Weinstein | Star Trek - The Next Generation: Die Macht der Former | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 0 Seiten

Weinstein Star Trek - The Next Generation: Die Macht der Former

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11544-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-11544-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein seltsames Energiefeld entführt den Captain!

Domarus IV ist als Planet ohne intelligentes Leben klassifiziert - ein ideales Studienobjekt für die Kadetten der Starfleet Academy. Als das Shuttle einer Einsatzgruppe mit Data, Counselor Troi und Wesley Crusher an Bord zur Enterprise zurückkehren will, wird es von einem Raumschiff der Teniraner abgefangen. Diese wollen Domarus IV kolonisieren. Um Picard zum Einlenken zu zwingen, halten sie das Shuttle fest, bis es in einem unerklärlichen Energiephänomen verschwindet. Picard macht die teniranische Kommandantin Arit dafür verantwortlich. Doch mitten in einer Auseinandersetzung verschwinden die beiden Raumschiffkommandanten ebenfalls ...

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Kapitel 1


»Ich mag es ganz und gar nicht, wenn man mir Handschellen anlegt, Jean-Luc.«

Captain Picard seufzte. »Wie meinen Sie das, Dr. Crusher?« Die Bordärztin hatte das Kinn herausfordernd vorgeschoben, und ihr Gebaren deutete darauf hin, dass sie sich von jemandem oder etwas beleidigt fühlte. Darüber hinaus vermittelte ihre Körpersprache folgende Botschaft: Sie wollte den Bereitschaftsraum erst verlassen, wenn sie eine zufriedenstellende Antwort bekommen hatte.

Picard besann sich auf die Tugend der Geduld, faltete die Hände und wusste, dass er nicht lange auf die Einzelheiten warten musste. Beverlys Brauen zogen sich wie Gewitterwolken zusammen. Los geht's …

»Ich drehe nicht gern Däumchen, während Patienten leiden – und ich habe nicht vor zu warten, bis jemand anders ihnen hilft.«

Picard deutete zur Couch jenseits des Schreibtischs und versuchte gleichzeitig, den Grund für Dr. Crushers Zorn zu erahnen.

Als die Ärztin Platz nahm, bemerkte sie das kleine holographische Sonnensystem hinter dem Captain. Mindestens drei Dutzend Objekte glitten hin und her: Planeten, Monde, Asteroiden und winzige Raumschiffe. »Meine Güte, was ist das denn?«

»Hm?« Picard drehte den Kopf und sah zum projizierten kosmologischen Chaos. »Oh, ein navigationstechnisches Rätsel, das mich schon seit einer ganzen Woche beschäftigt. Ich gebe nicht auf und versuche noch immer, es zu lösen. Computer, aktuelle Konfiguration speichern.« Das Hologramm verschwand, und daraufhin wandte sich der Captain Beverly zu. »Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie deshalb empört sind, weil Sie die Anweisung erhielten, zehn verletzte Arbeiter vom Chezrani-Außenposten aufzunehmen?«

»Ja, das stimmt. Die Enterprise soll sie zum nächsten Starbase-Hospital bringen. Mit dieser Order gibt uns Starfleet zu verstehen, dass man dieses Schiff für eine Art Krankenhaus hält – und das medizinische Personal an Bord für Krankenpfleger.«

»Doktor, ich glaube kaum …«

»Nie zuvor kam es zu einer Kontamination durch Ridmium-Partikel«, unterbrach die Ärztin den Kommandanten. »Die medizinische Fachliteratur enthält keine Angaben in Hinsicht auf wirkungsvolle Behandlungsmethoden.«

»Sind Sie der Ansicht, dass die Patienten in Starbase 96 nicht mehr Hilfe erwarten dürfen als in Ihrer Krankenstation?«

Dr. Crusher ballte die Fäuste. »Nein. Ich halte es nur für absurd, nichts zu unternehmen. Zweifellos kann ich den Kranken schon hier an Bord der Enterprise helfen. Ich denke dabei an genauere Untersuchungen. Bisher wissen wir nur, dass sich Ridmium aufs Immunsystem auswirkt.«

»Ah. Und wenn ich mich recht entsinne, gehören immunologische Forschungen zu Ihrem Spezialgebiet.«

»Ja, Jean-Luc. Und meine Mitarbeiter sind ebenso tüchtig wie …«

»Sie rennen offene Türen ein«, sagte Picard in einem beruhigenden Tonfall. »Wir brauchen ungefähr sechsunddreißig Stunden für den Flug vom Chezrani-System zur Starbase 96. Ich sehe keinen Grund, warum Sie diese Zeit nicht dem Bemühen widmen sollten, eine Behandlungsmethode zu finden.«

Beverly wirkte tatsächlich besänftigt. Zumindest ein Teil des Ärgers verflüchtigte sich. »Das war ohnehin meine Absicht. Ich wollte mir nur Ihrer Unterstützung sicher sein.«

»Die haben Sie immer. Sie wissen doch, wie viel ich von Ihren beruflichen Fähigkeiten halte.«

»Bei Starfleet scheint man an meiner Kompetenz zu zweifeln«, schmollte Beverly.

»Ich bezweifle, dass Sie dort den Ruf eines Quacksalbers genießen.«

»Wer hat von ›Quacksalbern‹ gesprochen?«, erwiderte Dr. Crusher, und neuer Zorn entflammte in ihr.

Picard stand auf, ging um den Schreibtisch herum und blieb vor der Ärztin stehen. »Man hat Sie zur Leiterin der medizinischen Abteilung von Starfleet ernannt, Beverly. Könnte man Ihnen ein größeres Kompliment machen?«

Dr. Crusher seufzte einmal mehr und lehnte sich auf der Couch zurück. »Vermutlich haben Sie recht, Jean-Luc. Vielleicht ist meine Reaktion übertrieben.«

»Ich glaube, es geht dabei nicht nur um die Patienten. Es gibt auch noch etwas anderes, das Sie belastet.«

Die Ärztin lächelte schief. »Wagen Sie sich jetzt in Counselor Trois Revier vor?«

Picard lächelte ebenfalls. »Dazu fehlt mir die betazoidische Empathie. Wie dem auch sei: Auch wir einfachen Raumschiff-Kommandanten entwickeln im Lauf der Zeit eine gewisse Sensibilität, wenn es um die Stimmungen und Sorgen der Besatzungsmitglieder geht.«

Jean-Lucs indirekte Aufforderung, die Bürde der Sorgen hier im Bereitschaftsraum abzustreifen, war sehr verlockend. Dennoch schüttelte Beverly den Kopf. »Ach … Sie würden es nicht verstehen.«

»Stellen Sie mich auf die Probe.«

Dr. Crusher überlegte, blieb jedoch stumm. Während sie schwieg, dachte Picard darüber nach, ob er weiterhin auf einer Auskunft beharren sollte. Er mochte und respektierte Beverly Crusher, was jedoch nicht bedeutete, dass er ihr inneres Wesen verstand. Sie konnte wechselhaft, stur und skeptisch sein, wurde damit jenem Psycho-Profil gerecht, das man mit Rothaarigen in Verbindung brachte. Aber in ihr verbarg sich noch viel mehr. Vielleicht war es alles andere als ratsam, Beverlys ganz persönliche Dämonen kennenzulernen.

Andererseits: Es handelte sich nicht nur um einen Offizier, der Vertrauen verdiente, sondern auch um einen Freund. Ob ratsam oder nicht – Jean-Luc hielt es für seine Pflicht, ihr die Chance zu geben, von ihren Problemen zu erzählen.

»Ich weiß, dass Sie sich normalerweise Counselor Troi anvertrauen«, sagte der Captain. »Angesichts der gegenwärtigen Umstände dachte ich, dass Sie vielleicht bereit sind, mit mir vorliebzunehmen. Wenn ich raten darf … Beziehen sich Ihre Sorgen auf Wesley?«

»Lieber Himmel – bin ich so leicht zu durchschauen?« Die Verblüffung verschwand aus Beverlys Zügen und wich einem sanften Schmunzeln. »Es ist seltsam, Jean-Luc. Als ich das Angebot der medizinischen Sektion Starfleets annahm und zur Erde zurückkehrte, war ich dauernd besorgt, weil ich nicht wusste, was mein Sohn anstellte. Jetzt bin ich wieder an Bord der Enterprise und weiß, auf welche Weise Wes seine Zeit verbringt – doch die Sorgen bleiben. Als Mutter befindet man sich in diesem Zusammenhang in einer ausweglosen Lage.«

»Ich verstehe Ihre Situation besser, als Sie glauben«, entgegnete Picard, und in seinen Augen funkelte es amüsiert, als er sich auf die Schreibtischkante setzte.

»Hm. Ich schätze, um ein guter Captain zu sein, benötigt man auch eine Art Mutterinstinkt.« Beverly schüttelte den Kopf, stand auf und begann mit einer unruhigen Wanderung durch den Bereitschaftsraum. »Ich weiß, dass Wesley nicht zum ersten Mal einer Einsatzgruppe angehört, die außerhalb des Schiffes tätig ist. Das rufe ich mir immer wieder ins Gedächtnis zurück. Aber bisher befand sich die Enterprise immer im Orbit des jeweiligen Planeten. Es geschieht nun zum ersten Mal, dass Wes auf einer Welt tätig ist, während wir ganz woanders sind.«

»Glauben Sie, ihn auf Domarus Vier im Stich gelassen zu haben?«

»So etwa fühlte ich mich.«

»Beverly, Ihr Sohn ist alles andere als hilflos«, betonte Picard mit sanftem Nachdruck. »Zwei andere Akademie-Kandidaten leisten ihm Gesellschaft, ganz zu schweigen von Data und Troi. Und ihnen steht ein Shuttle zur Verfügung.«

Dr. Crusher versuchte, gegen den Kummer anzukämpfen, ihn in einen fernen Winkel ihres Selbst zu verdrängen, aber es gelang ihr nicht. Emotionale Düsternis dehnte sich in ihr aus, und ihre Stimme bebte, als sie erwiderte: »Ich weiß. Ich weiß auch, dass bald ein Rendezvousmanöver stattfindet. Es dauert nur noch eine Stunde oder so bis zur Rückkehr der Einsatzgruppe. Mir ist auch klar, dass Wes irgendwann einmal an Bord eines anderen Raumschiffs unterwegs sein wird und ich nicht in der Lage bin, ihn ständig im Auge zu behalten. Die Stimme der Vernunft weist mich immer wieder darauf hin, dass Vergleiche zwischen Wesley und Jack keinen Sinn haben …«

Der Captain versteifte sich unwillkürlich, als Beverly ihren Ehemann erwähnte, der vor Jahren unter Picards Kommando gestorben war. Er hoffte, dass seine Reaktion der Ärztin verborgen geblieben war. Sie wandte den Blick ab und bedauerte ganz offensichtlich, Jacks Namen genannt zu haben. Worauf basierte ihr Bedauern? Auf dem tief in ihr verwurzelten Widerstreben, Parallelen zwischen dem Schicksal des Vaters und der Zukunft des Sohnes zu sehen? Oder auf dem Wissen, Picard an seine Schuldgefühle in Bezug auf Jacks Tod erinnert zu haben?

Jean-Luc fand keine Antwort auf diese Fragen. Eines stand fest: Ein Captain vergaß nie den Tod eines Kameraden. Das wusste niemand besser als Beverly Crusher. Sie hatte damals das Leid in Picards Augen gesehen, als er Jacks Leiche heimbrachte. Und als Erster Medo-Offizier der Enterprise sah sie immer dann ein Echo jenes Schmerzes, wenn sie ihm den Tod eines Besatzungsmitglieds melden musste.

Doch in Hinblick auf Jack hatten sie ihre Empfindungen nie einer gründlichen Analyse unterzogen. Deshalb befand sich Jacks Geist noch immer an Bord, obwohl Beverly schon seit Jahren zu Picards Crew gehörte.

Sie trachtete danach, die eigene Verlegenheit zu überwinden. »Ich habe es nicht so gemeint … Oh, verdammt, ich habe es so gemeint. Ich sage mir dauernd: Jacks Tod bei einer Mission im All bedeutet nicht, dass es meinem Sohn ebenso ergehen wird. Aber hier drin …« Sie hob die Hand zum Herz. »Hier drin verharren Furcht und Zweifel.«

»Früher oder später...


Brandhorst, Andreas
Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, hat mit Romanen wie »Äon«, »Das Erwachen« oder »Das Schiff« die deutsche Science-Fiction-Literatur der letzten Jahre entscheidend geprägt. Spektakuläre Zukunftsvisionen verbunden mit einem atemberaubenden Thriller-Plot sind zu seinem Markenzeichen geworden und verschaffen ihm regelmäßig Bestsellerplatzierungen. Zuletzt sind bei Heyne seine Thriller »Der Riss« und »Messias« erschienen. Andreas Brandhorst lebt im Emsland.



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