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Wierzbicki | Spiritual Care in der Praxis | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 172 Seiten

Wierzbicki Spiritual Care in der Praxis

Wie die Implementierung in den Klinikalltag erfolgreich gelingt
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-17-039772-9
Verlag: Kohlhammer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie die Implementierung in den Klinikalltag erfolgreich gelingt

E-Book, Deutsch, 172 Seiten

ISBN: 978-3-17-039772-9
Verlag: Kohlhammer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Neben dem Bedarf an medizinischer Versorgung haben Patientinnen und Patienten auch das Bedürfnis nach spiritueller Fürsorge, weswegen das Krankenhauspersonal sehr häufig mit spirituellen Fragen konfrontiert wird. Da das Personal in diesem Bereich jedoch oftmals nicht geschult ist, führen diese Fragen häufig zu Unsicherheit und Überforderung. Wie aber kann die Implementierung von Spiritual Care in einen effektiven Klinikalltag gelingen? Dieses Buch stellt ein Fortbildungsprogramm vor, welches wissenschaftlich evaluiert und durch die positiven Veränderungen im Haus zum 'Ankerprojekt Klinik Diakonissen Linz' für das Diakoniewerk wurde. Die verschiedenen Berufsgruppen lernen dabei Methoden und Wege kennen, mit spirituellen Bedürfnissen umzugehen. Anhand zahlreicher Praxisbeispiele und Erfahrungen zeigt das Werk auf, wie Spiritual Care möglichst einfach und wirksam in der Klinik und in Einrichtungen der Langzeitpflege umgesetzt werden kann.

Doris Wierzbicki, Dipl.-PAss.in, Dipl. Päd.in, MASSc, ist Leiterin der Seelsorge und Spiritual Care in der Klinik Diakonissen Linz, Referentin und Mitarbeiterin im Diakoniewerk Gallneukirchen mit dem Schwerpunkt Spiritual Care sowie ISCO-Koordinatorin.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


2          Umsetzungsphase – erste Ergebnisse werden sichtbar


Abb. 2.1: Wandtafel im Eingangsbereich der Klinik Diakonissen Linz

2.1       Fortbildungskonzept – die Implementierung von Spiritual Care


Der Geschäftsführer und ärztliche Leiter der Klinik Diakonissen Linz (KDL) und Bereichsleiter für Finanzen sprachen in einer Sonderausgabe der internen Zeitschrift »Mitarbeiter Aktuell« im Herbst 2017 von einem bedeutenden Schritt der Weiterentwicklung hin zu einer zukünftigen Betreuungsqualität in der Klinik.

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus der Pflegeleitung, einer Vertreterin der Personal- und Organisationsentwicklung im Diakoniewerk, dem Leiter der Diakonischen Identitätsentwicklung im Diakoniewerk, dem Bereichsleiter für Finanzen und mir als Leitung der Seelsorge und inhaltliche Leiterin von Spiritual Care, kam am 24.10.2017 zusammen. Es wurden dabei Kriterien erarbeitet, die Grundlage für die zukünftige Arbeit an der Implementierung von Spiritual Care in der KDL sein sollen.

1.               Was soll sich verändern? Wo wollen wir hin?


Im Bereich der Haltungen soll ein Kompetenzzuwachs erfolgen. Ein sorgsamer, sensibler Umgang mit spirituellen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten soll erlernt und trainiert werden. Indem sich manche Haltungen des Personals verändern, wird auch ein »weiterentwickelter« Geist im Haus spürbar werden. Gemäß unserer Definition wollen wir uns bemühen, dass Spiritualität wohltuend in unserer Klinik spür- und erlebbar wird.

2.               Welche sind die »Rädchen«, an denen wir drehen? Welches Instrumentarium steht uns zur Verfügung?


Hier greift unsere Arbeitsgruppe als Konzeptentwickler auf die Erfahrungen aus der ersten Phase zurück. Es sind die bereits bewährten »Fokus Tage«. Diese werden von mir freiberuflich angeboten, da sie auf das Projekt bezogen und nicht Teil des Seelsorgeauftrages in der Klinik sind. Die Fokus Tage bilden die Basis des Fortbildungskonzeptes. Daher ist es empfehlenswert, dass all jene Berufsgruppen dieses Basis-Seminar besuchen, die in Kontakt mit Patienten stehen. Die Berufsgruppen wurden in vier Zielgruppen unterteilt. Das Basis-Seminar ist in erster Linie für Mitarbeitende der Gruppe 1 und in einer adaptierten Form für Mitarbeitende der Gruppe 2 gedacht. Ein gesondertes Design ist für die Gruppe 4 laufend zu entwickeln.

Neben den Fokus Tagen muss es für die bereits Geschulten zwei sogenannte »Follow ups « geben.

Darüber hinaus werden die Mitglieder des vorher bereits beschriebenen Arbeitskreises (AK) Spiritualität gezielt an einem Halbtag als Multiplikatoren ausgebildet. Ihre Aufgabe ist es, in Dienstbesprechungen mit Kollegen »Situationsbesprechungen aus der Praxis« anzuleiten. Auch soll es später für diese Multiplikatoren im Rahmen der regelmäßigen Treffen des AK-Spiritualität immer wieder bedürfnisorientierte Inputs geben.

Impulse und Projektinformationen im »Mitarbeiter Aktuell« sind ebenfalls angedacht.

Der Zeitplan für die Schulungen bezieht sich auf drei Jahre, auf die die Implementierung angelegt ist.

3.               Wie können wir unsere Absichten sichtbar machen? Wie sind sie in die Abläufe zu integrieren?


Die Grundfrage, wie das Konzept Spiritual Care in der KDL sichtbar und erfahrbar bzw. wirksam wird, beschäftigte uns als Konzeptgruppe intensiv. Alles steht und fällt damit, dass diese Sichtbarkeit und Erfahrbarkeit für die Mitarbeitenden fokussiert dargestellt und von ihnen als alltagskompatibel empfunden wird.

Wie ist das zu erreichen? Als besonders relevant erachten die Mitglieder der Konzeptgruppe folgende Punkte:

•  Die Inhalte des Leitbildes sollen immer wieder neu beleuchtet und bearbeitet werden.

•  Leitende Mitarbeitende sollen »ins Boot geholt werden«. Die Haltung von Führungskräften und ihre Vorbildfunktion ist in diesem Zusammenhang wichtig!

•  Aus dem AK Spiritualität und darüber hinaus sollen Multiplikatoren gezielt dafür geschult und mit Impulsen begleitet werden.

•  Die Sichtbarkeit und Erlebbarkeit soll durch vermehrte interdisziplinäre Zusammenarbeit, Reflexionen zu verschiedenen Situationen aus der Praxis und regelmäßige Impulse im »Mitarbeiter Aktuell« und darüber hinaus zu besonderen Zeiten, z. B. vor Weihnachten und Ostern, unterstützt werden.

•  Die hauseigene Definition von Spiritualität soll als Grundlage des Handelns dargestellt und kommuniziert werden.

Bereits 2014 hat sich der neu gegründete AK Spritualiät der KDL mit den hiesigen spirituellen Wurzeln auseinandergesetzt. 2017 wurde gemeinsam mit der Geschäftsleitung eine hausspezifische Definition von Spiritualität als tragfähige Basis formuliert:

Spiritualität ist für uns eine sinnstiftende und offene Haltung

•  gegenüber uns selbst,

•  gegenüber unserem Nächsten und unserem Umfeld

•  und gegenüber dem Transzendenten, gegenüber Gott.

Spiritualität orientiert sich am Leben und gibt Orientierung im Leben mit all seinen Facetten.

In unserer Spiritualität bemühen wir uns um Wertschätzung, Achtsamkeit und Toleranz und darum, dass sie wohltuend in der Klinik spür- und erlebbar wird.

Dabei ist festzuhalten, dass all diese Punkte auch mögliche »Teilprojekte« des »Gesamtprojektes« sein können.

Auf jeden Fall hat die Konzeptgruppe die Problemantik erkannt, die in einer mangelhaften Kommunikation und einem schlechten Sichtbar-Sein der Konzeptimplementierung im Haus liegt. So kann Spiritual Care leicht als »Steckenpferd« Einzelner abgetan werden und erreicht nicht die beabsichtigte Tiefen- und Breitenwirkung. Darüber hinaus wurde der Arbeitsgruppe bewusst, dass die Bedeutung und Relevanz für die Behandlungsqualität erst spürbar wird, wenn der überwiegende Teil der Mitarbeitenden im Wahrnehmen der spirituellen Bedürfnisse von Patienten und im heilsamen Darauf-Eingehen geschult wurde.

4.               Wie bleiben wir dran? Wie ist Nachhaltigkeit zu erzielen?


Die Konzepteinführung ist gerade dadurch, dass sie auf drei Jahre anberaumt wurde, auf eine nachhaltige Wirkung von Spiritual Care angelegt.

Expertenmeinungen zufolge ist eine Personalentwicklungsmaßnahme dann nachhaltig, wenn sie zumindest 2/3 der Mitarbeiterschaft erreicht und von dieser in die alltägliche Praxis übernommen wird. Diese 2/3 der Mitarbeiterschaft werden von der Arbeitsgruppe als Mindestanzahl gesehen. Wünschenswert wären jedoch 3/4 der Mitarbeitenden. Es wird daher versucht, in drei Jahren rund 130 Personen mittels der verschiedenen Module zu schulen.

Um einen Großteil der pflegenden, medizinischen, aber auch administrativen Mitarbeitenden mit Patientenkontakt mit dem Ansatz von Spiritual Care vertraut zu machen und ihnen das »Handwerkszeug« zu erläutern, wurden diese, – darunter auch ein Teil der Fachärzte – vier unterschiedlichen Zielgruppen zugeordnet:

Gruppe 1: Stationäre Pflege (B, C, D, E), Anästhesiepflege inkl. Anästhesisten, Stationsärzte, Physiotherapeuten, Diätologen, Service-Mitarbeitende; von der Geschäftsleitung intendierte Teilnehmerquote: 75 %

Gruppe 2:OP-Pflege, Endoskopie, Radiologie, Innere Medizin (auch administrative Mitarbeitende in diesen ambulanten Bereichen), medz, Rezeption, Aufnahme, Café; von der Geschäftsleitung intendierte Teilnehmerquote: 50–67 %

Gruppe 3: Med. Dokumentation, Rechnungswesen, Verwaltung, IT, Haus- und Medizintechnik, Küche, Med. Material, Lehrkräfte; bei Interesse ist auch Mitarbeitende aus anderen Bereichen die Teilnahme auf Eigeninitiative möglich

Gruppe 4:Fachärzte der Inneren Medizin, Neurologie und der Radiologie sowie die hauptbelegenden Ärzte; ein gesondertes Veranstaltungsdesign ist noch zu kreieren; eine möglichst hohe Teilnahmequote ist...


Doris Wierzbicki, Dipl.-PAss.in, Dipl. Päd.in, MASSc, ist Leiterin der Seelsorge und Spiritual Care in der Klinik Diakonissen Linz, Referentin und Mitarbeiterin im Diakoniewerk Gallneukirchen mit dem Schwerpunkt Spiritual Care sowie ISCO-Koordinatorin.



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