Wheeler | Königsfall – Der Paladin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 448 Seiten

Reihe: Königsfall-Reihe

Wheeler Königsfall – Der Paladin

Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-641-24178-0
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 448 Seiten

Reihe: Königsfall-Reihe

ISBN: 978-3-641-24178-0
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als junger Knabe kam Owen Kiskaddon als Geisel an den Hof des grausamen Königs Severn. Inzwischen ist Owen ein junger Mann und durch seine einzigartige magische Begabung in der Gunst des Königs gestiegen. Doch dann strebt ein Usurpator nach der Krone Severns und dieser ergreift daraufhin drastische Maßnahmen. Er setzt Elysabeth – die Enkelin eines adeligen Lords und Owens große Liebe – als Lockvogel ein, um seinen Gegner in die Knie zu zwingen. Owen ist hin und hergerissen: Soll er seinem König treu dienen oder für die Frau seines Lebens alles riskieren?

Wall Street Journal-Bestsellerautor Jeff Wheeler zog sich schon früh von seiner Karrierelaufbahn bei Intel zurück, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Er ist Vater von fünf Kindern und lebt mit seiner Familie in den Rocky Mountains.
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1

Der Herzog der Westmark

Owen Kiskaddon trug nur ungern eine volle Rüstung, in der er sich unwohl und eingeengt fühlte. Deshalb legte er selten mehr als ein Kettenhemd an. So wie jetzt, als er am Abend vor seiner ersten Schlacht als Feldherr durch das Lager der Soldaten ging, die Hand auf dem Schwertknauf. Die Nacht senkte sich schnell herab. Schon konnte er im frühen Dämmerlicht die ersten Sterne sehen.

Er vermisste die kalte Schönheit des Nordens, wo er in den letzten zehn Jahren zu Hause gewesen war. Und er vermisste seine Freundin Evie, die Enkelin des Herzogs von North Cumbria. Sie wartete sicher gespannt auf Nachricht von seiner ersten Schlacht, der er selbst mit einer Mischung aus Unruhe und Aufregung entgegensah. Es war zu erwarten, dass Blut fließen würde, auch wenn er sich nicht darauf freute. Er hatte die Kampftechniken geübt, doch er war noch nicht erprobt. Jahrelang hatte er im Sattel trainiert, mit Schwertern, Äxten, Bögen und Lanzen, aber noch viel lieber las er in Büchern über kriegerische Auseinandersetzungen. Er hatte alle entscheidenden Schlachten studiert, jene aus längst vergangenen Zeiten wie auch die der jüngeren Vergangenheit. Er wusste auswendig, wie viele Soldaten in den Morast vor der Feste Azin marschiert waren, wusste, dass es dem König gelungen war, durch ein sorgsam ausgewähltes Terrain, angespitzte Pfähle und Bogenschützen ein zahlenmäßig weit überlegenes Heer zu schlagen. Doch während andere die Geschichtswerke lediglich studierten, ging Owen einen Schritt weiter. Er durchleuchtete und hinterfragte die Ereignisse.

Was hätte er getan, wäre er Kommandant des okzitanischen Heers gewesen, um den König von Ceredigion in der Schlacht von Azin zu schlagen? Wie bei einer Partie Wizar suchte er nicht nur nach Möglichkeiten von seiner Warte aus. Er betrachtete es auch vonseiten der Gegner. Und schon vor Langem hatte er begriffen, dass es bei Konflikten mehr als zwei Seiten gab, wenn um Königreiche und Kronen gespielt wurde, und dass unerwartete Figuren auf den Plan treten konnten.

»Guten Abend, Mylord«, sagte ein Soldat, als Owen, tief in Gedanken versunken, an seinem Lagerfeuer vorbeilief.

Owen blieb stehen und sah auf den Mann hinunter, an dessen Namen er sich nicht erinnerte. »Guten Abend. Wem untersteht Ihr?«, erkundigte er sich.

Und obwohl der Soldat doppelt so alt war wie Owen, blickte er ehrfürchtig zu ihm auf. »Harkins, Mylord. Ich heiße Will und unterstehe Harkins. Meint Ihr, das Wetter hält bis zur Schlacht morgen?«

»Erfreut, Will. Wollen wir es hoffen, oder?«

Owen schenkte dem Soldaten noch ein müdes Lächeln und ein dankbares Nicken, dann setzte er seinen Weg zum Kommandozelt fort. Er glaubte nicht, dass er Schlaf finden würde. Wie viele der Soldaten mochte es mit Sorge erfüllen, einem so jungen Feldherrn in die Schlacht zu folgen? König Severn hatte seine erste Schlacht im Alter von achtzehn Jahren angeführt. Owen war ein Jahr jünger. Die Verantwortung lastete schwer auf seinen Schultern.

Und es irritierte ihn ein wenig, oder auch mehr als nur ein wenig, dass die Männer so blind auf ihn vertrauten. Nur wenige Menschen waren mit der Gabe der Quelle gesegnet, aber diese wenigen verfügten über magische Kräfte, die ihre natürlichen Talente verstärkten. Gesegnete waren so selten, dass jeder die Geschichte kannte, wie Owens Gabe bereits, als er acht Jahre alt war, zutage getreten war. Und es stimmte: Owen war mit der Gabe der Quelle gesegnet, doch niemand ahnte, dass seine angebliche Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken, eine einzige groß angelegte Täuschung war. Denn damals hatte ihm Ankarette Tryneowy, die gerissene Giftmischerin der Königin, geholfen, diesen Ruf zu etablieren, um ihm die Gunst des Königs zu sichern. Zusammen hatten sie das gesamte Königreich an der Nase herumgeführt.

Nach Ankarettes Tod hatte Owen die Täuschung mithilfe von Dominic Mancini aufrechterhalten. Der Herr über das königliche Espion hatte einige der größeren politischen Entwicklungen für ihn in Erfahrung gebracht, bevor sie allgemein bekannt wurden. Dadurch hatte sich Owens Ruf, in die Zukunft schauen zu können, bis über die Grenzen von Ceredigion hinaus gefestigt. Ursprünglich hatte der König Mancini nur vorübergehend zum Herrn über das Espion ernannt, doch Mancini war es gelungen, auf geschickte Weise die Interessen des Königs zu fördern und seine Stellung über Jahre hinweg zu behalten. Owen und Mancini waren durch eine heimliche Zusammenarbeit verbunden, von der sie beide profitierten.

Manchmal hatte Owen die Neuigkeiten, die Mancini ihm zuspielte, tatsächlich vorhergesehen, aber das lag daran, dass er einen scharfen Blick für Ursache und Wirkung hatte. Zum Beispiel hatte ihm Mancini gemeldet, dass sich König Iago Llewellyn von Atabyrion mit König Chatriyon von Okzitanien zusammenschließen wollte, um sich gegen Ceredigion zu verbünden, und es hatte Owen nicht im Geringsten überrascht. Doch um das vorherzusehen, bedurfte es keiner hellseherischen Gabe, sondern Klugheit.

Als Owen auf das Kommandozelt zukam, hoben die Wachen die Hellebarden und ließen ihn passieren. Mit seinen siebzehn Jahren war Owen noch nicht ganz ausgewachsen, aber er hatte bereits Mannesgröße erreicht, und er trug das Wappen seiner Familie, das Aurum – drei goldene Hirschköpfe auf einem blauen Schrägstreifen.

Owen duckte sich, trat durch den Eingang und sah Lord Horwath, der seine Kampfrüstung trug und einen Kelch mit süß riechendem Wein in der Hand hielt. Sein Haar war in den vergangenen Jahren noch mehr ergraut, doch er hatte noch immer das ruhige, unerschütterliche Auftreten, das Owen schon als Kind an ihm bewundert hatte. Er war durch und durch Soldat und hatte sich in den vergangenen fünfzig Jahren in unzähligen Schlachten bewiesen. Diesen verlässlichen Mann an seiner Seite zu haben erfüllte Owen mit Zuversicht.

»Guten Abend, Junge.« Horwath neigte den Kopf und lächelte schief.

»Ihr wirkt überhaupt nicht beunruhigt«, sagte Owen und musste sich ein Grinsen verbeißen.

Horwath zuckte die Schultern, trank von seinem Wein und stellte den Kelch auf einen kleinen Tisch ab.

»Hattet Ihr Nachricht von Eurer Enkelin?«, fragte Owen hoffnungsvoll.

»Sie meinte, sie würde den Norden halten, sollte das Heer von Atabyrion dort einfallen, während wir uns hier mit den Okzitaniern schlagen. Ich habe den Eindruck, sie hofft beinahe darauf. Sie scheint ein wenig neidisch zu sein, dass Ihr an einer Schlacht teilnehmt, bevor sie es tut.«

Owen lächelte und rief sich ihr Bild ins Gedächtnis. Wie immer erfüllte ihn dabei eine merkwürdige Unruhe, als hätte sich ein Schwarm von Schmetterlingen in seinem Bauch versammelt. Ob dieses Gefühl der Anspannung vor der Schlacht zuzuschreiben war oder seiner Sehnsucht nach der Freundin, wusste er nicht, und er wollte nicht verdrossen erscheinen, doch sie fehlte ihm schrecklich. Sie hatte wunderschönes braunes Haar, voll und lang, das sie mal offen, mal geflochten trug. Ihre Augen waren von einem faszinierenden Blau oder Grün oder Grau, je nach Licht und je nach ihrer Stimmung. Ihm fehlten ihr Geplauder, ihr scharfer Verstand, ihr intelligenter Humor. Elysabeth Victoria Mortimer – Evie – war seine engste Vertraute und neben Mancini die Einzige, die sein Geheimnis kannte.

»Vorsicht, Junge«, warnte Horwath. »Bleibt mit Eurem Kopf in Okzitanien. Verliert Euch nicht in Tagträumen, wenn ein Schwert nach Euch schlägt.«

Owen lächelte reumütig. Lord Horwath war ihm wohlgesinnt, und nach all den Jahren war er auch für Owen fast wie ein Großvater. Er schien auf eine Verbindung zwischen der Westmark und North Cumbria zu hoffen, auch wenn es Owen und Evie nie gestattet war, allein Ausflüge zu unternehmen, sondern nur mit Evies Zofe. Doch zu dritt waren sie für Wagnisse bekannt, wie am Fuße der Wasserfälle auf Felsen zu klettern und in den Fluss zu springen.

»Wann rufen wir die Hauptleute zusammen?«, fragte Owen und rieb sich die behandschuhten Hände. Er konnte es kaum erwarten, dass der Morgen dämmerte.

»Sie sorgen noch für Nachtruhe im Lager, aber sie werden bald da sein. Ihr wirkt ein wenig unruhig. Ihr hättet Eure Kacheln mitbringen sollen.«

Owen grinste. Schon als Kind hatte er es geliebt, Kacheln zu komplizierten Mustern aufzustellen. Jetzt, da er älter war, waren die Konstruktionen noch ausgefeilter geworden, und seine Sammlung umfasste eine beeindruckende Menge unterschiedlichster Kacheln.

Owens Herold, ein Offizier namens Farnes, duckte sich ins Zelt und verbeugte sich steif. Er war Mitte vierzig, und in seinem rötlichen Haar schimmerten erste graue Strähnen. Er hatte schon Owens Vater in vielen Schlachten gedient und kannte das Protokoll wie kein anderer. »Mylords, der Herold des Königs von Okzitanien ist soeben im Lager eingetroffen. Er wünscht, zu Euch vorgelassen zu werden.«

Owen blickte fragend zu Horwath, auf dessen Stirn sich eine Falte gebildet hatte, doch statt seine Meinung zu äußern, sagte Horwath nur: »Es ist Euer Heer.«

»Dann schickt ihn rein, Farnes«, befahl Owen. Sobald der Herold weg war, verschränkte Owen die Finger hinter dem Rücken und nahm seine rastlose Wanderung wieder auf. »Ich vermute, er möchte uns entweder bestechen oder uns drohen. Wobei mir eine Bestechung wahrscheinlicher erscheint. Vielleicht will er uns mit den Münzen bezahlen, die er aus der Schatulle der Herzogin von Brythonien zu rauben gedenkt.« Der gegenwärtige Unfrieden war zu einem Teil dadurch bedingt, dass der König von Okzitanien versuchte, Lady Montfort gegen ihren Willen zu heiraten. Lady Montfort hatte alle...


Wheeler, Jeff
Wall Street Journal-Bestsellerautor Jeff Wheeler zog sich schon früh von seiner Karrierelaufbahn bei Intel zurück, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Er ist Vater von fünf Kindern und lebt mit seiner Familie in den Rocky Mountains.



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