E-Book, Deutsch, Band 2116, 144 Seiten
Reihe: Julia
West Verführung in aller Unschuld?
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7337-0039-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2116, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-0039-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lucy ist bildschön - und hat seinen Bruder auf dem Gewissen! Der römische Tycoon Domenico Volpe hasst die junge Engländerin. Doch damit sie nicht noch mehr Unheil über seine Familie bringen kann, muss er sie auf seiner exklusiven Privatinsel vor den Paparazzi verstecken. Ein Fehler? Nach einem gemeinsamen Bad im Meer wird Domenico jäh von Leidenschaft gepackt. Und als er Lucy verlangend küsst, scheint sie plötzlich so verführerisch unschuldig. Immer weniger kann er glauben, dass sie eine eiskalte, geldgierige Heuchlerin sein soll. Oder ist er gerade ihr nächstes Opfer?
Annie verbrachte ihre prägenden Jahre an der Küste von Australien und wuchs in einer nach Büchern verrückten Familie auf. Eine ihrer frühesten Kindheitserinnerungen besteht darin, nach einem Mittagsabenteuer im bewaldeten Hinterhof schläfrig ins Bett gekuschelt ihrem Vater zu lauschen, wie er The Wind in the Willows vorlas. So bald sie lesen konnte, entdeckte sie die Welt der Romane für sich. Sie verschlang Abenteuerromane und bestaunte die Märchen Illustrationen. In ihren Gedanken, war sie eine der tanzenden Prinzessinen, Rapunzel, eine schlafende Schönheit und natürlich Cinderella. Ausflüge in die Bücherei wurden zu einem regelmäßigen Vergnügen, bei dem sie ferne Welten entdecken und sich in tagträumen verlieren konnte, in denen sie die Heldin in einer der Geschichten spielt. Durch ihre Familie wurde Annie nicht nur ermutigt eine Leidenschaft für Bücher zu entwickeln, sondern sie brachten ihr auch bei das Reisen und den australischen Busch zu lieben. Oft schaffte sie es alle drei Dinge zu kombinieren. Auf ihren Wanderungen und beim Zelten hatte sie immer einen Roman mit im Gepäck. Schon früh wurde sie verrückt nach Liebesromanen. In ihrer Jugend verbrachte sie viele lange Nachmittage damit mit ihrem besten Freund Tennis zu spielen. Zwischen den schier endlosen Sätzen auf kochend heißem Kies, wankten sie zu dem Haus ihres Freundes, um sich wieder zu erholen. Dieses Haus war vollgestopft mit Büchern. Alle mit der markanten Rose auf dem Cover. So geschah es, dass Annie Liebesromane für sich entdeckte und seitdem nicht mehr davon loskam. Glücklicherweise fand sie ihren eigenen romantischen Helden, während sie auf der Universität studierte. Trotz dieser schönen Ablenkung vollendete sie ihr Studium mit Auszeichnung. Außerdem hatte sie weiterhin das Glück viel reisen zu können. Als Rucksacktourist durchstreifte sie Ägypten und Griechenland, trampte durch Neuseeland, bestaunte Sehenswürdigkeiten in Europa und lebte eine Zeit lang in Deutschland. Annie verließ die Universität ohne konkreten Karriereplan in der Tasche zu haben und nahm eine Stelle im öffentlichen Dienst an. Die beste Vorbereitung für einen Autor! In ihrem ersten dauerhaften Job, verbrachte sie sechs Wochen damit den Regierungs Beschaffungsleitfaden Korrektur zu lesen. Jedes. Einzelne. Wort. Davon. Den Text eines Romans zu kontrollieren macht eindeutig mehr Spaß. Für mehrere Jahre schrieb, berichtigte, änderte und verbesserte Annie Regierungspläne, Kabinettentwürfe und Berichte für das ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Fünf grauenhafte Jahre lang hatte Lucy von ihrem ersten Tag in Freiheit geträumt. Von einem wolkenlos blauen italienischen Sommerhimmel, einer milden Brise, Zitronenduft und Vogelgezwitscher.
Stattdessen hatte sie nur den vertrauten Geruch in der Nase. Backstein, Zement und Stahl, getränkt mit dem scharfen Aroma von Verzweiflung und Industriereiniger. Den ganz speziellen Mix, der sich Strafanstalt nannte.
Lucy schauderte. Was wäre, wenn es sich um ein Missverständnis handelte? Wenn die wuchtige Metalltür vor ihr verschlossen blieb?
Der Gedanke, in ihre Zelle zurückkehren zu müssen, versetzte sie in Panik. Die Freiheit zum Greifen nah und doch unerreichbar, das wäre unerträglich!
Der Wachmann tippte den Code ein. Lucy trat vor, die Tasche fest in den klammen Händen, das Herz vor Aufregung wild pochend.
Das Tor öffnete sich, und sie ging hindurch.
Kein Zitronenduft, nur Abgase. Kein blauer Himmel, nur eine düstere graue Wolkendecke. Kein Vogelgezwitscher, nur lärmende Autos.
Und wenn schon. Sie war frei!
Jetzt konnte sie tun und lassen, was sie wollte. Sie konnte ihr Leben weiterleben. Sie würde einen Billigflug nach London buchen und sich dort vor ihrer Weiterreise nach Devon eine Nacht Erholung gönnen. In einem ruhigen Hotel mit einem bequemen Bett und Heißwasser im Überfluss …
Die Stahltür fiel krachend hinter ihr ins Schloss. Ein Stück die Straße hinunter wurden Stimmen laut. Lucy wandte den Kopf und entdeckte eine Gruppe von Leuten vor dem Haupttor, ausgerüstet mit Kameras und Mikrofonen. Die Presse!
Es lief ihr eiskalt den Rücken hinunter. Sie wollte gerade in die andere Richtung davongehen, da brach hinter ihr ein wahrer Tumult los. Schnelle Schritte, Rufe, das Knattern eines Motorrollers.
„Lucy! Lucy Knight!“, schallte es hinter ihr her. Die Meute hatte Blut geleckt.
Lucy beschleunigte ihre Schritte, doch der Rollerfahrer holte sie ein und versperrte ihr den Weg. Ehe sie wusste, wie ihr geschah, knipste er ein Foto nach dem anderen von ihr.
Schon scharten sich die Reporter um sie und hielten ihr Mikrofone unter die Nase. Sie musste sich sehr zusammenreißen, um nicht schreiend davonzulaufen. Nach all den Jahren allein in ihrer Zelle versetzte es sie in Panik, so bedrängt zu werden.
„Wie fühlen Sie sich, Lucy?“
„Was haben Sie für Pläne?“
„Haben Sie unseren Zuschauern etwas mitzuteilen? Oder der Familie Volpe?“
Aus der verwirrenden Flut von Fragen drang scharf der Name Volpe zu ihr durch. Erschrocken hielt sie den Atem an, hilflos dem Blitzlichtgewitter und den neugierigen Blicken ausgeliefert.
Sie hätte es wissen müssen.
Aber das Ganze war fünf Jahre her! Sie hatte gedacht, es wäre längst Gras darüber gewachsen.
Was wollten die Leute jetzt noch von ihr? Sie hatten ihr schon so viel genommen.
Vielleicht hätte sie das Angebot der britischen Botschaft annehmen sollen, sie zum Flughafen zu bringen. Doch sie hatte sich ja dummerweise in den Kopf gesetzt, sich auf niemanden mehr zu verlassen.
Die britischen Behörden hatten sie damals nicht davor bewahrt, in die Mühlen der italienischen Justiz zu geraten, also erwartete sie auch jetzt keine Hilfe von dieser Seite. Und von keiner anderen.
Das hast du jetzt von deinem albernen Stolz, dachte Lucy und bahnte sich mit versteinerter Miene einen Weg durch die Menge. Ohne ihre Ellbogen zu benutzen oder laut zu werden, schob sie sich mit der eisernen Disziplin vorwärts, die sie sich im Gefängnis auf die harte Tour hatte aneignen müssen.
Sie war nicht mehr die unschuldige Achtzehnjährige, die man damals eingesperrt hatte. Sie hatte es aufgegeben, auf Gerechtigkeit zu hoffen. Oder auf einen Retter.
Retten musste sie sich schon selbst.
Kein Wort der Entschuldigung kam ihr über die Lippen, als sie zwischen eine Nachrichtenkamera und die dazugehörige Journalistin geriet, die zu viel Make-up und einen zu kurzen Rock trug und der vor Schreck das Mikrofon aus der Hand fiel.
Ohne nach rechts oder links zu blicken, setzte Lucy stur ihren Weg fort. Sie bekam Platzangst in dem Gedränge, zwang sich aber, nicht panisch die Flucht zu ergreifen.
Das hätte den Reportern so passen können!
Vor ihr tat sich eine Lücke auf. Beherzt trat Lucy vor und fand sich umringt von Männern in dunklen Anzügen mit Sonnenbrillen, die eine schwarze Limousine bewachten und die lästigen Reporter auf Abstand hielten. Hier auf diesen wenigen Quadratmetern herrschte eine Ruhe wie im Auge des Orkans.
Misstrauisch musterte Lucy den teuren Wagen mit den getönten Scheiben, der auf sie zu warten schien. Ihre Freunde hatten sich im Laufe der letzten Jahre verflüchtigt, und ihre Familie konnte sich so ein Luxusgefährt nicht leisten.
Einer der Männer hielt ihr die Wagentür auf, und neugierig spähte Lucy hinein.
Graue Augen, kühl glitzernd wie ein vereister See, sahen ihr entgegen. Als Nächstes nahm sie dichte dunkle Augenbrauen und ebensolches kurz geschnittenes Haar wahr.
Der Lärm der Reporter versiegte, als Lucy wie gebannt das Gesicht des Mannes im Innern des Wagens betrachtete.
Täuschte sie sich, oder rümpfte er kaum merklich die Nase über den ordinären Gefängnisgeruch, der ihr vermutlich anhaftete?
Hohe Wangenknochen, ein markantes Kinn und ein entschlossener, abweisend wirkender Mund vervollständigten seine stolzen, regelmäßigen Züge.
Es knisterte förmlich zwischen ihnen, als sie einander in die Augen sahen.
„Domenico Volpe!“, rief Lucy schockiert.
Doch nicht er!
„Sie erinnern sich an mich?“, fragte er in geschliffenem Englisch. Es klang, als wollte er mit Leuten wir ihr lieber nichts zu tun haben.
Lucy ließ sich nicht anmerken, wie gekränkt sie war. Sie hatte in den letzten Jahren eine ausgefeilte Taktik entwickelt, Aggressionen und Beleidigungen mit ausdrucksloser Miene an sich abprallen zu lassen.
„Selbstverständlich erinnere ich mich an Sie.“
Als könnte ich dich jemals vergessen!
Irgendwann vor langer Zeit hatte sie einmal gehofft …
Nein, Schluss damit. So lächerlich naiv war sie schon lange nicht mehr. Sein Anblick setzte eine Flut von Erinnerungen in Gang, von denen sie die älteren, glücklichen lieber ausblendete.
„Sie haben keinen Tag des Prozesses versäumt.“
Die lärmenden Reporter ringsum erinnerten sie qualvoll an jene Zeit.
„Was hätten Sie an meiner Stelle getan?“ Domenico Volpes Ton, sanft und gefährlich zugleich, jagte ihr einen Schauer über den Rücken. Hatte sie nicht neulich gelesen, dass die königlichen Auftragsmörder des Ottomanischen Reichs ihre Opfer mit Seidenschals zu erdrosseln pflegten?
Nein, Domenico Volpe würde nie so tief sinken, sich an ihr zu vergreifen. Aber er würde auch keinen Finger rühren, um sie zu retten. Obwohl sie beide vor langer Zeit ein paar flüchtige Stunden verheißungsvoller Nähe erlebt hatten …
Wie kam sie dazu, mit diesem Mann, der ihr nur Schlechtes wünschte, zu reden? Schweigend wandte Lucy sich zum Gehen, doch ein Hüne im dunklen Anzug versperrte ihr den Weg.
„Bitte, Signorina.“ Er wies auf die offene Wagentür. „Steigen Sie ein.“
Zu Domenico Volpe? Dem Mann, der für alles stand, was in ihrem Leben schiefgegangen war?
Sie lachte hysterisch und versuchte, sich an dem Mann vorbeizudrängeln, doch er hielt sie fest.
„Finger weg!“ Eine jahrelang aufgestaute Mischung aus Verwirrung, Verzweiflung und Wut stieg wie brodelnde Lava in ihr auf.
Niemand hatte das Recht, sie herumzukommandieren.
Jetzt nicht mehr.
Bevor Lucy sich bremsen konnte, überschüttete sie den Mann mit einer Salve derber italienischer Flüche, die sie vor ihrem Gefängnisaufenthalt nicht einmal auf Englisch gekannt hatte. Diese Ausdrücke gehörten sicher nicht zum Wortschatz eines Domenico Volpe und seiner vornehmen Sippe, denn sie waren unter Kriminellen und Gestrauchelten üblich.
Sie musste es wissen, denn sie war genug von ihnen begegnet.
Erst als der Bodyguard verblüfft vor ihr zurückwich, verstummte sie peinlich berührt. So unbeschadet, wie sie gedacht hatte, hatte sie den Strafvollzug wohl doch nicht überstanden.
Eben noch hätte sie vor Freude über ihre Entlassung jubeln können, aber jetzt verließ sie der Mut. Wie lange würde ihr der Gefängnisgeruch noch anhaften? Wie nachhaltig hatte diese Zeit sie geprägt?
Lucy riss sich zusammen, schloss die Finger fester um den Griff ihres Koffers und marschierte los. Diesmal ließ der Bodyguard sie unbehelligt passieren.
Lieber lief sie einer ganzen Meute von Reportern in die Arme, als eine Minute länger im Dunstkreis dieses Mannes zu verweilen.
„Tut mir leid, Boss. Ich hätte sie aufhalten sollen, aber die Presse …“
„Schon gut, Rocco. Ich will nicht in der Zeitung lesen, dass ich Lucy Knight entführt habe“, meinte Domenico grimmig. Seine Schwägerin Pia regte sich schon genug auf.
Unbehaglich beobachtete er, wie die schmale Gestalt von der wartenden Menge eingekreist wurde. Aus unerfindlichen Gründen hatte er das Gefühl, sie im Stich gelassen zu haben.
Weil sie ihn wie ein waidwundes Reh angesehen und den tobenden Mob seiner Gesellschaft vorgezogen hatte?
Unsinn. Nüchtern betrachtet, sprach alles dafür, dass sie ihre Strafe verdient hatte. Nur manchmal, mitten in...




