White | Star Wars: Padawan | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: Star Wars: Padawan

White Star Wars: Padawan


Neuauflage 2022
ISBN: 978-3-7367-9838-0
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: Star Wars: Padawan

ISBN: 978-3-7367-9838-0
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Es ist schon schwer genug, ein Teenager zu sein, auch ohne dass man zum Jedi ausgebildet wird ... Der junge Obi-Wan Kenobi ärgert sich zusehends u?ber die Ausbildungsmethoden seines Meisters Qui-Gon Jinn, der seinen Padawan mit Meditation statt Action auf die Probe stellt. Als die beiden schließlich zu ihrer ersten Mission aufbrechen sollen, ist Qui-Gon plötzlich verschwunden. Da nimmt sein junger Padawan die Sache allein in die Hand ...

Kiersten White ist New York Times-Bestseller-Autorin und Gewinnerin des Bram Stoker Awards. Aus ihrer Feder stammen u.a. die And I Darken-Trilogie, die Sinister Summer-Reihe, die Camelot Rising-Trilogie. Ihre Bücher wurden in über zwanzig Ländern veröffentlicht, und ihr Roman The Dark Descent of Elizabeth Frankenstein wird derzeit verfilmt. Kiersten lebt mit ihrer Familie in San Diego.
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1

Die Tentakel tauchten ohne Vorwarnung auf und schlangen sich in einem tödlichen, stachelbesetzten Griff um Obi-Wan Kenobis Handgelenk.

Er zog den Arm zurück. Eine heiße Flüssigkeit verstärkte noch seinen Schmerz und seine Verwirrung, als er ausrutschte und rückwärts auf den harten Boden fiel. Der kugelrund aufgeblasene, mit säuregrünen Stacheln gespickte Tierkörper zog seine Tentakel noch fester an. Obi-Wan griff hektisch nach dem Lichtschwert an seinem Gürtel. Er konnte spüren, wie die Stacheln tiefer eindrangen, und er wusste, dass das Gift jeden Moment seine Blutbahn erreichen würde.

Es durfte nicht hier enden. Nicht so.

„Helft mir!“ Er hielt die Augen starr auf die Kreatur gerichtet und vertraute darauf, dass die anderen Padawane zu seiner Rettung eilten.

Prie auf ihrem Platz gegenüber von Obi-Wan klatschte vor Freude in die Hände: „Ist das ein Dämonenkalmar?“, quietschte sie. „Warte, tu ihm nicht weh!“ Sie eilte um den Esstisch herum und kniete sich neben ihn, ohne sich an der vergossenen Suppe auf dem Boden zu stören, die nun ihre Hose und Obi-Wans Kutte tränkte.

„Nimm das weg!“, schrie er. „Schneid es ab!“

Prie bedachte ihn mit einem missbilligenden Blick, ihre dunklen Brauen waren tief über ihren braunen Augen zusammengezogen. Das geflochtene Haar hatte sie nach hinten gebunden, nur der kleine Padawanzopf hing lose herab. Sie strich ihn hinters Ohr und beugte sich vornüber.

„Er ist noch sehr klein. Siehst du?“ Sie strich mit einer Hand über die langen Stacheln, mit denen der pulsierende Körper des Dämonenkalmars überzogen war. Das Geschöpf erzitterte, und dann sank es vor Obi-Wans verdutztem und erleichtertem Blick langsam in sich zusammen. Schließlich zog es seine Stacheln ein und löste die Tentakel vom Handgelenk des Padawans. Prie nahm den Kalmar von seiner stark geröteten, geschwollenen Haut ab und gurrte dem Tier zu. Es schloss seine Fangarme um ihr Handgelenk, aber diesmal war es eine sanfte, zutrauliche Berührung.

Obi-Wan stand auf, nass von der Suppe, die niemals ein lebendes Raubtier hätte enthalten dürfen. Im Rest des Padawan-Speisesaals waren keine Anzeichen weiterer Gefahr zu erkennen, aber das hieß nicht, dass sie sicher waren. „Wir sollten in der Küche nachsehen. Jemand muss den Kalmar in die Suppe geschmuggelt haben. Vielleicht ein Attentäter oder …“

Die gleiche Flüssigkeit, mit der Obi-Wan besudelt war, sprühte aus Bollas Mund und tropfte an seinem schuppigen, grünen Kinn hinab, als er ungestüm losprustete. Seine Fingerspitzen hielten noch immer seine eigene Schale voll dampfender – und offensichtlich kalmarfreier – Suppe.

„Autsch!“, machte Bolla. Er versuchte, sein Abendessen nicht zu verschütten, während er sich über den Mund wischte. „Die Gewürze in dieser Suppe tun auf meiner Haut weh!“

Obi-Wans Hände ballten sich zu Fäusten. Schmerzen zuckten durch sein gerötetes, pochendes Handgelenk. „Heiße Suppe tut auch dann weh, wenn man sie sich komplett drüberschüttet! Weil ein Dämonenkalmar darin gerade seine Giftstacheln ausfährt!“

„Du hättest dein Gesicht sehen sollen! Als der erste Tentakel auftauchte, hast du ihn angeguckt, als würde er zur Suppe gehören. Gib zu, du hast überlegt, ob du ihn einfach essen sollst! Das war noch viel lustiger, als ich dachte!“

„Ich sagte: Giftstacheln!“, stieß Obi-Wan in einem verzweifelten Versuch, seine Wut im Zaum zu halten, hervor.

Bolla war es inzwischen gelungen, seine Schale abzustellen, und er winkte abfällig mit seiner langfingrigen Hand. Seine Ohren zuckten noch immer vor Belustigung. „Dir wäre rein gar nichts passiert. Ich habe ein Gegengift in meiner …“ Er klopfte auf seinen Gürtel, dort, wo sich normalerweise seine Tasche befand, und er blinzelte einmal mit dem weißen Film über seinen blau schimmernden Augen. „Oh … nun, irgendwo habe ich jedenfalls das Gegengift. Dir konnte überhaupt nichts passieren.“

„Das sehe ich anders!“ Obi-Wan nahm eine Serviette vom Tisch. Zumindest waren sie allein im Speisesaal und er hatte sich nicht vor sämtlichen Padawanen zum Narren gemacht. Oder auch vor …

„Da bist du ja!“, sagte Qui-Gon Jinn, der Jedi-Ritter und Meister von Obi-Wan. Obi-Wan war sich nicht sicher, ob die Stimme amüsiert oder irritiert klang, weil er seinen Schüler in diesem besudelten Zustand vorfand.

Obi-Wans Gesicht wurde so rot wie seine verletzte Hand.

„Du könntest vorsichtiger sein“, tadelte Prie, wobei sie Obi-Wan anblickte, als wäre alles seine Schuld gewesen. „Es ist doch ein Junges! Du hättest ihm wehtun können!“

„Aber er … und was ist mit …“ Obi-Wan deutete auf Bolla. Jetzt, wo ein Jedi-Meister anwesend war, schlürfte der Junge ganz unschuldig seine Suppe, als wäre überhaupt nichts passiert.

Obi-Wan war sechzehn Jahre alt – kein Jüngling mehr, sondern ein Padawan in der Ausbildung. Trotzdem war der Wunsch, Bolla zu verpetzen, beinahe übermächtig. Und wenn er ihn schon nicht verriet, wollte er wenigstens erklären, warum er mit Suppe übergossen war und sein gerötetes Handgelenk rieb. Er wollte vor seinem Meister einen Teil seiner Würde wiederherstellen.

„Es sieht aus, als wärst du fertig mit dem Abendessen“, sagte Qui-Gon mit hochgezogener Augenbraue. „Oder vielleicht ist dein Abendessen eher fertig mit dir?“

Ja, es war eindeutig: Qui-Gon lachte innerlich, auch wenn er es nicht zeigte. Gerne hätte Obi-Wan die Sache ebenfalls mit einem Lachen abgetan, aber sein Herz raste, und er hatte sich noch nicht von dem Kampf erholt. Falls man es denn überhaupt so nennen konnte; denn der Dämonenkalmar war bei richtiger Behandlung ja offensichtlich so zahm, dass er sich inzwischen an Pries Hals schmiegte.

Sie flüsterte ihm weiter liebevollen Unsinn zu. „Wer ist ein kleiner Prachtkerl? Du! Ja, du! Wer ist ein süßer Dämonenkalmar?“

Obi-Wan wusste nicht, was ein süßer Dämonenkalmar war, aber der da war es ganz sicher nicht. Bolla hatte seine Schale vor den Mund gehoben, um seinen Gesichtsausdruck zu verstecken, aber Obi-Wan sah, dass seine Schultern vor kaum unterdrücktem Gelächter bebten.

Aber Zorn war der Pfad zur Dunklen Seite der Macht, und Obi-Wan würde diesen Weg nicht beschreiten … ganz gleich, wie sehr er Bolla seine eigene Suppe ins Gesicht kippen wollte.

Qui-Gon faltete unter seinen Ärmeln die Hände. Vielleicht spürte er Obi-Wans inneren Aufruhr, vielleicht hatte er auch einfach nur Mitleid mit ihm. In jedem Fall enthielt er sich eines weiteren Kommentars. „Ich wollte meditieren und dachte mir, du möchtest vielleicht mitkommen.“

Zu meditieren war im Moment das Letzte, was Obi-Wan wollte. Er war noch immer tropfnass und irgendwo zwischen Panik und Zorn gefangen. Aber gerade, weil er keine Lust darauf hatte, war es vermutlich eine gute Idee. Im Jedi-Orden war es mit vielen Dingen so; je weniger er etwas tun wollte, desto besser wirkte es sich für ihn aus.

Und er wollte besser werden. Mehr noch, er wollte der Beste werden: der beste Padawan, der beste Schüler, der beste Jedi. Das war er dem Orden schuldig.

„Können wir stattdessen mit dem Lichtschwert üben?“, fragte Obi-Wan hoffnungsvoll. Er war noch nicht lange Qui-Gons Lehrling, aber bislang hatte sein Meister ihm nur die grundlegendsten Kampfformen beigebracht. Obi-Wan beherrschte sie alle. Er war gut darin, und er war bereit, den nächsten Schritt zu machen. Außerdem ließen sich Wut und Frustration durch einen Übungskampf viel besser abbauen als durch Meditation. Meditation war immer schwerer als Bewegung, so paradox es auch klingen mochte.

„Mich beschäftigt etwas“, sagte Qui-Gon, ohne genauer zu erklären, was das war. „Wir werden meditieren.“

Obi-Wans Magen, der dank Bolla noch immer leer war, zog sich zusammen. War er selbst der Grund für Qui-Gons Sorgen? Es schien ihm, als würden sie den Großteil des Trainings mit Meditationen verbringen. Die anderen Padawane nahmen häufig an Missionen teil, um der Republik zu dienen und der Galaxis zu helfen. Oder, wie im Fall Bollas, um exotische Kreaturen zu finden, mit denen sie Obi-Wan foltern konnten.

War es Obi-Wans Schuld, dass er noch nicht so weit war? Dass Qui-Gon lieber hier auf Coruscant blieb und meditierte? Aber vielleicht wünschte Qui-Gon diesen Zustand gar nicht. Vielleicht hatte er nur Angst, dass sein Schüler noch nicht bereit war für die Risiken, die außerhalb des Tempels lauerten.

Obi-Wan versuchte, der beste Padawan zu sein. Er gab sich alle Mühe, aber es war einfach unmöglich, abzuschätzen, womit er den sanftmütigen, unerschütterlichen Qui-Gon Jinn beeindrucken konnte. Wie sollte er eine Prüfung bestehen, wenn er nicht einmal wusste, wie er überhaupt geprüft wurde?

Ohne sich von den anderen zu verabschieden – Prie war ohnehin mit ihrem neuen Haustier beschäftigt und Bolla tat immer noch so, als würde er nicht lachen – folgte Obi-Wan Qui-Gon aus dem Speisesaal der Padawane. Sie ließen die unteren Ebenen mit ihren weitläufigen Übungsräumen und den zahlreichen Unterkünften hinter sich und gingen nach oben zu den Gärten, die Qui-Gon so liebte. Obi-Wan gefiel es hier ebenfalls. Oder zumindest hatte es ihm früher gefallen, bevor dies der Schauplatz so vieler vermasselter Übungen geworden war. Jetzt rief selbst der frische Duft des Grüns Unbehagen in ihm wach.

In einer ruhigen Ecke des weitläufigen, üppigen Gartens, umgeben von grellorangen Blüten und dem Glucksen unsichtbaren Wassers, setzte Qui-Gon sich auf den Boden. Er überkreuzte seine Beine an den Knöcheln, legte...



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