E-Book, Deutsch, Band 2
Weis / Hickman Der Krieg der Zwillinge
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-641-23854-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman - Eine Legende unter den Fantasy-Klassikern! Jetzt als überarbeitete Neuausgabe.
E-Book, Deutsch, Band 2
Reihe: Die Legenden der Drachenlanze
ISBN: 978-3-641-23854-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Klerikerin Crysania ist bereit alles zu opfern, um die Seele des dunklen Magiers Raistlin zu retten. Dadurch bemerkt sie nicht, dass er sie nur benutzt, denn er benötigt die Unterstützung einer Klerikerin, um ins Reich der Drachenkönigin Takhisis eindringen zu können. Auf ihrem eigenen Territorium will Raistlin der dunklen Herrscherin entgegentreten und ihren Platz einnehmen. Doch er hat seine Pläne ohne seinen Zwillingsbruder Caramon gemacht – und natürlich ohne den Kender Tolpan Barfuß, der um jeden Preis verhindern will, dass sein alter Freund ein finsterer Gott wird.
Die Drachenlanze-Saga ist zeitloser Fantasy-Kult: Lesen Sie, wie alles in der »Chronik der Drachenlanze« begann und verpassen Sie nicht dieneue Trilogie »Ddas Schicksal der Drachenlanze«.
Dieser Roman ist früher bereits geteilt unter den Titeln »Der Krieg der Brüder« und »Die Königin der Finsternis« erschienen.
Margaret Weis und Tracy Hickman gehören zu den beliebtesten und meistgelesenen Fantasy-Autor*innen der Welt, seit sie Mitte der 80er Jahre mit der unvergessenen »Chronik der Drachenlanze« den Grundstein der vielschichtigen und noch immer wachsenden Drachenlanze-Saga gelegt haben. Zwar haben sie sich gelegentlich – teils gemeinsam, teils allein – auch anderen Projekten zugewandt, doch sie sind immer wieder ins Reich der Drachenlanze zurückgekehrt wie mit ihrer neuen Trilogie »Das Schicksal der Drachenlanze«.
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3
Die Frau nannte ihn Raistlin.«
»Aber dann Fistandantilus.«
»Wie können wir sicher sein? Er ist nicht durch den Eichenwald gegangen, wie vorhergesagt wurde. Er ist nicht mit Macht gekommen. Und die anderen? Er sollte allein kommen.«
»Aber spür doch seine Magie! Ich wage nicht, ihm die Stirn zu bieten …«
»Nicht einmal bei dieser reichen Belohnung?«
»Der Blutgeruch hat dich in den Wahnsinn getrieben! Wenn er es nun wirklich ist, und er findet heraus, dass du dich an seinen Erwählten geweidet hast, wird er dich in die ewige Dunkelheit zurückschicken, wo du immer von warmem Blut träumen, es aber niemals wieder kosten wirst.«
»Und wenn wir versagen in unserer Pflicht, diesen Ort zu bewachen, dann wird sie in ihrem Zorn kommen und uns dieses Schicksal angenehm erscheinen lassen.« Schweigen. Dann: »Es gibt einen Weg, wie wir uns überzeugen können …«
»Das ist gefährlich. Er ist geschwächt, wir könnten ihn töten.«
»Wir müssen es aber wissen. Soll er doch lieber sterben, als dass wir in unserer Pflicht gegenüber Ihrer Dunklen Majestät versagen!«
»Ja … Sein Tod könnte erklärt werden. Sein Leben vielleicht nicht.«
Ein kalter Schmerz bohrte sich wie Eissplitter in die Schichten seines Unbewussten, stach in sein Gehirn. Raistlin wand sich in seinem Griff, kämpfte durch den Nebel der Krankheit und Erschöpfung, um das Bewusstsein wiederzuerlangen. Er schlug die Augen auf. Furcht erstickte ihn fast, als er zwei blasse Köpfe über sich schweben sah, deren Augen ihn aus unermesslicher Dunkelheit anstarrten. Ihre Hände lagen auf seiner Brust – es war die Berührung eisiger Finger.
Als er in diese Augen sah, wusste der Magier, was sie suchten, und er wurde von plötzlichem Entsetzen ergriffen. »Nein«, sagte er atemlos. »Ich will das nicht noch einmal erleben.«
»Du wirst es. Wir müssen es wissen!«, war ihre Antwort.
Wut über diese Ungeheuerlichkeit erfasste Raistlin. Einen Fluch knurrend, versuchte er sich loszureißen. Aber es war sinnlos. Seine Muskeln verweigerten den Gehorsam, ein Finger zuckte, weiter nichts.
Zorn, Schmerz und bittere Enttäuschung ließen ihn aufschreien, aber es war ein Ton, den niemand hörte – nicht einmal er selbst. Die eisigen Hände festigten ihren Griff, der Schmerz bohrte sich in ihn, und er versank – nicht in Dunkelkeit, sondern in Erinnerungen.
Das Studierzimmer, in dem die sieben Zauberlehrlinge an jenem Morgen arbeiteten, war fensterlos. Hier fand kein Sonnenlicht und auch nicht das Licht der zwei Monde – des silbernen und des roten – Einlass. Was den dritten Mond betraf, den schwarzen Mond, so konnte seine Gegenwart hier wie auch sonst auf Krynn gespürt werden, ohne dass man ihn sah.
Der Raum wurde von dicken Bienenwachskerzen erleuchtet, die in silbernen Kerzenhaltern auf den Tischen standen.
Es war der einzige Raum im großen Schloss von Fistandantilus, der von Kerzen erleuchtet wurde. In allen anderen Räumen schwebten Glaskugeln in der Luft, deren magische Strahlung die Dunkelheit erhellte, die in dieser Festung ewig währte.
Sechs Lehrlinge saßen an einem Tisch, einige unterhielten sich, andere studierten schweigend. Der siebte saß abseits an einem Tisch am anderen Ende des Zimmers. Gelegentlich hob einer der sechs den Kopf und warf dem abseits Sitzenden einen nervösen Blick zu, senkte dann aber schnell den Kopf, denn es spielte keine Rolle, wer zu ihm schaute oder wann, der siebte schien immer zurückzuschauen.
Er amüsierte sich darüber und gab sich einem bitteren Lächeln hin. Es war keine leichte Zeit für Raistlin. Oh, es war einfach genug, die Täuschung aufrechtzuerhalten und Fistandantilus daran zu hindern, seine wahre Identität zu erkennen, seine wahren Kräfte zu verbergen, einen der Narren zu spielen, die daran arbeiteten, die Gunst des großen Zauberers zu erwerben und sein Lehrling zu werden.
Täuschung war Raistlins Vergnügen. Er genoss sogar die kleinen Spiele der Kunst, den anderen immer um eine Nasenlänge voraus zu sein, alles ein wenig besser zu machen, sie immer zu überraschen. Auch genoss er sein Spiel mit Fistandantilus. Er konnte spüren, wie der Erzmagier ihn beobachtete. Er wusste, was der große Zauberer dachte: Wer ist dieser Lehrling? Woher hat er die Kraft, die er, der Erzmagier, in dem jungen Mann spüren, aber nicht beschreiben konnte?
Manchmal glaubte Raistlin Fistandantilus dabei zu ertappen, wie er sein Gesicht musterte, als ob es ihm vertraut erschiene … Nein, Raistlin genoss das Spiel. Aber unerwartet war er auf etwas gestoßen, das er nicht genießen konnte, was er die unglücklichste Zeit seines Lebens nannte – seine alte Schulzeit.
»Der Verschlagene«, das war sein Spitzname bei den Lehrlingen in der Schule seines alten Meisters gewesen. Niemals beliebt, niemals ins Vertrauen gezogen, sogar von seinem eigenen Meister gefürchtet, verbrachte Raistlin eine einsame, verbitterte Jugend. Die einzige Person, die sich je um ihn gekümmert hatte, war sein Zwillingsbruder Caramon gewesen.
Obgleich er seine Kameraden verabscheute, die danach trachteten, einem Meister zu gefallen, der den Auserwählten am Ende lediglich umbringen würde, obgleich er es genoss, sie zu narren und zu verspotten, verspürte Raistlin jetzt manchmal einen stechenden Schmerz in den einsamen Nächten, wenn er sie hörte, wie sie gemeinsam lachten …
Wütend erinnerte er sich daran, dass all dies nicht seine Sache war. Er hatte ein größeres Ziel vor Augen. Er musste sich konzentrieren, mit seiner Kraft haushalten. Denn heute war der Tag, an dem Fistandantilus seinen Lehrling auswählen würde.
Ihr sechs werdet gehen, dachte Raistlin. Ich werdet gehen und mich hassen und verachten, und keiner von euch wird jemals erfahren, dass einer von euch mir sein Leben verdankt!
Die Tür zum Studierzimmer öffnete sich knirschend. Ein Ruck ging durch die sechs schwarz gekleideten Gestalten, die an dem Tisch saßen. Raistlin, der sie mit einem verzerrten Lächeln betrachtete, sah das gleiche höhnische Lächeln im zerfurchten grauen Gesicht des Mannes, der in der Türöffnung stand.
Die glitzernden Augen des Zauberers glitten zu jedem einzelnen der sechs, ließen jeden erblassen und den Kopf neigen, während die Hände mit Zauberzutaten spielten oder sich nervös zusammenballten.
Schließlich richtete Fistandantilus seine schwarzen Augen auf den siebten Lehrling, der abseits saß. Raistlin begegnete seinem Blick gelassen, sein verzerrtes Lächeln verstärkte sich noch – im Spott. Fistandantilus zog seine Augenbrauen zusammen. Jähzornig schlug er die Tür zu. Die sechs Lehrlinge schraken zusammen bei dem Knall, der die Stille zerriss.
Der Zauberer kam mit langsamen Schritten näher. Seine alten Knochen knirschten, als er sich auf einem Stuhl niederließ. Der Blick des Zauberers glitt noch einmal zu den sechs Lehrlingen, die vor ihm saßen, und als er sie musterte, hob sich eine von Fistandantilus’ verwelkten Händen, um einen Anhänger zu streicheln, den er an einer langen, schweren Kette um seinen Hals trug. Es war ein merkwürdiger Anhänger – ein ovaler Blutstein, in schlichtes Silber eingefasst.
Die Lehrlinge hatten häufig über diesen Anhänger und seine Funktion diskutiert. Es war der einzige Schmuck, den Fistandantilus trug, und alle wussten, dass er sehr kostbar sein musste. Selbst der niedrigste Lehrling konnte die mächtigen Schutz- und Abwehrzauber spüren, die auf ihm lagen und ihn vor jeder anderen Magie bewachten. Welche Funktion hatte er? Ihre Spekulationen reichten von dem Herbeirufen von Wesen himmlischer Ebenen bis hin zum Umgang mit Ihrer Dunklen Majestät.
Einer von ihnen hätte es ihnen natürlich sagen können. Raistlin wusste um seine Funktion. Aber er behielt sein Wissen für sich.
Fistandantilus’ zittrige Hand schloss sich um den Blutstein, während sein hungriger Blick von einem Lehrling zum nächsten glitt. Raistlin hätte schwören können, dass der Zauberer sich die Lippen leckte, und der junge Magier verspürte eine plötzliche Angst. Was ist, wenn ich versage?, fragte er sich schaudernd. Er ist mächtig! Der mächtigste Zauberer, der je gelebt hat! Bin ich stark genug? Was ist …
»Ich beginne mit der Prüfung«, sagte Fistandantilus mit einer überschnappenden Stimme, sein Blick ging zum Ersten der sechs.
Standhaft verbannte Raistlin seine Befürchtungen. Wenn er versagte, würde er sterben. Er hatte schon zuvor dem Tod ins Gesicht gesehen. In der Tat wäre es wie ein Treffen mit einem alten Freund …
Hintereinander erhoben sich die jungen Magier von ihren Plätzen, öffneten ihre Zauberbücher und trugen ihre Zaubersprüche vor. Wenn der Zauber »Magie bannen« nicht über dem Studierzimmer gelegen hätte, würden jetzt Feuerkugeln innerhalb seiner Wände explodieren und alles in ihrer Reichweite verbrennen, Phantomdrachen würden illusorisches Feuer ausstoßen, furchterregende Wesen von anderen Existenzebenen würden kreischend über sie herfallen. Aber so wie die Dinge lagen, blieb das Zimmer in kerzenerleuchteter Ruhe, mit Ausnahme des Singsangs der Prüflinge und des Raschelns der Seiten in den Zauberbüchern.
Jeder Magier beendete seine Vorführung und nahm seinen Platz wieder ein. Alle waren bemerkenswert geübt. Das war auch nicht überraschend. Fistandantilus ließ nur sieben der geschicktesten, jungen männlichen Zauberkundigen zu, die bereits die fürchterliche Prüfung im Turm der Erzmagier bestanden hatten, um ihre Studien bei ihm fortzusetzen. Aus dieser Gruppe suchte er sich dann einen Assistenten aus.
So vermuteten sie.
Die Hand des...




