Wilken | Die Malerin von Fontainebleau | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 592 Seiten

Wilken Die Malerin von Fontainebleau

Roman
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-641-03576-1
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Roman

E-Book, Deutsch, 592 Seiten

ISBN: 978-3-641-03576-1
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Intrigen und Liebeshändel am französischen Königshof
Die begabte Freskenmalerin Luisa Paserini kommt 1537 an den prächtigen Hof von Franz I. Als Mann verkleidet arbeitet sie in der Werkstatt des Meisters Rosso Fiorentino, den sie nicht nur als Maler verehrt. Fiorentino hat den Auftrag, das königliche Schloss von Fontainebleau auszuschmücken. Der französische Herrscher ist für seine ausschweifende Lebensweise, seine Vorliebe für schöne Frauen und Kunst, aber auch für seinen Jähzorn und seine Launenhaftigkeit berüchtigt. Luisa ist von der glänzenden Pracht der königlichen Schlösser überwältigt. Doch schon bald muss sie feststellen, dass sich hinter den goldenen Kulissen tödliche Intrigen abspielen, denen jeder zum Opfer fallen kann ...
Ein mitreißender, farbenprächtiger und sinnlicher historischer Roman


Constanze Wilken, geboren 1968 in St. Peter-Ording, wo sie auch heute wieder lebt, studierte Kunstgeschichte, Politologie und Literaturwissenschaften in Kiel und promovierte an der University of Wales in Aberystwyth. Als Autorin ist sie sowohl mit großen Frauen- als auch mit historischen Romanen erfolgreich. Weitere Titel von Constanze Wilken sind bei Goldmann in Vorbereitung.

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Fontainebleau Oktober 1547

Der Dianengarten von Fontainebleau lag still in der Abendd?erung. Vertraut und doch so fremd ragten die Umrisse des Schlosses vor ihr auf. Die Frau in dem schlichten Reisekleid zupfte nerv?s an der Kapuze ihres Umhangs. In weniger als einer Stunde w?rde es dunkel sein, und sie wollte die Galerie sehen, wenn zumindest noch etwas Tageslicht durch die Fenster fiel. Die Farben strahlten nur bei Tageslicht in voller Pracht. Den jungen Stallburschen neben sich hatte sie bestochen. ?Ich brauche ein Licht, wenn ich herauskomme?, sagte sie leise.
?Kein Licht, Madame. Ich werde am Eingang auf Euch warten.?
Er schien den Weg auch blind finden zu k?nnen, so sicher bewegte er sich zwischen B?en, Str?hern und K?beln hindurch auf den Trakt zu, der das alte Schloss mit dem neuen verband. Sie vertraute nicht ihm, sondern dem Goldscudo, den sie ihm gegeben hatte. Menschen zu vertrauen war ein Risiko, das sie schon lange nicht mehr einging. Nur ein paar Schritte ?ber den freien Platz trennten sie noch von dem Treppenaufgang, der zur Galerie hinauff?hrte. Sie meinte die K?chen riechen zu k?nnen, die sich im Kellergeschoss befanden. Dar?ber lagen die B?r und im ersten Stock die Galerie. ?Und es ist wirklich niemand dort??
?Nein, Madame. Der K?nig kommt erst morgen, und Meister Primaticcio will nicht, dass die Hofleute allein durch die Galerie gehen.?
Sie huschten ?ber den Kies. Die kleinen Steine knirschten unter ihren Schuhen, und sie meinte, das Ger?ch m?sste das gesamte Schloss alarmieren, doch alles blieb ruhig. Im Schatten des Treppenaufgangs dr?ckte der Stallbursche ihr einen Schl?ssel in die Hand. ?Hier, und jetzt beeilt Euch. Sie sind alle beim Essen.?
?Woher hast du den??, fragte sie, doch der Bursche schubste sie ungeduldig zur Treppe.
?Geht schon, geht!?
Sie w?rde keine zweite Gelegenheit erhalten. Also nahm sie all ihren Mut zusammen und rannte die Stufen hinauf, bis sie mit klopfendem Herzen vor den Fl?gelt?ren stand. So viele Jahre waren vergangen, seit sie hier an seiner Seite gestanden hatte. So viel war seither geschehen. K?nig Franz I. war im Fr?hjahr verstorben, und sein Sohn Henri war nun Herrscher von Frankreich. Vor vier Monaten war Matteo nach Siena gekommen und hatte ihr das Unglaubliche erz?t. Die Galerie. ?gstlich sah sie sich um, w?end sie den Schl?ssel vorsichtig im Schloss drehte, bis es klickte und die T?r knarrend aufschwang. Rasch schob sie sich hindurch.
Ihre Reisegef?ten hatten aufgeregt erz?t, dass der K?nig nach Fontainebleau k?. Ein K?nig, der niemals den Thron h?e besteigen sollen. Henri hatte Fontainebleau nie so geliebt wie sein Vater, und das war einer der Gr?nde, weshalb sie gekommen war. Sie wollte das Schloss sehen, wie Franz es geschaffen hatte. Fontainebleau war sein Kunstwerk, das Lebenswerk eines Mannes, der einen Traum von Italien gehabt hatte. Ein K?nig mit dem Herzen eines Ritters, der Seele eines K?nstlers und dem Geist eines Gelehrten, ein K?nig, dessen Zeitalter Vergangenheit war. Henri II. w?rde dem Schloss seinen eigenen Stempel aufdr?cken wollen. Er w?rde ver?ern oder zerst?ren, was ihm nicht gefiel. Frankreich sah schweren Zeiten entgegen.
Langsam gew?hnten sich ihre Augen an das diffuse Licht der D?erung, das noch durch die hohen Fenster hereinschien. Sie hielt den Atem an. Der Fu?oden! Scibec konnte stolz sein auf seine Arbeit. Die h?lzernen Intarsien entsprachen dem komplizierten Muster der Decke. Und dann fiel ihr Blick auf die W?e, an denen sich Figuren und Fr?chte, S?en und Baldachine aus wei?m Stuck um farbenpr?tige Bilder rankten. Tr?n liefen ihr ?ber die Wangen.
?Giovanni?, fl?sterte sie. Alle Gef?hle, die sie stets tief in sich verborgen hatte, brachen auf, als sie das gewaltige Kunstwerk sah, das Rosso Fiorentino in Fontainebleau geschaffen hatte.
Die Ger?ste waren fort, und der langgestreckte Raum wirkte nun in seiner ganzen Gr??. Sie schloss die Augen und meinte die Stimmen der K?nstler, der Maler, Stuckateure und Arbeiter zu h?ren: Thiry mit seinem niederl?ischen Akzent und Matteo, der h?bsche Florentiner, der ihr das Geheimnis der Herstellung des azzurro ultramarino verraten hatte. Sie ging ans ?stliche Ende der Galerie zum Fresko der Venus. Mit den H?en fuhr sie die Vert?lung entlang. Sie kletterte auf die h?lzerne Bank mit den kunstvoll geschnitzten Armlehnen und griff nach den schlanken Fesseln der weiblichen Figur, die das Fresko rechts flankierte. Hier hatte alles angefangen. Z?lich fuhr sie ?ber die glatte Oberfl?e der weiblichen Karyatide, deren wei?r Stuck hell im Licht schimmerte.
?Es tut mir so leid, Armido, aber ich werde ihn finden, das habe ich dir versprochen?, fl?sterte sie und lehnte ihre Wange an den k?hlen Stuck. Sich von den Erinnerungen losrei?nd, drehte sie sich um und betrachtete die Sammlung antiker B?sten und Skulpturen, die in der Galerie aufgestellt worden war.
Unter Franz I. war Meister Primaticcio auf der Suche nach seltenen Kunstobjekten der Antike h?ig in Italien gewesen und hatte den Grundstein f?r die k?nigliche Sammlung gelegt. Primaticcio, der Bologneser. Sie fuhr zusammen, als sie h?rte, wie die T?r am anderen Ende der Galerie ge?ffnet wurde und sich Stimmen und Schritte n?rten. Nein!, schrie alles in ihr. Ich gehe nicht fort, ohne es gesehen zu haben. Die Galerie war so lang, dass die schlechten Lichtverh?nisse und die Statuen es ihr erm?glichen w?rden, unbemerkt bis zur Mitte zu gelangen. Dort befanden sich die k?niglichen Kabinette. Eines davon musste sie sehen.
Leise sprang sie von der Bank und huschte im Schutz der B?sten und antiken Figurengruppen weiter. Gleich hier musste der Durchgang sein. Mit einem Satz sprang sie hinter einer Hermesstatue hervor und direkt durch den Bogen in das Kabinett.
?Heda!?, rief eine m?liche Stimme von hinten. Eine Stimme, die ihr nicht unbekannt war.
Atemlos kauerte sie in der Fensternische gegen?ber dem Kamin. Die Kapuze ihres Umhangs war nach hinten gerutscht, und einige Str?en ihres langen Haares hatten sich aus der aufgesteckten Frisur gel?st. Doch davon bemerkte sie nichts, denn sie starrte wie gebannt auf das Bild ?ber dem Kamin.
?He! Wer seid Ihr? Was tut Ihr hier??, riss die Stimme sie aus ihren Tr?ereien.
Sie sprang auf und verga?vollkommen, wer sie war. ?Meister Primaticcio, verzeiht, ich ...?



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