E-Book, Deutsch, 332 Seiten
Wilken Villa Seestern - Ein neuer Wind
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-783-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Villa Seestern 1 | Ein warmherziger Amrum-Roman - Nordsee-Feelgood pur!
E-Book, Deutsch, 332 Seiten
ISBN: 978-3-98952-783-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Constanze Wilken studierte Kunstgeschichte in Kiel und promovierte in Wales. Neben ihrem Leben am Meer bestimmt auch die Liebe zur Kunst das Schaffen der erfolgreichen Autorin. Die Website der Autorin: constanze-wilken.de/ Die Autorin bei Facebook: facebook.com/Constanze.Wilken Die Autorin auf Instagram: constanzewilken/?hl=en Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin die folgenden Romane: »Ein Cottage in Wales« (auch im Sammelband »Das kleine Cottage der Herzen« erhältlich) »Das Geheimnis des Schmetterlings« »Die vergessene Sonate« »Was von einem Sommer blieb« »Das Licht von Shenmóray« »Die Frauen von Casole d'Elsa« »Die Malerin in von Fontainebleau« »Die Tochter des Tuchhändlers« »Villa Seestern - Ein neuer Wind« - auch als Taschenbuch und Hörbuch bei Saga Egmont erschienen
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Der Kombi rollte hinter einem Wohnwagen von der Fähre. Fahrradfahrer fuhren an ihnen vorbei die Straße hinauf, eine Frau ging mit ihrem Hund von Bord.
»Hast du den Hund gesehen, Mam? So einen möchte ich haben! Genau so einen!«, sagte Nina sehnsüchtig.
»Genau so einen«, äffte ihr Bruder sie nach und verdrehte die Augen.
Eva Seemann lenkte den Kombi, der unter dem Gewicht von Surfbrettern, Fahrrädern und Koffern ächzte, auf die Ausfahrt zu.
»Sei nicht so hässlich zu deiner Schwester, Freddy. Für sie ist es schwerer als für dich, hier neu anzufangen.« Eva sah in den Rückspiegel und lächelte ihrer vierzehnjährigen Tochter aufmunternd zu.
»Das wird ein echtes Familienabenteuer! Nur wir drei, unser neues Haus und dann der Strand! Darauf habt ihr euch doch gefreut!« Eva machte sich auch selbst Mut. Sie war achtunddreißig, geschieden und hatte das Geld aus ihrer Abfindung in ein Haus auf einer kleinen Nordseeinsel gesteckt. Alles oder nichts. Man musste etwas wagen, wenn man gewinnen wollte. Sie war Meisterin im Zitieren kluger Lebensweisheiten geworden.
»Ich wäre lieber in Frankfurt geblieben«, murrte Nina und tippte auf ihrem Handy herum. »Da sind meine Freunde.«
»Du bist so ein Baby«, frotzelte ihr Bruder, der fünf Jahre älter war und gerade sein Abitur gemacht hatte. »Leg doch das blöde Teil weg und schau dich um. Amrum ist schön, und wir können jeden Tag surfen!«
Nina strich sich die langen blonden Haare aus dem Gesicht und starrte aus dem Fenster. »Urlaub ist okay, aber hier wohnen? Hier ist doch nichts los!«
»Irgendeine Kneipe wird es schon geben«, meinte Eva.
Ihr Sohn, der vorn neben ihr saß, grinste. »Die blaue Maus.«
»Ja, klar«, erwiderte Nina.
»Nein, wirklich. Es gibt hier in Wittdün eine Kneipe, die so heißt.«
Eva steuerte bereits über die Straße, die den kleinen Hafenort mit dem nächsten Ort, Nebel, verband.
»Na, das ist doch schon was! Das wilde Nachtleben und die blaue Maus!« Eva stellte das Radio lauter, in dem ein Song von Roy Orbison gespielt wurde. »Pretty woman walkin’ down the street …«
»Oh Mann …« Nina wandte sich wieder ihrem Handy zu.
Das Lied hatten sie auf ihrer Hochzeit gespielt. Der glücklichste Tag in ihrem Leben schien ein halbes Leben zurückzuliegen. Eva blinzelte aufsteigende Tränen weg und ließ das Fenster hinunter. Es roch nach Meer und Schlick. Sie sog die frische Seeluft ein. Hohes Dünengras säumte die Straße, und zu ihrer Rechten erhob sich ein rot-weißer Leuchtturm. Der Himmel war azurblau, und nur ein paar vereinzelte Wattebausche wurden vom Wind Richtung Festland getrieben. Sie bedauerte ihre Ehe nicht, denn sie hatte zwei wundervolle Kinder mit Martin. Aber sie hatte Fehler gemacht. Sich einzig auf ihn verlassen. Entschlossen packte sie das Lenkrad fester. In ihr steckte noch immer die alte kämpferische Eva!
Nachdem sie das mondäne Nebel mit seinen luxuriösen Reetdachhäusern durchfahren hatten, kamen sie durch einen Kiefernwald und vorbei an Wiesen, auf denen Ponys grasten.
»Es gibt einen Ponyhof, Nina. Du wolltest doch wieder mit dem Reiten anfangen«, sagte Eva.
»Hm«, war die unbestimmte Antwort ihrer Tochter.
»Vorsicht!«, rief Freddy. Ein Traktor mit Anhänger fuhr einfach von links auf die Hauptstraße.
Eva trat auf die Bremse und brachte den Wagen gerade noch zum Stehen, den Anhänger eine Handbreit von ihrer Stoßstange entfernt.
Nina fiel nach vorn und verlor ihr Handy. Ein unschöner Fluch folgte. Der Landwirt winkte aus seinem Fenster und fuhr gemächlich weiter.
»Das macht dem wohl auch noch Spaß«, knurrte Eva.
»Wir haben Zeit, Mam«, sagte Freddy und drehte sich nach hinten um, wo sich Auto an Auto reihte. »Und die Schlange hinter uns auch.« Er grinste. »Mir gefällt das. Entschleunigung.«
Nina fluchte weiter vor sich hin. »Das Handy muss unter deinen Sitz gerutscht sein, Freddy. Guck doch mal!«
»Nö, keine Lust.« Freddy hielt seinen Kopf aus dem Fenster und sang lauthals: »I’m on an island, dirty dancing in the sun …«
»So close to heaven but so far from everyone«, fiel Eva in den Miley-Cyrus-Song mit ein.
Nach einer Weile sang auch Nina mit, und schließlich erreichten sie ihr Ziel.
Eva bog in einen Sandweg, der von Kiefern lose gesäumt wurde, und brachte den Wagen vor einem weißen Reetdachhaus zum Stehen. Ein alter Holzzaun säumte das Grundstück, das über dreitausend Quadratmeter betrug. Jedenfalls hatte das im Exposé des Maklers gestanden. Eva fand, dass es noch größer aussah. So viel Rasen, der gemäht werden sollte, und Büsche und Bäume, die dringend beschnitten werden mussten. Aber die Hortensien neben dem Eingang standen in voller Blüte.
»Ist das nicht schön?«, seufzte sie.
»Äh, Mam, da stehen Leitern am Dach und das große Loch im Hof? Und der Putz bröckelt ab und …«, meinte Freddy.
»Jaja, es gibt noch viel zu tun, aber wir haben noch etwas Zeit.« Eva stieg aus dem Wagen und streckte sich.
Ein gelber Transporter mit der Aufschrift »Jon Lorenzen – Tischlerei« stand im Hof. Aus dem Hausinnern waren Hammerschläge zu hören.
»Oh Mann, das glaube ich nicht!« Nina verschränkte die Arme vor der Brust. »Wie soll diese Baracke denn in einem Monat fertig werden?«
Die obere Hälfte der Klönschnacktür wurde aufgestoßen, und ein Mann um die dreißig schaute heraus. Über der Tür hing ein verblichenes Holzschild mit dem vielversprechenden Namen des Hauses: »Villa Seestern«.
»Moin! Wir vermieten noch nicht. Aber in einem Monat können Sie gern wiederkommen«, sagte er freundlich.
»Hallo!«, rief Eva. »Sind Sie Jon Lorenzen? Wir haben miteinander telefoniert, wegen der Renovierung. Ich bin Eva Seemann.«
»Ah, Sie sind das!« Der untere Teil der Tür wurde aufgestoßen, und ein gutaussehender blonder Mann in Arbeitskleidung kam heraus. Mit wenigen Schritten hatte er sie erreicht und schüttelte ihre Hand. »Willkommen in der Villa! Wir alle finden es toll, dass endlich wieder Leben in den alten Kasten kommt. Hey, und wer seid ihr?«
»Villa?«, meinte Nina und rümpfte die Nase.
»Meine Tochter Nina und mein Sohn Frederick«, stellte Eva ihre Kinder vor.
»Freddy«, erwiderte ihr Sohn und drückte die angebotene Hand. »Sieht nett aus, aber ehrlich. Da sollen Gäste in vier Wochen einziehen?«
Jon fuhr sich durch die kurzen Haare und grinste. »Das wird schon. Die Maler kommen noch mal, wenn wir fertig sind, und die Elektrik läuft. Da sind nur noch ein paar alte Sicherungen, die ausgetauscht werden müssen. Wie gefällt’s euch denn?«
Eva strahlte. »Wunderschön! Ich hab’s ja nur auf den Bildern gesehen. Wirklich, ein traumhaftes Haus!«
»Nee, Sie haben das mal so eben aus dem Katalog gekauft? Na, das nenne ich mutig.« Jon sah Eva mit einer Mischung aus Bewunderung und Unglauben an.
Eva räusperte sich. »Ging nicht anders, aber ich kenne die Insel ganz gut.«
»Klar, aus dem Urlaub, und da warst du zwölf!«, meinte Nina.
»Quatsch, wir waren doch alle zusammen in den Ferien hier«, entgegnete Eva und strich sich die dunkelblonden Haare aus dem Gesicht.
»Da war ich zwei und Freddy sieben«, erwiderte Nina trocken.
»Ein schöner Familienurlaub war das. Ist ja auch egal. Jetzt sind wir hier.« Entschlossen machte Eva einen Schritt auf das Haus zu. »Ich bin so gespannt!«
Jon ging schnell voraus. »Also, nicht erschrecken, das sieht noch chaotisch aus, aber wir haben alles im Griff.«
»Ich sehe mir den Garten an«, meinte Nina.
Jon führte Eva und Freddy in eine Diele, deren Boden aus alten Steinfliesen bestand.
»Alles original. Von 1850!«, erklärte der Tischler. Er klopfte gegen einen Balken. »Solide.«
Es knackte und ächzte im oberen Stockwerk, jemand schrie auf, und es polterte.
»Alles in Ordnung, Enno?«, rief Jon und lauschte ins Treppenhaus.
»Jo. Nix passiert«, kam es zurück. »Das war nur der Türrahmen. Wurmstichig, wie ich dachte.«
»Sehr solide …«, meinte Freddy.
Eva schluckte. »Türrahmen? Das lässt sich aber richten?«
»Ja, kein Problem«, antwortete Jon. »Die Küche ist fertig. Da geht einem das Herz auf, was?«
Er ließ sie in einen großen Raum treten, in dem es aussah wie vor fünfzig oder doch eher hundert Jahren. Freddy ging zu dem Herd mit gusseisernem Aufsatz.
»Ist ja Wahnsinn. Sieht aus wie in einem alten Film! Müssen wir Kohlen schaufeln?«
»Würde zur Not auch gehen. Aber eigentlich reicht Holz. Tolles Teil, was? Das hat der Vorbesitzer top renovieren lassen.« Jon klopfte auf den Herd, der mit weißer Keramik verschalt war.
»Und anstelle eines Kühlschranks haben wir ein Eishaus?« Eva fragte sich gerade, ob sie das Haus in einem Zustand geistiger Umnachtung gekauft hatte.
»Alles andere ist elektrisch. Keine Sorge.« Der Tischler strich über die weiß-blauen Fliesen. »Handbemalt. Das findet man nur noch selten.«
»Ich will hier das Frühstück für meine Gäste zubereiten«, sagte Eva skeptisch.
»Das wird schon. Vorsicht, da vorn ist die Farbe noch nicht trocken«, mahnte Jon, als sie in die Diele traten und Eva das Treppengeländer anfassen wollte.
Das Wohnzimmer war groß und hell und führte direkt in den Garten. Die Wände waren weiß gestrichen, wie Eva es sich gewünscht hatte. Nur die Möbel fehlten.
»Also, das hier soll ja der Frühstücksraum sein. Sie hatten doch Tische und Stühle besorgen wollen?« Fragend sah Eva Jon an.
»Sind noch in meiner Werkstatt. Wirklich schön, ein Flohmarkt-Schnäppchen, aber machen doch mehr Arbeit als...




