E-Book, Deutsch, 366 Seiten
Welter Wenn Männer tun, was Frauen wollen
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95824-255-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, 366 Seiten
ISBN: 978-3-95824-255-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Andreas Welter, Jahrgang 1967, lebte nach einem erfolgreichen BWL-Studium und einer vielversprechenden Karriere im Bankwesen als Freigeist auf Mallorca. Dort steht er - wenn auch unter Pseudonym - für die TV-Serie 'Einsam unter Palmen' vor der Kamera und organisiert Bootcamps für Frauen, um ihnen Erkenntnisse über urmännliche Überlebensstrategien zu vermitteln ... in Wort und Tat.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
Ein Mann ohne Sex ist wie ein Fluss ohne Wasser!
Es war ein verdammt anstrengender Tag, fand Jürgen. Irgendwie lief nichts, wie er es sich vorgestellt hatte. Es befriedigte ihn auch nicht sonderlich, dass er in weniger als drei Stunden alles erledigt bekommen hatte, was sich im Haushalt seiner Mutter im Lauf der Woche an kleinhandwerklichen Reparaturen angesammelt hatte. Derlei war schon sein Job gewesen, als er zur Heiligen Kommunion gegangen war. Jürgen, guck doch mal, warum der Wasserhahn tropft! Jürgen hier und Jürgen da, wobei er gern zugab, dass ihm das in keinster Weise geschadet hatte. Im Grunde war er sogar stolz darauf gewesen, »der Mann im Haus« zu sein. Er war gern der Mann im Haus, was war daran so schlimm?
Das Haus gab es noch immer, und seine Mutter lebte nach wie vor darin und war fest entschlossen, es erst mit den Füßen voran im Sarg zu verlassen. Es war ein schönes Haus. Nicht nach herkömmlichen Maßstäben, dazu war es zu verwinkelt und aus der Warte eines Architekten ganz gewiss nicht stilrein. Ein fröhlicher Bastard aus Kalksandstein mit einem Türmchen hier und einem futuristisch anmutenden Element dort. Am auffälligsten war der wie ein Lebensbaum à la Hundertwasser geformte riesige Kachelofen im Wohnzimmer. Ein wahres Prachtstück, zu dem es seine Töchter vom Babyalter an magisch hingezogen hatte. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn die beiden sich nicht neulich lautstark darüber gestritten hätten, wer einmal diesen Kachelofen erben würde. Über die Aufteilung des restlichen Nachlasses ihrer Oma Gerda waren sie sich relativ schnell handelseinig geworden.
Seine Mutter hatte bei diesem »Erbstreit« neben ihm gestanden, er wäre am liebsten im Erdboden versunken und hatte versucht, das Gehörte runterzuspielen: »Sie sind ja noch halbe Kinder und meinen es nicht so!« Seine Mutter hatte ihn nur ausgelacht, es schien sie nicht zu stören, wie die beiden Mädchen ihren Tod schon mal vorwegnahmen. Sie hatte sich ganz im Gegenteil prächtig amüsiert. »Den beiden wird später bestimmt keiner so schnell die Butter vom Brot nehmen!«
An genau diesen Ausspruch musste Jürgen denken, als er wie immer ganz zuletzt die Mülltonne nach draußen stellte und sich alte Zeitungen, Pappe, leere Glasbehälter und zwei Kästen mit Leergut für den Getränkemarkt in den Kofferraum packte.
»Kann ich sonst noch was für dich tun, Mutter?«
»Grüß mir nur die Mädels und gib ihnen das hier.« Zwei Kuverts wurden ihm hingehalten.
»Aber du hast ihnen ihr Taschengeld doch schon letzte Woche gegeben.«
»Papperlapapp! Ich will nicht, dass meine Enkelinnen sich weniger leisten können als andere Mädels in ihrer Klasse.«
»Mit einem doppelten Taschengeld passiert das ganz bestimmt nicht, schließlich kassieren die beiden zusätzlich bei uns. Außerdem schadet es ihnen auch nicht, wenn sie sich selbst noch ein paar Euro dazuverdienen.«
»Jürgen, ich meine es doch nur gut. Solange du nur ein kleiner Angestellter bist und schon Mühe hast, den Kieferorthopäden oder ein paar Fechtstunden zu bezahlen, musst du mir einfach erlauben, euch gelegentlich unter die Arme zu greifen. Hat Ira eigentlich inzwischen ihre Prepaid-Card auffüllen lassen?«
»Nein, aber sie hat noch immer mein Handy, verflixt, und da gibt es leider kein Limit. Tschüss Mutter, ich muss los, morgen Abend bringe ich dir wieder je einen vollen Kasten Wasser und Apfelsaft.«
»Bring mir lieber statt Saft mal Spezi mit.«
»Du willst Spezi trinken?«, fragte er ungläubig.
»Warum nicht? Man ist nie zu alt, um ab und ante mal was zu ändern, merk dir das, mein Junge! Und jetzt mach zu, sonst verpasse ich noch ›Sex and the City‹.«
Jürgen schluckte. Seine Mutter war 76 und guckte sich ›Sex and the City‹ an, nicht zu fassen! Dabei hatte sie seit dem außerplanmäßigen Abgang seines Vaters eher ein abstinentes Verhältnis zu Männern.
»Ist noch was, Jürgen?«
»Ich ... äh ... also ich dachte, diese Serie läuft immer nur unter der Woche?«
»Logisch, aber ich war letzte Woche verhindert, du weißt schon, der achtzigste Geburtstag von Hildchen, du hast mich ja selbst hingefahren. Meine Nachbarin war so nett, die Folge für mich aufzuzeichnen. Ich nehme etwas zu trinken mit, und dann ...«
»... feiert ihr beiden alten Mädchen eine Sex and the City-Party?« Das kam ihm doch irgendwie bekannt vor ...
»Für eine Party müssten wir schon ein paar mehr sein. Eigentlich ist das gar keine so üble Idee. Warte, wenn ich rasch noch Sybille und Ruth anrufe ...«
Jürgen floh, anders konnte man das nicht nennen. Im Kofferraum tanzten die leeren Kästen, in seinem Kopf tanzten hormonell aufgeputschte Oldies, sie taten noch viel mehr. Fehlte nur noch, dass seine Mutter sich demnächst mit den anderen alten Mädchen auf die Pirsch nach Männerfleisch begab, denn darum ging es ja wohl in so gut wie jeder Folge dieser unsäglichen Serie. Hauptsache knackig und verfügbar, wenn das so weiterging, würde diese Marke Mann irgendwann noch im Kaufhaus geführt. Wogegen richtige Männer wie er oder seine Kumpel, fabulierte er weiter, vermutlich auf dem Wühltisch landen oder gleich als Mängelexemplare verramscht würden.
Tolle Aussichten! Wenn er wenigstens etwas in der Hand hätte, um den Spieß zu seinen Gunsten umzudrehen, ohne sich deshalb mit Enthaarungscreme auf der Brust oder ähnlichem Blödsinn zum Clown zu machen. Er wollte ein richtiger Mann bleiben, nichts weiter, warum war das nur plötzlich so verdammt schwierig geworden?
»Jürgen, ich meine es doch nur gut! Aber solange du nur ein kleiner Angestellter bist ...«
War es das? Okay, wenn es das war, so würde er umgehend Nägel mit Köpfen machen und beweisen, dass er auch an der Jobfront seinen Mann stand. Wäre ja gelacht, wenn er es nicht schaffen würde, seinem Chef klarzumachen, dass er bis zum St. Nimmerleinstag auf die Metamorphose seines einzigen Sohnes zum Kaufmann warten konnte.
Entgegen seiner ursprünglichen Absicht arbeitete Jürgen an diesem Sonntag nicht an Elenas Geburtstagsgeschenk weiter. Er fuhr den Familien-PC hoch und beglückwünschte sich selbst, dass seine Töchter ausnahmsweise gerade mal Film oder Musik aus dem Internet runterluden, wofür dann schlimmstenfalls er geradestehen musste. Gefängnis bis zu soundso viel Jahren, als er das neulich zur Sprache gebracht hatte, war er mal wieder nur ausgelacht worden. Nicht mehr lange, das schwor er sich, als er sich an die Arbeit machte und systematisch alles auflistete, was für ihn als Geschäftsführer eines Spirituosengroßhandels sprach.
Er kannte das Sortiment wie kein Zweiter und hatte ständig neue Ideen, wie man den Umsatz ankurbeln und sich aus der Masse der Mitbewerber herausheben konnte. Zu seinen Verkostungen von schottischem Whisky kamen die Leute sogar aus Berlin angereist, das Holzfällen im Königsforst war ebenso wie die Fahrt auf einem selbst zusammengenagelten Floß oder die Schnitzeljagd mit Pechfackeln auf seinem Mist gewachsen. Er war originell und hatte es wirklich raus, Kunden bei der Stange zu halten, das machte ihm so schnell keiner nach. Tendenz steigend, im Schnitt kamen sie mittlerweile auf eine Sonderaktion pro Monat, nach der sie regelmäßig von Nachbestellungen bombardiert wurden.
Das würde im Mai nicht anders sein. Immer vorausgesetzt, sein Chef verzichtete darauf, in letzter Minute alles wieder umzustoßen, was er, Jürgen, angeleiert hatte. Wer immer dem Alten diesen Spleen in den Kopf gesetzt hatte, gehörte geteert und gefedert. Wütend ließ Jürgen die Tastatur los. Wenn er nur wüsste, warum plötzlich das Spargelstechen in Frage gestellt wurde. Dabei hagelte es Anmeldungen, und zwar durch die Bank von Männern, das kam doch nicht von ungefähr. Denen fehlte was! Etwas was ihnen kein grüner Tee und kein Körnerfutter und nicht mal DIE Kultserie ersetzte. Eigenhändig Spargel stechen und zubereiten und dann ohne Schnickschnack drauflosfuttern, bereitete den meisten Männern garantiert genauso viel Spaß wie die Jeeptour Anfang April. Der April macht was er will, in diesem Fall gab’s eine Sonderration Schlamm, keiner war verschont geblieben, der Dreck war den Teilnehmern buchstäblich aus den Ohren getropft. Urwüchsig und abenteuerlich, schon jetzt wurde nach dem Termin für die nächste Tour gefragt. Man musste blöd sein, wenn man diese Marktnische nicht bediente. Er war nicht blöd, und er war ein Mann.
»Aber solange du nur ein kleiner Angestellter bist ...«
Okay, er hatte den Aufstieg noch immer nicht geschafft. Und er mochte gar nicht daran denken, was passieren würde, wenn er sich bei Oswald Fuchs wider Erwarten eine Abfuhr holte. Er konnte schließlich niemanden zu seinem Glück zwingen. Aber wo stand eigentlich geschrieben, dass er der Fuchs GmbH auf Biegen und Brechen die Treue halten musste? Ein Leben lang! Okay, er war der Typ, der nicht gleich alles in Frage stellt, wenn es mal nicht so gut lief. Bodenständig war er und treu, auch wenn Elena das schon mal mit Bequemlichkeit verwechselte. Er würde ihr und sich beweisen, dass sie sich irrte. Angenommen, sein Chef blieb stur, musste der sich halt nach einem anderen Dummen umschauen und durfte sich hinterher nicht beschweren, wenn über kurz oder lang die Konkurrenz mit einem gewissen Jürgen Neubauer an der Spitze das Rennen machte.
Gerade als Jürgen überlegte, welcher andere Großhandel im Kölner Raum zu ihm passen könnte, hörte er unten die Haustür ins Schloss fallen.
»Elena? Bist du das?«
»Ich bin tot«, schallte es zurück.
»War es so schlimm?« Er klickte hastig mit der Maus auf...




