West | Die drei ??? und der unheimliche Drache (drei Fragezeichen) | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Die drei ??? (Audio)

West Die drei ??? und der unheimliche Drache (drei Fragezeichen)


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-440-14061-1
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Die drei ??? (Audio)

ISBN: 978-3-440-14061-1
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



War es ein Scherz, was Mr. Allen über ein Seeungeheuer berichtet, das er gesehen haben will? Wem gehört zum Beispiel die unheimliche Stimme am Telefon? Und was ist Mr. Shelby für ein Mensch? Er nennt sich Spezialist für Tricks und Späße aller Art – aber damit geht er entschieden zu weit ... Unsere drei Freunde, Justus, Bob und Peter müssen wieder so manche Merkwürdigkeiten überstehen.

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Mit Rätseln fängt es an


»Ich frage mich«, sagte Justus Jonas eines Morgens, »wie wir es anstellen würden, wenn wir hier in der Gegend den kühnsten Raub aller Zeiten planten!«

Seine beiden Freunde waren sichtlich verblüfft. Bob Andrews ließ den Stapel Kärtchen fallen, die er gerade einzeln in die alte Druckerpresse einführte. Peter Shaw, der an einem ausgedienten Radio herumbastelte, zuckte zusammen, sodass sein Schraubenzieher eine wilde Kurve beschrieb.

»Was hast du da gesagt?«, fragte Peter. Er versuchte, den hässlichen Kratzer glatt zu schmirgeln, den er hinten auf das hölzerne Gehäuse des Apparats gemacht hatte.

»Ich sagte, ich frage mich, wie wir es anstellen würden, wenn wir hier den kühnsten Raub aller Zeiten starten wollten«, wiederholte Justus. »Gesetzt den Fall, wir wären Verbrechergenies.«

»Frag dich nur weiter«, sagte Peter, »und vielleicht findest du dabei auch noch heraus, was mit uns passiert, wenn sie uns geschnappt haben. Ich hab mal gehört, Verbrechen zahlt sich nicht aus.«

Bob Andrews las seine am Boden verstreuten Kärtchen zusammen. »Ich glaube kaum, dass wir für ein Verbrechen großen Stils die geeigneten Experten wären. Ich bin nicht mal Experte genug, um auf dieser Druckerpresse Karten zu fabrizieren.«

»Mir kam nur so der Gedanke«, meinte Justus. »Schließlich sind wir Detektive. Wenn wir in der Theorie ein Verbrechen sorgfältig planen könnten, käme uns das sehr zustatten, sobald es um seine Aufklärung ginge. Wir müssen unsere Gedankenarbeit einmal in der Gegenrichtung vollziehen und uns in die Denkweise eines genialen Verbrechers hineinversetzen.«

Peter nickte. »Das ist eine prima Idee, Just. Aber erst muss ich bei diesem Radio mal die Gedanken des früheren Besitzers in der Gegenrichtung vollziehen. Er hat das Ding selber zu reparieren versucht und die Strippen total verheddert. Danach werde ich dann gern mit dir kriminelle Planspiele machen.«

Die drei ???, wie sich die Detektive nennen, waren in Justs Freiluftwerkstatt auf dem Schrottplatz der Firma Jonas. Im Schutz des zwei Meter breiten Dachs, das von der hohen Umzäunung nach innen vorsprang, setzten sie alten Trödel, den Justs Onkel Titus aufkaufte, wieder instand. Was sie dabei verdienten, verbrauchten sie zum Teil als Taschengeld, zum Teil leisteten sie sich davon solchen Luxus wie das Telefon in ihrer geheimen Zentrale.

Peter zog an seinem Radio die letzte Schraube an und hielt Justus den Apparat stolz zur Begutachtung hin. »Das dürfte deinem Onkel mindestens drei Dollar wert sein«, sagte er. »Jetzt kann er es als funktionierendes Radio verkaufen – vorher hatte das Ding nur Schrottwert.«

Justus lächelte. »Onkel Titus pflegt aber nicht achtlos mit dem Geld um sich zu werfen. Ich schlage vor, du probierst erst mal aus, ob es überhaupt geht.«

Peter zuckte die Achseln und drehte an einem Knopf. »Und ob das geht«, sagte er. »Hört’s euch an.«

Im Radio summte und krachte es, dann kam der Sender klar herein. Sie hörten einen Sprecher, der anscheinend mitten in den Nachrichten war. »Die Polizei steht im Hinblick auf die sonderbaren Vorfälle in Seaside weiterhin vor einem Rätsel«, sagte er. »Im Laufe der vergangenen Woche wurden fünf Hunde als vermisst gemeldet. Die Besitzer können sich das plötzliche Verschwinden ihrer Vierbeiner nicht erklären. Und nun zu den Nachrichten aus dem Ausland.«

»Schalt ab, Peter«, verlangte Justus.

Peter drehte den Knopf zurück. »Was ist das nun wieder?«, wunderte er sich. »Fünf Hunde vermisst. Anscheinend macht ein verrückter Hundefänger die Gegend unsicher.«

»Da hätten wir ja das Verbrechergenie, das Justus meinte«, sagte Bob grinsend. »Er stiehlt nach und nach alle Hunde, die er kriegen kann, und treibt damit die Nachfrage in die Höhe. Und wenn dann die Leute den Preis zahlen, den er fordert, stößt er die Viecher wieder ab und wird Millionär.«

Justus saß da und knetete seine Unterlippe, das Zeichen dafür, dass sein Denkapparat auf Hochtouren lief.

»Komisch«, meinte er schließlich.

»Was ist komisch?«, fragte Bob. »Ist dir der Schmerz der betroffenen Hundehalter etwa Anlass zur Belustigung?«

Justus schüttelte stirnrunzelnd den Kopf. »Nein. Mir ging es darum, dass in einer Woche gleich mehrere Hunde als vermisst gemeldet werden. Dass Haustiere verschwinden, passiert sonst eher in unregelmäßigen Abständen als gehäuft in einer einzigen Woche.«

»Na, es muss so sein, wie ich sagte«, erwiderte Bob. »Da treibt ein genialer Verbrecher sein Unwesen – mit der verrückten Idee, sich das Hunde-Monopol zu sichern. Vielleicht will er nebenbei auch den Hackfleischpreis drücken. Und natürlich die gestohlenen Hunde mit einem schönen Profit verkaufen!«

Justus rang sich ein Lächeln ab. »Könnte hinhauen. Aber es lässt die Frage offen: Wieso fünf verschwundene Hunde in einer Woche? Und noch eine Frage: Warum hat man sich nicht an uns gewandt, damit wir diese rätselhaften Fälle aufklären?«

»Vielleicht sind sie gar nicht so rätselhaft«, meinte Peter. »Hunde brennen eben manchmal durch und kommen eine Zeit lang nicht wieder. Ich tippe eher da drauf.«

»Ich auch«, sagte Bob. »In der Meldung hieß es nicht, dass es wertvolle Hunde seien. Einfach fünf verschwundene Hunde.«

Justus nickte langsam und widerstrebend. »Vielleicht habt ihr beide recht«, gab er zu. »Es mag eine Laune des Zufalls sein, so ungern ich eine derartige Vermutung auch ausspreche.«

Die beiden anderen grinsten. Justus sprach mit besonderer Vorliebe in dieser gespreizten Art – nicht genug damit, dass er detektivisch äußerst begabt war, was die Freunde an ihm hoch schätzten und was ihn zum anerkannten Oberhaupt des Trios machte.

»Ich frage mich nur«, überlegte Justus, »wie wir dieses Rätsel lösen sollen, wenn uns keiner der Hundebesitzer damit betraut.«

Bob und Peter sahen einander ratlos an. »Was denn für ein Rätsel?«, wollte Peter wissen. »Ich denke, wir sind uns einig, dass es eine Laune des Zufalls ist und kein Rätsel.«

»Vielleicht«, äußerte Justus. »Aber wir sind Detektive. Wir haben in der Vergangenheit mehrere vermisste Haustiere wieder beschafft. Und jedes Mal waren damit geheimnisvolle Vorgänge verbunden.«

Da nickten Bob und Peter und erinnerten sich, wie die Suche nach einer gewissen Abessinierkatze sie auf die Spur des Geheimnisses um die flüsternde Mumie gebracht hatte und wie die Fahndung nach Mr Fentriss’ vermisstem Papagei Lucullus ihnen zur Klärung des Falles mit dem Superpapagei verholfen hatte.

»Seaside liegt südlich von hier, nicht sehr weit weg«, sagte Justus. »Offenbar reicht unser Ruhm als Detektive doch nicht so weit, wie wir dachten. Dagegen sollten wir etwas tun.«

Bob wies auf den Stapel Kärtchen, mit dem er die alte Druckerpresse beschickt hatte. »Das tu ich ja gerade, Just«, meinte er. »Ich drucke neue Geschäftskarten für uns. Eine ganz frische Serie.«

»Gute Idee, Bob«, lobte Justus. »Aber ich hatte etwas anderes im Sinn. Wir müssen einfach besser bekannt werden, und wenn etwas Ungewöhnliches passiert, sollen die Leute sofort an die drei Detektive aus Rocky Beach, Kalifornien, denken.«

Bob hob abwehrend die Hände. »Na hör mal, Just, wie stellst du dir das vor? Wir können uns weder einen Werbespot im Fernsehen noch einen Himmelsschreiber leisten.«

»Ich weiß«, sagte Justus. »Ich schlage vor, wir gehen sofort in unsere Zentrale und berufen eine Sitzung ein, in der wir über Mittel und Wege diskutieren, wie unsere Detektivfirma noch mehr Leuten zum Begriff werden könnte.«

Ohne eine Antwort abzuwarten, stand er auf. Bob und Peter wechselten einen Blick, zuckten die Achseln und folgten ihm. »Das gefällt mir an dir, Just«, sagte Peter mit leisem Spott, »wie du alles so demokratisch regelst. Ich meine, dass wir immer erst abstimmen, ehe eine Entscheidung getroffen wird.«

Die Jungen schoben hinter der Druckerpresse ein Stück Eisengitter zur Seite, das die Mündung einer weiten Wellblechröhre freigab. Sie schlüpften in diese Öffnung und rückten das Gitter wieder zurecht, dann krochen sie auf Händen und Knien etwas über zehn Meter vorwärts. Ein Stück weit verlief die Röhre als unterirdischer Tunnel, dann führte sie zwischen ein paar tarnenden Eisenträgern hindurch. Das andere Ende öffnete sich unmittelbar unter dem Campinganhänger, den die Jungen zu ihrer Zentrale ausgebaut hatten. Als Justs Onkel Titus damals keinen Käufer für den verbeulten alten Anhänger fand, hatte er ihn Justus und seinen Freunden überlassen.

Die drei drückten eine Falltür auf und zwängten sich durch. Nun waren sie in ihrem engen Büro mit Schreibtisch, Stühlen, Schreibmaschine, Aktenschrank und Telefon. An dieses hatte Justus ein Mikrofon und einen Verstärker angeschlossen, sodass die Jungen bei Telefongesprächen gemeinsam zuhören konnten. Außerdem gab es in dem Anhänger eine winzige Dunkelkammer, ein Miniaturlabor und einen Waschraum. Innen war es dunkel, weil hohe Stapel aus Schrott und Trödel den Anhänger umgaben. Peter knipste die Lampe über dem Schreibtisch an.

In diesem Augenblick klingelte das Telefon.

Die Jungen blickten sich an. Angerufen wurden sie höchst selten. Nach dem zweiten Klingeln nahm Justus den Hörer ab und schaltete den kleinen Verstärker ein.

»Justus Jonas?«, fragte eine Frauenstimme. »Sie werden von Albert Hitfield verlangt.«

»Mann!«, rief Bob. »Vielleicht hat er wieder einen schönen Fall...



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