E-Book, Deutsch, 120 Seiten
Westerhoff Schwarze Weihnacht
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7583-4940-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 120 Seiten
ISBN: 978-3-7583-4940-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Philipp Westerhoff wurde 1984 in Cuxhaven geboren. 2022 veröffentlichte er seinen ersten Fantasyroman "Historyland - Der schwarze Magier", dem ein Jahr später der 2. Band "Historyland - Der steinerne Fluch" folgte. Das Schreiben ist neben dem Theater und dem Fussball sein größtes Hobby.
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4. Kapitel
- Vampire -
In einem dunklen Nebenraum des Palais Rouen. Sarah lag auf einer kleinen Empore auf einem Bärenfell und schlief. Gustavo lief auf und ab und sann darüber nach, wie er sich Rächen könnte. Ab und zu blieb er stehen und betrachtete die schlafende Vampirdame. Dabei huschte ein Lächeln über sein Gesicht, weil sie dabei so ruhig, friedlich und gleichzeitig seltsam aussah. Ihre Haut war Aschgrau und das rote Haar umrahmte ihr Gesicht.
Während sie schlief, fühlte sie sich plötzlich beobachtet. Sie schlug ihre Augen auf und sah Gustavo vor sich stehen, der auf sie herabblickte. „Warum schaust du mich so an?“ fragte sie ihn. Zunächst reagierte er nicht. Seine Augen waren starr auf ihr Gesicht gerichtet. „Gustavo. Warum siehst du mich so seltsam an?“ fragte sie nun etwas lauter. Wie aus einem Traum heraus riss er seinen Blick von ihr los und löste sich mit einem Ruck aus seiner Erstarrung.
„Entschuldige bitte, ich habe gerade nachgedacht und dabei sind meine Augen an deinem Gesicht hängen geblieben. Ich wollte dich nicht anstarren.“ „Ist schon in Ordnung. Worüber hast du nachgedacht?“ „Über meine Rache. Aber ich habe ein Problem. Ich komme mit meinen Racheplänen nicht weiter.“ „Warum nicht?“ Weil ich über das Vampir sein so gut wie nichts weiß. Welche Kräfte habe ich? Worauf muss ich achten? Was kann ich tun, was nicht?“ Sarah betrachtete ihn ein paar Augenblicke, bevor sie antwortete: „Keine Sorge, ich werde dir alle Fragen beantworten. Du hast Glück, du gehörst zu einer ganz besonderen Gattung von uns Vampiren.“
„Wie meinst du das? Es gibt verschiedene Gattungen? Und wie kommst du darauf, dass ich zu einer ganz besonderen Gattung gehöre und dass das mein Glück ist?“ fragte Gustavo sie überrascht. „Habe ich ein seltenes, besonderes Mal an mir?“ Während er diese Frage stellte, schaute er an sich herab. „Nein, es ist kein besonders Mal. Ich sehe das an deinem Umhang.“ erwiderte Sarah. „Meinen Umhang? Was meinst du?“ Nachdenklich betrachtete er ihn. „Komm, setzt dich hier her zu mir. Ich werde dir alles erklären.“ Mit diesen Worten richtete sie sich auf und deutete ihm an, sich neben sie auf das Bärenfell zu setzen. Nachdem er sich gesetzt hatte, begann sie zu erzählen:
„Es gibt verschiedene Vampirgattungen oder besser gesagt, Familien. Einmal die feurigen Vampire, zu denen ich gehöre. Sie haben die Macht, in andere Körper zu schlüpfen und können nur mit ihrer Willenskraft Dinge verbrennen Sie können sich unsichtbar machen. Außerdem können wir in unserer normalen Gestalt fliegen.
Dann gibt es die irdischen Vampire. Diese Vampire haben die geringste Macht aller Vampire und können wirklich nur nachts ihre Schlafplätze verlassen um zu jagen. Sie sind die einzigen unter uns Vampiren, welche sich in Fledermäuse verwandeln können und dieses auch müssen, um zu jagen. Anders ist es ihnen nicht möglich, weite Strecken zu überwinden. Die einzige Macht, die sie haben ist, dass sie den Wind beherrschen.
Die dritte und mächtigste Familie sind die eisigen Vampire. Diese Vampire beherrschen ebenfalls die Macht, in andere Körper zu schlüpfen und haben alle anderen Mächte in sich, welche die feurigen Vampire haben. Außerdem sind sie aber auch Herrscher über das Eis in seiner zerstörerischen Macht. Hinzukommend können sie aber auch das Denken anderer Menschen beeinflussen und wenn sie unsichtbar sind, durch Wände gehen.
Zu dieser besonderen Vampirfamilie gehörst du. Dies sieht man daran, dass die Nähte am Saum deines Umhanges giftgrün sind. Bei mir sind sie rot, was auf Feuer hinweist. Bei den irdischen Vampiren ist die Naht braun.“
Sprachlos schaute Gustavo Sarah an. Er konnte sich noch gar nicht vorstellen, was für Mächte er nun in sich hatte. „Aber warum gehöre ich zu einer anderen Gattung als du? Wie kann ich mächtiger sein als das Wesen, dass mich geschaffen hat?“ „Das weiß ich auch nicht sicher. Was für ein Vampir man wird entscheidet das Schicksal.“ „Bleibt man den immer in einer ganz bestimmten Gattung oder kann sich das auch ändern?“ Ändern kann man das nicht. Man entwickelt sich schon weiter, aber ein Vampir kann nicht von einem irdischen zu einem feurigen werden oder so. Man wird mit zunehmendem Alter nur Weiser und in seiner Gattung mächtiger, bis man irgendwann den Status eines Fürsten oder eines Priesters hat, wobei der Fürst das Höchste ist.“
Nachdem Gustavo einen Moment darüber nachgedacht hatte fiel ihm plötzlich etwas ein. „Sag mal, auf einigen Zeichnungen von Vampiren haben die Vampire aber bunte Umhänge an. Bedeutet das auch etwas, welche Farbe der Umhang hat?“ „Nein. Es ist egal, welche Farbe der Umhang hat. Vampire mit bunten Mäntel sind aus Bindungen zweier Vampire aus unterschiedlichen Gattungen hervorgegangen. Diese Vampire vereinigen jeweils einen Teil der Macht beider Gattungen und an der Farbe der Naht erkennt man, welche Macht dabei stärker ist und welcher Vampirgattung er endgültig zugehört. Deshalb kann man grundsätzlich sagen, dass man an der Naht erkennt, mit welcher Art von Vampir man es zutun hast. Übrigens habe ich bei deiner Vampirgattung noch etwas Wichtiges vergessen. Ihr habt noch einen weiteren Vorteil.“ „Und welchen?“ „Ihr braucht zum Leben kein Blut. Ihr könnt euch von allem ernähren und seit daher nicht auf die Jagd angewiesen. Selbst wenn ihr sehr lange Zeit gar nichts zu euch nehmt, schwächt euch das in keinerlei Weise. Die Familie, zu der ich gehöre braucht Blut oder rohes Fleisch. Die irdischen Vampire sind auf frisches Blut angewiesen.“
Nachdem Gustavo die ganzen Dinge verarbeitet hatte, welche ihm Sarah gerade erzählt hatte, sagte er plötzlich: „Wenn du mir zeigst, wie ich meine Macht richtig benutzen kann, dann wird mein Rachefeldzug der grausamste, den man sich vorstellen kann. Dabei meine ich noch nicht einmal auf blutige Art grausam.“ „Ich werde dir alles soweit ich kann erklären. Aber eines ist wichtig. Du brauchst für deine Rache einen lebenden Helfer. Ein Lebender hat noch andere Möglichkeiten als ein Vampir.“ „So, welche denn? Nachdem, was du mir eben alles erzählt hast, kann ich mir nicht vorstellen, was ein Mensch einem Vampir voraushaben könnte.“
„Auch wenn wir den Lebenden in vielen Dingen überlegen sind, so gibt es doch eine Sache, in denen wir dem Menschen völlig unterlegen sind, da es das bei uns durch unseren Tod nicht mehr gibt.“ „Und was meinst du?“ „Den Instinkt. Als Vampir haben wir zwar hervorragende Instinkte was das Aufspüren von Beute betrifft, aber es sind eher animalische Instinkte. Die menschlichen Instinkte, die uns ahnen lassen wenn jemand lügt, wenn jemand etwas im Schilde führt oder ähnliche Dinge. All die Sachen, welche mit menschlichem Instinkt und Intuition zu tun haben, fehlen uns völlig.“
„Warum fehlen uns nach unserem Tod diese Instinkte?“ „Das liegt daran, dass die Seele des Menschen, nachdem er gestorben ist, in das Reich der Toten oder in das Paradies kommt. Daher verschwinden auch menschliche Instinkte wie lügen und andere Dinge. Vampire können zum Beispiel deshalb nicht lügen. Sie können zwar täuschen und etwas Unwahres umschreiben, aber wir können nicht lügen. Das ist ein menschlicher Lebenszug, welcher sich mit dem Verlust der Seele verflüchtigt.“ „Dann muss ich ja aufpassen, was ich sage.“ rutschte es Gustavo heraus, bevor er richtig darüber nachgedacht hatte. Sarah lachte auf und konterte: „Ja, dass solltest du auch. Auch wenn ich eine Dame bin, so hab ich keinerlei Probleme damit, einem Mann auch ein paar hinter die Ohren zu geben, wenn er zu mir etwas Dummes oder Freches sagt.“
Da blitzten Gustavos Augen spitzbübisch auf und ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht. Sarah bemerkte es nicht. Nachdem sie einen Moment geschwiegen hatten, fragte Gustavo: „Wo waren wir eben stehen geblieben?“ „Bei einer Person, die dir helfen kann, als Kontakt sozusagen. Eine lebende Person.“ Antwortete Sarah.
„Eine lebende Kontaktperson. Einen Helfer.“ Grübelnd ging Gustavo auf und ab. Sarah sah ihm eine Weile zu und fragte dann: „Hast du keinen Freund im Leben gehabt, dem du absolut vertrauen kannst? Irgendeinen Kollegen oder so?“ „Doch, da gibt es sogar zwei. Einmal mein treuer Butler Marcel und dann wäre da noch Carlo.“ „Carlo? Wer ist denn das? Was macht der?“ „Carlo ist ein alter Freund von mir. Ein Gaukler, der mit einem Jahrmarkt durch die Lande tingelt.“
„Und du meinst, dass diese beiden Männer dir helfen werden?“ „Ja. Das werden sie garantiert. Marcel hat mein Vater vor 30 Jahren durch die Anstellung in unserem Haus vor dem Gefängnis bewahrt. Dafür ist er unserer Familie auf ewig dankbar. Und Carlo ist zwar ein Gauner und Gaukler, aber zu seinen Freunden die ehrlichste und verlässlichste Haut, die ich kenne. Sie...




