Wilken | Die vergessene Sonate | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 353 Seiten

Wilken Die vergessene Sonate

Roman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95824-776-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 353 Seiten

ISBN: 978-3-95824-776-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein altes Geheimnis, der Zauber von Musik und die Macht der Liebe: 'Die vergessene Sonate' von Constanze Wilken jetzt als eBook bei dotbooks. 'Alles schienen die Töne auszudrücken: ein sehnsuchtsvolles Verlangen, die Hoffnung auf Erfüllung des scheinbar Unerreichbaren, Zärtlichkeit und immer wieder die wehmütige Erkenntnis, dass mehr als Hoffnung nicht möglich ist.' Als Viviane von ihrer Großtante ein geheimnisvolles Musikstück erbt, ist sie sofort fasziniert von der ungewöhnlichen Intensität der Melodie. Sie will herausfinden, woher die Noten stammen und wie die antike Partitur in den Besitz ihrer Familie gelangt ist. Ihre Suche führt sie nach Prag, wo sie zu ihrer eigenen Überraschung schon bald auf die Spuren einer fast vergessenen Liebe stößt ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Die vergessene Sonate' von Erfolgsautorin Constanze Wilken. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Constanze Wilken studierte Kunstgeschichte in Kiel und promovierte in Wales. Neben ihrem Leben am Meer bestimmt auch die Liebe zur Kunst das Schaffen der erfolgreichen Autorin. Die Website der Autorin: constanze-wilken.de/ Die Autorin bei Facebook: facebook.com/Constanze.Wilken Die Autorin auf Instagram: constanzewilken/?hl=en Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin die folgenden Romane: »Ein Cottage in Wales« (auch im Sammelband »Das kleine Cottage der Herzen« erhältlich) »Das Geheimnis des Schmetterlings« »Die vergessene Sonate« »Was von einem Sommer blieb« »Das Licht von Shenmóray« »Die Frauen von Casole d'Elsa« »Die Malerin in von Fontainebleau« »Die Tochter des Tuchhändlers« »Villa Seestern - Ein neuer Wind« - auch als Taschenbuch und Hörbuch bei Saga Egmont erschienen
Wilken Die vergessene Sonate jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


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1. Kapitel


Dorset, 2002

Erschöpft warf Viviane Byrne die Schlüssel in die Schale auf der Ablage. Die Haustür fiel hinter ihr ins Schloss. Für den heutigen Tag hatte sie genug gesehen und gehört. Trotz des schönen Wetters waren die Gäste in »Jo’s Coffeeshop« schlecht gelaunt gewesen. Normalerweise freute sich Viviane auf die Tage, an denen sie ihrer Freundin aushalf. Heute jedoch schien sich alles gegen sie verschworen zu haben. Zuerst war die Espressomaschine kaputtgegangen, dann hatte sie ein volles Tablett zu Boden fallen lassen, und zu guter Letzt beschwerten sich mehrere Gäste über die begrenzte Kuchenauswahl. Jo war bekannt für ihre hausgemachten Kuchen, nur waren ihr am Morgen zwei Bleche verbrannt, und das Backen brauchte eben seine Zeit.

Viviane hob die Post vom Fußboden auf und ging in den Wohnraum. Dort öffnete sie die Terrassentüren, damit die warmen Strahlen der Abendsonne in die Wohnung scheinen konnten. Mit einem Krug Eistee in der einen und einer Schale Erdbeeren in der anderen Hand setzte sie sich in einen knarrenden Gartenstuhl. Briefe und Werbesendungen legte sie auf den Tisch und betrachtete die sommerliche Blumenpracht des wild wuchernden Bauerngartens.

Die Besitzer des Reetdachhauses, in dem sie seit einigen Monaten eine Wohnung gemietet hatte, waren in die Ferien gefahren. So hatte sie den Garten für sich allein, was ein unerhörter Luxus war, den sie zu genießen wusste. Viviane streifte die Sandalen von den Füßen und streckte die Beine aus. Welcher Teufel hatte sie nur geritten, als sie sich entschlossen hatte, nach Shaftesbury in Dorset zu ziehen? Die Landschaft war romantisch. Sanfte grüne Hügel wurden unterbrochen von Ackern und Wiesen und malerischen kleinen Dörfern. Als sie das erste Mal nach Dorset in Südengland gekommen war, hatte sie die liebliche Umgebung als perfekte Postkartenidylle empfunden. Sie hatte Thomas Hardys Romane gelesen und war von einem Entzücken in das nächste verfallen, während ihre Freundin Jo Geschichten über die alten Häuser in den verträumten Gassen erzählte.

Viviane seufzte. Sie war hierher geflohen, doch sie hatte übersehen, dass ihre Probleme ein Teil ihres Gepäcks geblieben waren. Ihre Mutter, Christine, hatte ihr prophezeit, dass sie ihr Leben nicht in den Griff bekommen würde. Viviane verzog den Mund zu einem schmalen Lächeln. Christine hatte das in dem für sie typischen vorwurfsvollen Ton gesagt. Sie strich sich die glatten weizenblonden Haare aus der Stirn und wickelte sie im Nacken zu einem losen Knoten. Wie gern hätte sie mit ihrem Vater gesprochen, der es immer verstand, sie aufzumuntern. Aber er befand sich irgendwo auf dem Indischen Ozean. Arno Kronauer war leidenschaftlicher Segler und erfüllte sich den Traum einer Weltumseglung.

Viviane trank den kühlen Eistee. Ihr Vater war Gregory von Anfang an mit Skepsis gegenübergetreten. Kaum jemand konnte sich Gregory Charles Byrnes Charme entziehen, doch Arno hatte hinter die blendende Fassade aus gutem Aussehen, erstklassiger Ausbildung und riesigem ererbtem Vermögen geblickt und seiner Tochter von einer Heirat abgeraten. Christine, der sehr viel an gesellschaftlichem Ansehen und materieller Sicherheit gelegen war, hatte ihrer Tochter sofort zu dieser Verbindung geraten. Ein Zitronenfalter setzte sich auf eine der aufgeblühten Hortensien. Seine durchscheinenden Flügel vibrierten in der stillen Luft. Viviane sog den Duft der Blumen ein und fragte sich, warum immer alles so kompliziert sein musste.

Sie hatte Gregory auf der Universität in München kennengelernt. Obwohl sie um seinen Ruf als Herzensbrecher wusste, hatte sie sich Hals über Kopf in den attraktiven blonden Engländer verliebt. Sie glaubte ihm, wenn er davon sprach, nicht zu tun, was seine Familie von ihm erwartete, nämlich in die Firma einzusteigen. Das hieße, einen Vorstandsposten in der größten Baufirma in Bristol zu besetzen und die Kontakte im Countryclub zu pflegen. Gregory jedoch hatte andere Pläne, war voller Idealismus und wollte, dass Viviane ein Teil seines Lebens würde. Er träumte davon, selbst etwas aufzubauen und Hilfsprojekte in bedürftigen Ländern zu fördern. Sie heirateten noch während des Studiums. Der erste Rückschlag erfolgte, als Gregory die Zulassung zum Vordiplom wiederholen musste. Die Semesterferien nutzte er nicht, um sich auf die Nachprüfung vorzubereiten, sondern begleitete Freunde auf einem Segeltörn durch die Ägäis. Nach seiner Rückkehr war er übellaunig und trank schon am Nachmittag das erste Glas Champagner. Seine Eltern, die über die Heirat nicht erfreut gewesen waren, trugen ihren Teil zu den Streitigkeiten der jungen Eheleute bei. Sie verfolgten eine kluge Strategie, indem sie den Geldhahn nicht ab-, sondern richtig aufdrehten. Gregory war es nicht gewohnt, ohne Geld dazustehen oder darüber nachdenken zu müssen, wie viel etwas kostete, er kaufte es einfach. Viviane versuchte ständig, ihn daran zu erinnern, dass sie auf eigenen Füßen stehen wollten, und dazu gehöre eben auch, anfangs auf gewisse Dinge zu verzichten.

Sie arbeitete stundenweise als Hilfskraft im Historischen Institut. Gregory ging auf Partys im Golfclub. Viviane schrieb an ihrer Magisterarbeit oder lernte für die Examen. Sie entschuldigte seinen Lebensstil damit, dass er sich nicht von den alten Freunden trennen konnte, die ihn immer wieder anriefen und einluden. Er wollte nicht zum Außenseiter und Spießer werden, nur weil er jetzt verheiratet war. Es gab Anzeichen, aber sie war zu beschäftigt gewesen, sie zu erkennen. Seufzend betrachtete sie die untergehende Sonne. Der Blumengarten wurde in einen goldenen Schimmer getaucht. Genauso hatte sie die Ehe gesehen, in einem verklärten Licht. Die Wirklichkeit hatte sie rasch und schmerzhaft ernüchtert.

Eines Abends, sie steckte mitten in der Endphase für die Examensvorbereitungen, kam sie zurück in die Wohnung, um sich Unterlagen für die Arbeitsgruppe abzuholen. Gregorys Wagen und ein rotes Sportcoupé standen unten an der Straße, und sie nahm an, dass er Freunde mitgebracht hatte. Weder in der Küche noch im Wohnzimmer traf sie jemanden an. Auf dem Küchentisch standen zwei Weingläser und die Reste eines Essens aus dem Feinkostladen. Entschlossenen Schrittes ging sie auf die angelehnte Schlafzimmertür zu und stieß sie schwungvoll auf. Die Szene bedurfte keiner Erklärungen. Eine wohlproportionierte Brünette saß rittlings auf Gregory, der die Schenkel seiner Gefährtin entsetzt losließ, als Viviane in der Tür erschien. Provozierend langsam drehte die Brünette ihren Kopf und lächelte sie süffisant an: »Du hättest dich mehr um ihn kümmern sollen. Ich habe nur getan, worum er mich gebeten hat.«

Saskia Mettenbach war eine attraktive Frau und Viviane von festlichen Veranstaltungen her bekannt. Sie war unverheiratet und Inhaberin einer erfolgreichen Werbeagentur. Ausgerechnet mit dieser arroganten Ziege musste er sie betrügen.

Trocken sagte Viviane: »Stimmt das, Greg?«

Ihr Mann wischte sich den Schweiß von der Stirn und schob Saskia zur Seite. »Oh, Darling, irgendwie hat sie ja sogar recht«, verteidigte er sich. »Du kommst auf keine Party mehr mit und hast auch sonst kaum Zeit für uns.«

»Ich arbeite, und in drei Wochen sind die Abschlussprüfungen! Da du dein Studium seit Langem nur noch als Alibi betreibst, ist dir so was natürlich fremd. Aber jetzt ist verdammt noch mal nicht der Moment, mich zu beschuldigen! Ich wünsche euch noch viel Spaß!«

Wütend und zutiefst verletzt verließ Viviane die Wohnung. Am liebsten wäre sie gerannt, sie bemühte sich jedoch um einen würdevollen Abgang. Ihr Leben war nur noch ein Scherbenhaufen, und das ausgerechnet jetzt! Wie sollte sie sich unter diesen Umständen auf die Prüfungen konzentrieren? Zwei Stunden wanderte sie ziellos durch den Englischen Garten. Ihre Augen waren so verweint, dass die Leute sie mitleidig ansahen. In die Wohnung wollte sie auf keinen Fall zurück. Sie hätte Gregorys Anblick nicht ertragen. Aber sie musste mit jemandem reden. Es gab nur einen Menschen, den sie in dieser Situation sehen wollte – Marie.

Marie war die Schwester ihrer Großmutter mütterlicherseits und lebte seit dem Tod ihres Mannes allein in einem schönen alten Haus in der Nähe von Passau. Passenderweise lautete der Name ihres Mannes Josef. Der Tscheche war ein begnadeter Maler gewesen, dessen Bilder in der ganzen Welt große Anerkennung fanden. Nur in seinem Heimatland blieb er unbekannt, denn solange die Kommunisten an der Macht gewesen waren, hatte man ihn und sein Werk als regierungsfeindlich eingestuft und verbannt. Josef litt an einem schwachen Herzen und starb zu früh. Viviane war siebzehn gewesen, als Josef starb, doch an den gebrechlichen älteren Mann mit den wachen Augen und den schlanken Händen, die auf jedes Blatt Papier wundervolle Zeichnungen zauberten, erinnerte sie sich gut.

Seitdem lebte Marie mit seinen Bildern und der Erinnerung an ihre große Liebe. Angesichts dieser tragischen Lebensumstände wurde sie keineswegs ein in sich gekehrter Mensch, der sich aus dem Leben zurückgezogen hätte. Marie war ganz im Gegenteil eine praktische, lebensfrohe und aktive Frau, die sich mit beißendem Humor und scharfem Intellekt dem Leben stellte. In ihrem großen Garten standen zahlreiche Obstbäume, deren Früchte sie Jahr für Jahr einkochte und die Marmeladen und Gelees auf dem Markt verkaufte. Streunende Katzen und Hunde fanden bei ihr vorübergehend oder, wenn es nötig war, für immer ein Zuhause. Sie engagierte sich für ein Frauenhausprojekt im Ort und lud regelmäßig Freunde zu ihrem literarischen Zirkel ein. Viviane sah die gefüllten Bücherregale vor sich, in denen sich Oscar Wilde, Thomas Mann, Jean Anouilh, Simone de Beauvoir oder Jean Paul Sartre genauso fanden wie Werke von Steve Biko oder Erica...



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