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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 580 Seiten

Reihe: Historyland

Westerhoff Historyland

Der giftige Nebel
3. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-9023-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der giftige Nebel

E-Book, Deutsch, Band 3, 580 Seiten

Reihe: Historyland

ISBN: 978-3-6957-9023-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein giftiger, nicht bewusst wahrnehmbarer Nebel zieht durch die reale Welt und durchs Historyland. Während auf der Erde die Menschen nicht mehr lesen können, ohne große Schmerzen zu erleiden, steigt im Historyland bei seinen Bewohnern das Böse aus dem Inneren eines jeden an die Oberfläche. Um dies aufzuhalten, begeben sich die Brüder Chippolino und Felix auf ihre schwierigste Reise. Wer ist schon verändert und wer nicht? Wer ist Freund und wer ist Feind? Nicht immer ist es leicht, dies zu unterscheiden. Werden sie es schaffen?

Nach über 20 Jahren zwischen der ersten Idee und diesem 3. Band endet für den Autor die lange, fantastische Reise durch das Historyland. Es wird vielleicht noch die ein oder andere Geschichte zu den Ländern geben, die durchquert wurden, doch das sind neue Projekte, denen sich Philipp Westerhoff in Zukunft widmen möchte.
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1. Kapitel


– Trips und der Falschspieler -

Einen Wirt. Er brauchte einen neuen Wirt. So langsam ließen seine Kräfte nach. Das spürte er. Warum hatte ihn der Letzte in diese einsame Gegend geschleppt? Langsam glitt er in den wenigen Böen dahin. Er versuchte, so gut es ging, ohne dass es zu viel Kraftkostete, mit den Winden mitzutreiben und hoffte, bald jemandem passenden zu begegnen. Sich bewusst bewegen konnte er sich nur sehr wenig. Wie auch, wenn man wie er keinen Körper hatte. Er war weniger als ein Geist und doch irgendwie mehr. Aber zugleich war er etwas ganz anderes. Gesehen hatte ihn in seiner echten Gestalt noch niemand. Die wenigsten waren ihm je begegnet oder wussten überhaupt, dass es ihn gab. Und diejenigen, die ihn getroffen hatten, konnten es oft nicht erzählen. Solange er sich in seinen Wirten einnistete und von ihnen zehrte, waren sich viele nicht einmal bewusst, dass er in ihnen war.

Sie glaubten, alles wäre so wie immer oder machten sich dies zumindest vor, da sie Angst hatten, dass sich was ändern könnte. Auch wenn in Kleinigkeiten sich zeigte, dass etwas anders war, gaben sie es nicht zu, weil sie Angst davor hatten. Und genau davon lebte er. Ihre Angst. Ihre großen und kleinen Sorgen. Er nagte an ihrer Kraft, die der Körper brauchte, um sich Ängsten zu stellen oder Veränderungen anzunehmen. Immer solange, bis sie leer waren. Entweder gaben sie sich völlig ihren Ängsten hin oder sie wurden des dagegen ankämpfen so müde, dass sie stumpfsinnig und kraftlos durch die Welt zogen. Dann wurde es auch für ihn Zeit, weiterzuziehen.

Wieder dachte er an den Letzten, dessen er sich bemächtigt hatte, ohne ihn bewusst zu beherrschen. Er war der geborene Feigling gewesen, hatte vor jedem und allem Angst und strahlte auch nach außen Furcht aus. Es war leicht gewesen, sich einzuschleichen. Er war bereits alt gewesen. Während er in und von ihm lebte, hatte er es gut gehabt, doch dann waren sie hierhergekommen. Irgendwo im Nirgendwo hatte sich der Alte schließlich aufgegeben, sich hingesetzt und einfach beschlossen, nichts mehr zu tun, sondern zu warten, bis es vorbei war.

Auch wenn er keine Gedanken lesen konnte, spürte er, wie seine Quelle auf einen Schlag versiegte und da war er nun, glitt durch die Lüfte und hoffte, bald einen neuen zu finden. Aber was war, wenn da niemand war? Wenn seine Reserven aufgebraucht waren? Würde er dann einfach sterben? Konnte er das überhaupt? Und falls ja, wie? Und woran würde er es merken? Schließlich atmete er nicht, hatte keine Gefühle und spürte auch nichts. Er war einfach da. Existierte, obwohl nur das Denken dem ähnlich war, was auch bei seinen Wirten im Kopf vorging. Zumindest vermutete er das. Aber alles andere, was diese zum Leben benötigten, brauchte er nicht, da es ihn im einen Sinn gar nicht gab und er doch da war. Viele hatte er sterben sehen. An Hunger, Alter, Einsamkeit und hunderterlei anderen Dingen, die aber alle nicht für ihn galten.

Die Bö lies nach und er stand bewegungslos in der Luft. Um ihn herum war kein einziges Lebewesen. Nicht mal ein Tier. Nur sehr ungern nistete er sich in die ein. Sie waren keine guten Quellen. Die kleinen waren zu schnell abgezapft oder starben zu schnell und die großen waren so groß, dass sie vor nichts Angst haben mussten. Da tierisches Leben oft deutlich simpler war, als das von Menschen, gab es bei ihnen viel weniger Gründe sich zu fürchten. Sie waren aufmerksam und ihre Instinkte halfen ihnen, zu überleben, aber gerade die waren es auch, die die Furcht vor etwas hemmte. Da die Menschen oft nicht mehr auf ihre Instinkte vertrauten, waren sie viel ergiebiger.

Am besten war es, wenn es einer im mittleren Alter war. Kinder und Jugendliche waren oft zu neugierig, so dass sie einfach erst Mal etwas neues ausprobierten, und die Alten hatten meistens durch ihre lange Lebenserfahrung nur Angst vor etwas, wo sie wussten, dass es gefährlich ist. Aber Angst vor Veränderung oder dem Ende des eigenen Daseins ging diesen beiden Gruppen völlig ab. Den Jungen, da für sie das Ende des Lebens so weit weg war, dass sie sich unsterblich fühlten und den Alten, weil sie bereits so lange im Diesseits wandelten, dass ihnen das Ableben einfach nur wie der nächste Schritt vorkam.

Nein, am besten waren die Menschen im mittleren Alter und von denen am liebsten Männer. Frauen waren zwar auch oft gute Wirte, doch die Männer waren die größeren Memmen, weil sie aus ihren eigenen Erfahrungen zwar lernten, aber deshalb nicht so schnell die Angst davor verloren. Einer seiner Wirte, der zwar ganz genau wusste, wie man ein Ei brät und dies schon unzählige Male gemacht hatte, fürchtete sich trotzdem jedes Mal, wenn er am Herd stand, dass es misslingen könnte, obwohl es jedes Mal klappte. Und genau diese kleinen Ängste ließen ihn leben.

Auf einmal wurde er von einem starken Wind zur Seite geschleudert. Er wusste nicht woher der kam und wohin es ihn trieb, spürte aber, dass er schneller wurde. Ein Wirbel erfasste ihn und zog ihn immer weiter von der Oberfläche weg. Für einen Moment wollte er versuchen, sich aus diesem Aufwind herauszuwinden, da er in großer Höhe wohl keinen neuen Wirt finden würde, doch dann entschied er sich dagegen. Er wusste, er würde viel Kraft benötigen, sich in seine nächste Quelle zu setzen. Das war der einzige Nachteil seiner Existenz. Da er von Gefühlen lebte, musste er sich auch in ihrem Zentrum einen Platz erschleichen. Doch dort hinzukommen, war immer mit anderen Schwierigkeiten verbunden, da jedes Lebewesen seine Gefühle so gut es ging schützt. Schließlich waren sie zum Leben wichtiger als alles andere.

So entschied er sich, weiter mit zu wirbeln, denn wo es rauf geht, muss es auch irgendwann wieder runtergehen. Denn noch hatte er Zeit.

*

„Es ist kaum zu glauben, dass es schon ein Jahr her ist, das wir hier waren. Mir kommt es so vor, als wäre es letzte Woche gewesen.“ Gedankenverloren ließ Felix seinen Blick über den See vor ihnen gleiten. Die Nachmittagssonne spiegelte sich in seinem leicht welligen Wasser. Fliegende Fische sprangen aus den Fluten und landeten einige Meter weiter wieder, wo sie mit einem leisen Platschen in den Tiefen, aus denen sie kamen, verschwanden. Sein Bruder und sein Vater hatten sich schon umgewandt, um den kleinen Hügel, auf dem sie gelandet waren, zum Dorf hinunterzugehen. Doch er machte keine Anstalten, es ihnen gleich zu tun, sondern blickte nur weiter fasziniert auf den See hinaus.

„Was ist? Wonach suchst du?“, fragte Chippolino ihn. Er hatte bemerkt, dass sein Bruder ihnen nicht gefolgt war und trat zu ihm. „Nichts Spezielles. Ich bin nur erstaunt, wie groß dieser See ist. In meiner Erinnerung war er viel kleiner. Schließlich sind wir nur ein kurzes Stück auf ihn hinausgefahren, bevor uns die Seeschlange holte und dann waren wir auch schon in dem Tunnel mit dem unterirdischen Fluss unterwegs zum Volk des Meeres. Wie war das möglich?“, fragte er seinen Bruder und deutete auf das Gewässer zu ihren Füßen.

Nun, da sie ihn zum ersten Mal in hellem Tageslicht sahen, fiel ihnen erst auf, wie groß er war. Das andere Ufer war mindestens zwei Kilometer von ihnen entfernt und auch zwischen dem Anfang des Sees, wo ein Fluss in ihn mündete und dem andere Ende, wo selbiger zum großen, azzurianischen Meer hinausfloß, lag mit mehreren Kilometern eine noch größere Distanz. Cornelius bemerkte den leicht erstaunten Blick seines Sohnes und sprach: „Eure Mutter und ich sind einmal an den Ufern dieses Sees entlanggewandert. Wir haben einen halben Tag gebraucht, um ihn zu umrunden. Wir haben uns zwar Zeit gelassen, aber selbst ein Reiter zu Pferd würde mindestens einige Stunden brauchen. Vergesst aber nicht, dass ihr Hilfe hattet. Ansua schwimmt sehr schnell und so kam euch die Strecke deutlich kleiner vor. Lasst uns nun aber ins Dorf gehen. Ich würde gern noch ein paar Sachen mit euch besprechen, bevor sich unsere Wege vorerst trennen.“

Noch während er sprach, trat aus einer kleinen Höhle, die an dem landseitigem Abhang des Hügels befand, auf dem sie standen, Blacky heraus und, zu Felix Verblüffung, auch Melis, seine Stute aus der realen Welt. „Melis. Was machst du denn hier? Wie bist du hierhergekommen?“ „Ich bin euch gefolgt.“ „Aber wie? Du bist doch kein Wesen aus dem Historyland und trägst auch kein Blut eines solchen in dir.“ Da glitt ein schelmisches Lächeln über das Gesicht seines Vaters und mit einem Seitenblick auf Blacky meinte er nur: „Bist du dir sicher?“

Chippolino, der neben seinem treuen Gefährten stand, strich diesem über die Nase und fragte ihn im spielerisch ernsten Ton: „Gibt es da etwas, was ich wissen müsste? In der Welt der Menschen hast du doch immer einen Bogen um sie gemacht, als ob du sie nicht riechen könntest.“ Auch Felix wandte sich an seine Stute: „Und auch du hast dich immer möglichst fern von ihm gehalten.“ Ein kicherndes Schnauben entfuhr den Gefragten und dann hörten ihre Reiter Blackys Stimme in ihren Köpfen: „Wir müssen euch ja nicht alles sagen, oder? Wir haben auch unsere Geheimnisse.“

Da mussten auch die beiden Brüder lachen und Chippolino meinte: „Na dann, zeig deiner Freundin mal die...



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