Wendeln | Tod an der Steilküste | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 338 Seiten

Wendeln Tod an der Steilküste


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7407-2312-5
Verlag: TWENTYSIX CRIME
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 338 Seiten

ISBN: 978-3-7407-2312-5
Verlag: TWENTYSIX CRIME
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Urlaub von Kommissarin Heide Rose an der Ostsee wird jäh gestört, als ein Mann vor ihren Augen von der Steilküste stürzt. Schnell stellt sich heraus, dass Gernot Oekner nicht von allein fiel, doch die ortsansässigen Beamten sehen das anders und verweisen Heide Rose auf ihren Urlaub. Immobilienmakler Oekner hatte sich offenbar Feinde gemacht, wie Heide Rose schnell erfährt. Doch wer ist die geheimnisvolle Person, die die Witwe beobachtet und warum? Ist sie auch in Gefahr? Natürlich ermittelt die Kommissarin auf eigene Faust, immer in Begleitung der Chihuahuahündin Fibi. Dabei gerät sie zwischen die Fronten, während sie eigentlich nicht weiter kommt oder doch? Ahnt Kollege Peter Grahne, dass sie unbefugt ermittelt? Das Ganze scheint Heide Rose zu entgleiten, als sich die geheimnisvolle Person die kleine Hündin greift und davon läuft...

Die Autorin Andrea Wendeln schreibt seit ihrer Jugend. Wurde 1967 in Oldenburg geboren, wo sie noch heute im Landkreis lebt. Zahlreiche Gedichte und einige Kurzgeschichten sind in Anthologien erschienen. Dies ist ihr dritter Krimi von Heide Rose und Peter Grahne.
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2


Er liebte es, ganz früh morgens durch das Wäldchen zu laufen und an der Steilküste auf das Meer zu schauen. Er genoss es, sich an seiner Lieblingsstelle den Wind um die Nase wehen zu lassen, die Ostsee zu riechen und auf seiner Haut zu spüren.

Gernot Oekner war froh wieder zurückgekommen zu sein. Zurück nach dem Osten, wenn er auch eigentlich aus Güstrow kam, so hatte er schöne Erinnerungen von Urlauben an der Ostsee, als er Kind war.

In der DDR hielt er es damals aber nicht mehr aus, er liebte seine Freiheit und dazu gehörte auch, sagen zu dürfen, was er meinte. Zu reisen wohin und zu machen, was er wollte.

Da stand er nun, direkt an der Steilküste, unter ihm der Abgrund und dachte daran, wie er damals mit seiner Frau in den Westen flüchtete. Es war 1978 und sie wollten nur weg, ließen ihre Familie, alles zurück um ganz neu anzufangen.

Ja, und es war die richtige Entscheidung, dachte er mit einem Lächeln.

Mit seinen zweiundzwanzig Jahren konnte er sich im Westen ganz neu orientieren und wurde Immobilienmakler. Was er bis heute war und das sehr erfolgreich, denn er konnte es sich leisten, hierher zurück zukommen vor einigen Jahren. Gut, er war jetzt eigentlich im Rentenalter, aber solange er noch so fit war, wollte er daran nicht denken.

Ein Mann kam mit einem Hund vorbei und grüßte Gernot, der immer noch an der Steilküste stand. Er erwiderte den Gruß und trat ein Stück von dem steilen Abgrund zurück, der durch keinerlei Geländer gesichert war. Hier nicht, denn eigentlich war hier auch kein Aussichtspunkt, so wie an den gesicherten Stellen.

Aber er liebte diesen Platz, der von den Sträuchern bis auf dieses kleine Fleckchen, bewachsen war. Jeden Morgen genoss er es, dort zu stehen und den Tag zu beginnen, die Ostsee zu sehen und sich mal mehr, mal weniger Wind um die Nase wehen zu lassen und zu spüren, dass er lebte.

Langsam ging er seine tägliche Morgenrunde weiter, denn er hatte noch einige Termine an diesem Vormittag. In den paar Jahren in Rerik, hatte er sich hier einen Namen als Immobilienmakler gemacht, darauf war er stolz.

Gut, sicher hatte er sich auch ein paar Feinde gemacht, aber als Geschäftsmann kann man es halt nicht jedem Recht machen. Wenn er genau überlegte, konnte kein Mensch es jedem recht machen.

Er beendete seine Runde wie immer und ging nach Hause zum Frühstück, um danach gestärkt in den Arbeitstag zu starten.

Gernot Oekner hatte nicht bemerkt, dass er beobachtet wurde, seine ganze morgendliche Runde lang.

***

Heide Rose hob ihren vollgepackten Trolli ins Auto und holte dann Fibi, um mit ihr noch einmal Gassi zu gehen, denn sie hatten gleich noch einen langen Weg vor sich. Rose wollte so schnell wie möglich zur Ostsee starten, doch nun war noch etwas Geduld erforderlich, bis der kleine Hund seine Geschäfte erledigt hatte.

Sie hatte sich in Rerik eine schöne Ferienwohnung gemietet, natürlich kam Fibi mit, denn eine Hundepension kam für Rose nicht in Frage. Beim Hundetraining, welches immer noch einmal in der Woche stattfand, hatte man sich über solche Pensionen unterhalten und Rose wollte das nicht für Fibi.

Außerdem hatte sie sich schon an den kleinen Schatten, der ihr ständig folgte, gewöhnt. Es war kein Problem seinen Urlaub mit Hund zu planen und zu verbringen, dachte Rose und wusste, dass letzteres eine Premiere war.

Heide Rose ging nochmal in sich und überlegte, ob sie alles hatte, stieg dann ins Auto und startete mit der kleinen Hündin in ihren ersten gemeinsamen Urlaub.

Wenig später fuhr Rose auf die Autobahn und freute sich auf ihre zwei Wochen Urlaub an der Ostsee, was ja auch etwas Neues für sie war. Sie wollte sich den Wind um die Ohren wehen lassen und einiges dort besichtigen. Noch nie war sie vorher an der Ostsee gewesen, hatte ihre Flugreise auf die Malediven storniert, da sie die kleine Chihuahuahündin dorthin nicht mitnehmen konnte. Andererseits war sie noch nie mit dem Flugzeug geflogen und war irgendwie froh, heute stattdessen ins Auto zu steigen.

Ihrem Kollegen Grahne gefiel es gar nicht, dass er wieder mit den anderen Kollegen zusammenarbeiten musste, doch es war nicht vorgesehen, dass ein ganzes Ermittlerteam gleichzeitig Urlaub machte. Der Chef wollte, dass jeder auch mal in einem anderen Team ermittelte, damit man sich gegenseitig inspirierte, wie er es nannte.

Peter Grahne hatte darauf keine Lust, wie er Rose sagte, doch da konnte sie nichts machen, ihr Chef war von der Sinnhaftigkeit seiner Anweisung überzeugt.

Heide musste schmunzeln, während sie darüber nachdachte und steuerte ihren RAV von der A28 auf die A1 in Richtung Hamburg.

Schon verrückt, dachte sie, warum war sie nicht schon längst mal an die Ostsee gefahren und zuckte unbewusst mit ihren Schultern. Sie hatte schon von einigen Bekannten gehört, wie schön es dort war und sich immer vorgenommen, auch mal dorthin zu reisen. Naja, nun war sie ja auf dem Weg dahin und freute sich schon auf das Meer. Klar, sie hatten Ende April und sie konnte sicher nicht dort schwimmen gehen, aber mit den Füßen in die Ostsee, das ging bestimmt dachte Heide Rose und lächelte.

Fibi lag neben ihr in einem Kuschelkörbchen und schlief, wie sie mit einem Blick zu ihr feststellte. Heide hatte ihr das K-9 Geschirr von den neuen Freunden des Bremer Flughafens angezogen.

Sie fand es war eine sehr nette Geste und musste lachen, im Gedanken daran, wie sie das Geschirr für die kleine Hündin vorbeibrachten. Heide Rose wollte mal sehen, ob sie es nach ihrem Urlaub einrichten konnten, einen Gegenbesuch zu machen. Natürlich würde sie mit Peter Grahne nach Bremen fahren. Schließlich waren sie ja ein Team und sie hatte das Gefühl, dass sie ein immer besseres Team wurden und das freute Heide sehr.

Peter Grahne war jemand, mit dem man prima zusammenarbeiten konnte, er brachte sich immer zur rechten Zeit mit ein. Ja, da hatte sie echt Glück gehabt, dass sie ihn als Kollegen bekommen hatte, dachte Rose bei sich.

Plötzlich bremste der Wagen vor ihr ab und Heide ging in die Eisen. Sie hatte zum Glück genug Abstand gehalten, doch sie hatte sich erschrocken, war sie doch in Gedanken gewesen. Nun scherte der Blödmann vor ihr aus und überholte seinen Vordermann. Nur gut, dass sie Fibi ebenfalls mit einem Gurt für Hunde gesichert hatte, sonst wäre sie gegen die Armaturen geflogen, dachte Heide. „Alles gut“, beruhigte sie die kleine Hündin, die vor Schreck den Kopf gehoben hatte. Woraufhin sie ihn wieder ablegte.

Heide ging ebenfalls wieder ihren Gedanken nach.

Die Geburtstagsfeier ihres Vaters hatten sie immer noch nicht nachgeholt, da er leider zwei Wochen krank war und dann waren die Eltern im Urlaub.

Heute kamen sie wieder, doch nun war Heide in Urlaub und war auch gar nicht böse drum. Doch sie hatte sich fest vorgenommen, dass sie beim nächsten Treffen von ihrer Arbeit als Hauptkommissarin erzählen würde. Ja, sie wollte ihren Eltern sagen, dass sie nicht im Innendienst, sondern an der Front arbeitete. Sie hatte sich sogar die Worte genau zurechtgelegt, wie sie es sagen wollte.

Nach zweieinhalb Stunden, sie hatte eine Pause gemacht, fuhr sie von der A20 kurz hinter Wismar, auf die Bundesstraße 105.

Heide Rose staunte über die Landschaft, denn anders wie in Norddeutschland, war es dort leicht hügelig und auch stärker bewaldet. Als sie wieder durch einen Wald fuhr und die Bundesstraße sie bergauf führte, wunderte sich Heide, dass die Ostsee noch nicht zu sehen war. Denn sie wähnte sich in der Nähe von Rerik, da die Salzhaff schon ausgeschildert war. Somit musste sie nahe der Ostsee sein.

Doch dann fiel ihr Blick über ihre linke Schulter und sie erblickte das Meer.

Es war einfach unglaublich, ihr stockte der Atem, doch sie musste sich auf die Straße konzentrieren und es gab auch keine Möglichkeit mal rechts ranzufahren. Ein dicker Straßenbaum nach dem anderen säumte den Rand.

So fuhr sie weiter auf der Bundesstraße 105 und tröstete sich mit dem Gedanken, dass sie die Ostsee noch früh genug ausgiebig bewundern konnte, wenn sie dann in Rerik angekommen war.

Rerik war ein kleiner, feiner Ort. Die Straße führte sie vorbei an Weiden mit einigen Pferden darauf und dann durch Wohnsiedlungen mit Einfamilienhäusern.

Der Routenplaner ihres Smartphones zeigte ihr nach kurzer Zeit an, dass sie rechts abbiegen musste und wenig später kam linkerseits die Leuchtturmstraße.

Diese wurde wenig später zur Dünenstraße, von der wiederum rechts die Strandstraße abging.

Ein paar Häuser weiter war sie schon an ihrem Ziel und freute sich. Zwar hieß es, dass sie den Schlüssel der Wohnung erst ab 16 Uhr holen konnte, doch sie wollte mal schauen ob es auch eher ging und fuhr mit ihrem Wagen auf den Parkplatz hinterm Haus. Da sie die Wohnung Nr. 8 gemietet hatte, fuhr Heide kurzerhand auf den Parkplatz mit der Nr. 8, der zum Glück frei war. Es war halb drei am Nachmittag und als sie den Wagen stoppte ging das Köpfchen der kleinen Hündin erwartungsvoll hoch.

Heide musste lachen, überlegte kurz, nahm dann ihren alten Autokorb aus Weide mit der Wasserflasche und den Leckereien um ihn hinten in den...



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