E-Book, Deutsch, Band 1, 670 Seiten
Reihe: Historyland
Westerhoff Historyland
2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7568-7581-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der schwarze Magier
E-Book, Deutsch, Band 1, 670 Seiten
Reihe: Historyland
ISBN: 978-3-7568-7581-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Philipp Westerhoff wurde 1984 in Cuxhaven geboren und wuchs in Bremerhaven auf. Nach dem Abitur sammelte er erste Erfahrungen im Autohandel sowohl in seiner Heimatstadt als auch in Berlin. Nach diesem Einblick in die Arbeitswelt begann er ein Lehramt Studium für Germanistik und Geographie. Nachdem dies nicht von Erfolg gekrönt war, kehrte er zum Handel zurück und leitet nun einen Fahrradlagerverkauf in Oldenburg. Da seine Aufsätze immer bedeutend besser als seine Diktate waren, merkte er schnell, dass das Erzählen ihm lag. Bald fing er an, kurze Geschichten oder auch Gedichte für Freunde und Familie zu schreiben. Diese Erzählungen, die nur für private Zwecke niedergeschrieben wurden, wuchsen in ihrer Länge immer mehr, bis er mit Historyland seine erste Geschichte schrieb, die dem Umfang eines Romans entsprach. Nach dem Zuspruch diverser Probeleser entschloss er sich, Historyland als erste seiner Geschichten zu veröffentlichen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Prolog
Wie die Geschichte ihren Anfang nahm…
Es begann in einer kleinen Stadt, etwa zweihundert Meilen von Las Vegas entfernt. Die Sommerferien hatten gerade begonnen und die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel. Es war sehr warm und die Eisdielen machten einen derart guten Umsatz, dass einige von ihnen Probleme bekamen, genügend Eis herzustellen, um den Wünschen all ihrer Kunden nachkommen zu können. Die Freibäder hatten aufgrund der großen Hitze von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und am Wochenende sogar bis spät in die Nacht hinein geöffnet.
Es bestanden also eigentlich perfekte Bedingungen, um die Ferienzeit zu genießen. Aber es war wie so oft: In den ersten Tagen machte man alles auf einmal und nach ein paar Tagen schon langweilte man sich. Denn wer hatte schon Lust, jeden Tag zu angeln, zu schwimmen und Eis essen zu gehen? Und vor allem: Wer hat schon das Geld dazu?
Vor diesem Problem stand auch eine Gruppe von etwa einem halben Dutzend Kinder, die in diesem Augenblick behäbig die Hauptstraße des 15000 Einwohner Städtchens entlangschlenderte. Sie wussten nicht, was sie mit ihrer scheinbar endlosen Freizeit anfangen sollten und langweilten sich. Angeln war auf die Dauer zu wenig aufregend, vom vielen Schwimmen in den letzten Tagen waren ihnen fast schon Schwimmhäute gewachsen und um Eis zu essen fehlte ihnen einfach das Taschengeld. Was also sollten sie tun? Sie beratschlagten eine Weile, bis eines der Kinder vorschlug: „Gehen wir doch zum Alten am Fluss! Vielleicht erzählt er uns etwas Schönes. Eine spannende Geschichte oder ein Abenteuer!“
Da den anderen auch nichts Besseres einfiel, stimmten sie dem Vorschlag zu und machten sich auf den Weg. Der so genannte ‚Alte am Fluss’ war ein sehr greiser Mann, welcher schon seit langer Zeit in der kleinen Stadt lebte. Er gehörte fast schon zur Geschichte der Stadt, wie das Rathaus oder die kleine Schule. Ihn umgab etwas Geheimnisvolles, denn niemand hatte ihn je arbeiten sehen und dennoch besaß er ein kleines Haus am Flussufer und war immer gut gekleidet. Auch konnte niemand sagen, woher er eigentlich gekommen war. Man wusste nur, dass er Deutscher war. Aber von wo genau aus Deutschland er stammte und was er dort gemacht hatte, bevor er nach Amerika übergesiedelt war, das wusste niemand.
Trotz dieser Unklarheiten war er bei den Einwohnern sehr beliebt. Wenn jemand Hilfe oder einen Rat brauchte, war er stets mit seinem Wissen oder mit handwerklichem Geschick zur Stelle. Außerdem wusste er hervorragend zu erzählen. Wenn er zum Beispiel abends in sein Stammlokal kam, was nicht oft war und eine seiner Geschichten zum Besten gab, dann war jeder im Raum ganz Ohr. Seine spannenden und oft auch lustigen Geschichten waren so faszinierend, dass ihm jedes Mal der Wirt oder einer der Gäste etwas zu trinken oder eine Kleinigkeit zu essen spendierte, damit er bloß fortfuhr. Besonders die Frau des Wirtes liebte seine Erzählungen und es kam nicht selten vor, dass sie für den Alten vom Fluss eine große Schale ihrer berühmten, selbstgemachten Mousse au Chocolat springen ließ. Manchmal kam der Alte auch im Kindergarten oder in der Schule vorbei und erzählte den Kindern kurze, aber fantastische Geschichten.
Aus diesem Grund gingen die Kinder nun zum ihm. Sein Haus stand etwas abseits, vor den Toren der Stadt, am Ufer des Flusses, welcher die nahegelegene Ortschaft durchfloss. Als die Kinder an seinem Grundstück ankamen, war der Alte jedoch nicht da. Sie beschlossen, ihn zu suchen. Sie gingen ein Stück am Wasserlauf entlang und fanden ihn nach kurzer Zeit ein Stück stromaufwärts, hinter einer kleinen Flussbiegung, an eine riesige Kastanie gelehnt, sitzen. Er rauchte gerade gemütlich seine Pfeife, hatte die Augen geschlossen und kühlte sich die Füße im vorbeifließenden Wasser. Die Kinder gingen zögernd auf ihn zu. Er hatte sie schon kommen hören und als die Kinder vor ihm standen, öffnete er die Augen, sah jedes Kind nacheinander an und fragte dann: „Na, ihr Racker, was kann ich für euch tun?“
Sie drucksten eine Weile herum, will sie nicht so recht wussten, wie sie ihn darum bitten sollen, ihnen ein Abenteuer zu erzählen. Es sollte nicht zu fordernd klingen, aber eben auch nicht zu zurückhaltend, denn sie waren ja hergekommen, um eine der berühmten Geschichten des Alten zu ergattern. So drückten sie sich verlegen umeinander herum und überlegten, wie sie dem Alten ihr Anliegen nahebringen sollten. Da nahm er ihnen lächelnd die Entscheidung ab: „Ich könnte wetten, ihr seid hergekommen, um eine meiner Geschichten zu hören. Richtig?“
Die Kinder atmeten auf und nickten eifrig mit den Köpfen. Der Alte nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife und sprach: „Nun gut. Dann macht es euch mal möglichst bequem und ich werde euch eine Geschichte erzählen, die ich selbst erlebt habe, als ich etwa in eurem Alter war. Es ist die Geschichte eines guten Kameraden und Freundes.“
Die Kinder kletterten auf die tief hängenden, breiten Äste der Kastanie, machten es sich in den Astgabelungen gemütlich und schauten erwartungsvoll zu dem Alten hinab. Dieser hatte sich nun so hingelegt, dass seine Beine bis zu den Knien im Wasser lagen und er selbst, ohne den Kopf verdrehen zu müssen, seine Zuhörer über sich sitzen sehen konnte. „Ich möchte euch um einen kleinen Gefallen bitten: Setzt euch so bequem und sicher hin, wie es nur geht. Dann schließt eure Augen und lasst eurer Fantasie freien Lauf, während ich erzähle. Ich verspreche euch: Das wird ein einmaliges Erlebnis für euch werden!“
Die Kinder ruckelten sich gehorsam auf ihren Plätzen zurecht und schlossen die Augen. Der Alte tat noch einen tiefen Zug aus seiner Pfeife und ließ den Rauch in breiten Ringen aufsteigen. Der Geruch der Kastanie, des Flusses und des Rauches vermischten sich miteinander und die Kinder fühlten sich bereits jetzt weit, weit weg von zu Hause. Und nun der Alte begann mit ruhiger, klarer Stimme seine Geschichte:
Bevor ich euch diese Geschichte erzählen kann, muss ich euch ein bisschen von meiner Heimat berichten, damit ihr leichter in das Geschehen hineinfindet. Denn die Geschichte beginnt im fernen Europa, in Deutschland. Also dort, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Dieses Land ist im Norden von der stürmischen See und im Süden von einem Gebirge begrenzt. Es ist etwa 1 ¼-mal so groß wie unser schöner Staat Nevada. Es gibt dort Felsengebirge, große Wiesen, Hügel- und Seenlandschaften. Lediglich mit Wüsten kann dieses Land nicht dienen. Durch diese vielen verschiedenen Landstriche ist meine Heimat voll von unterschiedlichen, alten Sagen und Märchen. Die Bewohner des Nordens glauben an Geisterschiffe auf See, Spukgestalten im Moor und ruhelose Verstorbene im Nebel. Auch in den anderen Bereichen des Landes gibt es Geschichten über Zwerge, Kobolde, Riesen und Drachen. In diesem Land wuchs der Junge auf, von dessen Abenteuern ich euch heute erzählen will. Sein Name lautet Felix. Felix Friedrich Schönefelder. Den meisten von euch wird dieser Name nichts sagen, weil ihr ihn wahrscheinlich gar nicht kennt. Woher auch? Er lebte zwar auch einmal hier in dieser Stadt, aber das ist schon viele Jahre her. Und zu der Zeit, als die Geschichte begann, wohnte er gemeinsam mit seinem Vater und seinem Großvater in Kirchzarten. Das ist ein kleines Dorf im Süden Deutschlands, in einem Gebiet, das man ‚Schwarzwald’ nennt.
Diese Gegend ist für ihre Naturverbundenheit, vor allem aber für ihre vielen Fabelwesen bekannt - wie zum Beispiel Kobolde, Feen, Elfen und andere kleine Waldgeister. Viele der Märchen und Fabeln dieser Region spielen in unmittelbarer Umgebung zu seinem Heimatort. So war es kein Wunder, dass auch Felix viel über diese geheimnisvollen Wesen wusste, da man deren Geschichten in dieser Gegend fast mit der Muttermilch aufsaugte. Aber ich will nicht zu weit vorgreifen, da ich euch Felix erst einmal genauer vorstellen will:
Er war damals ungefähr fünfzehn Jahre alt. Er war weder besonders groß noch klein und seine Statur war weder dick noch dünn. Seine dunkelblonden, kurzen Haare standen meistens in alle Himmelsrichtungen von seinem Kopf ab. Obwohl er sehr neugierig und offen für alles Neue war, hatte er eigentlich nur drei große Leidenschaften: Die erste war das Fußballspielen, die zweite das Lesen und die dritte war das Theater. Sein drittes Hobby hatte er schon damals, nach vielen Theaterbesuchen, zum Beruf gemacht und er arbeitete in seiner Freizeit, neben der Schule, im Theater in Freiburg, einer kleinen Stadt in der Nähe von Kirchzarten, als Statist, Requisiteur und letztlich als ‚Mädchen für Alles’.
Was den Fußball betrifft, muss ich leider berichten, dass er, obwohl er mit viel Leidenschaft und Spaß bei der Sache war, fast das ganze erste Jahr mehr schlecht als recht spielte.. Aber sein Ehrgeiz trieb ihn an und nach einiger Zeit harten Trainings gehörte er, durch seine furchtlose und resolute Art als Verteidiger, zu den wichtigen Stützen seiner Mannschaft. Er war zwar nie ein großer Techniker, aber er gab auch nie einen Zweikampf oder gar ein Spiel verloren. Und diese Verbissenheit und Ausdauer, die er in diesem Jahr entwickelte, sollte ihm in der Geschichte, die ich euch...




