Wieschalla | Überlebenstipps für Elternkümmerer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 167 Seiten

Wieschalla Überlebenstipps für Elternkümmerer

Eltern begleiten, Fallen vermeiden
2. aktualisierte Auflage 2022
ISBN: 978-3-497-61674-9
Verlag: Ernst Reinhardt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eltern begleiten, Fallen vermeiden

E-Book, Deutsch, 167 Seiten

ISBN: 978-3-497-61674-9
Verlag: Ernst Reinhardt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Ich kümmere mich um meine alten Eltern und mir wächst alles über den Kopf.' So sieht der Alltag vieler Elternkümmerer aus. Auch wenn diese Töchter und Söhne nicht direkt mit der körperlichen Pflege der Eltern zu tun haben, sind sie organisatorisch und emotional sehr stark mit deren Wohlergehen und Versorgung beschäftigt. Lebendig schildert die Autorin die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen der Elternkümmerer, bis hin zu Konflikten zwischen den Geschwistern oder den richtigen Umgang mit Demenz. Sie zeigt, wie man sich um die Eltern kümmern und gleichzeitig gut für sich selbst sorgen kann. Voraussetzung dafür ist eine realistische Situationseinschätzung, die richtige Kommunikation, Informationen über altersbedingte Veränderungen und eine große Portion Selbstfürsorge. Ein Mutmachbuch für alle Elternkümmerer, die ihr Leben wieder in die Hand nehmen wollen.

Petra Brigitte Wieschalla, Offenbach am Main, berät als Angehörigencoach, Demenzberaterin und Referentin Menschen, die sich um ihre alten Eltern kümmern und gleichzeitig gut für sich sorgen wollen.Mehr zur Autorin: www.petrawieschalla.de
Wieschalla Überlebenstipps für Elternkümmerer jetzt bestellen!

Zielgruppe


Erwachsene Kinder, die sich um ihre alten Eltern oder Schwiegereltern kümmern; Fachkräfte, die in psychosozialen und Pflegeberatungsstellen mit Angehörigen arbeiten.


Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Inhalt
1 Einleitung 7
2 Wer oder was sind Elternkümmerer? 11
Warum kümmere ich mich eigentlich? 11
Was sind die Aufgaben der Elternkümmerer? 16
Wie viel Verantwortung muss ich für meine Eltern übernehmen? 21
Wie viel Verantwortung muss ich für mein eigenes Verhalten übernehmen? 23
3 Unterstützung der Eltern 24
Vier Unterstützungsphasen 24
4 Situationsanalyse und Bestandsaufnahme der Versorgungssituation 30
Einschätzung der aktuellen Gesamtsituation 30
Eigene Bedürfnisse und Fähigkeiten 32
Wer könnte sich grundsätzlich kümmern? 35
5 Vorbereitung - Welche Schritte sind jetzt dran? 37
Familienkonferenz 37
Das gemeinsame Gespräch mit den Eltern führen 46
Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung 49
Finanzielle Situation der Eltern 54
Wohnsituation der Eltern altersgerecht gestalten 55
In Verbindung bleiben, Kommunikationswege 57
Gemeinsame Erinnerungen 61
Gesundheitliche Situation der Eltern 66
6 Emotionale und gesundheitliche Belastung der Elternkümmerer 68
Überforderung 69
Erwartungen und Ansprüche 77
Berufstätige mit Pflegeverantwortung 82
Geschwisterstress: "Es ist auch DEINE Mutter!" 83

7 Selbstfürsorge 95
Klarheit, Mut und Erlaubnis 95
Suchen Sie sich Unterstützung 97
Individuelle Wohlfühlinseln entdecken und

beschützen 100
Dinge, die Ihnen jetzt guttun 103
8 Konfliktsituationen mit den alten Eltern gut

begegnen 106
Alte Eltern verstehen - Konflikte und

Kommunikation 107
Exkurs: Autofahren im Alter 111
Stressauslösendes Verhalten der Eltern 120
Exkurs: Kriegskinder 121
Sexualität im Alter 127
Vertauschte Rollen? 134
Stressfaktoren: Krankenhaus und Pflegeheim 135
Hilfreiche innere Einstellungen 146
9 Demenz 150
Ist das schon Demenz? 150
Nach der Diagnose 152
Demenz verstehen 153
Nähe trotz Demenz 156
10 Schlussgedanken 161
Was haben Sie über sich und Ihre Eltern erfahren? 161
Was ist wirklich wichtig? 162
11 Anhang: Checklisten und weitere nützliche Hilfen 163 Sachregister 174
Checklisten zum Download finden Sie unter

www.reinhardt-verlag.de


2Wer oder was sind Elternkümmerer?


Warum kümmere ich mich eigentlich?


Wenn es darum geht, sich um die eigenen Eltern oder Schwiegereltern zu kümmern, gibt es nicht den einen Grund. Es sind sehr vielschichtige Beweggründe, warum man diese Aufgabe übernimmt. Einige davon sind einem ganz klar und bewusst, andere laufen ganz unterschwellig mit.

Ich lade Sie zu einer Bestandsaufnahme ein. Nehmen Sie sich etwas Zeit dafür. Am besten an einem Ort, an dem Sie sich wohlfühlen und ungestört sind. Ich empfehle Ihnen, diese Übung schriftlich zu machen, denn beim Schreiben kommen auch die Gedanken zu Wort, die sonst im Alltag schnell überhört werden.

Starten Sie mit der Frage: „Warum kümmere ich mich um meine Eltern?“

Lassen Sie sich Zeit für die Beantwortung und spüren Sie in sich hinein. Die ersten Antworten sind meist ganz klar, denn die haben Sie sich und anderen schon oft erzählt. Doch fragen Sie sich dann weiter:

Ist das wirklich der einzige Grund, oder gibt es da noch etwas anderes, tiefer gehendes?

Warum wirklich? Und warum genau das?

Ganz wichtig dabei – schreiben Sie erst mal alles auf, ganz unzensiert. Diese Gedanken sind nur für Sie bestimmt. Vor allem, wenn es dabei Motive gibt, die Ihnen vielleicht unangenehm oder peinlich sind.

Es lohnt sich! Denn je klarer Sie sind, umso kraftvoller können Sie Ihren Alltag gestalten. Und es gibt viel mehr Beweggründe, als Sie vielleicht annehmen. Hier sind einige Beispiele:

  • Was sagen denn die Leute, wenn ich es nicht mache!
  • Das würde ich mir nie verzeihen.
  • Es ist doch meine Mutter!
  • Ich habe es meinen Eltern versprochen.
  • Aus Mitgefühl, Liebe und Dankbarkeit.
  • Ich möchte meinen Kindern ein Vorbild sein.
  • Wer soll es denn sonst machen?
  • Es ist doch meine Pflicht als Tochter.
  • Ich will meinen Mann beim Kümmern um seine Eltern unterstützen.
  • Ich will meinen Geschwistern beweisen, dass ich doch zu etwas tauge.
  • Es hat sich irgendwie so ergeben.
  • Ich wohne von meinen Geschwistern am nächsten dran.
  • Es macht sonst ja keiner.
  • Ich bin das einzige Kind.
  • Weil ich es kann.
  • Ich fühle mich verpflichtet.
  • Weil ich es möchte.
  • Meine Eltern waren immer für mich da, das möchte ich ihnen jetzt zurückgeben.
  • Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich es nicht mache.
  • Meine Mutter verlangt es von mir.
  • Mein Vater akzeptiert niemand anderen.
  • Meine Geschwister sind unfähig.
  • Meine Schwester hält sich aus allem raus.
  • Mein Bruder kann das nicht.
  • Ich mache mir Sorgen um meine Eltern.
  • Ich will meine Eltern retten.
  • Der Gedanke, dass meine Eltern sterben könnten, ist unerträglich für mich.
  • Ich will endlich die Anerkennung meiner Mutter. Sie soll wenigstens einmal sagen: „Kind, ich bin stolz auf dich.“
  • Wenn ich mich so richtig anstrenge, dann wird mein Vater nicht sterben.

Im nächsten Schritt untersuchen Sie Ihre Gründe einmal genauer. Die folgende Skala mit den drei Bereichen hilft Ihnen beim Sortieren:

1. Die „Alternativlosen“:

Weil ich es muss.

Ich habe keine Wahl.

2. Die „Freiwilligen“:

Weil ich es möchte.

Ich mache es freiwillig.

3. Der Graubereich dazwischen:

Ich fühle mich verpflichtet.

Ich mache es trotzdem gerne.

Schauen Sie sich Ihre Gründe jetzt einmal auf diese Aspekte hin an und schreiben Sie diese unter die jeweilige Position auf der Skala. Sie können dafür auch ein großes Blatt Papier und Post-its verwenden.

Abbildung 1: Grad der Freiwilligkeit

Schauen Sie sich Ihre ausgefüllte Skala an. Was fällt Ihnen auf? Auf welcher Seite der Skala stehen die meisten Gründe?

Wenn Sie möchten, können Sie sich für jeden einzelnen Grund folgende Fragen stellen:

  • Ist das wirklich so?
  • Ist das wirklich wahr?
  • Bin ich wirklich die Einzige?
  • Gibt es niemand anderen?
  • Muss ich das genauso machen?
  • Wie könnte es anders gehen?

Wie hoch ist Ihr Grad der Freiwilligkeit?

Je freiwilliger Sie sich entscheiden, je freiwilliger die Gründe sind, umso kraftvoller können Sie Ihren Alltag bewältigen, umso mehr Energie wird freigesetzt.

Eines ist mir dabei besonders wichtig: Ihre Situation kann sich verändern. Ihre Gründe können sich verändern. Sie dürfen sich neu entscheiden! Es heißt nicht, dass Sie bei der einmal getroffenen Entscheidung bleiben müssen.

BEISPIEL

Sabine D. hat sich entschieden, ihre Mutter zu sich in die Wohnung zu holen. Am Anfang lief es auch recht gut. Doch Sabine fühlt sich mit der Situation zunehmend überfordert. Sie schläft schlecht, es kommt ständig zu Reibereien mit ihrer Mutter und der Pflegeaufwand ist mittlerweile so hoch, dass Sabine am Ende ihrer Kräfte ist. Aber sie macht weiter, bis sie kurz vor einem Burn-out steht, weil sie sich immer wieder sagt: „Ich habe mich einmal dafür entschieden – jetzt muss ich es durchziehen. Ich habe doch keine Wahl. Dann würde ich mich wie eine Versagerin fühlen, weil ich es nicht geschafft habe.“

Das Beispiel zeigt ganz deutlich, wie sehr wir immer wieder unsere Bedürfnisse hintanstellen. Ganz wichtig ist: Sie dürfen eine einmal getroffene Entscheidung ändern! Auch wenn das oft sehr viel Kraft und Überwindung kostet. Deshalb ist es wichtig, regelmäßig zu überprüfen, ob das alles noch so für Sie passt. Ich empfehle, die Übung alle sechs Monate zu machen. Überlegen Sie sich, ob Sie das jetzt wirklich noch leisten können und wollen, ob es genau so und in diesem Umfang sein muss und was Ihre Gründe dafür sind. Was könnten Sie abgeben, wer könnte Sie unterstützen? Dadurch bekommen Sie ein Gefühl für die notwendigen Veränderungen und können sich rechtzeitig Alternativen überlegen. Das ist ein wichtiger Punkt der Selbstfürsorge.

Was sind die Aufgaben der Elternkümmerer?


Das Kümmern um die alten Eltern betrifft die unterschiedlichsten Bereiche und ist sehr individuell. Bei den einen geht es ganz plötzlich, zum Beispiel nach einem Sturz oder einem Krankenhausaufenthalt. Andere bemerken an Kleinigkeiten, dass die Eltern nicht mehr so fit sind wie früher.

Doch die Herausforderungen sind für alle Elternkümmerer die gleichen: Die Situation der alten Eltern beschäftigt Sie und Sie machen sich Gedanken, wie Sie Ihre Eltern unterstützen können. Der Begriff „Mental Load“ beschreibt das sehr treffend.

Diese Unterstützung setzt sich aus den unterschiedlichsten Bereichen und Aufgaben zusammen. Dabei wird sehr oft unterschätzt, wie viel der eigenen Zeit und Energie dafür benötigt wird. Jede Aufgabe für sich betrachtet ist vielleicht gar nicht so aufwendig. Doch wenn man sich einmal klar darüber wird, was alles dazugehört, dann ist es kein Wunder, dass viele Elternkümmerer überfordert sind.

Folgende Bereiche gehören auf jeden Fall dazu:

Die alten Eltern

Ihre Eltern benötigen zunehmend mehr Unterstützung zur Bewältigung ihres Alltags und bei der gesundheitlichen Versorgung. Gleichzeitig prallen die unterschiedlichen Erwartungen aufeinander und Konflikte aus der Kindheit kommen wieder hoch.

Medizin

Die Organisation der Arzttermine und die Begleitung zu diesen ist sehr zeitaufwendig. Hinzu kommt noch die Auseinandersetzung mit den Krankheitsdiagnosen, der Medikamentenüberwachung und der Abstimmung mit dem Pflegedienst. Selbst wenn Sie vieles davon delegieren können, müssen Sie trotzdem dafür sorgen, dass alles funktioniert.

Der Papierkram

Haben Sie schon einmal versucht, die Abrechnung eines Pflegedienstes oder Pflegeheims nachzuvollziehen? Oder die Arztkosten mit der privaten Krankenversicherung und der Beihilfe abzuklären? Oder Leistungen bei der Pflegeversicherung zu beantragen?

Allein die Übernahme der normalen Elternkorrespondenz und der Bankgeschäfte ist schon aufwendig genug. Und dann gibt es noch die spontan an der Haustür abgeschlossenen Verträge …

Zwei Haushalte

Auf einmal müssen Sie Zeit und Energie einplanen fürs Einkaufen, Kochen, Ordnung halten, waschen, putzen und die Fahrtzeit zu Ihren Eltern.

Finanzen

Die Übernahme der Bankgeschäfte, wie Überweisungen und Geld abheben, gehören dazu, aber oft auch die Sorge, ob das Geld noch reicht, oder ob Sie Ihre Eltern unterstützen müssen.

Eigene Berufstätigkeit

Berufstätige müssen mit ihrer Zeit extrem jonglieren, denn die Arbeitsanforderungen, der Termindruck und feste Arbeitszeiten bringen viel Stress mit sich. Besonders dann, wenn Sie nicht ungestört telefonieren oder im Notfall erreichbar sein können. Flexible Arbeitszeiten und Erreichbarkeit sind deshalb extrem wichtig und entlastend.

Ihr Job kann Ihnen aber auch dabei helfen, sich gegenüber Ihren Eltern gut abzugrenzen und auch mal auf andere Gedanken zu kommen.

Eigene Familie

Wenn Sie eine eigene Familie haben, wollen Sie auch den Bedürfnissen Ihres Partners und Ihrer Kinder gerecht werden, was aber nicht immer so funktioniert, wie Sie es gerne hätten. Und dann sind da noch Ihre Geschwister, die alle das Beste für Ihre Eltern wollen. Nur: Jeder versteht möglicherweise etwas anderes darunter.

Eigene Bedürfnisse

Das wohlgemeinte „Du musst mal ausspannen!“ entlockt Ihnen oft nur ein müdes Lächeln. Wenn es so einfach wäre. Denn...


Petra Brigitte Wieschalla, Offenbach am Main, berät als Angehörigencoach, Demenzberaterin und Referentin Menschen, die sich um ihre alten Eltern kümmern und gleichzeitig gut für sich sorgen wollen.Mehr zur Autorin: www.petrawieschalla.de



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