Wickenhäuser | Perry Rhodan Neo 217: Die zerborstene Welt | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 216, 160 Seiten

Reihe: Perry Rhodan Neo

Wickenhäuser Perry Rhodan Neo 217: Die zerborstene Welt


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-8453-4917-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 216, 160 Seiten

Reihe: Perry Rhodan Neo

ISBN: 978-3-8453-4917-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Fünfzig Jahre nachdem die Menschheit zu den Sternen aufgebrochen ist, haben Kolonisten erste Siedlungen auf fremden Welten innerhalb und außerhalb des Sonnensystems errichtet. Der Weg ins Weltall verläuft mühsam und abenteuerlich. Aber geleitet von Perry Rhodan, haben die Menschen bislang jede Gefahr überstanden. Doch im Jahr 2089 werden sie mit einem Gegner konfrontiert, der nicht fassbar erscheint. Das mysteriöse Dunkelleben bedroht die Solare Union. Um dieses Phänomen zu enträtseln, wagt Rhodan eine Expedition in ein fernes Sternenreich - zum Compariat. Ein katastrophaler Unfall und die zeitweilige Kaperung durch die Shafakk, die Soldaten des Compariats, hinterlassen schwere Schäden auf der FANTASY. Damit die Expedition fortgesetzt werden kann, muss das Raumschiff repariert werden. Die benötigten Rohstoffe und Ersatzteile will Perry Rhodan am Ort einer kosmischen Katastrophe beschaffen. Die terranischen Einsatzkräfte dringen vor auf DIE ZERBORSTENE WELT ...

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1.

Die Seuche

Monate, bevor das fremde Raumschiff ins Kollksystem einflog, machte sich Reviersteiger Kersh Brabun zur Abfahrt ins Bergwerk bereit. Seine Konduktormontur war eine der wenigen, die reibungslos funktionierten. Das Compariat war der Ansicht, dass Garrm eigentlich keine Schutzanzüge benötigten, schließlich lebten sie von Natur aus vor allem unter Tage. Brabun zirpte verächtlich.

Im Grunde, mutmaßte er, ist es dem Compariat nur recht, wenn Garrm beim Bergbau auf Gorrawaan zu Schaden kommen. Wer hier arbeitet, ist diesen Heißhäutern sowieso ein Dorn im Auge. Was wir tun, ist ein Himmelfahrtskommando, und es wird fortgesetzt, bis der letzte Rest Edelmetalle aus Gorrawaan herausgeschürft ist. Und da die Vorkommen geradezu unermesslich sind, wird das lange dauern ...

Brabun versiegelte die Kombination und prüfte im schwarzen Temperaturspiegel, ob seine Körperzeichnung gut sichtbar wiedergegeben wurde. In einem gewöhnlichen Spiegel hätte er ein Wesen mit einem zykloidförmigen Körper gesehen: wie eine Kuppel, aus deren flacher Unterseite vier lange Beine ragten. Der Kopf mit den zwei Augen und der zur Decke gerichteten Ozelle saß auf einem kurzen, kräftigen Hals und ließ sich bei Bedarf in die Halsmulde zurückziehen. Von den vier Armen waren die zwei kürzeren mit filigranen Tarsen ausgestattet, die Brabun feinste Manipulationen ermöglichten. Das längere Armpaar trug kräftige Scheren – genauer: Nur noch ein Arm tat dies. Der andere endete in einem Stumpf, auf den sich Brabun ein mechanisches Kombiwerkzeug gesteckt hatte. Diese Verstümmelung war das Andenken an einen Unfall, wie er in dieser Umgebung nur allzu schnell passieren konnte. Er klackerte prüfend mit den verschiedenen Instrumenten und war zufrieden.

Der Boden erbebte. Brabun hielt kurz inne. Die Erschütterungen durchliefen seine vier dünnen, teleskopartigen Beine. Garrm waren in der Lage, selbst feinste Vibrationen zu spüren. Auch mit weniger empfindlichen Sinnen hätte Brabun bemerkt, dass die Erdstöße stärker geworden waren. Wenn er sie sogar auf der Planetenoberfläche fühlen konnte, stürzten in der Tiefe fraglos bereits Gänge ein, und Garrm gerieten in Lebensgefahr.

Schon wieder!, schoss es Brabun durch den Kopf. Die Beben nehmen zu.

Sein Kommunikator meldete sich mit einer pulsenden Erwärmung. Ein Notruf.

»Zwei Ihrer Knappen sind verschüttet worden«, zirpte ein ihm unbekannter Sprecher. Brabun hörte zwar seine Individualmelodie, aber er konnte sie niemandem zuordnen.

»Ich mache mich sofort auf den Weg«, kündigte Brabun an. »Allerdings befinde ich mich in der Kaue auf der Oberfläche! Ankunft also in ...«

»Oberfläche ist gut«, unterbrach ihn der Unbekannte. »Verzeihung, ich habe mich nicht vorgestellt. Leitender Ingenieur Nashtrag-Ruhe spricht. Brabun-Kompetenz, der Unfall ereignete sich im Transportschacht bei der Konverterkammer auf Niveau Plus Viertausendzweihundert, Sektion Karrk. Also ganz in Ihrer Nähe.«

Plus 4200 lag in der Lithosphäre, der Planetenkruste. Brabun sparte sich die Rückfrage, was seine Knappen oben in der Planetenkruste taten, für später auf und bestätigte rasch. Seine Leute brauchten ihn. Es gab keine Zeit zu verlieren.

Er eilte aus der Kaue, in der neue Mitglieder der Knappschaft dieses Sektors auf ihren Einsatz vorbereitet wurden. Matten aus verstärktem Polymergewebe bedeckten den Boden und sollten Sicherheit vor Erdbeben bieten. Über sich sah Brabun die Sterne: Aus Sicherheitsgründen befanden sich die Quartiere der Belegschaften, die in der planetaren Kruste arbeiteten, sowie der Neuankömmlinge auf der Oberfläche der zerborstenen Welt. Eine beinahe unzerreißbare, transparente Folie schirmte die Gebäude vom Weltraum ab.

Mit einem Schnarren, das er durch das Aneinanderreiben seiner Beine erzeugte, rief er einen Wagen herbei. Das Gefährt war diskusförmig und schwebte zwischen vier Schienen. Es bot nur minimale Bewegungsfreiheit, schützte den Fahrgast aber von allen Seiten.

Brabun hielt seinen Kommunikator hoch, der an der Breitseite seiner Schere befestigt war. Das Gerät verfügte über ein ausklappbares, schwarzes Thermofeld.

»Lagebericht!«, verlangte er, während der Wagen Fahrt aufnahm und in eine Tunnelröhre abtauchte, die steil nach unten führte.

Aus dem Kommunikator drang das Zirpen seines unsichtbaren Gesprächspartners. »Wir sind dabei, Ihre zwei Knappen zu bergen. Die anderen konnten sich an Fliehorten oder in ausreichender Entfernung zum Epizentrum in Sicherheit bringen.«

Brabun brauchte sich den Aufbau des Reviers nicht erst ins Gedächtnis zu rufen. Er kannte es wie seine eigenen Tarsen – zumindest die tiefer gelegenen Bergbaubereiche. Der Industriekomplex, in dem sich das Unglück ereignet hatte, war nahe einer Bruchkante erbaut. Die Gründe waren simpel: Es war einfacher, die Röhren für den Transport der Roherze außen an den Klippen anzubringen, statt sie quer durchs Gestein zu führen. Außerdem waren sie dort zugänglicher und etwas besser geschützt vor den Beben. Aber was für die Röhren galt, galt nicht für die Bauten dahinter.

»Dieser Abschnitt war schon immer unser Sorgenkind«, bemerkte Brabun, während der Fahrschacht den Diskus aus dem Erdreich hinausführte und senkrecht an der Bruchkante entlang in die Tiefe stürzen ließ.

Zwar befand sich der Komplex in der Kruste, der höchsten Schicht des Planeten, lag aber dennoch rund eine halbe Stunde Fahrt unter der Kaue. Brabun erhöhte die Geschwindigkeit des Wagens. In den Verbindungsröhren herrschte Vakuum, um die Reibung so gering wie möglich zu halten. Von den vorbeirasenden netzartigen Strukturen der Röhrenwand trennte Brabun nur eine Tarsuslänge – und die transparente Kuppel, welche die Atmosphäre in dem einfachen Gefährt hielt. Er hielt den Kopf in den Halskragen eingezogen und wartete.

Dann beschrieb der Fahrschacht einen scharfen Bogen, in dem Fliehkräfte mit Brabuns Innereien Fußball spielten, und führte ihn wieder ins Dunkel der Lithosphäre. Lichterreihen rasten über Brabuns Kopf hinweg, während er immer weiter vordrang. Obwohl diese Fahrt zu den kürzeren gehörte, die er regelmäßig unternahm, war Brabun froh, als der Wagen erst rapide, dann sanft abbremste und schließlich am Ziel zum Stehen kam. Er klappte die Kuppel auf, streckte die Beine und stakste hinaus. Die Individualmelodie des Leitenden Ingenieurs Nashtrag war bereits gut zu hören, ehe Brabun ihn sah. Nashtrag wartete in einem flachen Werkzeugmobil.

»Der Rettungsarzt ist bereits vor Ort«, berichtete der Ingenieur, verlor keine Zeit und ließ den Wagen losrollen.

Formfelder dirigierten weiß glühende Ströme Seltener Erden über ihren Köpfen in unterschiedliche Richtungen: Promethium, Neodym und Lanthan waren gemeinsam mit anderen Edelmetallen das Blut in den Adern des Reviers, Ursache und Motor für die Abbauarbeiten an einer ganzen Welt, die sich im Zustand des Auseinanderfallens befand. Brabun war als Reviersteiger eigentlich nur für die Abbaustollen und die Förderung an sich zuständig, mit der Weiterverarbeitung der Erze hatte er nichts zu tun. Auf diesem unterplanetaren Industriegelände war er somit nur ein gewöhnlicher Garrm wie jeder andere. Außer es betraf seine eigenen Leute.

»Wenn es nicht zwei Knappen wären, könnte ich in aller Ruhe meinen Abstieg vorbereiten«, murrte er.

Nashtrag zeigte Anteilnahme. »Das kann ich gut nachfühlen.« Er schnarrte einen Befehl, und ihr Gefährt änderte die Richtung. »Der Unfall an sich wäre auch kein Grund gewesen, Sie herbeizurufen. Aber einer unserer Rettungsärzte hat eine Entdeckung gemacht, die gerade für Sie sehr wichtig ist. Behauptet er zumindest.«

Brabun beschlich ein ungutes Gefühl. Nashtrag lieferte keine weiteren Informationen, aber die Betonung seiner Worte und sein Verhalten ließen keinen Zweifel daran, dass der Leitende Ingenieur sehr beunruhigt war. Dass das Schicksal zweier Knappen ihn derart berührte, verriet Brabun, dass es sich mitnichten um einen gewöhnlichen Unfall handelte.

Sie gelangten in eine Halle, deren gegenüberliegendes Ende sich in der Ferne verlor. Teiltransparente Rohre und offene Rinnen voller glutflüssigem Cer, Neodym, Gold und anderen Edelmetallen tauchten die sich weit über ihnen wölbende Decke in ein flackerndes, orangerotes Licht. Die Erzflüsse schienen von überall her zu kommen und sich gelegentlich in chaotisch anmutenden Knoten umeinanderzuwinden. Es roch nach Ozon und viel zu hohen Temperaturen, obwohl Sperrfelder die Hitze vom Boden der Halle fernhielten. Ein vielstimmiges Zischen, Fauchen und Glucksen erfüllte die Luft. Nur gelegentlich schwirrte da und dort ein Roboter vorbei; Garrm waren nicht zu sehen. Alle Prozesse verliefen in diesem Stadium vollautomatisch und wartungsarm.

Der Wagen mit Nashtrag und Brabun jagte an einer Reihe haushoch aufragender Konverter vorbei, die die gesamte Längsseite der Halle flankierte. Nach einer ganzen Weile – Brabun fragte sich schon, wie viele Kilometer sie in dieser Halle zurücklegen mussten – entdeckte er eine Tunnelöffnung vor ihnen, über der gezackte Stahlplatten in tiefem Rot glühten und jedem, der sie sah, akute Lebensgefahr signalisierten. Das hohe Sirren einer Alarmsäge verlieh der Warnung Nachdruck.

Pulsendes Grün von Fluchtwegbändern begleitete sie, während sie durch den Tunnel rasten. Nach der Weite der Halle weckte die Enge vorübergehend geradezu klaustrophobische Gefühle in Brabun. Nashtrag war sichtlich amüsiert darüber. Aber schon während sie eine Gabelung passierten und die Fliehkräfte an ihm zerrten, spürte Brabun, wie das bedrückende Gefühl jener angenehmen Heimeligkeit...



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