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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 512 Seiten

Reihe: Historyland

Westerhoff Historyland

Der steinerne Fluch
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7583-8971-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der steinerne Fluch

E-Book, Deutsch, Band 2, 512 Seiten

Reihe: Historyland

ISBN: 978-3-7583-8971-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Chippolino hatte sich gerade erst an sein neues Leben in der realen Welt gewöhnt, da wird Blacky gestohlen. Die Spuren des Diebes führen ihn mit seinem Bruder zurück ins Historyland. Unterwegs haben sie einige schwere Rätsel zu knacken, denn wo soll man in einem grenzenlosen Land suchen, wenn man nicht weiß, wo man anfangen soll? Zum Glück stehen ihnen einige gute Freunde zur Seite und sie glauben sich nach einigen schweren Kämpfen und Abenteuern bald am Ziel: die Befreiung ihres vierbeinigen Freundes. Doch ist ihre gefährliche Reise hier wirklich schon zuende?

Philipp Westerhoff wurde 1984 in Cuxhaven geboren und wuchs in Bremerhaven auf. Nach dem Abitur sammelte er erste Erfahrungen im Autohandel sowohl in seiner Heimatstadt als auch in Berlin. Nach diesem Einblick in die Arbeitswelt begann er ein Lehramt Studium für Germanistik und Geographie. Nachdem dies nicht von Erfolg gekrönt war, kehrte er zum Handel zurück und leitet nun einen Fahrradlagerverkauf in Oldenburg. Da seine Aufsätze immer bedeutend besser als seine Diktate waren, merkte er schnell, dass das Erzählen ihm lag. Bald fing er an, kurze Geschichten oder auch Gedichte für Freunde und Familie zu schreiben. Diese Erzählungen, die nur für private Zwecke niedergeschrieben wurden, wuchsen in ihrer Länge immer mehr, bis er mit Historyland seine erste Geschichte schrieb, die dem Umfang eines Romans entsprach. Nach dem Zuspruch diverser Leser keimte bald in ihm der Gedanke, ein weiteres Buch über dieses besondere Land zu schreiben.
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Prolog


„Herzlich Willkommen zur Sitzung des Bürgerrates von New Berlin!“ Steven Miller atmete tief durch, strich sich mit der rechten Hand über seinen Bart und ließ seinen Blick aufmerksam über die Versammlung der fünfundzwanzig Ratsmitglieder schweifen, die sich aus Frauen und Männern jeden Alters zusammensetzte.

„Wie ihr ja alle wisst, feiern wir in diesem Jahr das zweihundertjährige Bestehen unserer Stadt. Vor genau zwei Jahrhunderten wurde dieser Ort von einem Siedlertreck, bestehend aus etwa vierzig Planwagen, von deutschen Familien gegründet. Diesen ersten Siedlern folgten bald Zuzöglinge anderer Nationalitäten, zunächst Iren und Italiener. New Berlin wuchs und gedieh, besonders wegen unseres Bergbaus. Mittlerweile zählt diese Stadt fünfzehntausend Häupter. Außerdem…“

„Steven!“, unterbrach ihn resolut seine Frau, die an seiner linken Seite saß. „Komm zum Punkt! Wir alle kennen die Stadtgeschichte.“

Unversehens lief Stevens Hals rot an, und er sah irritiert zu ihr hinunter. „Ja, Margret, Liebes, entschuldige…“ Er räusperte sich. „Also, da die Gründung unserer Stadt im Dezember stattfand, wäre es doch schön, wenn wir den besonderen Anlass in diesem besonderen Dezember mit einer Tradition der ersten Pioniere feiern würden. Hat jemand dazu vielleicht einen Vorschlag?“

Es dauerte nicht lange, da ging das übliche Geschnatter los:

„Wir könnten deutsche Fähnchen auf dem Festplatz aufhängen!“, „Lasst uns Bier ausschenken!“, „Es sollte typisch deutsche Musik spielen!“

Ein paar andere nickten eifrig. „Dann hätten wir eine Entsprechung zum St. Patricks Day - nur eben in einer anderen Farbe.“

„Die Kinder könnten etwas zum Thema basteln, und dann machen wir eine Ausstellung!“

„Die Weihnachtsdekoration in den Läden sollte das Thema aufgreifen!“

„Es müsste schul- und arbeitsfrei geben an diesem Tag!“

Die Ratsmitglieder redeten alle zugleich und versuchten einander zu übertönen. Steven wirkte zunächst überfordert und brauchte einen Moment, um sich zu sammeln. Dann aber schlug er mit dem kleinen Holzhammer, den er sonst in seiner Ausübung als örtlicher Richter nutzte, auf den Tisch und rief in den Trubel: „Ruhe! Nicht alle auf einmal! Ruhe!!“

Es dauerte etwas, bis sich die Lage wieder beruhigt hatte, und in die verebbenden Kommentare hinein rief er: „So geht das nicht…“

„Wie dann?“, unterbrach ihn Margret erneut.

Resigniert ließ Steven sich langsam auf seinen Richterstuhl sinken. In diesem Moment hob ein junger Mann, der erst seit einem Jahr dem Rat angehörte, zögerlich den Arm: „Wenn ich etwas vorschlagen dürfte?“

Der Ratsvorsitzende nickte ergeben und deutete mit dem Hammer auf ihn, woraufhin dieser sich erhob: „Zuallererst sollten wir ein paar Rahmenbedingungen festlegen. Zum Beispiel sollten wir uns überlegen, welche Tradition wirklich zum Anlass passt. Und auch in die Jahreszeit.“ Er strich sich die Haare aus der Stirn, bevor er nachsetzte: „Außerdem fände ich es schön, wenn dieses Jubiläum nicht nur an einem einzigen Tag, dem Gründungstag, gefeiert würde. Und“, fügte er ernst hinzu, „es sollte auch diejenigen mit einbeziehen, die keine deutschen Vorfahren habe. Es gibt schließlich eine nennenswerte Zahl an Mitbürgern, deren Vorfahren Schotten, Iren und Italiener sind. Wir sollten alle gemeinsam feiern.“

Steven nickte zustimmend, und nach einigem Hin und Her einigten sich die Ratsmitglieder, dass die zuletzt vorgeschlagenen Bedingungen anzunehmen seien. Kaum war dies beschlossen, begannen sie sich alles Mögliche zu überlegen, das sie für typisch deutsch hielten. Doch etwas wirklich Sinnvolles, geschweige denn eine Einigung, kam dabei nicht heraus. Nach mehrstündiger hitziger Diskussion waren sie erschöpft und kurz davor, die Sache zu vertagen.

Da blickte der junge Mann, der das Ganze ins Rollen gebracht hatte, zufällig aus dem Fenster des Saales. Auf der Straße sah er einen alten Mann auf einem Pferd vorüberreiten. Unversehens sprang er auf und hastete zum Ausgang. Die anderen Ratsmitglieder schauten ihm verblüfft nach.

Der Vorsitzende rief: „Also wirklich! Was ist denn das für eine Art? Sie können doch nicht einfach…“

Doch der junge Mann war schon aus der Tür. Wenige Minuten später jedoch kam er zurück, begleitet von dem alten Mann. „Entschuldigen Sie, dass ich so plötzlich davongestürmt bin.“ Er lächelte verlegen, während er seinem Begleiter seinen Stuhl hinschob und selbst stehen blieb. „Aber als ich diesen Herrn eben draußen vorbeikommen sah, fiel mir ein, was mein Sohn mir über ihn erzählt hatte. Dass er nämlich im vergangenen Sommer den Kindern Geschichten erzählt hatte, und dass diese Geschichten in Deutschland spielten oder zumindest begannen. Ich dachte, er kann uns vielleicht helfen.“

Nun schauten alle erwartungsvoll auf den Alten.

„Worum geht es denn?“, fragte dieser gelassen.

Da fasste der Ratsvorsitzende noch einmal zusammen, was der Grund für die Ratsversammlung war und welche Bedingungen sie sich für das Fest erdacht hatten.

Der Alte hörte schweigend zu. Als Steven verstummte, sagte er in die Stille: „Nun, wie Einige von euch wissen, bin ich Deutscher. Ich habe in Deutschland gelebt und gearbeitet, bevor ich hierherkam. Daher kenne ich die Traditionen meiner Heimat sehr gut und wüsste schon etwas, was hier gut passen würde.“ Er sah ein Ratsmitglied nach dem anderen an. „Einen Weihnachtsmarkt.“

„Einen was?“, fragte Steven verwirrt.

Der alte Mann erklärte kurz, aber nicht minder präzise, was es mit dieser Tradition auf sich hatte. Ein weiteres Ratsmitglied, eine dunkelhaarige ältere Dame, die sich als italienischstämmig herausstellte, erklärte, dass auch die Italiener eine langjährige Weihnachtstradition hätten, die von der deutschen nicht allzusehr abweiche. Ihres Wissens sei es die irischen Riten betreffend ähnlich. Sie schlug daher vor, diese Gründernationalitäen in die Feierlichkeiten mit einzubeziehen. Der Rat war sofort einhellig begeistert, und schneller als sonst hatte man einen Entschluss gefasst.

In den nächsten Wochen wurde eifrig geplant und organisiert. In den größeren Werkstätten wurden viele kleine Hütten und Verkaufsstände gebaut und schließlich auf dem Marktplatz errichtet. Auch drumherum herrschte reichlich geschäftiges Treiben. Der Vorschlag des alten Mannes hatte sich als Glücksgriff erwiesen. Die Arbeiten geschahen in großem Einvernehmen, und es wurden eine Reihe neuer Freundschaften geschlossen. Gemeinsam forschten die Familien nach traditionellen Rezepten für Gebäck und weihnachtliche Getränke. Die Älteren besuchten die Schulen und bastelten mit den Kindern traditionellen Weihnachtsschmuck ihrer jeweiligen Heimat, sangen mit ihnen alte Weihnachtslieder auf Irisch, Italienisch und Deutsch, und sie organisierten Kinderchöre für den Markt.

Am Ersten Advent dann wurde die mehrwöchige Festivität zum zweihundertjährigen Bestehen der Stadt mit der Eröffnung des Weihnachtsmarktes gefeiert. Der Alte hatte bei all den Vorbereitungen mit Rat und Tat zur Seite gestanden, doch an diesem Tag zeigte sich, dass dieser Markt seine Erwartungen aufgrund seiner Vielfalt und Internationalität weit übertraf.

Nun zog er sich in sein etwas abseits am Fluss stehendes Häuschen zurück, um sich auszuruhen.

Am Dritten Advent standen unerwartet einige Leute vor der Tür des Alten und klopften verhalten. Etwas überrascht bat er sie herein. „Was kann ich für euch tun?“

„Wir haben eine Bitte an Sie“, begann ein junger Mann zu sprechen. „Der Heilige Abend fällt in diesem Jahr auf einen Samstag. Daher ist es ein Arbeitstag, an dem die meisten von uns bis mittags arbeiten müssen. Kurz gesagt: Viele von uns haben nicht die Möglichkeit, die Weihnachtszimmer so zu schmücken, dass die Kinder es nicht mitbekommen. Wir dachten, Sie könnten uns da vielleicht helfen…“

„Das würde ich ja gern“, antwortete der Alte und hustete matt. „Aber ich wüsste nicht, wie.“

„Wir wollten Sie bitten“, ergriff eine junge Mutter nun das Wort, „dass Sie den Kindern am Nachmittag des Heiligen Abend eine ihrer Geschichten erzählen, sodass wir in der Zwischenzeit die Weihnachtsüberraschungen für unsere Kleinen vorbereiten können.“

Ein Schmunzeln huschte über das bärtige Gesicht des alten Mannes. „Diesen Gefallen will ich euch gerne tun. Ich finde es fantastisch zu sehen, wie ihr die weihnachtlichen Traditionen wiederaufleben lasst, und wie ihr euren Kindern die Weihnachtsgeschichte nahebringen wollt.“ Er strich sich bedächtig durch den zauseligen Bart. „Außerdem würde ich dieser Stadt gern etwas zurückgeben dafür, dass sie eine...



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