E-Book, Deutsch, Band 361, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
Wickenhäuser Perry Rhodan Neo 361: Ort der Zerbrochenen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8453-5561-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Staffel: Pulsar
E-Book, Deutsch, Band 361, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
ISBN: 978-3-8453-5561-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Im 25. Jahrhundert: Nach den Erschütterungen der jüngsten Zeit richten sich die Menschen auf eine friedliche Zukunft ein. Zusammen mit anderen Sternenreichen möchte man die Galaxis erkunden und fremde Welten besiedeln. Doch dann werden Perry Rhodan und seine Gefährten durch einen Notruf aufgeschreckt. Das Signal führt sie in die Nähe des Pulsars Vela. Der hyperaktive Neutronenstern öffnet einen Riss in der Raumzeit - den Zugang in einen anderen Kosmos. Dieser Kosmos erweist sich als eine von mehreren Sphären, in denen ein Bund hoch entwickelter Völker lebt, das sogenannte Konzil. Offensichtlich plant diese Machtgruppe einen Angriff auf die Milchstraße. Bei einem ihrer Vorstöße treffen Rhodan und seine Begleiter auf eine seltsame Welt - und den Ort der Zerbrochenen ...
Autoren/Hrsg.
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1.
Kampfeinsatz
Eine massige Gestalt stürzte aus dem Transferfeld. Es ging so schnell, dass Gelak-Tar kaum Zeit hatte, zu reagieren. In einem Moment war da noch eine konturlose, weiße Wand, im nächsten stand da schon der Gegner. Groß und massig, mit dem typisch breiten, ledrigen Gesicht der Laren, das aus einem Kampfanzug im Dunkelgrün der Kanarshul hervorragte – fraglos eine Frau, wie ihre hoch aufgetürmte Frisur verriet. Ihre flache Nase mit den vier Atemschlitzen blähte sich triumphierend. Schaufelartige Hände ballten sich zu Fäusten. Ihren Strahler hatte diese Rebellin offensichtlich verloren, aber das schien sie nicht zu stören – sie war Gelak-Tar, obwohl auch er ein Lare war, an Muskelmasse klar überlegen.
Mit einer blitzschnellen Bewegung schlug sie Gelak-Tar die Waffe aus der Hand, die er eine Winzigkeit zu spät gezogen hatte. Er konnte gerade noch den Arm in einer tausendfach geübten Parade heben und den nächsten Hieb der Larin abwehren. Dann aber prasselten ihre wuchtigen Schläge gegen Gelak-Tars Schutzanzug, der sich für Sekundenbruchteile verfestigte und der Attacke damit einen Teil der Wucht nahm. Trotzdem wurde er beinahe von den Füßen gerissen. Er taumelte zurück, wich zur Seite aus und wollte den Angriff der Gegnerin ins Leere laufen lassen. Damit hatte sie aber wohl gerechnet und drang weiter auf ihn ein.
Gelak-Tar wurde in die Defensive gedrängt.
Ich muss die Initiative gewinnen!, dachte er, während sein Körper unter den Faustschlägen der Angreiferin wankte. Wenn ich mich nur verteidige, werde ich früher oder später einen Fehler machen. Und dann hat sie mich ...
Das Licht erlosch. Überrascht tat Gelak-Tar genau das, was er gerade befürchtet hatte: Er vernachlässigte seine Deckung. Der erwartete Hieb jedoch blieb aus, stattdessen versuchte die Rebellin sofort, ihn zu packen.
Sie ist viel stärker als ich, und wenn sie zu einem Ringkampf übergeht, ist die Dunkelheit kein Nachteil für sie, dachte Gelak-Tar. Er spürte, wie ihre kräftigen Finger über seinen Anzug rutschten und nach einer Falte, einer Tasche oder einer anderen Möglichkeit suchten, um sich festzukrallen.
Rasch wand er sich hin und her wie ein Blaudusfisch, und es gelang ihm, sich aus ihrem Griff zu befreien. Sofort sprang er zurück und wich erneut zur Seite aus. Zwar war es stockfinster, aber das bedeutete nicht, dass er vollständig blind war. Mit seinen kiemenartigen Ohren konnte er Schallwellen auch aussenden und anhand deren Echos die Entfernung zu Objekten und Personen feststellen. Diese Methode war zwar wesentlich ungenauer als das Sehen. Aber er konnte sich damit sowohl ein Gespür für seine Umgebung verschaffen, als auch die Position seiner Gegnerin bestimmen. Allerdings verfügte die Larin über dieselbe Fähigkeit, und prompt vernahm Gelak-Tar das ultraschnelle Zirpen ihrer Schallortung.
Verzweifelt versuchte er, sich daran zu erinnern, was er gelernt hatte. Er musste ihre Echofrequenz finden und mit seinem eigenen Schall stören!
Während er hin- und hersprang, um ihren Angriffen auszuweichen, wechselte er hastig die Modulation seines Zirpens. Der Raum war so spartanisch eingerichtet wie alle Larengelasse und bot kaum Deckung, aber zwei weitere Transferfelder führten in Nachbarräume. Sobald er die richtige Störfrequenz gefunden hatte, würde er durch einen dieser Übergänge fliehen.
Ein Hieb traf ihn gegen die rechte Schulter und ließ ihn gegen eine Wand taumeln. Sein Zirpen wurde schmerzerfüllt. Instinktiv duckte er sich, tauchte unter ihrem Folgeschlag weg, der ihn nur so knapp verfehlte, dass er dessen Luftzug in seinem Nacken spürte, und rollte sich ab.
Dann hatte er die gesuchte Schwingung gefunden. Das Ortungsbild, das sein Gehirn aus den reflektierten Schallwellen geschaffen hatte, verzerrte sich und wurde undeutlich, als sich die Amplituden gegenseitig aufhoben. Im Unterschied zu der Larin war diese Blindheit genau das, was er hatte erreichen wollen. Denn er beabsichtigte nur, vor ihr zu fliehen – sie hingegen musste seinen Standort kennen, um ihn weiter attackieren zu können. Er selbst aber musste sich bloß daran erinnern, in welcher Richtung die Transferfelder lagen, und sich für eins davon entscheiden ...
Sein Plan ging nicht auf. Er wusste nicht, ob er die Interferenzfrequenz doch nicht präzise genug getroffen hatte oder ob sein Zirpen einfach zu schwach war im Vergleich zu ihren Echolauten. Sie holte ihn ein und brachte ihn zu Fall. Sofort war sie über ihm. Nun boten ihm weder Dunkelheit noch Störgeräusch mehr Schutz.
Er erwartete den Schlag, der alles beenden würde. Aber unvermittelt wurde die Frau von ihm heruntergeschleudert. Zwei rot glimmende Punkte waren in der Finsternis aufgetaucht und wurden schnell größer. Gelak-Tar hörte, wie die Larin sich hektisch aufrappelte, durch ihre Nasenschlitze einen geschnaubten Fluch ausstieß ... und das Weite suchte.
Das Licht ging wieder an und blendete ihn.
»Ich habe mich verspätet«, sagte der rot gekleidete Lare, der hinter einem großen, kugelförmigen Roboter herangeeilt kam.
Die Maschine fuhr die Greifarme wieder ein, mit deren Hilfe sie ein Prallfeld gegen die Rebellin projiziert hatte. Die roten Sensoraugen schienen zu blinzeln.
»Schnell weg hier. Unser Posten ist kompromittiert.«
»Blaikan-Del – bin ich froh, dass du da bist!«, sagte Gelak-Tar und sammelte seinen Strahler auf.
»Ja. Deine Kampfkünste sind verbesserungswürdig«, tadelte ihn Blaikan-Del und eilte auf ein Transferfeld zu.
»Wenn ich noch auf eine Auszeichnung hoffen will, müssen wir uns etwas einfallen lassen«, klagte Gelak-Tar, während sie nach dem Durchqueren des Transferfelds über eine Rampe ins Obergeschoss des Hochhauses liefen.
»Ich habe in einem Haus zwei Straßenzüge weiter einen Roboterdirigenten entdeckt«, sagte Blaikan-Del. »Wenn wir an den herankommen, bekommst du deine Auszeichnung doch noch.«
»Das wäre so wichtig ...« Gelak-Tar schnaubte. »Alle anderen haben sie schon. Ich brauche sie unbedingt auch.«
»Keine Sorge.« Blaikan-Del schickte den Kugelroboter als Vorhut zu einem weiteren Transferfeld, das ins Freie führte, damit die Maschine die Lage dort erkundete.
»Ja, der Dirigent ist noch da«, stellte Blaikan-Del fest, nachdem sie dem Roboter gefolgt waren. »Den schnappen wir uns!«
Da die Sensoren des Roboters keine Gegner in der Umgebung geortet hatten, aktivierten sie die Antigravaggregate ihrer Schutzmonturen und starteten in einem nach dem Zufallsprinzip ständig wechselnden Kurs. Die Straßenzüge verliefen streng rechtwinklig und boten keinerlei Schutz, abgesehen von einer Vielzahl schmaler Schienenbrücken, die sich in der Höhe zwischen den Gebäuden spannten. Die Deckung, die sie boten, war allerdings tückisch, wusste Gelak-Tar. Er selbst hatte schon Gegnern genau im Schatten solcher Brücken aufgelauert, in der Annahme, dass die Rebellen sie als Deckung für ihre Annäherung nutzen würden. Und mehr als einmal hatte er recht gehabt.
Ihr Roboter flog knapp oberhalb der Schienenstege vor ihnen her und beobachtete die Umgebung. Falls ihnen jemand auflauerte, würde die Maschine ihn entdecken. Hoffte Gelak-Tar wenigstens.
»Es ist ein echter Glücksfall, dass der Dirigent so schlecht getarnt ist«, flüsterte Blaikan-Del. »Er muss sich seiner Sache sehr sicher sein.«
»Wie kann das sein? Ist er so leichtsinnig?«, fragte Gelak-Tar.
»Du glaubst gar nicht, was für Dummheiten manche Leute machen. Wenn du das in einer Prüfung erzählen würdest, würde man dich auslachen.«
»Das hier ist doch auch nichts anderes als eine Prüfung«, erwiderte Gelak-Tar.
Blaikan-Del grinste. »Eben.«
Gelak-Tar dachte an die Auszeichnung. Er brauchte diesen Nadelstreifen. Er war zwar kaum einen Finger lang, aber ihn nicht zu haben, bedeutete, ein sichtbares Loch in seinem Ehrenmuster zu haben. Die anderen würden ihn hinter seinem Rücken verspotten.
Wenn wir es wirklich schaffen, den Roboterdirigenten zu besiegen, ist sie mir aber sicher, sinnierte er.
Dieser Moment der Unaufmerksamkeit rächte sich augenblicklich. Wie aus dem Nichts erschien plötzlich eine Wolke aus kleinen Robotern und hätte ihn um ein Haar abgeschossen. Im letzten Augenblick aktivierte er die Notfallroutinen, und sein Flugaggregat prügelte ihn mit der Gewalt eines Vorschlaghammers in die Tiefe. Über ihm explodierte ihr Kugelroboter. Die Wände der Hochhäuser rasten an ihm vorbei, während der Antigrav ihn heftig durchschüttelte: Blitzartige erratische Ausweichmanöver sollten seine Chancen erhöhen, heil aus der Situation herauszukommen. Gelak-Tars zwei Mägen verkrampften sich. Der Muskelmagen stampfte.
»Nach links!« Blaikan-Del war gleichauf mit ihm gezogen und sauste, von seinem eigenen Flugaggregat gelenkt, haarscharf abwechselnd über und unter Gelak-Tar vorbei.
Gelak-Tar erkannte ein Transferfeld in der hellen Hauswand, dicht unter dem breiten Lichtband, das die Straße erhellte. Mit voller Geschwindigkeit nutzten sie das Portal, um ins Innere des Gebäudes zu flüchten, wurden bei der Passage des Felds so stark abgebremst, dass selbst Gelak-Tars muskulöser Hals den Effekt der Masseträgheit kaum abfangen konnte, und stürzten durch eine Tür weiter. Hinter sich hörten sie das Krachen von Zerstörerstrahlen.
Sie verließen das Gebäude durch ein gegenüberliegendes Transferfeld sofort wieder und schlugen Haken durch die Straßen. Endlich gaben ihre Sensoren Entwarnung: Sie hatten die Jägerroboter abhängen können.
Mit von dem holprigen Flug brummendem Kopf sank Gelak-Tar an einer Wand zu...




