White | Das Dunkle in mir - Die Eroberer-Trilogie, Band 1 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Reihe: Die Eroberer-Trilogie

White Das Dunkle in mir - Die Eroberer-Trilogie, Band 1


Neuauflage 2024
ISBN: 978-3-7569-9971-2
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Reihe: Die Eroberer-Trilogie

ISBN: 978-3-7569-9971-2
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



VON EINER PRINZESSIN ERWARTET NIEMAND, DASS SIE BRUTAL IST ... ... und genau das spielt Lada Dragwyla in die Hände. Seit sie und ihr sanftmütiger jüngerer Bruder Radu aus ihrer walachischen Heimat gerissen und von ihrem Vater verlassen wurden, um am osmanischen Hof aufzuwachsen, weiß die Prinzessin, dass Rücksichtslosigkeit der Schlüssel zum Überleben ist. Sie und Radu sind dazu verdammt, Schachfiguren in einem bösen Spiel zu sein, in dem ein unsichtbares Schwert über jeder ihrer Bewegungen schwebt. Denn die Abstammung, die sie zu etwas Besonderem macht, macht sie gleichzeitig auch zur Zielscheibe. Lada hegt nichts als Verachtung für die Osmanen und plant ihre Rache für den Tag, an dem sie in die Walachei zurückkehren und ihr Geburtsrecht einfordern kann. Radu hingegen sehnt sich nur nach einem Ort, an dem er sich sicher fühlen kann. Und als sie Mehmed begegnen, dem so trotzigen wie einsamen Sohn des Sultans, der ein ganzes Land regieren soll, hat Radu das Gefühl, einen wahren Freund gefunden zu haben - und Lada fragt sich, ob sie endlich jemanden gefunden hat, der ihrer Leidenschaft würdig ist. Doch Mehmed ist der Erbe genau des Reiches, das Lada zu bekämpfen geschworen hat - und das Radu nun als seine Heimat betrachtet. Zusammen bilden Lada, Radu und Mehmed ein toxisches Dreieck, das die Bande der Liebe und Loyalität bis zum Zerreißen strapaziert.

KIERSTEN WHITE ist eine New York Times-Bestsellerautorin, die bereits den Bram-Stoker-Award gewonnen und zahlreiche bekannte Romane verfasst hat. Dazu zählen die Eroberer - Trilogie und Star Wars: Padawan. Kiersten lebt mit ihrer Familie in San Diego. Zusammen mit ihrer zutiefst skeptischen Schildkröte Kimberly.
White Das Dunkle in mir - Die Eroberer-Trilogie, Band 1 jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


3

Wenn Vasilissa ihre Tochter mit den Hunden und dem Sohn des Kindermädchens, Bogdan, auf dem Boden ringen sähe, würde das Kindermädchen seine Stellung verlieren. Doch seit der Geburt von Radu vor vier Jahren hatte Vasilissa ihr Zimmer nicht verlassen.

Radu hatte all die Schönheit bekommen, die sein Vater sich für seine Tochter gewünscht hatte. Seine Augen waren von dichten Wimpern umrahmt, seine Lippen voll, seine sanften Locken mit einem Hauch von sächsischem Gold geküsst.

Bogdan schrie, als Lada – Ladislava, jetzt fünf Jahre alt, die sich weigerte, auf ihren vollen Namen zu hören – ihm in den Oberschenkel biss. Er schlug sie. Also biss sie noch fester zu, und er schrie um Hilfe.

»Wenn sie dein Bein essen will, darf sie das«, sagte das Kindermädchen. »Hör auf zu schreien, oder ich lasse sie auch dein Abendbrot essen.«

Wie ihr Bruder hatte Lada große Augen, aber ihre standen unter gewölbten Augenbrauen eng beisammen, wodurch sie ständig verärgert aussah. Ihr Haar war ein Wirrwarr und so dunkel, dass ihre blasse Haut kränklich wirkte. Ihre Nase war lang und hakenförmig, ihre Lippen waren dünn, ihre Zähne klein und – nach Bogdans wütenden Schreien zu urteilen – ziemlich scharf.

Sie war widerspenstig und bösartig und das gemeinste Kind, das das Kindermädchen je betreut hatte. Außerdem war sie der Liebling des Kindermädchens. Eigentlich sollte die Kleine still und brav, ängstlich und einfältig sein. Ihr Vater war ein machtloser Tyrann, grausam in seiner Machtlosigkeit und monatelang abwesend. Ihre Mutter war ebenso abwesend, zurückgezogen und ohne jeden Nutzen in ihrem Haus, unfähig, etwas zu tun, um sich selbst zu helfen. Sie standen stellvertretend für die gesamte Region, insbesondere für die Heimat des Kindermädchens, die Walachei.

Aber in Lada sah sie einen Funken, einen leidenschaftlichen, wilden Schimmer, der sich weder verstecken noch abschwächen ließ. Anstatt zu versuchen, diesen Funken um Ladas Zukunft willen zu unterdrücken, nährte das Kindermädchen ihn. Das gab ihr auf merkwürdige Weise Hoffnung.

Wenn Lada das stachelige grüne Unkraut war, das inmitten eines ausgetrockneten Flussbettes wuchs, war Radu die zarte, süße Rose, die in allem verwelkte, was nicht den perfekten Bedingungen entsprach. In diesem Moment jammerte er, weil das Kindermädchen eine Pause dabei machte, ihm den dünnen, mit Honig gesüßten Brei in den Mund zu löffeln.

»Bring ihn zum Schweigen!« Lada kletterte über den großen Hund ihres Vaters, der mit dem Alter mürrisch und geduldig geworden war.

»Wie soll ich das machen?«

»Ersticke ihn!«

»Lada! Hüte deine Zunge. Er ist dein Bruder.«

»Er ist ein Wurm. Bogdan ist mein Bruder.«

Das Kindermädchen machte ein finsteres Gesicht und wischte Radu mit ihrer Schürze über das Gesicht. »Bogdan ist nicht dein Bruder.« Ich würde eher bei den Hunden liegen als bei deinem Vater, dachte sie.

»Ist er wohl! Du bist es. Sag, dass du es bist.« Lada sprang auf Bogdans Rücken. Obwohl er zwei Jahre älter und viel größer war, drückte sie ihn zu Boden und rammte ihren Ellbogen in seine Schulter.

»Ich bin es! Ich bin es!«, sagte er halb kichernd, halb weinend.

»Schmeiß Radu mit den Nachttöpfen raus!«

Radu heulte noch lauter und steigerte sich in einen Anfall hinein. Das Kindermädchen schnalzte mit der Zunge und hob ihn hoch, obwohl er viel zu groß war, um herumgetragen zu werden. Er steckte eine Hand in ihre Bluse und kniff in ihre Haut, die locker und faltig war wie ein alter Apfel. Manchmal wünschte auch sie sich, er würde still sein, aber wenn er sprach, war es immer so süß, dass es seine Wutausbrüche wettmachte. Er roch sogar gut, so als ob ihm zwischen den Mahlzeiten Honig im Mund klebte.

»Sei ein braver Junge«, sagte das Kindermädchen, »dann kannst du später mit Lada und Bogdan Schlitten fahren. Würde dir das gefallen?«

Radu schüttelte den Kopf, seine Lippen zitterten und weitere Tränen drohten.

»Wir könnten auch die Pferde besuchen.«

Er nickte langsam, und das Kindermädchen seufzte erleichtert. Sie sah hoch und stellte fest, dass Lada verschwunden war. »Wo ist sie hin?«

Bogdans Augen weiteten sich vor Angst und Unentschlossenheit. Er wusste schon nicht mehr, wessen Zorn er mehr fürchtete – den seiner Mutter oder den der kleinen Lada.

Schnaufend stemmte das Kindermädchen Radu auf ihre Hüfte, wobei seine Füße bei jedem Schritt gegen ihre Beine schlugen. Sie schlich den Flur entlang in Richtung der schmalen Treppe, die zu den Schlafzimmern führte. »Lada, wenn du deine Mutter weckst, wird es …«

Sie blieb stehen und hielt ganz still, ihr ängstlicher Gesichtsausdruck entsprach dem von Bogdan. Aus dem Wohnzimmer an der Vorderseite des Hauses hörte sie Stimmen. Leise Stimmen. Männerstimmen. Sie sprachen Türkisch, die Sprache ihrer ständigen Feinde, der Osmanen.

Das bedeutete, Vlad war zu Hause und Lada war …

Das Kindermädchen lief den Flur entlang und stürmte ins Wohnzimmer, wo Lada mitten im Raum stand.

»Ich töte Ungläubige!«, knurrte das Kind und schwang ein kleines Küchenmesser.

»Tust du das?« Vlad sprach mit ihr in der Sprache der Sachsen, der Sprache, die in Schäßburg am meisten gesprochen wurde. Das Kindermädchen sprach nur gebrochen Sächsisch, und obwohl Vasilissa mehrere Sprachen fließend beherrschte, sprach sie diese nie mit den Kindern. Lada und Radu sprachen nur Walachisch.

Lada fuchtelte als Antwort auf die Frage, die sie nicht verstand, mit dem Messer herum. Vlad hob eine Augenbraue. Er war in einen feinen Mantel gehüllt und hatte einen kunstvollen Hut auf dem Kopf. Es war fast ein Jahr her, dass Lada ihren Vater gesehen hatte, und sie erkannte ihn nicht wieder.

»Lada!«, flüsterte das Kindermädchen. »Komm sofort her.«

Lada reckte sich so weit nach oben, wie es ihre kurzen, stämmigen Beine zuließen. »Dies ist mein Zuhause! Ich bin der Drachenorden! Ich töte Ungläubige!«

Einer der drei Männer, die Vlad begleiteten, murmelte etwas auf Türkisch. Das Kindermädchen spürte, wie ihr der Schweiß auf dem Gesicht, im Nacken und auf dem Rücken ausbrach. Würden sie ein Kind töten, weil es sie bedroht hatte? Würde ihr Vater das zulassen? Oder würden sie sie einfach töten, weil sie nicht in der Lage war, Lada zu kontrollieren?

Vlad lächelte nachsichtig über den Auftritt seiner Tochter und verbeugte sich dann vor den drei Männern. Sie erwiderten die Verbeugung und gingen hinaus, ohne das Kindermädchen oder ihren ungehorsamen Schützling zu beachten. »Wie viele Ungläubige hast du getötet?« Vlads Stimme, diesmal in der melodischen romanischen Sprache der Walachei, war sanft und kalt.

»Hunderte.« Lada richtete das Messer auf Radu, der sein Gesicht an der Schulter des Kindermädchens verbarg. »Den da habe ich heute Morgen getötet.«

»Und jetzt wirst du mich töten?«

Lada zögerte und ließ ihre Hand sinken. Sie starrte ihren Vater an, und die Erkenntnis sickerte über ihr Gesicht wie Milch, die in klares Wasser fällt. Schnell wie eine Schlange riss Vlad ihr das Messer aus der Hand, packte sie dann am Fußknöchel und hob sie in die Luft.

»Und wie«, sagte er, ihr auf dem Kopf stehendes Gesicht auf gleicher Höhe mit seinem, »hast du gedacht, jemanden töten zu können, der größer, stärker und klüger ist als du?«

»Du hast geschummelt!« In Ladas Augen brannte ein Blick, den das Kindermädchen zu fürchten gelernt hatte. Dieser Blick bedeutete Verletzung, Zerstörung oder Feuer. Oft sogar alles zusammen.

»Ich habe gewonnen. Das ist alles, was zählt.«

Mit einem Schrei wand Lada sich nach oben und biss in die Hand ihres Vaters.

»Gottes Wunden!« Er ließ sie zu Boden fallen. Sie rollte sich zu einem Ball zusammen, kugelte aus seiner Reichweite, kauerte sich zusammen und fletschte die Zähne. Das Kindermädchen zuckte zusammen und wartete darauf, dass Vlad in Wut geriet und Lada schlug. Oder sie schlug, weil sie es nicht geschafft hatte, Lada zahm und gefügig zu halten.

Stattdessen lachte er. »Meine Tochter ist verwildert.«

»Es tut mir so leid, Mylord.« Das Kindermädchen senkte den Kopf und gestikulierte krampfhaft in Ladas Richtung. »Sie ist überglücklich, Euch nach so langer Abwesenheit wiederzusehen.«

»Was ist mit ihrem Unterricht? Sie spricht kein Sächsisch.« »Nein, Mylord.« Das war nicht ganz richtig. Lada hatte sächsische Obszönitäten aufgeschnappt und brüllte sie häufig aus dem Fenster den Leuten auf dem belebten Platz entgegen. »Sie kann ein bisschen Ungarisch. Aber es gab niemanden, der sich um die Erziehung der Kinder gekümmert hat.«

Er schnalzte mit der Zunge, und ein nachdenklicher Blick stand in seinen scharfen Augen. »Und was ist mit ihm hier? Ist er auch so ein Wildfang?« Vlad beugte sich zu der Stelle, an der Radu nach draußen spähte.

Radu brach sofort in Tränen aus, vergrub sein Gesicht wieder an der Schulter des Kindermädchens, schob seine Hand unter ihre Mütze und wickelte ihr Haar darum.

Vlad verzog angewidert die Lippen nach oben. »Der hier kommt nach seiner Mutter. Vasilissa!«, rief er so laut, dass Radu erschrocken verstummte, nur unterbrochen von Schluckauf und Schniefen. Das Kindermädchen wusste nicht, ob sie bleiben oder gehen sollte, allerdings war sie nicht entlassen worden. Lada ignorierte sie und starrte ihren Vater misstrauisch an.

»Vasilissa!«, brüllte Vlad erneut. Er streckte die Hand aus, um Lada zu...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.