E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reihe: Stressfrei
Wells Stressfrei Navigieren
2. Auflage 2024
ISBN: 978-3-667-11942-1
Verlag: Delius Klasing
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Törns erfolgreich planen und durchführen
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reihe: Stressfrei
ISBN: 978-3-667-11942-1
Verlag: Delius Klasing
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Autor Duncan Wells ist Segelausbilder bei der Royal Yachting Association, Inhaber einer Segelschule und schreibt für diverse Wassersportmagazine, u. a. 'Yachting Monthly', 'Sailing Today' und 'SAIL'.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
2 An Bord
Sie kommen gerade an Bord. Sie setzen Wasser auf für Tee oder Kaffee. Sie schalten den Kartenplotter ein. Als Erstes erscheint ein Warnhinweis. Dort steht zum Beispiel: »VORSICHT! Navigationshilfe. Obwohl alle Anstrengungen unternommen wurden, ein genaues und zuverlässiges Gerät zu entwickeln, können zahlreiche Faktoren die Betriebsleistung beeinflussen bzw. beeinträchtigen. Daher sollten Sie Ihr Gerät immer nur als Navigationshilfe betrachten. Es sollte niemals seemännische Fähigkeiten und gute Seemannschaft ersetzen! Halten Sie immer eine permanente Wache, damit Sie in Gefahrensituationen schnell reagieren können.«
Warnhinweise, die dazu auffordern, das Gerät überhaupt nicht für die Navigation zu verwenden, gehen meiner Meinung nach etwas zu weit, da die Geräte im realen Leben doch genau dafür eingesetzt werden. In der Regel muss man als Nächstes auf OK klicken, um den Warnhinweis zu bestätigen und den Kartenplotter verwenden zu können.
Ich habe im Vorwort versprochen zu zeigen, wie man ohne Umschweife von der Marina ablegen und in See stechen kann. Zunächst muss man den Liegeplatz verlassen und ins Fahrwasser gelangen, aber von dort können bereits Apps wie Dock to Dock von Navionics oder Expedition oder Adrena oder PC-Plotter oder Savvy Navvy oder andere, die es in Zukunft sicher geben wird, die gesamte Navigation übernehmen.
Ausgehend vom Startbildschirm klicken Sie auf die Kartenansicht. Dort sehen Sie genau das: eine Karte und in der Mitte ihre eigene Position, dargestellt als kleiner Punkt oder als Dreieck. Ihre Position ändert sich nicht. Das wissen Sie auch so, schließlich liegen Sie noch fest vertäut in der Marina. Der Kartenplotter bestätigt das, er zeigt die Fahrt über Grund (SOG) mit 0,00 Knoten an. Unter Umständen kann das GPS erkennen, in welcher Ausrichtung das Boot liegt und zeigt es mit der Spitze des Dreiecks entsprechend an. Das entspricht dem Steuerkurs (Heading, HDG), der oben am Bildschirm mit 141° True (rechtweisend) angezeigt wird.
Eingeschalteter Kartenplotter. Warnhinweis. Laut Plotter liegt das Boot noch fest vertäut am Steg.Sobald das Boot Fahrt über Grund macht, zeigt auch das Display die Geschwindigkeit über Grund (Speed over Ground, SOG) und den Kurs über Grund (Course over Ground, COG) an. Wahlweise kann der Kurs auch durch eine von der eigenen Position nach vorn gerichtete Linie zusätzlich dargestellt sein. Diese entspricht der Ausrichtung des Bootes oder dem Steuerkurs (Heading). Sie ist nicht zu verwechseln mit dem Kurs über Grund (COG).
Würde sich das Boot zur Seite hin bewegen, würde der Kurs über Grund diese seitliche Bewegung anzeigen, aber der Steuerkurs würde immer noch nach vorn weisen, so wie der Bug ausgerichtet ist.
Tippen Sie auf die eigene Position auf den Bildschirm. Ein Kreis erscheint. Tippen Sie auf einen gewünschten Zielpunkt auf der Karte. Ein weiterer Kreis erscheint. Eine gepunktete Linie verbindet Ihre Position mit dem Zielpunkt. Das Programm beginnt zu arbeiten: Es weiß, dass das Boot eine gewisse Wassertiefe und eine Sicherheitszugabe benötigt und führt Sie den Fluss hinunter und über die gewünschten Fahrwasser sicher zum Ziel. Zoomen Sie näher heran, um zu sehen, dass Sie im Fahrwasser neben Ihrem Liegeplatz starten müssen.Die geographische Länge und Breite der eigenen Position werden ebenfalls am oberen Bildschirmrand angezeigt, zusammen mit dem Steuerkurs (HDG) und der Uhrzeit, wobei UTC für Universal Time Coordinated steht, der koordinierten Weltzeit.
Mit der geographischen Breite (Latitude, LAT) und der geographischen Länge (Longitude, LON) wird die Position auf der Erdoberfläche ausgedrückt.
Stechen Sie jetzt in See. (Das gezeigte Beispiel basiert auf Dock to Dock von Navionics.) Folgen Sie der gezeigten Route, die Sie aus dem Fahrwasser hinaus in den Ärmelkanal zu den Needles führt. So schnell und einfach wie ich es versprochen hatte.
Diese Programme warnen auch vor Gefahren unterwegs.
Kurs vom Solent den Fluss Beaulieu stromauf nach Buckler’s Hard. So ist es schon besser – es geht den Fluss entlang ohne Abkürzungen über Land. Dock to Dock warnt vor Gefahren. Das Programm scheint vom gewählten Ziel nicht sonderlich begeistert. Ich werde mein Bestes geben, um nicht auf Grund zu laufen.Sobald das Programm die Route berechnet hat, sollte man näher heranzoomen, um mögliche Gefahrenstellen oder Hindernisse entlang der Route ausfindig zu machen. Dann folgt man der Route und hält Ausschau nach den einzelnen Seezeichen.
Hier ist die Wassertiefe am Zielpunkt nicht ausreichend.Parameter
Dieses Programm arbeitet mit Parametern, die entweder automatisch oder manuell eingegeben wurden. Dazu zählen die elektronische Seekarte und die mindestens benötigte Wassertiefe. Es greift auf Wetterinformationen, Gezeitenstand und Gezeitenströmung zu, wobei man bei den fortschrittlicheren Programmen auch noch die optimalen Windwinkel und maximalen Windstärken für die verschiedenen Segel eingeben kann. Berechnet das Programm eine Route, gibt es nicht nur an, von welcher Seite man den Wind haben wird, sondern auch noch welche Segel man am besten setzt und wie viel Diesel der Motor benötigt, falls kein Wind weht. Man kann zudem auch die maximale Wellenhöhe und die maximale Windstärke eingeben, bei der man unterwegs sein möchte. So kann das Programm berechnen, dass beispielsweise nächsten Dienstag um drei Uhr nachmittags der ideale Zeitpunkt ist, um den geplanten Törn zu starten und nicht etwa jetzt sofort.
Angezeigt wird die direkte Route und die tatsächlich zu segelnde Route entsprechend den Windverhältnissen unter Berücksichtigung der Gezeiten von den Needles über Portland Bill nach Cherbourg und zum NAB-Tower. Detaillierte Auflistung mit Angabe, welche Segel zu setzen sind. Kurse mit Wind von Stb. sind grün, die mit Wind von Bb. rot.Es gibt Programme, die genau angeben, wann man wenden muss, um eine Luvmarke anlegen zu können (Layline). Das ist nicht nur für Regattasegler hilfreich. Auch Fahrtensegler können diese Angaben nützen. Anstatt einer Luvtonne kann es sich dann um ein Kap handeln. Wann muss ich wenden, damit ich um das Kap herumkomme?
SailSteer von B&G zeigt, wann man wenden muss, um den nächsten Wegepunkt anliegen zu können.WIE DER KARTENPLOTTER DIE EIGENE POSITION BERECHNET
Was macht ein Kartenplotter während der Aufwärmphase? Seine Temperatur muss er jedenfalls nicht erhöhen, aber er muss einige Berechnungen anstellen.
Das Herzstück des Kartenplotters ist der GPS-Empfänger (Global Positioning System), und er muss herausfinden, wo er sich befindet. Über einzelne Kanäle sucht er den Himmel nach Satellitensignalen ab. Ein Satellit sendet mit jedem Signal eine exakte Zeitangabe. Der GPS-Empfänger kennt den genauen Zeitpunkt, wann er ein Signal empfängt. Aus dem Zeitunterschied zwischen Senden und Empfangen kann die Entfernung zum Satelliten berechnet werden. Der GPS-Empfänger erfährt auch die exakte Position des Satelliten am Himmel, wenn dieser ein Signal aussendet. Werden drei Satelliten empfangen, kann die Position auf der Erdoberfläche berechnet werden. Mit einem vierten Satelliten kann die Position auch dreidimensional unter Angabe der Höhe über der Erdoberfläche berechnet werden.
Die grünen Balken geben die einzelnen Satellitensignale und ihre jeweilige Stärke an.Diese Methode der Positionsbestimmung nennt man Trilateration. Moderne GPS-Empfänger können die Signale beider weltweit existierender Satellitensysteme nutzen, das amerikanische NAVSTAR sowie das russische GLONASS. Die Chinesen arbeiten an einem eigenen System namens BEIDOU, und ich bin mir sicher, es wird ebenfalls zugänglich sein, sobald es weltweite Abdeckung hat, was im Jahr 2020 der Fall sein soll.
TIPPS FÜR DEN GEBRAUCH VON KARTENPLOTTERN
1. Machen Sie sich mit der Funktion vertraut, das Touchscreen-Display zu sperren und zu entsperren.
Kartenplotter mit berührungsempfindlichem Bildschirm haben diese Funktion, da das Display bei starkem Regen verrückt spielen kann, wenn der Kartenplotter im Cockpit montiert ist. Die Hersteller arbeiten daran, dass die Displays erkennen können, ob die Berührung von einem Finger oder von Regentropfen stammt, aber bisweilen kann es nötig sein, den Touchscreen zu sperren. Die Bedienung ist von Plotter zu Plotter verschieden, weshalb man in der Gebrauchsanweisung nachsehen muss, wie das Display zu sperren und zu entsperren ist.
2. Prüfen Sie, wie Sie das Boot in der Mitte des Bildschirms zentrieren können.
Manchmal scrollt man über die Karte, um irgendetwas nachzusehen und blickt schon voraus entlang der Kurslinie. Daher ist es wichtig, das Boot und damit die eigene Position schnell wieder finden zu können. Sehen Sie auch für diese Funktion gegebenenfalls im Handbuch...




