White | Das Ginsterhaus | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 385 Seiten

White Das Ginsterhaus

Roman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95824-632-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 385 Seiten

ISBN: 978-3-95824-632-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Mysteriös und abgründig - der internationale Bestseller 'Das Ginsterhaus' von Gillian White, der 'Lady of Suspense', jetzt als eBook bei dotbooks. Seit ihr kleiner Schützling brutal ermordet wurde, wird die Sozialarbeiterin Georgie von schweren Schuldgefühlen geplagt. Obwohl die junge Frau vor Gericht freigesprochen wird, löst die britische Presse eine wahre Hetzjagd auf sie aus. Georgie flieht aus London nach Dartmoor in ihr einsames Cottage. Doch die ersehnte Ruhe will sich nicht einstellen - plötzlich geschehen mysteriöse Dinge, die Georgie schier in den Wahnsinn treiben: ein unheimlicher Fremder taucht auf, Augen starren sie wie aus dem Nichts an und eine Farbpalette ist blutüberströmt ... Georgie kommt ein furchtbarer Verdacht! 'Ein unheimlicher Spannungsroman mit einem geradezu nervenzerreißenden Schluss.' Booklist Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der psychologische Spannungsroman 'Das Ginsterhaus' von Gillian White wird alle Fans von Charlotte Link und Patricia Gibney begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Gillian White stammt aus Liverpool und arbeitete mehrere Jahre als Journalistin, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Romanen widmete. Mit ihrem Mann und zwei Hunden lebt sie in Totnes, Devon. Vier ihrer Romane wurden vom britischen Fernsehen erfolgreich verfilmt. Bei dotbooks veröffentlichte Gillian White ihre Spannungsromane »Denn du bist mein«, »Hexenwiege«, »Ein unheimlicher Gast«, »Der Peststein«, »Der Fluch der alten Dame«, »Du kannst uns nicht entkommen«, »Die Einsamkeit der Lüge«, »Der Nachmieter«, »Das Ginsterhaus«, »Das Familiengrab« und »Das Hotel bei den Klippen«. Die letzten drei Romane sind auch im Sammelband erhältlich.
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1. Kapitel


Vor langer, langer Zeit, so erzählt man sich, suchte der Teufel dieses Tal heim. Er hinterließ eine Fährte auf der dünnen Schneedecke, eine schnurgerade Spur von Hufabdrücken, die schwarzen Stapfen eines Zweibeiners, querfeldein, über Steinmauern und Zauntritte, den Friedhof und die gefrorenen Ackerfurchen.

Er hatte sich durch nichts von seinem Weg abbringen lassen.

Man erzählt sich, Millie Blunt, ein törichtes Mädchen, habe am Zweig einer alten Eiche seinen Hosenbeutel gefunden, als sie dort nach Mistelzweigen suchte. Das unglückselige Kind nahm ihn mit nach Hause in dem Glauben, er berge einen Zauber in sich. Eines Nachts, als der Mond, der durch das kleine Fenster fiel, ihre Bodenkammer mit seinem hellen Licht überflutete, legte sie ihn unter ihr Kopfkissen und schlief darüber ein. Von diesem Tag an sprach sie bis zu ihrem Tode nur noch wirres Zeug.

Warum aber der Teufel ein Tal wie dieses für einen seiner Streifzüge oder zum Seelenfang ausgewählt haben sollte, blieb für allezeit im Dunklen. Es gab schon damals nicht mehr als zwölf Seelen in dem kleinen Weiler Wooton-Coney, und die wenigen, die es gab, waren zweifelsohne Christen, die in solch unheimlichen Nächten wie dieser zu Hause blieben hinter ihren fest verrammelten Türen und Fenstern. Mit einem Wort, dies hier war eine fromme und gottesfürchtige Gemeinde. Die Kirche selbst und der Friedhof, durch den der Teufel seinen Weg genommen hatte, waren schon im siebzehnten Jahrhundert zusammengestürzt, und nur an den Überresten des alten Mauerwerks und den von Flechten überzogenen Grabsteinen ließ sich erkennen, wo sie sich einst befunden hatten. Der genaue Zeitpunkt ist nicht überliefert, doch irgendwann wurde die Wetterfahne des heruntergestürzten Kirchturms geborgen, und seit zweihundert Jahren dreht sich der verbeulte Blechhahn nun auf seiner verrosteten Stange über dem Giebel der alten Buckpit-Scheune.

***

Jahrhunderte sind seither ins Land gegangen, und Georgina Jefferson ist so sehr das Gegenteil des vom Schicksal verfolgten armen Mädchens, wie man es sich nur vorstellen kann. Sie ist gebildet und hat gute Manieren und sie ist gesund, geistig gesund. Während Millie Blunt es mit den Männern nicht so genau nahm und schon immer als nicht ganz richtig im Kopf galt (der Pfarrer schlug mit der Faust auf die Kanzel, stellte sie an den Pranger und nannte ihr Kind eine Ausgeburt des Teufels), bestätigten Georginas Lehrer in ihren Zeugnissen stets, sie könne es im Leben noch weit bringen.

Im Gegensatz zur unglücklichen Millie mit ihrem wirren, zerzausten Haar, dem fahrigen Blick und ihren Schwindeleien umgab Georgina nichts Melodramatisches. Als Millies Kind starb, hatte sie geschworen, der Teufel sei in der Nacht gekommen und habe es erstickt. Georgina dagegen ist nur schwer zu erschüttern, sie ist ausgeglichen, weder sentimental noch morbid, und sie lässt sich nicht so leicht von irgendwelchen Tagträumen mitreißen wie manche ihrer Freundinnen. Daher brachte sie diese Teufelsgeschichte nicht aus der Fassung, als sie sie das erste Mal hörte. Allerdings konnte sie sich, aus beruflicher Sicht, des Gedankens nicht erwehren, dass man mit Millies Eigenheiten heute behutsamer umgegangen wäre. Georgina würde keinen Hosenbeutel erkennen, wenn sie denn einen fände, und ihn wahrscheinlich für eine Art Sattelzubehör halten. Sie ist praktisch und vernünftig, sie neigt nicht zu Exzessen jedweder Art. Auf Partys sitzt sie ruhig auf ihrem Stuhl und sieht zu, während die schwächeren Sterblichen sich betrinken und zum Narren machen. Sie hält sich an ihren Tomatensaft mit einem Schuss Worcestersoße, sie ist die Disziplinierte und sie fährt am Schluss alle nach Hause.

Man kann Georgina Jefferson mit ihren zweiundvierzig Jahren, schlank, dunkelhaarig und gutaussehend, die ihre Kleidung bevorzugt bei Marks & Spencer kauft und an Weihnachten Postkarten von Wohlfahrtsorganisationen verschickt, nur als soliden, verlässlichen, verantwortungsbewussten und fleißigen Menschen bezeichnen, der mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen steht.

Und daher quält sie die Vorstellung umso mehr, sie könne, wie damals die arme Millie, langsam ihren Verstand verlieren.

***

Es war im Herbst, einem besonders satten, farbenfrohen Herbst, als sie die Gestalt auf dem Hügel zum ersten Mal sah. Die Luft war schwer von erdigem Geruch, und morgens spürte man schon den nahenden Winter. Sie ging geradewegs auf den Kerl zu und verjagte ihn, zumindest dachte sie das.

Ihre eigene Neugier überraschte sie. Doch hier, wo sie lebte, fiel es nicht schwer, die Welt draußen zu vergessen und dem Glauben zu verfallen, man müsse sich um alles und jeden kümmern. Sie sah ihn durch die sanft wehenden Vorhänge ihres offenen Küchenfensters, durch die dünne blaue Rauchfahne, die von einem Kartoffelfeuer aufstieg, durch die knorrigen Äste eines alten Apfelbaums hindurch, die sich unter dem Gewicht der von Wespen umschwärmten Holzäpfel bogen.

Eine Begegnung auf dem Land.

Zuerst glaubte sie, die Buckpits hätten wohl eine Vogelscheuche aufgestellt, so unbeweglich verharrte die dunkle Gestalt dort am Horizont. Aber eine Vogelscheuche wäre schmaler gewesen, und warum sollten sie eine Vogelscheuche auf einem kleinen Dreieck von einem Feld errichten, auf dem ohnehin nichts wuchs außer Gras – und nicht einmal das ordentlich?

Gedankenverloren schweifte Georginas Blick in die Ferne, ihre Hände waren vom Spülen noch voller Schaum, der Duft von Ringelblumen und Zitrone stieg ihr in die Nase. Ein paar Handtücher flatterten an der Leine, das Geräusch drang ihr ans Ohr, und der alte Holzschubkarren, halb voll mit Holzscheiten, sah sie vorwurfsvoll aus dem Grasgestrüpp an und erinnerte sie, dass die erste Arbeit, die sie sich heute morgen vorgenommen hatte, noch nicht ordentlich erledigt war.

Vor welchem Fenster sie auch stand, Georgie musste stets nach oben schauen, denn Gorse Penn Cottage befand sich in einer Senke, eingebettet in eine Moorlandschaft. Der Ausblick war immer interessant, das Buschwerk und die gelegentlichen Findlinge, dazu die tief am Himmel dahinziehenden Wolken sorgten für stimmungsvolle Farbwechsel und dienten zugleich als Schutz vor der Welt da draußen, vor der sie geflohen war. In ihrem Gesichtskreis gab es nichts als sanften Schatten.

War sie geflohen? Alle schienen das zu denken.

Oder hatte sie einfach das Schicksal hierher verschlagen?

Vernünftig und praktisch wie sie war, hatte sie sich selbstverständlich über die Erbschaft gefreut. Doch ganz sicher war sie sich nicht, ob die Entscheidung, hierher zu kommen richtig gewesen war.

Während sie darüber nachdachte, schweifte ihr Blick zu der reglosen Gestalt am Horizont. Und obwohl ihre Neugier geweckt war, brachte sie erst einmal den Abwasch zu Ende. Es freute sie, wie die Gläser funkelten… ihr Leben verlief so weit wieder in ruhigen Bahnen, dass sie sich an so einfachen Dingen freuen konnte, sogar das Wechseln der Bettwäsche war ein Vergnügen. Es war doch richtig gewesen, in das Cottage zu ziehen. Der Rückzug aufs Land machte sich bereits positiv bemerkbar.

Wirkte die Gestalt so dunkel, weil sie so weit weg war, oder weil sie schwarz gekleidet war? Es war ungewöhnlich, dass sich Touristen hierher verirrten. Meistens liefen sie an dem Weg vorbei oder hielten ihn, wenn sie ihn sahen, für viel zu steil, sodass sie auf der Straße über den Hügel weiter ins Dorf gingen, wo sie erst im Blue Bull einkehrten und später die alten Drucke und Kupferstiche in Mrs. Morgans Geschenkelädchen studierten. Der grasüberwachsene Weg mit den vielen Jauchepfützen schien den meisten Wanderern nur zu einer Farm zu führen, und die Vorstellung, sich inmitten einer Herde Schafe und einem Rudel Wachhunde wiederzufinden, behagte kaum jemandem.

Und was, wenn sich der Farmer als unfreundlich erweisen sollte?

Der Mann war keiner von den Buckpits, und auch kein Horsefield oder ein Cramer, denn von denen würde keiner so lange Stillstehen. Außerdem trug die Gestalt kein Gewehr über der Schulter.

Also ging Georgina zur Hintertür und schlüpfte in ihre Stiefel. Sie ging durch ihren Gemüsegarten, wobei sie darauf achtete, den Zweigen und Ästen auszuweichen. Ihre Hühner, die in alle Richtungen aufgescheucht davonjagten, würdigte sie keines Blickes. Als sie den Zaun erreichte, hob sie ihren Rock hoch und kletterte hinüber. Sie watete durch ihren eigenen kleinen Bach und drehte sich oben bei dem großen Findling um, um nach Lola zu pfeifen.

Mit flatternden Ohren, das Fell etwas feucht vom Tau, schnappte der Spaniel übermütig nach ein paar Mücken, während er seiner Herrin hinterherjagte.

Irgendetwas stimmte da nicht, der Mann stand schon eine halbe Stunde so da.

Georgina, selbst nicht gerade groß, machte sich daran, den Berg hinaufzusteigen. Den Kopf gebeugt und die Arme vor der Brust verschränkt, stellte sie keine Bedrohung dar. Sie war nichts weiter als eine zierliche Frau in einem langen Rock und einer Kapuzenjacke aus Baumwolle. Durch das Weizenfeld betrachtet sah die Sonne wie eine große, hellgelbe Scheibe aus. Zwischendurch blickte sie auf, um zu sehen, wie weit sie schon gekommen war. Inzwischen machte ihr diese Kletterei nichts mehr aus. Wo auch immer sie hin wollte, ging es bergauf. Und es hatte eine Weile gedauert, bis sie sich nach der langen Zeit in London an diese Hügellandschaft gewöhnt hatte. Anfangs hatte sie selbst bei der geringsten Steigung ständig Halt machen und nach Luft schnappen müssen.

Sie verspürte keine Angst – verglichen mit dem, was später noch kommen sollte –, nur Neugier und den...



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