Wells | Wenn der Schläfer erwacht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 331 Seiten

Reihe: Science Fiction & Fantasy bei Null Papier

Wells Wenn der Schläfer erwacht

Illustrierte Fassung
Überarbeitete und illustrierte Fassung
ISBN: 978-3-96281-014-6
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Illustrierte Fassung

E-Book, Deutsch, 331 Seiten

Reihe: Science Fiction & Fantasy bei Null Papier

ISBN: 978-3-96281-014-6
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit 15 Zeichnungen Wenn ein Mann aus der Vergangenheit die Zukunft regiert. Graham verfällt in einen totenähnlichen Schlaf und wacht 203 Jahre später im London der Zukunft wieder auf. Plötzlich ist er der reichste Mann auf Erden, denn während seines 'Todes' ist sein Vermögen ins Unermessliche gestiegen. Doch kann er seinen Reichtum nicht genießen, denn schnell wird er zum Spielball verschiedenster Interessengruppen. Schließlich stellt sich Graham auf die Seite der Unterprivilegierten und Armen - es kommt zur Konfrontation mit den Mächtigen. Dieses Buch ist das prophetischte Buch Wells' und gleichzeitig auch eines seiner unterhaltsamsten und spannendsten. Wieder einmal beschäftigt sich der Autor mit seinen Lieblingsfragen: Müssen wir die Zukunft fürchten oder können wir sie gestalten und als Chance verstehen? Was passiert mit uns? Ist der technische Fortschritt ein Segen oder ein Fluch? Und kann der menschliche Geist mithalten oder wird er das Opfer einiger weniger Auserwählter? Wells fabuliert bereits 1899 über Flugmaschinen, Massenhysterien, Medienmanipulationen und Wirtschaftsmacht. Null Papier Verlag

Herbert George Wells (21. September 1866 - 13. August 1946) war ein englischer Schriftsteller und Vorreiter der Science-Fiction-Literatur. Als ausgebildeter Historiker und Soziologe schrieb er Romane, Kurzgeschichten und wissenschaftliche Abhandlungen. Seine größten Erfolge waren die beiden Science-Fiction-Romane'Der Krieg der Welten' und 'Die Zeitmaschine'.
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1. Schlaflosigkeit


Eines Nachmittags ging Mr. Isbister, ein junger Künstler, der in Boscastle wohnte, zur Ebbezeit von diesem Ort nach der malerischen Bucht von Pentargen, weil er die Höhlen dort zu untersuchen wünschte. Halbwegs den steilen Pfad zum Strand von Pentargen hinunter traf er plötzlich auf einen Menschen, der in der Stellung tiefen Grames unter einer vorspringenden Felsmasse saß. Die Hände hingen diesem jungen Mann schlaff herab, seine Augen waren rot, er starrte vor sich hin, und sein Gesicht war von Tränen nass.

Bei dem Geräusch von Isbisters Schritten blickte er sich um. Beide Männer waren aus der Fassung gebracht, Isbister am meisten, und um die Verlegenheit seiner unwillkürlichen Pause zu überwinden, bemerkte er mit einer Miene reifer Überzeugung, das Wetter sei heiß für die Jahreszeit.

»Sehr«, antwortete der Fremde kurz, zögerte eine Sekunde und fügte in farblosem Tone hinzu: »Ich kann nicht schlafen.«

Isbister blieb abrupt stehen. »Nein?« war alles, was er sagte, aber seine Haltung verriet seinen hilfreichen Impuls.

»Es mag unglaublich klingen«, sagte der Fremde, indem er müde Augen auf Isbisters Gesicht wandte und seinen Worten mit einer schlaffen Hand Nachdruck lieh, »aber ich habe keinen Schlaf, überhaupt keinen Schlaf, schon seit sechs Nächten.«

»Rat eingeholt?«

»Ja. Schlechten Rat zum größten Teil. Medizinen. Mein Nervensystem … Sie sind für die meisten Leute ja recht schön und gut. Es ist schwer zu erklären. Ich wage nicht … genügend starke Dosen zu nehmen.«

»Das macht es schwierig«, sagte Isbister.

Er stand hilflos auf dem engen Pfad, in Verlegenheit, was er tun sollte. Offenbar wollte der Fremde reden. Ein unter den Umständen ziemlich natürlicher Gedanke trieb ihn, das Gespräch in Gang zu halten. »Ich selber habe nie unter Schlaflosigkeit gelitten«, sagte er im Ton der Alltagsplauderei, »aber in den Fällen, die ich gekannt habe, haben die Leute gewöhnlich etwas gefunden –«

»Ich wage nicht zu experimentieren.«

Er sprach müde. Er machte eine Geste der Abweisung, und eine Zeit lang waren beide Männer still.

»Bewegung?« regte Isbister ohne Vertrauen an, indem er von des anderen elendem Gesicht auf den Touristenanzug blickte, den er trug.

»Das habe ich versucht. Unklugerweise, vielleicht. Ich bin Tag für Tag der Küste gefolgt – von New Quai her. Das hat zu der geistigen Ermüdung nur die der Muskeln hinzugefügt. Die Ursache dieser Unrast war Überarbeitung – Aufregung. Ich hatte etwas –«

Er hielt wie vor bloßer Ermüdung inne. Er rieb sich mit einer hageren Hand die Stirn. Er begann wieder zu sprechen, wie einer, der mit sich selber redet.

»Ich bin ein einzelner Wolf, ein einsamer Mensch, der durch eine Welt wandert, an der er keinen Teil hat. Ich habe keine Frau – kein Kind – wer spricht doch noch von den Kinderlosen als den toten Zweigen auf dem Baum des Lebens? Ich habe keine Frau, kein Kind – ich konnte keine Aufgabe finden, die ich zu erfüllen hatte. Nicht einmal einen Wunsch in meinem Herzen. Eins nahm ich mir schließlich vor. – Ich sagte, ich dies tun, und um es zu tun, um die Trägheit dieses stumpfen Körpers zu überwinden, nahm ich meine Zuflucht zu Arzneien! Ich weiß nicht, ob fühlen, wie schwer und unbequem der Körper ist, wie seine Forderung der Zeit vom Geist – der Zeit – des Lebens erbittert! Leben! Wir leben nur stoßweise. Wir müssen essen, und dann kommt die stumpfe Selbstgefälligkeit der Verdauung – oder ihre Gereiztheit. Wir müssen Luft schöpfen, oder unsere Gedanken werden träg, stupid, sie laufen in Abgründe und blinde Gassen. Tausend Ablenkungen steigen drinnen und draußen auf, und dann kommt die Schläfrigkeit und der Schlaf. Die Menschen scheinen für den Schlaf zu leben. Wie wenig vom Tag des Menschen gehört ihm – selbst im besten Falle! Und dann kommen diese falschen Freunde, diese Taghelfer, die Alkaloide, die die natürliche Ermattung ersticken und die Ruhe töten – schwarzer Kaffee, Kokain –«

»Ich verstehe«, sagte Isbister.

»Ich habe meine Arbeit getan«, sagte der schlaflose Mann mit klagendem Tonfall.

»Und dies ist der Preis?«

»Ja.«

Eine kleine Zeit lang verharrten die beiden schweigend.

»Sie können sich das Verlangen nach Ruhe, das ich fühle, nicht vorstellen – einen Hunger und Durst. Seit sechs langen Tagen, seit meine Arbeit getan war, ist mein Geist ein Wirbel gewesen, rasch, unaufhörlich, ohne von der Stelle zu rücken, ein Gießbach von Gedanken, der nirgends hinführt, der sich schnell und stetig herumwirbelt –«

Er machte eine Pause. »Auf den Abgrund zu.«

»Sie müssen schlafen«, sagte Isbister entschieden und mit der Miene, als habe er ein Mittel entdeckt. »Auf jeden Fall müssen Sie schlafen.«

»Mein Geist ist vollkommen klar. Er ist nie klarer gewesen. Aber ich weiß, ich schieße auf den Wirbel zu. Plötzlich –«

»Ja?«

»Sie haben Dinge einen Wirbel hinunterschießen sehen? Aus dem Licht des Tages, aus dieser frischen Welt der Gesundheit – hinunter –«

»Aber«, protestierte Isbister.

Der Fremde streckte eine Hand gegen ihn aus, und seine Augen waren wild, und seine Stimme plötzlich stark. »Ich werde mich töten. Wenn auf keine andere Art – am Fuße des dunklen Abhangs da, wo die grünen Wellen sind, und wo sich die weiße Brandung hebt und senkt, und der kleine Wasserfaden hinabzittert. Da ist auf jeden Fall … Schlaf.«

»Das ist unvernünftig«, sagte Isbister, erschreckt durch den hysterischen Gefühlsausbruch des Menschen. »Da sind Arzneien immer noch besser.«

»Auf jeden Fall gibt es mir Schlaf«, wiederholte der Fremde, ohne auf ihn zu achten.

Isbister blickte ihn an und fragte sich flüchtig, ob wohl wirklich irgendeine komplizierte Vorsehung sie an diesem Nachmittag zusammengeführt habe. »Das ist nicht so sicher, wissen Sie«, bemerkte er. »In Lulworth Cove steht eine ähnliche Klippe – auf jeden Fall ebenso hoch – und da ist ein kleines Mädchen von oben bis unten hinuntergefallen. Und lebt heute noch – gesund und munter.«

»Aber diese Felsen?«

»Da könnte man eine kalte Nacht hindurch ziemlich unangenehm liegen, wenn einem die zerbrochenen Knochen knirschen, sobald man fröstelt, und kaltes Wasser über einen spritzt. Eh?«

Ihre Augen begegneten sich. »Tut mir leid, Ihre Ideale zu zerstören«, sagte Isbister mit einem Gefühl kecken Glanzes. »Aber ein Selbstmord über die Klippe da (oder über irgendeine Klippe) – wahrhaftig – als Künstler –« Er lachte. »Es ist so verdammt dilettantisch.«

»Aber das andere«, sagte der Schlaflose gereizt, »das andere....



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