E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
Westleigh STURM DES SCHICKSALS
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95446-766-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-95446-766-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Für Dona Marguerite des Sedano ist der Tod ihres Gemahls wie eine Befreiung. Denn an der Seite des tyrannischen Rebellenführers, der im Kampf gegen die Heere des spanischen Königs sein Leben ließ, hat sie nur Leid und Demütigungen erfahren. Dass Marguerite nicht als Gefangene und Mätresse in den Palast des spanischen Herrschers verbannt wird, verdankt sie dem edlen Ritter Thomas d'Evreux, der sich dafür einsetzt, dass sie mit ihm in seine Heimat reisen darf. Eine Reise, die für sie beide der Beginn einer dramatischen Liebe voller Verlangen und Verzicht ist. Als das Schiff von tosenden Stürmen gejagt endlich England erreicht, wissen Thomas und Marguerite, dass sie auf ewig füreinander bestimmt sind. Hell lodert die Flamme der Leidenschaft, und in ihrem Herzen brennt die Sehnsucht, einander ganz zu gehören. Doch so wie Marguerite unter den quälenden Erinnerungen an die erlittene Pein durch ihren verstorbenen Gatten leidet, so wird auch Thomas von bösen Schatten der Vergangenheit verfolgt. Noch ahnt d'Evreux nicht, wie bald ihn das Gewesene einholen wird - und dass sein Glück mit Marguerite davon abhängt, ob er die Vergangenheit besiegt...
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2. KAPITEL
Margot spürte, dass sie nicht auf Castillo Sedano bleiben konnte, selbst wenn sie es gewollt hätte. Die ausländischen Besatzer schlugen Lärm, brüllten Befehle, fluchten lauthals, übten sich in den Waffen und verzehrten auch die letzten Wintervorräte. Der Wein floss in Strömen, die Streitrosse brauchten Futter, und die junge Edelfrau war nicht länger die Herrin und Gebieterin auf der Burg. Dazu stellte sich dringend die Frage, ob König Pedro nicht nach dem Tod des Rebellen Don Roberto del Sedano an der Witwe grausame Rache nehmen wollte. Vielleicht würde man Margot auch zu ihrem Vater nach Bellac zurücksenden. Schon vor Jahren war ihre Liebe zu ihm erloschen, als er sie zwang, sich gegen ihren ausdrücklichen Willen mit Don Roberto zu vermählen. Warum er damals so dringend darauf bestand, sie zur Gemahlin zu nehmen, verstand Margot selbst bis heute nicht. Weder war sie eine Schönheit, noch hatte er sie geliebt, aber sie aus einem unerklärlichen Grunde mit einer geradezu glühenden, sinnlichen Leidenschaft begehrt und mit seiner rohen Wildheit die unerfahrene Fünfzehnjährige völlig verstört. Margot konnte nur mit Abscheu daran denken.
Don Roberto hatte wohl nur danach getrachtet, seine gierige Lust zu stillen und einen Erben zu zeugen. Als all die schier wahnwitzigen Akte körperlicher Vereinigung nichts fruchteten, hatte er seinem jungen Weib die alleinige Schuld zugeschoben. Immer häufiger begann er sie zu schmähen, dass sie nicht einmal dazu taugte, einen Sohn ins Leben zu tragen. Grausam quälte Don Roberto sie, die Unfruchtbare, die einem Mann von solch alter und hoher Ahnenreihe zu nichts nutzte und das ehrwürdige Geschlecht der del Sedano damit zum Aussterben verurteilte.
Im Leben ist es nun einmal so weise eingerichtet, dass nichts ewig dauert, weder das Glück noch das Leid. So hatte sich Don Roberto, ein erprobter und leidenschaftlicher Kriegsmann, schließlich den dauernden Feldzügen gegen die Mauren angeschlossen und kehrte in unregelmäßigen Zeitabständen nur für kurze Zeit auf die Burg zurück, beladen mit kostbarem Beutegut. Dann allerdings forderte er seine ehelichen Rechte gewalttätig ein. Die Nachricht von seinem Tode auf dem Schlachtfeld brachte für Margot die ersehnte Erlösung von einer Fessel, die ihr immer unerträglicher wurde. Jedes Gefühl von körperlicher Leidenschaft in den Armen eines Mannes war ihr fremd geblieben, und sie war fest entschlossen, niemals wieder die Marterqualen unter dem Joch der Ehe zu erdulden.
Nun war Margot gereift, fast zehn Jahre älter als damals, und ihr Leben als Witwe musste irgendwie weitergehen. Sie stürzte sich in die wenigen Verpflichtungen, die ihr als Burgherrin noch geblieben waren, übermäßig besorgt um das Wohl des Gesindes, der Untertanen.
Eines Tages vernahm sie Hornstöße vom Turn und gleich darauf Lärm und Bewegung im Burghof. Es mussten Fremde eingeritten sein. Hastig eilte sie hinaus und fand Sir Thomas d’Evreux, der einen Neuankömmling mit allen Anzeichen herzlicher Freude umarmte.
„Richard“, rief der Ritter überschwänglich, „gut siehst du aus, heil geblieben an Leib und Seele.“ Er hielt den Jüngling, fast noch ein Knabe, von sich ab und musterte den Harnisch, den Waffenrock mit dem Roten Kreuz als Emblem des heiligen Georg und dem Wappen des Prince of Wales. Nun erst bemerkte Sir Thomas die vergoldeten Sporen.
„Beim Himmel, du bist zum Ritter geschlagen worden. Meinen Glückwunsch, Sir Richard d’Evreux“, rief der Ältere und verbeugte sich mit großer Geste. Dann schlug er dem Jüngling auf die Schulter. „Aber du trägst noch kein eigenes Wappen, wohl keine Zeit dafür gehabt?“ Er lachte. „Du hast dich also tapfer geschlagen.“
„So ist es“, stimmte der junge Ritter strahlend zu. Er war außerordentlich gut aussehend, ein goldblonder Bart spross auf den frischen Wangen, und verdienter Stolz auf die frühzeitige Erhebung vom Knappen zum Ritter leuchtete aus schönen grauen Augen. „Der Prince of Wales hat mich eigenhändig auf dem Schlachtfeld zum Ritter geschlagen. Aber wie geht es dir, Thomas? Auch du siehst prächtig aus.“
„Gut, Neffe, ich kann nicht klagen.“ Sir Thomas lächelte liebevoll. „Außer, dass ich hier am Ende der Welt die Tage zähle, bis ich wieder an meinem Platz sein werde.“
Neffe? Neugierig verglich Margot die beiden Ritter. Sir Thomas konnte kaum ein Jahrzehnt älter sein als der Neuankömmling, und sie verhielten sich eher wie Brüder.
„Sag das nicht, Thomas“, widersprach der Jüngere und wurde schnell ernst. „Leider schätzt man selten, was einem gegeben ist. Hier ist es trocken und warm. Das kann man nicht behaupten, wenn man wie ich mit dem Gefolge des Prinzen in der Ebroebene lagert, während er und der König von Kastilien sich über unseren gerechten Anteil nicht einigen können. Dazu das Fieber, das unsere Reihen von Tag zu Tag mehr lichtet. Ich habe Onkel Cedric mitgebracht. Er ist gefährlich geschwächt durch die Krankheit, und ich hoffe, hier ist er besser aufgehoben.“
„Cedric? Wo ist er?“ In Sir Thomas’ Stimme klang unüberhörbare Besorgnis mit. Eilends entfernte er sich mit dem jungen Ritter Richard, und Margot folgte den Männern. Es war ihre Aufgabe, sich um einen Kranken zu kümmern. Das hatte sie jahrelang so gehalten, seitdem sie die Herrin auf der Burg war.
Die Reisigen hatten die Sänfte bereits auf den Erdboden niedergesetzt. Beim Nahen von Sir Thomas’ richtete sich der Kranke auf und versuchte aufzustehen. Schnell kam ihm der Ritter zu Hilfe.
„Cedric? Ich bin bestürzt, dass es Euch nicht gut geht. Kommt hinein, wir werden alles tun, Euch zu helfen.“
„Gott zum Gruß, Thomas! Weiß der Himmel, ich fühle mich schwach wie ein neugeborenes Kind. Dieses verdammte Fieber!“
Das Haar des Mannes leuchtete weißblond in der Sonne, an den Schläfen schimmerte es silbern. Der verzagte Ausdruck des männlichen, wettergegerbten Gesichtes rührte Margots Herz. Trotz des offensichtlich hinfälligen Zustandes versuchte er ein Lächeln und sah den Ritter mit seinen klaren blauen Augen erfreut an. Dann wankte er zwischen Sir Thomas und einem Jüngling, vermutlich der Knappe des Fremden, die Stufen zum Burgfried hinauf. Hier erwartete Margot die kleine Gruppe.
„Willkommen auf Castillo Sedano, edler Ritter. Es tut mir leid, dass Ihr Euch nicht wohlfühlt.“ Sie warf Thomas d’Evreux einen fragenden Blick zu. „Vielleicht könnten wir Euch im Schlafgemach meines verblichenen Gemahls unterbringen, dort habt Ihr alles, was Euch nottut.“
Sir Thomas nickte beifällig zu diesem freundlichen Vorschlag.
„Cedric? Richard, diese edle Frau ist Doña Marguerite del Sedano, die Tochter des Comte de Limousin. Ihr zum … Schutze bin ich hier.“ Er hatte nur einen Atemzug lang gezaudert. „Sie ist unsere Gastgeberin. Doña, Sir Richard d’Evreux ist mein Halbneffe, aber wir sind wie Brüder miteinander aufgewachsen, und Sir Cedric ist der Schwager meines Halbbruders.“
Margot hatte also Verwandte des Ritters vor sich. Sir Cedric trug keine Rüstung, nur eine Tunika, die mit goldenen Drachen auf himmelblauem Grund verziert war. Er war wesentlich älter als die beiden anderen Ritter. Jetzt wies die Burgherrin auf die Treppe.
„Wollt Ihr mir über diese Treppe folgen? Auch Euer Knappe wird in Eurer nächsten Umgebung schlafen.“
Oben bemerkte Sir Cedric, dass Thomas d’Evreux’ Waffen in dem Gemach lagen, und zeigte sich bestürzt.
„Ich vertreibe Euch, Thomas? Das möchte ich nicht.“
„Sorgt Euch nicht, ich habe mein Lager im Wohngemach aufgeschlagen.“ Er mied Margots Blick. Sie lächelte ein wenig gequält.
„Da kann Sir Thomas besser darüber wachen, dass ich nachts nicht die Flucht ergreife“, bemerkte sie und stellte mit Genugtuung fest, dass bei diesen Worten jähe Röte in Sir Thomas’ Wangen stieg. Dann schickte sie sich an, Kräuterabsud und Wein zu holen, und überließ es den Männern, Sir Cedric auf das Lager zu betten.
„Ich bedaure, Euch solche Umstände zu machen, edle Frau“, sagte er schwach, als Margot bald darauf an seinem Krankenlager erschien. „Aber der Feldzug hat vielen von uns unerhört zu schaffen gemacht. Gottlob ist wenigstens unser Gebieter, der Prince of Wales, davon verschont geblieben, während das Fieber täglich mehr Männer in die Knie zwang.“ Seine blauen Augen glänzten vor Begeisterung bei der Erwähnung des englischen Kronprinzen, den er wohl, wie die meisten, die unter Edwards Fahnen kämpften oder gegen ihn stritten, schwärmerisch bewunderte.
Margot ging nicht darauf ein, sondern goss eine bräunliche Flüssigkeit in einen Zinnbecher und reichte ihn dem Ritter, der ihn ziemlich argwöhnisch beäugte.
„Trinkt dies, es wird Euch helfen“, ermunterte sie ihn.
„Wein? Wird er mir nicht wieder Krämpfe verursachen? Selbst Milch kann ich nicht bei mir behalten, hohe Frau.“
„Dies ist ein Trank aus besonderen getrockneten Kräutern, er wird Euch wohl tun. Die Mauren bereiten ihn seit Generationen, denn Eure Art Fieber ist in unserem Land nicht unbekannt. Meidet Wasser, wenn es nicht mit Wein vermischt ist, ebenso Milch, wenn Ihr sie nicht verträgt.“
Gehorsam nahm er den Becher aus ihrer Hand, und Margot fuhr fort: „Trinkt nur in kleinen Schlucken. Für die nächsten Tage wird Euch dies einigermaßen bei Kräften halten, solange Ihr nichts Festes essen könnt.“ Margot gab unwillkürlich einer barmherzigen Regung nach und strich dem Kranken das schweißnasse, verklebte Haar aus der Stirn. Sie war heiß und feucht. Sein Zustand schien bedrohlich ernst zu sein. „Hier nebenan findet Euer Knappe alles, dessen Ihr...




