke und einem hellen Holzboden, der auf Hochglanz poliert war. Das Bett war mit reinweißen und blauen Laken bezogen, und es gab mehr Kissen, als zwei Leute (oder auch vier oder fünf) gebrauchen konnten. Das Bad befand sich links vom Bett und wurde von einer blau gefärbten Rauchglaswand mit eingelegten, wellenförmigen Holzschnitzereien vom restlichen Raum getrennt. Auf der anderen Seite führten die deckenhohen Fenster und eine Tür auf eine private Terrasse mit einem runden, mit weißem Stoff bezogenen Ruhebett und rechteckigen Blumentöpfen voller Lavendel und noch mehr Hortensien. Seitlich wurde die Terrasse von einer Wand aus Buchsbäumen begrenzt, und obwohl die Glasschiebetür geschlossen war, hörte ich das Rauschen und Grollen des Ozeans.
»Gefällt es dir?« Drue klatschte in die Hände. »Sag, dass es dir gefällt!«
Ich drehte mich langsam im Kreis. »Es ist unglaublich.«
»Sieh dir das mal an!« Sie führte mich hinaus auf die Terrasse und durch eine rote Holztür in der Mitte der Buchsbaumhecke. Hinter der Hecke versteckt befand sich ein weiterer Whirlpool mit mehreren Sonnenliegen, einem Cocktail-Tisch und einem Stapel flauschig-weißer Handtücher. »Man kommt von deinem und von meinem Zimmer hierher.« Sie zwinkerte mir zu. »Häng einfach eine Socke über die Türklinke, falls du Besuch hast.«
»Ja, ja.«
»Hey, Hochzeiten bringen Leute in romantische Stimmung! Man kann nie wissen.«
Ich drehte mich erneut im Kreis, und mein Blick wanderte über die Bucht, den Whirlpool und das Haus, in dem ich übernachten würde. »Es ist fantastisch.«
»Ich will einfach, dass du glücklich bist.« Drue legte von hinten einen Arm um meine Mitte und zog mich zurück, sodass sie ihre Wange auf meinen Scheitel legen konnte. »Ich bin so froh, dass du hier bist. Dass du dich einverstanden erklärt hast.«
Ich erlaubte mir, mich an sie zu lehnen, und roch ihre Haare und ihr Parfum. Sie ist dein Kryptonit, hatte Darshi gesagt. Doch dann hauchte Drue ein leises »Danke«, und meine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Vielleicht hatte sie sich wirklich verändert. Vielleicht tat ich das Richtige.
Am Strand unter uns schwirrten Arbeiter umher und bauten eine Reihe von Zelten auf. Die Hochzeitszeremonie würde in einem ein paar Kilometer entfernten Weingut stattfinden, doch das heutige Probe-Dinner und das Fotoshooting vor der Hochzeit sollten am Strand stattfinden. Nachdem es in Truro keine schicken Hotels gab, hatten die Cavanaughs nicht nur das beste Hotel in Provincetown gekapert, sondern auch ein halbes Dutzend Privathäuser in der Nähe des Familiensitzes gemietet, in denen die Hochzeitsgesellschaft und die Familie unterkommen würden. Zu diesem Anlass hatte jedes Haus einen Namen bekommen. Drue und ich wohnten im Sea Star, einem zweistöckigen Wohnhaus mit vier Schlafzimmern. Unsere Zimmer befanden sich im ersten Halbstock, und von den beiden Schlafzimmern im Erdgeschoß wurde das größere als Beautysalon/ Frisierzimmer/Ankleidezimmer genutzt. Es gab Massagetische, Spiegel und einen Kippstuhl mit Dampfmaschine für Drues Kosmetikerin/Brautjungfer Minerva. Das oberste Stockwerk war ein einziger großer Raum, in dem Küche, Ess- und Wohnzimmer vereint waren und durch dessen deckenhohe Fenster man einen herrlichen Blick auf die Bucht hatte. Die Caterer hatten den Bereich als Besucherlounge eingerichtet, in der das Frühstücks-, Mittags- und Abendbüfett frei zugänglich war und es zwischendurch auch Snacks und eine den ganzen Tag über geöffnete Bar gab.
Stuart und seine Freunde wohnten nebenan in einem Haus namens Sea Breeze. Drues Eltern und Großeltern mütterlicherseits schliefen im Haus der Familie, das den Namen Sea Glass erhalten hatte. Weniger wichtige Gäste waren in drei weiteren Häuser untergekommen (»Wobei man von einem der Häuser nicht einmal das Meer sieht«, hatte Drue mir zugeflüstert).
Vor meinem riesigen Bett stand eine Holzbank, deren Sitzfläche aus Seegras gewebt war. Darauf thronte ein riesiger, mit Bändern geschmückter Willkommenskorb mit der Aufschrift »#DrueAndStu«.
Er war voller Goodies, die Drue und ich nach endlosen Diskussionen ausgewählt hatten. Eine Flasche Wein, eine Flasche Prosecco, geröstete und kandierte Nüsse, Plätzchen und Cracker, eine Auswahl an getrockneten Früchten, getrockneter Lachs und Blaufisch-Pastete, in Goldfolie verpackte Schoko-Trüffeln, ein Erste-Hilfe-Kit bei Kater – mit Ibuprofen, Alka-Seltzer, und einem pflanzlichen Schmerzmittel – und Kondome (»Falls Stuarts Freunde übermütig werden«, hatte Drue zwinkernd erklärt).
Im Badezimmer gab es Seifen, Peelings, Badebomben mit Monogramm, Einwegrasierer, Zahnbürsten, Zahnpasta, Mundspülung, Haarspray, Haarschaum und Haarklammern und praktisch auch allem anderen, was die Gäste womöglich vergessen hatten. (»Der nächste Drogeriemarkt ist in Provincetown.«)
Und auch ich hatte einige Goodies beigesteuert – zum Beispiel kleine, mit Lavendel-Verbene gefüllte Duftsäckchen, die ich mit einem silbernen Band verschlossen und mit Drues und Stus Monogramm bestickt hatte.
Im Korb steckte zwischen den Käsestangen und den getrockneten Aprikosen auch eine Karte mit den wichtigsten Terminen am Hochzeitswochenende und der goldenen Überschrift WILLKOMMEN. Ich zog sie heraus und las. »Es gibt eine eigene Hochzeits-App?«
»Ja. Man kann Termine checken und auf ein Verzeichnis der Treffpunkte und der verschiedenen Hashtags zugreifen. Aber jetzt komm!« Drue zog den Prosecco aus dem Korb und mich auf die Füße. »In drei Stunden beginnt die Party! Wir müssen uns zurechtmachen! Und vorglühen!«
»Moment, ich muss noch die App runterladen!«, protestierte ich, während Drue so tat, als wollte sie mich zur Tür zerren. Das Meer hob wie immer meine Stimmung, und Drues Begeisterung, die herrliche Umgebung und der Koffer voller Kleider, für deren Präsentation ich auch noch Geld bekam, machten es unmöglich, nicht glücklich zu sein.
»Komm schon. Du kennst den Ablauf wahrscheinlich besser als ich.«
Ich war mir zwar nicht sicher, ob das stimmte, aber ich kannte wenigstens die Grundzüge. Heute Abend gab es das Probe-Dinner mit einem gemeinsamen Muschelessen am Strand. Morgen früh konnten die Gäste zum Paddleboard-Yoga, und anschließend trafen sich die weiblichen Gäste in unserem Haus zum Brunch und die Männer nebenan bei Stuart. Danach wurden wir frisiert und geschminkt und mussten schon mal in unsere Kleider schlüpfen, denn der Fotograf erwartete uns um Punkt siebzehn Uhr am Strand, wenn die untergehende Sonne die Luft rot und orange und golden färbte. (»Die Sonnenuntergänge auf Cape Cod sind magisch!«, hatte Drue mir vorgeschwärmt, und ich hatte lieber nicht erwähnt,...




