E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Werhahn / Horstmann / Heller SOS Europa
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86248-912-1
Verlag: FinanzBuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wege aus der Krise – Ein Kompass für Europa
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-86248-912-1
Verlag: FinanzBuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gottfried Heller gilt als profilierter Kenner der internationalen Finanzmärkte. Vom Elite-Report wurde er mit der »Goldenen Pyramide« als einer der »erfahrensten Vermögensverwalter« ausgezeichnet. Seine erfolgreiche Karriere als Vermögensverwalter und Fondsmanager begann er 1971 mit der Gründung der FIDUKA - zusammen mit Börsenlegende André Kostolany. Wenige Jahre später folgten die ebenfalls gemeinsam gegründeten »Kostolany Börsenseminare«, die ersten ihrer Art in Deutschland. In seinem Buch »Die Wohlstandsrevolution«, erschienen 1992, hat er frühzeitig den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg der Schwellenländer, deren wachsenden Wohlstand und ihre zunehmende Bedeutung für die Börse vorhergesagt. Sein Buch »Der einfache Weg zum Wohlstand«, erschienen 2012, stand viele Wochen auf der Manager-Magazin-Bestsellerliste. Heller schreibt seit Jahrzehnten Kolumnen in Presse- und Internet-Publikationen und ist gern gesehener Gast in Funk und Fernsehen. Ulrich Horstmann studierte zunächst Betriebswirtschaftslehre in Bochum, danach in Trier mit finanzwirtschaftlichem Schwerpunkt und schloss an der Wirtschaftsuniversität Wien mit Promotion zum Dr. rer. soc.oec. ab. Seit 1989 ist Ulrich Horstmann in mehreren Finanzinstituten im Research tätig. Der Verfasser kann damit auf eine über 20-jährige Erfahrung in den Bereichen Volkswirtschaft und Unternehmensanalyse innerhalb von Banken zurückblicken. Darüber hinaus arbeitete er in diesem Themenfeld eng mit den Medien zusammen. Mit welchen Konsequenzen jeder Bürger rechnen muss und wo sich jeder die richtigen Informationen beschaffen kann, zeigt Ulrich Horstmann mit seinem detaillierten, sachkundigen Blick auf den Zustand der europäischen Währungsunion. Stephan Werhahn wurde 1953 als Enkel des ehemaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer in Neuss am Rhein geboren. Nach Studien in mehreren europäischen Städten, die er mit einer Promotion in Philosophie abschloss, studierte er Rechtswissenschaften und Volks- und Betriebswirtschaftslehre. Er ist Mitglied der CDU,Bundesvorstandsmitglied der MIT und als Gründer des Steinbeis-Instituts »Europa der Marktwirtschaften« ein überzeugter Europäer.
Weitere Infos & Material
Europa der Marktwirtschaften – Hat die Ordnungspolitik eine Chance?
(Ulrich Horstmann, Stephan Werhahn)
Europa ist in wirtschaftlicher Hinsicht vielgestaltig. Wir sprechen daher in unserem Steinbeis-Institut auch von einem »Europa der Marktwirtschaften«. Das »bunte Bild der Vielfalt« zeigt, dass es zwar einen gemeinsamen Markt, aber eben keine einheitliche europäische Marktwirtschaft gibt. Allein der Vergleich der drei ökonomisch wichtigsten drei Staaten Europas macht dies offensichtlich: So ist die Marktwirtschaft in Großbritannien tendenziell freier und liberaler konzipiert, Interventionen werden im Gegensatz zu Richtlinien der Regierungen in unserem Nachbarland Frankreich abgelehnt. Zentrale Planungsansätze sind für Frankreich typisch und traditionell verankert. Die ausgeprägtere Staatslenkung wurde bereits im Zeitalter des Merkantilismus unter Jean-Baptiste Colbert32 verwirklicht. In seiner Amtszeit wurden Infrastrukturinvestitionen gefördert, Schutzzölle eingeführt und Monopole eingerichtet. Zur Finanzierung des aufwendigen Hoflebens, der Verwaltung und des Heeres wurden hohe Steuern erhoben. Es sind nicht nur Sozialisten, die dieses Modell auch für Europa als richtig erachten. So erklärte der frühere französische Staatspräsident Sarkozy vor dem Europaparlament am 21. Oktober 2008: »Die Eurozone [kann] ohne eine klar identifizierte Wirtschaftsregierung nicht fortfahren«.33
Und wie sieht es in Deutschland aus?
Den ursprünglichen Vorstellungen einer Sozialen Marktwirtschaft, wie sie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg konzipiert und bis 1966, dem Jahr des politischen Abgangs Ludwig Erhards, verwirklicht wurde, wird kaum mehr entsprochen. Trotz zwischenzeitlicher Lippenbekenntnisse von Politikern aus allen politischen Lagern bewegt man sich immer weiter davon weg. Das deutsche Wirtschaftssystem ist derzeit allenfalls noch eine »gelenkte Marktwirtschaft«. Deutschland ist damit kein Vorzeigeland für Ordnungspolitik mehr, sondern bewegt sich in der EU vielleicht noch im oberen Mittelfeld. Per saldo sind in Nordeuropa und in angelsächsisch geprägten Staaten ordnungspolitische Vorstellungen nach wie vor maßgebend (in der folgenden Liste als regelbasierter Politikstil bezeichnet), während im Süden eher ein situativ angepasstes Vorgehen zu beobachten ist. Die staatlichen Verwaltungsstrukturen sind geringer ausgeprägt, wie das Beispiel Griechenland zeigt. Das geht dann so weit, dass viel zu wenig Steuern eingenommen werden. Es bestehen nicht einmal die notwendigen Verwaltungsstrukturen, um eine Besteuerung durchzuführen (von einer fairen Lastenverteilung ganz zu schweigen). Diejenigen, die dazu wirtschaftlich gut in der Lage wären, entziehen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung (z. B. durch Wohnsitzverlagerung ins Ausland). Die Bürger verhalten sich bei der Umgehung von Steuerzahlungen solidarisch, sie sind staatskritischer als im Norden und beuten ihn noch gezielter aus. Das führt dann dazu, dass der private Reichtum in südeuropäischen Ländern relativ größer ist als im Norden mit effizient arbeitenden Steuerbehörden und staatsloyaleren Bürgern. Die deutlich höheren Schwarzarbeitsquoten (Anteil am BIP) in Südeuropa bestätigen das Bild einer größeren Staatsferne in romanisch geprägten Staaten.
| Wirtschafts-system | Staatsquote 2014 (in %) | Währung | Politikstil (regelbasiert/ situativ) | zentralistisch/ föderal | Schwarzarbeitsquote 2015 (Anteil am BIP in %) |
| Belgien | (gelenkte) Marktwirtschaft | 55,1 | Euro | regelbasiert | föderal | 16,2 |
| Bulgarien | staatsgelenkte Marktwirtschaft | 42,1 | Lew | situativ | eher zentralistisch | 30,6 |
| Dänemark | Marktwirtschaft | 56,0 | Dänische Krone | regelbasiert | eher föderal | 12,0 |
| Deutschland | (gelenkte) Marktwirtschaft | 44,3 | Euro | regelbasiert | föderal | 12,2 |
| Estland | Marktwirtschaft | 38,0 | Euro | regelbasiert | eher zentralistisch | 26,2 |
| Finnland | Marktwirtschaft | 58,3 | Euro | regelbasiert | eher föderal | 12,4 |
| Frankreich | staatsgelenkte Marktwirtschaft (Industriepolitik) | 57,5 | Euro | situativ | zentralistisch | 12,3 |
| Griechenland | Marktwirtschaft (mit schwacher Verwaltung) | 49,9 | Euro | situativ | eher föderal | 22,4 |
| Irland | Marktwirtschaft | 38,2 | Euro | regelbasiert | eher zentralistisch | 11,3 |
| Italien | gelenkte Marktwirtschaft | 51,2 | Euro | situativ | eher föderal | 20,6 |
| Kroatien | Marktwirtschaft | 48,2 | Kuna | situativ | eher föderal | 27,7 |
| Lettland | Marktwirtschaft | 37,3 | Euro | regelbasiert | eher föderal | 23,6 |
| Litauen | Marktwirtschaft | 34,8 | Euro | regelbasiert | eher zentralistisch | 25,8 |
| Luxemburg | Marktwirtschaft | 42,4 | Euro | regelbasiert | eher zentralistisch | 8,3 |
| Malta | Marktwirtschaft | 43,1 | Euro | situativ | eher zentralistisch | 24,3 |
| Niederlande | Marktwirtschaft | 46,2 | Euro | regelbasiert | eher... |




