Will | Play with me 10: Mühsam ernährt sich das Weihnachtshörnchen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 10, 140 Seiten

Reihe: Play with me

Will Play with me 10: Mühsam ernährt sich das Weihnachtshörnchen


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-95869-165-0
Verlag: Amrun Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 10, 140 Seiten

Reihe: Play with me

ISBN: 978-3-95869-165-0
Verlag: Amrun Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Mike hat eine Leidenschaft. Role-Play-Games, kurz RPGs. Und am liebsten spielt er zusammen mit Chain. Er kennt ihn schon seit eineinhalb Jahren, aber eigentlich weiß er überhaupt nichts von ihm. Außerdem ist er nun ja auch mit Leon zusammen, der von Chain grundsätzlich überhaupt nichts hören will. Immerhin das Kennenlernen mit den Eltern hat schon mal ganz gut geklappt, jetzt könnte sich doch alles ein bisschen entspannen, oder? Aus der zweimonatlich erscheinenden Serie von Julia Will sind erschienen: Band 1: Der Prinz auf der Erbse Band 2: Feuer frei Band 3: Streng geheim Band 4: Ungeküsst Band 5: Dance with me Band 6: Verbotene Früchte Band 7: Deja-vu Band 8: Happy birthday Band 9: Ich bin hier!

'Warum den heißen Typen mit einer anderen Frau teilen, wenn man auch einfach zwei heiße Typen haben kann?' Das ist der Satz, mit dem Julia meistens auf die Frage antwortet: Warum Homoerotik? Denn: Warum auch nicht? Geboren und Aufgewachsen im schönen Bayern, direkt an der Tschechischen Grenze, als Tochter einer Bäckersfamilie, hat sie schon einiges verkauft. Brötchen, neue Frisuren oder Autos; Julia verkauft alles. Und jetzt auch ihre eigene Fantasie, mit einem kleinen, anzüglichen Lächeln auf den Lippen, direkt aus dem Kopf auf den Bildschirm. Inzwischen hat es sie dreimal quer durchs Land verschlagen, bis sie nun schlussendlich mit ihrem Kater in Düsseldorf gelandet ist. Einen Steinwurf vom Rheinufer entfernt wohnt sie nun quasi im Paradies und verkauft keine Brötchen oder Autos mehr, sondern arbeitet in einem wundervollen Team als Sachbearbeiterin in der Lohnbuchhaltung, wenn sie nicht gerade in der Bahn oder im Bus sitzt, und an ihrer nächsten Geschichte schreibt. Auf die Frage: Kommst du dir nicht komisch vor, 'sowas' in der Öffentlichkeit zu schreiben? antwortet sie mit: 'Wer mitliest, ist selbst dran schuld!'
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Mike

Stolze dreißig Minuten zu spät stehen wir vor Leons Haustür. Möglicherweise hätten wir es noch pünktlich schaffen können, wären wir nach unserer Schneeschlacht direkt los, aber nass wie ich war, konnte ich unmöglich bei seinen Eltern aufkreuzen. Nicht beim ersten Treffen.

Leons dunkler Mantel ist immer noch feucht, aber er hat sich zumindest die Haare gerichtet und sollte einer flüchtigen Musterung standhalten. Umziehen muss er sich trotzdem gleich.

»Na los, du kannst klingeln«, sagt er jetzt. Immerhin kann er noch grinsen – und das ziemlich boshaft. »Hast du keinen Schlüssel?«

»Doch, schon. Los, klingle.«

»Du willst mich unbedingt leiden sehen, oder?«

»Wie war das vorhin? Rache ist Blutwurst?«

»Du hattest deine Rache«, maule ich ihn an, aber er zuckt nur die Schultern.

»Trotzdem bin ich, im Gegensatz zu dir, ziemlich nass unter meinem Mantel. Wenn ich nächste Woche krank bin, bist du schuld.«

»Sei nicht so, es war doch echt lustig!«

»Los jetzt, klingle.« Ich kann ihm ansehen, dass er genauso viel Spaß hatte wie ich, auch wenn er jetzt rummeckert. Leon überrascht mich echt immer wieder. Ich hätte nicht gedacht, dass er für solchen Quatsch offen ist! Tatsächlich hatte ich gar nicht vor, es so ausufern zu lassen, aber als er plötzlich mitgemacht hat konnte ich mich einfach nicht mehr bremsen und jetzt stehe ich hier und mache mir fast in die Hose, weil wir wegen meinem Blödsinn zu spät sind. Okay ... geschissen drauf. Mehr als nicht reinlassen können sie mich nicht, oder?

Ich atme nochmal tief durch, dann hebe ich meine echt richtig heftig zitternde Hand und drücke auf die Klingel. Mir dreht sich fast der Magen um als ich das Läuten aus dem Inneren des Hauses höre.

»Keine Angst, das wird schon.« Leons Hand, die kurz über meine Seite streicht, macht es nur minimal besser, und dann ist es soweit. Ich höre Schritte, die Tür geht auf und dann steht Leons Mutter vor mir.

»Oh Gott, sind Sie schön«, rutscht es mir vollkommen unkontrolliert heraus, während ich die Frau anstarre, die ich angeblich seit frühester Kindheit kenne.

»Ahm ... Hallo, Mike. Ich freue mich auch, dich zu sehen.«

Als sie jetzt auch noch anfängt zu lachen, ist es vollkommen vorbei und ich bin wie paralysiert, so dass Leon mich durch die Tür ins Haus schieben muss. Er hatte Recht. Er und Alexander kommen wirklich nach ihrer Mutter.

»Meine Güte, was ist denn mit dir passiert? Du bist ja klatschnass«, fragt sie ihren Sohn verwirrt und ich überlasse einfach Leon das Reden, weil ich noch nicht fertig bin mit Starren. Allein schon das Schuhe ausziehen beansprucht mehr meiner Konzentration, als ich gerade übrighabe. Fuck, wie kann man nur so schön sein?

»Lange Geschichte. Ich sollte mich erst mal umziehen, bevor ich -«

»Leon, kannst du bitte -«

Wir erstarren alle mitten in der Bewegung, als plötzlich Leons Vater im Flur steht. Wow. Der Mann macht mir Angst. Schon damals, als er Leon von der Party geholt hat, war mir klar, dass mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Erst recht nicht, als ich Leons blaues Auge am nächsten Tag gesehen habe, aber ihn jetzt aus der Nähe zu erleben, ist nochmal was anderes.

»Hallo, Vater.«

Wie kann Leon so cool bleiben? Er klingt total entspannt.

»Was ist denn mit dir passiert?«, will jetzt auch sein Vater wissen und ich kann nur hoffen, dass Leon mich jetzt nicht ins offene Messer laufen lässt.

»Eine lange Geschichte«, wiederholt er zum Glück und ich wage es halbwegs durchzuatmen. Bevor sein Vater noch etwas sagen kann, rettet uns aber seine Mutter.

»Ihr zwei geht jetzt erst mal hoch, damit du dich umziehen kannst. Der Kaffee ist fertig, der Tisch ist gedeckt, wir warten eben hier, ja?«, sagt sie, bevor ihr Mann uns wegen der Verspätung noch zusammenfalten kann, und wir nicken beide. Dann werde ich zur Treppe geschoben. Endlich außer Sichtweite seines Dads kann ich auch wieder richtig durchatmen. Oh Gott ... Mein Körper kribbelt von dem ganzen Adrenalin.

»Na siehst du, war doch gar nicht so schlimm.«

Leon schmunzelt immer noch, als wir sein Zimmer betreten. Es ist bestimmt doppelt so groß wie meines, wirkt aber irgendwie leer. In der Mitte vor dem Fernseher könnten wir bequem nebeneinander nen Zumba-Kurs machen, so viel Platz, wie da ist.

»Oh Gott, du hast einen Balkon!«

Ich sterbe vor Neid! Ich wüsste nicht mal, was ich mit einem eigenen Balkon anfangen sollte, wenn ich einen hätte, aber ich finde die einfach so unendlich cool. Sein Schreibtisch ist auch riesig, aber fast schon penibel aufgeräumt. Nur ein Laptop steht da und ein Stifte...Sortierer... Dings. Der riesige Schrank, aus dem er jetzt frische Kleidung holt, ist am wenigsten interessant. Ganz im Gegensatz zu seinem Bett. »Ein Boxspringbett. Ein Doppelbett. Für dich allein. Dein fucking Ernst?«, frage ich, nehme Anlauf und werfe mich auf die Matratze. »Scheiße ist das geil! Kann ich hierbleiben, bis ihr fertig seid? Geht das?«

Dunkler Stoff landet in meinem Gesicht, den ich Sekunden später als frische Boxershorts ausmache.

Er ist bereits oben ohne und als er sich jetzt die Hose über die Hüfte nach unten schiebt, reagiert mein Körper vollkommen automatisch. Schon bin ich aus dem Bett raus und bei ihm. Ich kann da echt nichts dafür, dass meine Hände sich um ihn schlingen und ihn näher ziehen. Meine Lippen hauchen ganz alleine sanfte Küsse in seinen Nacken, lassen meine Nervosität für den Moment einfach vollkommen verschwinden.

»Mike ...«

Zum Glück klingt er lange nicht so mahnend, wie er das wahrscheinlich wollte. Vielmehr hört sich mein Name nach einem äußerst zufriedenen Seufzen an. Er dreht sich zu mir um und ich nutze die Gelegenheit beim Schopf, lasse meine Finger über seinen Rücken runter zu seinem Hintern wandern und umfasse seinen wirklich mehr als perfekten Arsch.

»Du bist feucht«, säusele ich grinsend und er schüttelt leise lachend den Kopf.

»Überraschung.«

Schmunzelnd schiebt er mich weg und ich brumme enttäuscht, gebe aber nach und lasse ihn sich weiter umziehen.

Wenige Minuten später gehen wir nach unten und ich betrete ziemlich unsicher hinter Leon das Esszimmer.

»Da sind wir«, begrüßt Leon seine Eltern, die bis eben schon am gedeckten Tisch saßen und jetzt wieder aufstehen. So viel Höflichkeit bin ich überhaupt nicht gewohnt und komme mir direkt überfordert vor. Muss ich ihnen die Hand geben? Muss ich warten, bis man mich auffordert, dass ich mich setzen soll? Wie läuft das? Hilfe?

»Ihr zwei seid mir welche«, sagt Leons Mutter lächelnd, geht zu ihm und umarmt ihn kurz, dann wendet sie sich mir zu. Hand oder Umarmung, Hand oder Umarmung, Hand oder Umar - Umarmung, okay. Ich kann das. Vorsichtig lege ich meine Arme um ihren Rücken und beiße mir fast die Zunge ab, weil das mit Sicherheit mega creepy kommt, wenn ich ihr jetzt ins Ohr flüstere, dass sie voll gut riecht.

Der erste Part ist geschafft. Leons Mutter lässt mich los und ich drehe mich zögerlich zu seinem Vater. Bitte die Hand, bitte die Hand, bitte die Ha-

»Setzt euch.«

Gut, dann halt gar nichts. Leon schiebt mich an der Schulter zu meinem Platz. Ich setze mich und atme erstmal durch.

»Nimm dir, was du möchtest. Ich wusste nicht, was dir schmeckt, also gibt es ein bisschen von allem«, bietet Leons Mutter freundlich lächelnd an und ich nicke, sofort wieder ein bisschen angespannt, weil mich alle ansehen.

»Eh, danke.«

Ich fühle mich, als würde ich am Rand eines Abgrundes stehen. Eine falsche Bewegung und es ist vorbei. Ich wette, ich bin knallrot im Gesicht.

»Entspann dich. Es ist alles in Ordnung«, flüstert Leon mir leise ins Ohr. Das sagt er so einfach!

Auch seine Finger, die unter dem langen Tischtuch kurz meine drücken, machen es nicht wirklich besser.

»Ist alles in Ordnung, Junge? Ist dir schlecht?« Hektisch schüttle ich den Kopf, als mich jetzt auch noch sein Vater anspricht. Er sitzt kerzengerade auf seinem Stuhl. Der sieht selbst aus, als wäre ihm nicht ganz wohl.

»Nein, nein, Herr von Falkenberg, mir geht es gut, danke!«

Einen Moment mustert er mich noch intensiv und ich überlege, ob es nicht sicherer wäre, unter dem Tisch in Deckung zu gehen, dann atmet er einmal tief durch und … lächelt. Schief und unsicher, aber er lächelt.

»Du musst mich nicht siezen. Ludwig ist in Ordnung.«

Ich denke, ich bin nicht der Einzige, dem die Kinnlade auf die Tischplatte knallt und oh Gott, sind das Tränen in den Augen von Leons Mutter? Warum weint sie denn jetzt? Hab ich irgendwas falsch gema-

»Danke, Vater.«

Unsicher sehe ich rüber zu Leon, der auch total komisch klingt und irgendwie habe ich das Gefühl, als wäre hier gerade etwas passiert, was für Leon und seine Mutter total wichtig ist. Wieder schiebt sich Leons Hand zu mir rüber, gleitet warm zwischen meine kalten, aber schwitzigen Finger und verschränkt sie miteinander.

Beruhigend streicht sein Daumen über meinen Handrücken und ich merke, wie die generelle Anspannung am Tisch ganz langsam nachlässt.

»Auch danke ... ahm ... Ludwig, heh ...«

Ich schenke ihm ein freundliches Grinsen und sehe dann automatisch zu Leons Mutter, die sich gerade verstohlen mit der Serviette die Augen abtupft.

»Du darfst mich selbstverständlich Klara nennen«, erklärt sie ohne weitere Umschweife und mein Lächeln wird automatisch breiter. Das läuft doch gut, oder? Ich weiß zwar immer noch...


'Warum den heißen Typen mit einer anderen Frau teilen, wenn man auch einfach zwei heiße Typen haben kann?'
Das ist der Satz, mit dem Julia meistens auf die Frage antwortet: Warum Homoerotik? Denn: Warum auch nicht?

Geboren und Aufgewachsen im schönen Bayern, direkt an der Tschechischen Grenze, als Tochter einer Bäckersfamilie, hat sie schon einiges verkauft. Brötchen, neue Frisuren oder Autos; Julia verkauft alles. Und jetzt auch ihre eigene Fantasie, mit einem kleinen, anzüglichen Lächeln auf den Lippen, direkt aus dem Kopf auf den Bildschirm.
Inzwischen hat es sie dreimal quer durchs Land verschlagen, bis sie nun schlussendlich mit ihrem Kater in Düsseldorf gelandet ist. Einen Steinwurf vom Rheinufer entfernt wohnt sie nun quasi im Paradies und verkauft keine Brötchen oder Autos mehr, sondern arbeitet in einem wundervollen Team als Sachbearbeiterin in der Lohnbuchhaltung, wenn sie nicht gerade in der Bahn oder im Bus sitzt, und an ihrer nächsten Geschichte schreibt.

Auf die Frage: Kommst du dir nicht komisch vor, 'sowas' in der Öffentlichkeit zu schreiben? antwortet sie mit: 'Wer mitliest, ist selbst dran schuld!'



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