Wendeln | Keine Reue | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 294 Seiten

Wendeln Keine Reue


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7407-0552-7
Verlag: TWENTYSIX CRIME
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 294 Seiten

ISBN: 978-3-7407-0552-7
Verlag: TWENTYSIX CRIME
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das muss wohl Karma sein... Im beschaulichen Ort Wardenburg wird der Bürgermeister Uwe Rösker tot aus einem See gezogen. Das Gesicht wurde ihm völlig zerschossen. Kriminalkommissarin Heide Rose und ihr neuer Kollege Peter Grahne nehmen am Neujahrstag die Ermittlungen zu ihrem ersten gemeinsamen Fall auf. Auf dem ersten Blick haben alle am Ort den Lokalpolitiker geschätzt und gemocht. In mühevoller Arbeit setzen Rose und Grahne aber ein ganz anderes Bild von Uwe Rösker zusammen: Er hatte zahlreiche Affären und hat vermeintlich Baugenehmigungen nach eigenem Belieben verteilt. Sann jemand auf Rache? Dann taucht eine weitere Leiche auf....

Biobibliografie Andrea Wendeln 1967 in Oldenburg i. O. geboren. Schon als 12 Jährige erfand ich Geschichten für meinen Bruder, schrieb auch Gedichte, erstmals 2004 wage ich beim Gedichtwettbewerb der NWZ mitzumachen und `Leon Noel´ wurde veröffentlicht. Mittlerweile über 20 veröffentlichte Gedicht, einige Kurzgeschichten und drei Krimis. Ein Kinderbuch ist in Entstehung. Im Moment versuche ich die Zeit zu nutzen die ganzen Geschichten, die ich im Kopf habe, zu Papier zu bringen.
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1

Es war nasskalt und ungemütlich an diesem 31. Dezember. Das Thermometer zeigte 3 Grad Celsius an und die Sonne konnte man nur hinter den Wolkenmassen erahnen. Trotzdem herrschte in den Morgenstunden reges Treiben in der Fußgängerzone rund um die Geschäfte in der Oldenburger Innenstadt.

Die Schaufenster erstrahlten teilweise noch immer in verschiedenen Weihnachtsdekorationen. Mal kleine Tannenbäumchen mit Lametta, mal mit lustigen Weihnachtsmännern oder Elchen mit roten Mützen und Schals. Einige hatten nun zusätzlich ein Frohes neues Jahr ins Fenster gehängt und Sektflaschen mit Gläsern darunter gestellt. Es gab teilweise bereits Schilder mit dem Hinweis auf Prozente, die es ab sofort auf die Waren gab. Straßenmusikanten, wie während der Weihnachtszeit, waren nicht mehr an jeder Ecke und aus den Läden kam keine Weihnachtsmusik mehr. Alles schien ein wenig entspannter nach den Feiertagen.

Ebenso wie die meisten Leute wollte Kommissarin Heide Rose noch ein paar Sachen einkaufen und eilte durch die Fußgängerzone. Etwas Obst und Gemüse, Brot und was sie sonst die nächsten Tage benötigte. Es war nicht viel, denn sie lebte allein in ihrer geräumigen Eigentumswohnung etwas außerhalb der Innenstadt. Außerdem war sie am Neujahrstag bei ihren Eltern zum Essen eingeladen. Sie hatte keine große Lust dazu, aber absagen konnte sie nicht. Denn ihre Eltern erwarteten, dass ihre dreiunddreißigjährige Tochter, ebenso wie ihre jüngeren Schwestern, kam. Das Neujahrsessen war so etwas wie ein Ritual bei ihnen, eine alljährliche Pflicht.

Hoffentlich kam ihr keine Leiche dazwischen, schoss es ihr durch den Kopf. Denn dann musste sie sich eine gute Ausrede einfallen lassen. Ihre Eltern dachten nämlich, dass sie immer noch im Innendienst bei der Polizei wäre. Am Schreibtisch, wo es sicher und langweilig war, dachte Heide und musste grinsen.

Sie wollte ihre Eltern noch darüber informieren, dass sie in den Außendienst gewechselt hatte. Vor allem jetzt, wo ihr Kollege und Vorgesetzter Harm Janzen im Ruhestand war und sie seine Nachfolge antrat. Aber der richtige Zeitpunkt hatte sich noch nicht ergeben, dachte sie. Oder redete sie sich das nur ein? Heide seufzte bei dem Gedanken daran und konzentrierte sich wieder auf ihre Umgebung. Sie wollte so schnell wie möglich zu Hause sein, und so ging sie zügig an den Schaufenstern vorbei. Bis sie an ihrem Lieblingsgemüseladen schräg gegenüber der Galeria Kaufhof ankam. Etwas Obst und Gemüse, Salat und eine Gurke sammelte sie in ihrem Korb. Auf dem Weg zur Kasse nahm sie noch eine Packung Türkischen Apfeltee und reichte alles dem jungen Mann an der Kasse. Wenig später zahlte sie den gewünschten Betrag und wünschte allen einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Sie hatte noch zwei Dinge auf ihrem Zettel stehen, also eilte sie an der Galeria Kaufhof vorbei und überquerte den Schlossplatz, um zu ihrem Bäcker zu gelangen.

Dabei dachte sie über die letzten Tage nach.

Alle Einladungen zu Silvester hatte sie dieses Jahr ausgeschlagen, nach Feiern war ihr einfach nicht zumute.

Außerdem brauchte sie etwas Erholung, da die letzten Wochen wahnsinnig stressig gewesen waren. Zwei Wochen auf einem abschließenden Lehrgang für Kommissare der Mordkommission, dann die Vorbereitungen für den Ruhestand ihres Kollegen Harm Janzen. Die Organisation für das Abschiedsgeschenk und die Feier, schließlich die Übernahme seines Schreibtisches mit allem, was dazu gehörte, ließen sie in der letzten Zeit nicht zur Ruhe kommen.

Ja, und ab morgen, dem 1. Januar, ging es dann los: Man würde sie rufen, wenn ein Mord passierte. Ab sofort führte sie die Ermittlungen bei Mordfällen.

Eigentlich freute sie sich schon, sie hatte lange darauf hingearbeitet und endlich war sie am Ziel. Doch nun wollte sie es sich an Silvester erst mal gemütlich machen zu Hause, dachte sie und ging schneller, um möglichst bald die Füße hochlegen zu können.

Eben beim Bäcker rein und ein leckeres Brot gekauft, das bei ihren anderen Errungenschaften landete, und es ging weiter zum letzten Punkt auf ihrer Liste.

Mittlerweile wollten mehr Leute als zuvor in die Innenstadt und kamen Heide mal schnellen und mal gemütlichen Schrittes entgegen, sodass es auf dem Bürgersteig zwischen Schaufenstern und Autos auf dem Parkstreifen eng wurde.

Vor Heide Rose ging ein älteres Paar, das sich eingehakt hatte und gemütlich an den Schaufenstern vorbeischlenderte. Als die beiden kurz von einem Schaufenster abgelenkt waren, wollte die junge Kommissarin eilig an ihnen vorbei, beschleunigte ihre Schritte und überholte das Pärchen. Plötzlich war wie aus dem Nichts ein Mann vor ihr und erwischte sie mit seiner linken Seite. Sie hatte den Herrn absolut nicht gesehen und verlor nach dem Stoß das Gleichgewicht.

»Oh!« Der Mann versuchte nach ihr zu greifen, sie zu halten, aber er war nicht schnell genug, und Heide Rose fiel rücklings zu Boden.

Oh Mann, wie peinlich, dachte sie, und spürte noch die harte Berührung an ihrem Brustkorb, der Grund, warum sie auf dem Boden lag.

Die Äpfel und Orangen aus ihrem Einkaufskorb kullerten über den Gehweg und das nicht mehr so stramme Zopfgummi entließ ihr langes dunkles Haar aus dem Pferdeschwanz.

Heide wollte keine Sekunde länger wie eine Schildkröte auf dem Rücken dort auf dem Pflaster liegen, streckte ihre Füße in die Luft, und zack, sprang sie mit einem Satz auf. Dann bückte sie sich nach ihrem Korb, dem Brot, das zum Glück gut eingepackt war, und begann, die Früchte aufzusammeln, die sich verselbstständigt hatten.

Den erstaunten Blick des Mannes beachtete sie dabei nicht weiter.

»Das tut mir sehr leid, entschuldigen Sie bitte, ich hatte Sie nicht gesehen«, stammelte er dann und half beim Aufklauben des frischen Fallobstes.

Auch das ältere Paar kam näher und fragte, ob alles in Ordnung sei.

Heide Rose fing gerade wieder ihr dunkles Haar zu einem Zopf zusammen, bejahte ihre Frage mit einem »Vielen Dank«, versteckte ihren angekratzten Stolz nicht gerade erfolgreich hinter einem gezwungenen Lächeln und nahm die letzten abgängigen Früchte von dem Mann entgegen, der sich noch mal entschuldigte. Doch Heide Rose entschuldigte sich ebenfalls, denn schließlich war sie aus dem Nichts hinter dem Paar hervorgetreten und ihm in die Quere gekommen.

»Haben Sie sich auch wirklich nichts getan?« fragte er die 1,59m kleine Heide Rose eindringlich.

»Nein, wirklich nicht, es ist alles okay«, versicherte sie ihm, bedankte sich noch mal für seine Hilfe und verabschiedete sich, um eiligen Schrittes weiterzugehen.

Die Ampel war gerade grün, als sie kam, und so konnte sie die zwei Straßen überqueren, die zu ihrem Ziel führten.

Sie wollte noch rechtzeitig bei dem kleinen Blumenladen sein, wo sie wieder einen schönen Strauß für ihre Mutter bestellt hatte. Natürlich mit deren Lieblingsblume, der Strelitzie, auch Bird-of-Paradise- oder Papageienblume genannt. Sie war schon gespannt, was die Floristin diesmal mit der außergewöhnlichen Blüte gezaubert hatte. Sie überraschte Heide Rose jedes Mal aufs Neue mit ihren einmaligen Kreationen. Ein Grund von vielen, weshalb diese seit Jahren eine treue Kundin bei ihr war.

Wenig später ertönte das vertraute Schellen der Türglocke des kleinen Blumenladens und Heide grüßte freundlich die Floristin und Inhaberin des Ladens.

Beim Klang von Heides Stimme war in der Ecke neben der Heizung ein helles Bellen zu vernehmen. Nur kurz, dann hörte man das Geräusch von vier Pfötchen mit Krallen auf dem glatten Boden, die um die Ecke gerannt kamen. Ein kleiner Hund begrüßte Heide freundlich und überschwänglich. So wie immer, wenn sie in dem Blumenladen kaufte. Fibi, die kleine Langhaar-Chihuahuahündin der Floristin, genoss es, von Heide gestreichelt zu werden, während ihr Frauchen die bestellten Blumen aus dem Hinterzimmer holte.

Marie Fuchs, die Besitzerin des Ladens, hatte Heide einmal erzählt, dass Fibi das nicht bei jedem machte. Nur ganz wenige Leute genossen dieses Privileg, sie streicheln zu dürfen. Rose musste beim Gedanken daran lachen und kraulte die kleine beigehaarige Hündin hinter den Ohren, was diese besonders zu mögen schien, denn sie schloss vor Genuss ihre Augen.

Als das Frauchen mit einem schönen Arrangement rund um die Strelitzie aus dem Hinterraum ihres Geschäfts kam, musste sie beim Anblick der zwei lachen.

»Na, Fibi, lässt du dich wieder verwöhnen?«, fragte sie und zeigte Heide Rose ihr Werk. Die unterbrach das Kraulen und stand auf, um sich das Gebinde genau anzusehen.

Zwei große, dunkelgrüne Blätter hinter der Strelitzie hoben ihre Farben richtig hervor, brachten die Blüte gut zur Geltung.

Weiter unten waren etwas Schleierkraut und ein paar kleine hellgrüne Palmwedel, die drei orangefarbene Gerbera umrandeten.

»Ist es so in Ordnung?«, wollte die Floristin von ihrer Kundin wissen.

»Ja und ob, er ist wunderschön, vielen Dank«, bestätigte ihr...



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