Weiss | Der Hausmann | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Weiss Der Hausmann

Roman
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-10-401410-4
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

ISBN: 978-3-10-401410-4
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



EIN MANN GUCKT AUS DER WÄSCHE. Die turbulenteste Familienkomödie des Haushaltsjahres. Ben Breuer macht seine Sache ordentlich. Er ist schließlich Controller. Als seine Firma pleitegeht und seine Frau Marie ein interessantes Job-Angebot bekommt, ist es für ihn keine Frage: »Wir sind ein modernes Paar, da bleibe ich jetzt bei den Kindern und arbeite nebenher von zu Hause.« Das ist fair, spannend, erfüllend und überhaupt kein Thema! Oder? »Wirklich superlustig.« SWR 3 »So schnörkellos, lustig und treffend wurde der Heimarbeit-Wahnsinn selten aufgeschrieben.« Für Sie »Da haben wir im Bus so einige Blicke geerntet, als wir uns vor Lachen nicht mehr halten konnten.« Vital »Lustig-romantische Familienkomödie!« Lisa »Ein Lesevergnügen von der ersten bis zur letzten Seite.« Südhessen Woche

Wilko Weiss ist Autor des Bestsellers ?Der Hausmann?. Er selbst ist überzeugt, dass er sich mit Frauen, Kindern, Haushalts- und Erwerbsarbeit super auskennt. Mit seiner Familie samt mehreren Haustieren lebt er in einem teilweise tatsächlich selbstrenovierten Haus auf dem Land.
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Der Controller


Meine Aufgabe ist wichtig.

Controller … ich mag dieses Wort. Ich denke dabei an meine Kinder, wie sie mit den weißen Bedienknüppeln der Spielkonsole vor dem Fernseher stehen und die kleinen Männchen mit den großen Köpfen tanzen lassen. Der Controller lenkt das Geschehen. Ohne den Controller würden die Männchen bloß doof in der Gegend rumstehen.

»Früher nannte man das einfach Buchhalter«, sagt mein Kumpel Gregor gerne, obwohl er genau weiß, dass wir Controller mehr tun. Wir lenken und planen die Route, während der Buchhalter nur aufzeichnet, wo man bereits langgefahren ist.

Ich schaue runter auf den Parkplatz. Der Wagen des Chefs steht nicht in der reservierten Lücke. Nur ein verwehter Prospekt liegt dort und ein altes Brötchen, in dem eine Taube herumpickt. Auf dem weißen Schild ist das Wort aufgedruckt, ohne Namen. Einen Namen fand der Chef immer zu protzig. Der Gute. Herr der Einbauküchen und Schlafcouchen, König des Möbelhauses Ritter auf der grünen Wiese. Am Wochenende fährt das Volk hier hinaus, um seine bescheidenen Gemächer neu einzurichten. Es geht uns immer noch gut, trotz der schwedischen Konkurrenz mit den vier gelben Buchstaben. Der Chef meint, das liegt an den vielen Bratwursttagen, die wir anbieten. Wurst für 50 Cent, Bier für einen Euro, große Hüpfburg für die Kinder und eine Cover-Band, die genau das spielt, was die Menschen hören wollen. Natürlich weiß mein Chef, dass es noch viel mehr daran liegt, dass er ein exzellentes Controlling im Haus hat. Gerade eben sitze ich an der strategischen Planung, also der Vorausschau auf die nächsten fünf Jahre. Punkt für Punkt. Zahl für Zahl. »Trocken wie Holzmehl«, würde Gregor sagen, aber hinter jeder Zahl steht eine Wirklichkeit. Ein sonniger Tag, an dem Kinder in der Hüpfburg hüpfen. Ein Tag, an dem die Bagger das Fundament für eine neue Filiale ausheben, nächstes Jahr, wenn alles gutgeht.

Ich beginne, die Formblätter zu sortieren, auf denen die verschiedenen Abteilungen des Hauses ihre Absatzplanung für das kommende Jahr eintragen müssen. Es geht schnell, denn außer dem Einkauf hat noch niemand »den Wisch« an mich zurückwandern lassen. So nennen das die Kollegen immer. Den Wisch! Das muss man sich mal vorstellen! Ohne diese Formblätter komme ich nicht weiter. Ich werde sie mir selbst holen müssen. Ich seufze und stehe auf.

Ich beginne meine Suche im Büro des Vertriebs. Die Schreibtische sind verwaist. Ein Telefon klingelt ins Leere; auf dem Monitor daneben ist eine Webseite mit Fußballtipps geöffnet. Herr Mutz setzt 15 Euro darauf, dass St. Pauli am Wochenende den FC Bayern schlägt. Im Kaffee von Frau Wiener schwimmt ein Keks. Er saugt sich langsam voll und wird in naher Zukunft versinken. Herr Hüls hat sich auf YouTube Zeichentrickvideos von »Simon’s Cat« angesehen.

Ich verlasse das Büro und versuche es beim Marketing. Auch hier ist niemand zu Hause. Dafür surrt und fiept es im Kopierraum.

»Herr Breuer!«, begrüßt mich Herr Öllich etwas zu enthusiastisch, als ich die Nase in das kleine Zimmer strecke. Er will davon ablenken, dass er soeben 200 Farbkopien für private Einladungskarten macht. Langsam quälen sich die teuren Hochglanzpapiere aus dem Gerät.

»Ich brauche Ihr Formblatt«, sage ich, und er merkt, dass ich auf den Ausgabeschacht des Kopierers schiele. »Ja, äh, kommt sofort, wenn ich wieder im Büro bin!«

Ich nicke, tue so, als ob ich verschwinde, drehe mich in der Tür noch mal um und sage: »Und, ach, Herr Öllich?«

»Ja, Herr Breuer?«

»Wenn Sie das Formblatt noch mal zur Hand nehmen, korrigieren Sie die Absatzerwartung um 98,50 € nach unten. Schreiben Sie daneben: .«

Er wird rot.

Ich stapfe über die Treppen ins Erdgeschoss, um mir die Zahlen aus der Produktion zu holen. Hoffentlich haben wenigstens die ihr Formblatt ausgefüllt. An der Tür des Büros hängt ein Klebezettel:

»Der sitzt auf dem Thron!«, poltert hinter mir unsere Putzkraft. Sie fügt hinzu: »Und das kann dauern.« Sie unterstreicht ihre Äußerung mit Daumenbewegungen auf einem imaginären Game Boy. Ich atme schwer aus und gehe selbst auf die Toilette, um mir Wasser ins Gesicht zu werfen. Hinter der Tür der Kabine höre ich tatsächlich die Melodie von Tetris, begleitet von »Uff!« und »Ach!«, wenn sich bei Herrn Clasvogt ein Klötzchen verkeilt. Durch das auf Kipp stehende Milchglasfenster wehen Zigarettengeruch und Smalltalk-Fetzen herein. Die drei Mitarbeiter vom Vertrieb stehen im Hof und rauchen. Ich gehe hinaus, baue mich vor ihnen auf und will gerade »Formblätter!!!« schreien, als ich Herrn Rabe aus der Qualitätssicherung an seinem PKW sehe. Von dem habe ich bislang noch nicht mal die Frühjahrszahlen, geschweige denn die Vorausschau bekommen. Ich lasse die Raucher stehen, gehe zu ihm und traue meinen Augen nicht: Der Mann putzt gerade sein Auto. Ein Eimer mit Schaumwasser steht neben der Tür, ein Handstaubsauger liegt auf dem Beifahrersitz, Fensterputzmittel steht auf der Motorhaube. Soeben entfernt Rabe mit einem Mikrofasertuch die feinen Staubpartikel, die sich zwischen den Tasten des Radios sammeln.

»Sie reinigen Ihr Fahrzeug?«

»Hallo, Herr Breuer! Klar mache ich das. Es gibt nichts Wichtigeres im Leben, als seine Dinge in Ordnung zu halten.«

Das habe ich eben nicht gehört.

Mir steht der Mund offen.

Ich sage: »Wir haben hier Arbeitszeit, und Sie entstauben in aller Ruhe die Taste zwischen WDR2 und WDR3

Herr Rabe dreht sich in seinem Sitz zu mir um, wuchtet seinen Körper zurecht, lacht kehlig und sagt: »Ja, Herr Breuer, wann soll ich das denn bitte sonst machen? Sie wissen doch, wie das ist: Zu Hause kommt man zu nichts!«

Vor dem Eingang zünden sich die drei vom Vertrieb eine neue Runde Zigaretten an. Hinter dem Klofenster ertönen Jubelgesang und eine Kasatschok-Melodie.

Herr Breitling aus dem Einkauf betritt den Hof und hält nach etwas Ausschau. »Da«, sage ich zu dem waschenden Clasvogt und zeige auf Breitling, »das ist mal ein Kollege. Der hat mir wenigstens sein Formblatt ausgefüllt. Als Einziger!«

»Gern geschehen, Herr Breuer«, sagt Breitling und macht ein freudiges Gesicht, als ein Transporter vorfährt. Die Türen öffnen sich, und zwei Männer beginnen, sieben riesige Kartons auszuladen, während Breitling die Lieferung gegenzeichnet.

»Was ist das?«, frage ich.

»Eine Grillsauna.«

»Eine bitte was?«

»Eine Grillsauna. Der letzte Schrei aus Norwegen. Wir könnten für die anstehende Sommersaison fünfzehn Stück bestellen, aber dieses Muster hier bekommen wir zum Schnäppchenpreis. Zum Austesten, ob die Kunden es annehmen.«

Ich überschlage im Kopf die Kalkulationen und die geplanten Neuerungen im Sortiment. »Was soll das denn?«, frage ich.

»In der Mitte ist ein Grill, Sie sitzen auf Bänken drum herum, und statt einfach nur zu schwitzen, essen Sie heiße Würstchen und trinken kühles Bier.«

»Nein, ich meine, was soll diese Bestellung? Die ist nicht abgesprochen. Wir machen Möbel für den Innenbedarf. Wir haben nur eine rudimentäre Außenabteilung. Was sollen die Dinger überhaupt kosten?«

Breitling nennt mir den Preis.

Ich schlage die Hand vor den Kopf: »Herr Breitling, das rechnet sich doch niemals! Gucken Sie sich doch mal die Kartons an, da muss der Kunde ja einen Schwertransport bestellen, um sein Produkt überhaupt nach Hause zu kriegen.«

»Wir müssen auch mal neue Wege gehen«, sagt Breitling. »Das sind die Worte des Chefs.«

»Ja, sicher, aber die neuen Wege müssen mit mir abgesprochen werden! Ich habe hier die Zahlen im Griff zu halten. Wir machen doch keine Ausstellung hier, sondern ein Möbelhaus, das sich rechnen muss.«

Breitling hört mir gar nicht mehr zu, sondern versucht verzweifelt, die Packer davon abzuhalten, mangels bereitgestellter Transportkarren die sieben Riesenkartons einfach auf dem Parkplatz vor der Tür zu lagern. Genau das machen sie aber.

»Und wenn es heute Nacht regnet?«, schimpft Breitling den Männern hinterher, aber es ist zwecklos. Er schüttelt den Kopf und verschwindet im Haus.

Ich schaue zu Herrn Rabe, der immer noch seelenruhig sein Auto wäscht, sage nichts mehr und gehe gemessenen Schrittes ins Haus zurück. Herr Clasvogt kommt aus dem Klo und rennt mir vor die Füße. »Herzlichen Glückwunsch«, sage ich und steige die Treppen wieder hinauf, vorbei am Kopierraum, wo immer noch Öllichs Einladungen produziert werden. In der Küche nehme ich mir einen Kaffee. Auf den Hängeschrank über der Maschine ist mit Tesafilm ein Zettel geklebt worden. Darauf steht:

Jeder Mensch kann beliebige Mengen Arbeit bewältigen, solange es nicht die Arbeit ist, die er eigentlich machen sollte.

»Lustig, was?«, sagt ein junger Mann von 16 Jahren im Türrahmen. Unser Praktikant Gero. Er geht auf mich zu und hält mir ein Blatt hin: »Hier, ein Formblatt. Ich weiß, die Abteilung Praktikant hat eigentlich keine Absatzerwartung, aber ich würde gerne mal wissen, ob ich das richtig ausgefüllt habe. Ich will hier ja auch was lernen. Ich habe mir Einsparpotentiale ausgedacht. Wussten Sie, dass der Duftstein in den Toiletten 15 Cent teurer ist als der Duftstein vom gleichen Hersteller? Ich meine, für das Geschäft im Geschäft muss doch auch Zitrusfrische reichen, oder? Das große Geld besteht aus vielem kleinen Geld....


Weiss, Wilko
Wilko Weiss ist Autor des Bestsellers ›Der Hausmann‹. Er selbst ist überzeugt, dass er sich mit Frauen, Kindern, Haushalts- und Erwerbsarbeit super auskennt. Mit seiner Familie samt mehreren Haustieren lebt er in einem teilweise tatsächlich selbstrenovierten Haus auf dem Land.

Wilko WeissWilko Weiss ist Autor des Bestsellers ›Der Hausmann‹. Er selbst ist überzeugt, dass er sich mit Frauen, Kindern, Haushalts- und Erwerbsarbeit super auskennt. Mit seiner Familie samt mehreren Haustieren lebt er in einem teilweise tatsächlich selbstrenovierten Haus auf dem Land.



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