E-Book, Deutsch, 333 Seiten
Weyers Die Raben-Saga
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7487-3152-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 333 Seiten
ISBN: 978-3-7487-3152-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Als die siebzehnjährige Abigail Willows auf den mysteriösen Corvus Raven trifft, ahnt sie noch nichts von dem Chaos, in das er sie und ihre Welt stürzen wird. Hexen, Zeitreisende und eine düstere Rabengestalt sind da die geringsten Probleme. Auf ihren Reisen durch die Zeit erfährt Abigail mehr über den Ursprung der Familie Willows und von einem fürchterlichen Fluch, der schon bald das Salem des 21. Jahrhunderts bedrohen wird. Alle fünf Bände der Raben-Saga zusammengefasst in einer Ausgabe. Erlebe die komplette Geschichte von Abigail und Corvus mit exklusivem Bonusinhalt und einem erweiterten Epilog. Was hat es nur mit den 'Stimmen aus dem Nichts' auf sich? Erstmals könnt ihr die gesamte Handlung in einem Buch lesen und mehr Hintergrundinformationen zur Entstehung der Serie erfahren. Die ultimative Ausgabe für alle Raben Fans! Dieses Buch enthält alle fünf Bände der Raben-Saga: 1. Rabenblut - In dunkelster Nacht erwacht 2. Rabentränen - Bis Mitternacht verloren 3. Rabengift - Auf ewig verdammt 4. Rabentod - Im Mondlicht gestorben 5. Rabenparadox - Wem die Stunde schlägt
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Kapitel 6: Hexerei
»Und du verarschst mich auch nicht? Ich meine, diese ganzen Dinge passieren wirklich?! Warum ausgerechnet, wenn ich nicht da bin?« Julie ist mal wieder ihr übliches Selbst und sieht die ganzen Dinge eher als Sensation anstatt als Problem. »Julie, sei doch mal bitte ernst.« Manchmal ist das einfach zu viel verlangt von ihr. »Bin ich doch! Ich weiß nur nicht, ob ich noch immer einen Kater von der Bauernfeier gestern habe oder ob du wirklich meinst, dass du eine gottverdammte Hexe bist!« „Verdammt“ trifft es eigentlich ziemlich gut. »Ich wünschte nur, ich könnte mit meinen Hexenkräften irgendwas Nützliches machen.« Für eine Weile ist es still am anderen Ende und ich fange an, mich zu fragen, ob sie nachdenkt oder einfach nur eingeschlafen ist. »Hm, überleg doch mal, was du gemacht hast, als du versehentlich im 17. Jahrhundert gelandet bist.« Da brauche ich nicht lang zu überlegen. »Gar nichts. Ich meine, ich habe nur daran gedacht, wie lächerlich das ist.« Gedankenkraft; ob es das ist? Wohl kaum. So einfach kann es doch nicht sein. »Das ist es! Du musst nur fest daran glauben!« »Julie, wir sind hier doch nicht in einem Fantasy-Kinderbuch! Wenn ich mir jetzt fest vorstelle, dass du hier neben mir sitzt, wird das doch nicht einfach so passieren.« Es gibt einen lauten Knall und plötzlich sitzt Julie – lediglich mit einem Handtuch bekleidet und Telefon am Ohr – auf meinem Bett. Sie starrt mich mit offenem Mund an, dann schaut sie zurück auf ihr Handy, dann wieder zu mir. Und daraufhin fällt sie rückwärts in Ohnmacht. »Julie? Das ist doch nicht wahr!« Ich gebe ihr einen Klaps, aber sie rührt sich nicht. Mist, was habe ich jetzt nur wieder angestellt? Es ist wirklich wahr. Ich bin wirklich eine Hexe und kann alles mit meinen Gedanken steuern! Oder wirklich alles? Ich versuche, Julie zum Aufwachen zu bringen, aber nichts geschieht. Stattdessen probiere ich es weiter mit gewöhnlichen Methoden. Nachdem ich ihr ein Glas kaltes Wasser ins Gesicht schütte, scheint sie endlich wieder zu sich zu kommen. »Wo bin ich? Abi? Was ist passiert?« Ich grinse sie entschuldigend an. »Ich glaube, ich habe dich irgendwie … hergezaubert.« Auf einmal scheint sie sich zu erinnern, denn sie schreckt hoch und hält ihr Handtuch fest. »Abigail! Wie hast du das gemacht? Ich muss sofort wieder zurück! Wenn Dad mich nicht in meinem Zimmer vorfindet, wird er denken, ich wäre abgehauen.« Die Panik steht ihr ins Gesicht geschrieben und sie geht unruhig in meinem Zimmer auf und ab. »Okay, okay. Wir finden eine Lösung.« Ich weiß nur nicht genau, wie die aussehen soll. »Kannst du das Auto deiner Tante klauen? Es dauert nur zwanzig Minuten bis zu dem Kaff.« »Kommt nicht infrage! Ich stehle das Auto von Sarah nicht. Außerdem würde sie das merken.« Sie nickt, als würde sie verstehen. »Hast recht. Dazu stehe ich hier auch noch im Handtuch. Also, wie lautet dein Plan?« Angestrengt versuche ich, mich darauf zu konzentrieren, Julie zurückzubringen. Sie starrt mich mit ihren grünen Augen an, während immer mal wieder ein Wassertropfen von ihrem schulterlangen, blonden Haar auf meine Holzdielen fällt. »Es funktioniert nicht! Ich habe gemacht, was du gesagt hast, aber es bringt nichts!« Julie fasst sich an die Stirn. »Das darf alles nicht wahr sein. Ich weiß nicht, was mir im Moment mehr Sorgen bereitet. Dass mein Dad mich vermutlich umbringen wird, oder dass du tatsächlich eine Hexe bist.« »Ich tippe auf Letzteres«, gebe ich kleinlaut bei. »Was ist mit dem Stein, den du von Corvus hast? Diesem Rhodo…« »Rhodonit!«, rufe ich und schaue auf meinen Schreibtisch. Er liegt noch immer da und ich nehme ihn in meine Hände. »Ein Versuch ist es wert.« In beiden Händen halte ich den Edelstein und versuche abermals, mich zu konzentrieren. Ich schließe die Augen und stelle mir Julies Zimmer bei ihrem Dad vor. Was sich als schwieriger als gedacht herausstellt. Julies Beschreibungen werden genügen müssen. Schließlich bin ich auch im 17. Jahrhundert gelandet, ohne je da gewesen zu sein. Das ist doch sinnlos! »Julie, es bringt nichts, ich kann …« Als ich die Augen wieder öffne, ist sie nirgendwo zu sehen. Hektisch wähle ich ihre Nummer. Ich ahne Schlimmes, mein letzter Gedanke galt dem 17. Jahrhundert. »Komm schon, Julie! Geh ran!« So lang lässt sie nie klingeln! Ich bin schon auf halbem Weg ins Wohnzimmer, um meine Tante doch um das Auto zu bitten, als sie sich endlich meldet. »Ja, verdammt, ich bin da! Du hast mich im Wald hinter Dads Haus abgesetzt und ich habe mich gerade reingeschlichen. An deiner Zielgenauigkeit musst du unbedingt noch feilen!« Mir fällt ein Stein vom Herzen. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn sie wegen mir in einer anderen Zeitepoche festgesessen hätte. »Ein Glück, dass mich niemand gesehen hat! Abi, du schuldest mir was. Mach das ja nie wieder!« »Ich versuch’s. Auch wenn ich bezweifle, dass du dich geschämt hättest, wenn dich jemand gesehen hätte.« Julie ist so gut wie nichts peinlich. »Ach hör auf. Ich weiß, mein Körper ist perfekt.« Das war eigentlich nicht, was ich gemeint habe. »Ich geh mich jetzt anziehen und dann auf irgendeinen dämlichen Ausflug mit Dad. Und du, Fräulein …« Ich ahne, was jetzt kommt, »Du siehst zu, dass du bis Freitag eine Begleitung zum Abschlussball hast. Ich meine: Hallooo?! Ende der Highschool? Das muss gefeiert werden! Ob du mit deinem Raben oder meinem Cousin hingehst, ist mir eigentlich egal.« »Ugh, nein danke. Bis morgen in der Schule.« Sie seufzt schwer und verabschiedet sich. Ich kenne Marc nicht, aber selbst wenn ich hingehen würde, dann tausendmal lieber mit ihm als mit Corvus. Apropos Corvus! Ohne länger zu zögern, rufe ich ihn an und verabrede mich mit ihm in der Stadt. Eine Stunde später treffen wir uns in einem Eissalon. Er sitzt bereits an einem Tisch und winkt mir fröhlich zu, als er mich sieht. Ich verdrehe die Augen und setze mich ihm gegenüber. Mein Blick fällt auf seinen Obsidian, den er um den Hals trägt. Ohne dieses kleine Steinchen könnte er nicht hier sitzen und wäre vermutlich schon in Flammen aufgegangen. »Wo hast du die her?«, frage ich und deute auf die Kette. Er schaut mich erst nur verdutzt an. »Dir auch einen guten Morgen, Abigail. Wollen wir nicht erst mal etwas bestellen, bevor wir zum Geschäftlichen kommen?« Widerwillig gebe ich nach; früher oder später wird er meine Fragen sowieso beantworten müssen, wenn er will, dass ich ihn in die Vergangenheit schicke. Ich bestelle mir ein Wasser, Corvus einen Espresso. »Um deine Frage zu beantworten: Nicht alle Hexen sind so verbittert und wünschen mir die Pest an den Hals.« »Hm, ich kenne eine, die das ganz sicher tut«, sage ich und lege nachdenklich meinen Zeigefinger an die Wange. »Oh, komm schon. Du hasst mich nicht wirklich so sehr, oder?« Ich antworte nicht und schaue an ihm vorbei. »Also schön. Eine Hexenfreundin hat sie mir gemacht, bevor sie gestorben ist.« »Bevor sie umgebracht wurde, meinst du?« Man sollte die Dinge aussprechen, wie sie sind. »Ja. Ja, sie wurde umgebracht. Du zierst dich nicht davor, die Worte in den Mund zu nehmen.« Irgendwie habe ich das Gefühl, dass er wütend ist, aber warum? Hat das etwas mit seiner verstorbenen Hexenfreundin zu tun? »Wieso auch? Es sind bloß Worte. Die Taten, die damals begangen wurden, sind viel schlimmer.« Er hebt überrascht eine Augenbraue. »Weise Worte, Abigail. Aber kommen wir zurück zu Elizabeth …« »Elizabeth?« Der Name kommt mir nicht bekannt vor, ich kenne zumindest keine Elizabeth. »Ja, die Hexe, der ich den Fluch zu verdanken habe.« Ich nicke, aber diese ganze Sache ist mir nicht geheuer. Es wird Zeit, mit den Verhandlungen zu beginnen. »Du wirst sie nicht umbringen.« »Okay.« Okay? Er stimmt einfach so zu? Da ist doch etwas faul. Er scheint meinen überraschten Gesichtsausdruck zu bemerken, denn plötzlich sagt er: »Du bist die Hexe. Deine Regeln. Ich mache denselben Fehler nicht noch mal und lege mich mit einer Hexe an.« Gutes Argument. »Das klingt doch schon mal gut«, sage ich und lege meine Hände auf den Tisch vor uns. »Allerdings wirst du Umgangsformen lernen müssen und für deine Garderobe müssen wir noch sorgen.« Ich erstarre. Meint er das etwa ernst? »Das heißt?«, frage ich so gleichgültig wie möglich. »Du kommst morgen zu mir. Ich werde alles dahaben, um uns auf die Zeitreise vorzubereiten, und dich ein bisschen trainieren.« Ich nehme einen Schluck von meinem Wasser und frage mich, was diese Vorbereitungen genau einschließt. »Wir werden ein wenig an deinem Verhalten und deinem Aussehen arbeiten müssen.« Zweifelnd hebe ich eine Augenbraue. »Für das 17. Jahrhundert natürlich. Es...




