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E-Book

E-Book, Deutsch, 254 Seiten

Wille Meine Lyrik


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-4010-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 254 Seiten

ISBN: 978-3-8496-4010-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Bruno Wille war ein deutscher Prediger, Journalist und belletristischer sowie populärphilosophischer Schriftsteller. Dieser Band beinhaltet die Gedichtsammlungen 'Der heilige Hain' und 'Einsiedler und Genosse'.

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Liebchen Gold



  "Möchte doch lieber Zigeuner sein,

  Als Mammonbeschnüffler im güldenen Schrein."

 (Detlev von Liliencron.)

In kalter Kammer, matt erhellt,

Auf elend knochigem Polster lieg ich,

Die Füße frostig, den Magen vergällt,

Und starre zur mürrischen Decke empor ...

Geld!

Rundes blondes Liebchen Gold,

Sei dem Schmachtenden hold!

Laß dein Stimmchen mir erklingen

Süß und fein

Wie Kristallglas,

Gefüllt mit gelbem Wein!

Deinen schlangenglatten kühlen Leib

Möcht ich streicheln;

Das soll der fieberigen Seele

Wie Quellenkühlung schmeicheln.

Ginge doch die grämliche Thüre auf,

Und mein Goldchen wäre da,

Und Goldchen sagte: "Ja,

Dein bin ich, dein!

Und heute soll die Hochzeit sein."

Wie wollt ich springen kummerfrei!

Freunde, Freunde, hurtig herbei!

Wein her, köstliche Schüsseln her!

Laßt uns schlürfen mit Lippen und Augen,

Wonnevoll, wie durstige Wurzeln

Üppige Regenfluten saugen!

Laßt uns taumeln die Nacht entlang

Mit Gesang und Gläserklang:

"Liebchen Gold soll leben!"

Erwach' ich dann im Bette,

Und hellt ein Schimmer

Den rauschgetrübten Kopf, -

Wo bleibt Frau Sorge,

Die gestern noch im Junggesellenzimmer

Hüstelnd schlich?

Ausgehüstelt hat Fau Sorge!

Liebchen Gold

Ist mir hold!

Auf, glückseliges Gemüt!

Neue Freuden sind erblüht.

Auf zur Hochzeitsreise! -

Am Wagenfenster vorbei

Kommen Felder geflogen,

Fächerhaft ausgespreizt,

Wiesen und Hecken und Dörfer;

Blaudämmernde Hügel wogen;

Wald und Fluß rauscht vorbei.

Mit uns eilt die stralende Sonne

Und des Himmels blauende Wonne.

Da ... in Bergesschacht

Rollen wir dumpf donnernd;

Der Tag erlischt; lang herrscht die Nacht;

Und Haupt und Augenlider

Sinken schläfrig nieder ...

Neu zum Licht erwacht,

Schau' ich staunend ein Alpenthal,

Felsen und Tannen;

Droben glüht ein Schneeberg-Greis

Im Abendstral

Trunken vor Lust;

Schäumend stürzt der Gießbach

Von seiner Felsenbrust.

Hier will ich atmen, trinken

Rauhe Lust,

Bis der Schnee

Stürmisch wirbelnd flockt,

Und mich weiche Sehnsucht

Nach Italien lockt;

Finsternis und Frost, ade! ...

O weh!

In kalter trüber Kammer,

Auf elend knochigem Polster ...

Rauchige Decke, grämliche Thüre...

Verhauchter Traum, ade!

Grausam sprödes Lieb!

Ich härme meine Wangen hohl,

Zergrüble mir

Die Stirne weh nach dir;

Möchte gehn zu Waldesgründen

Und die Wünschelrute finden;

Die soll erspüren

Gitter und Mauern,

Wo Goldchen sich verbirgt;

Da will ich nächtlich lauern,

Liebchen zu entführen.

Doch sieh! Bei Liebchens Gitterfenster

Steht schon ein Mensch und harrt.

Das ist - ich bin erstaunt, erstarrt -

Mein Freund! Du hier?

Vor meines Liebchens Thür? -

Da droht sein Aug' und rollt:

"O nein! Mein ist das Gold!"

Und blitzt wie Messerstich nach mir ...

Ach! Freundesmord! -

Und schmerzgeschnitten wank' ich fort.

Ich blute ... Tückische Dirne Gold!

Du aber wirst mit Gier genossen

Vom grauen Geizhals droben hinterm Gitter;

Und morgen fährst du in Karossen

Mit Gecken und Schurken, stellst dich feil

Im Börsensaale, wo Gefeilsche gellt,

Machst tausend Händlergesichter geil...

Metze der Welt! -

Elend will ich auf dem hagern

Polster lagern

Im kalten Dunkelkämmerlein;

Träumen von einer Blume,

Weiß und rein ...

Im Angesicht des Berges



 "Wehe euch... ihr Heuchler, die ihr gleich seid den übertünchten Gräbern, welche auswendig hübsch erscheinen, inwendig aber voller Totenbein und Unflat sind!"

 (Jesus.)

Ich blicke schweigend auf das weiße Tuch

Und tippe sinnend mit dem Tafelmesser;

Weingläser klirren, eine Dame lacht,

Die beiden Diplomaten reden wichtig,

Und Seidenroben duften nach Parfüm.

Doch über die Terrasse weht ein Hauch

Aus waldiger Bergesschlucht so kühl und rein;

Tief atmend schlage ich die Augen auf.

Da übergipfelt sich der krause Wald

Den Berg hinan, da lagern grüne Matten

An Felsgehängen, und mit schroffem Stolz

Erhebt der Riese himmelan sein Haupt.

"Entzückend!" lispelt meine Tafeldame,

Die Gouvernante. 

"Ceterum censeo,

Ich muß es stets betonen, Herr Minister,

Erhöhen wir den Schutzzoll! Unser Staat,

Verlassen Sie Sich drauf, wird ausgesogen.

Das einzige Rettungsmittel ist mein Antrag."

Wie offen blickt das Deputirtenauge -

Nur blitzt es heimlich drin: "Wenn es gelingt,

O köstlicher Profit!"

Ein Vogel kreischt und schlägt mit starkem Fittig

Und wiegt sich spähend über Wald und Schlucht;

Dumpf tost der Gießbach zwischen Felsgeblöck,

Und eine Wolke schattet.

Geil grinsend drückt die alte Excellenz

Die Patschhand seiner Dame an den Weißbart.

Die Gnädige lächelt wie ein Kind - und denkt:

"Hat erst mein Mann die Stelle in der Tasche,

Dann, Herr Protektor ... warte, alter Ekel!"

"Entzückend!" lispelt meine Tafeldame

Durch ihre falschen Zähne; "o Natur!"

Und blickt hinan zum Angesicht des Berges, -

Das sich verfinstert und in Wolken hüllt.

Nur auf der Matte ruht noch goldnes Licht;

Das lächelt mich wehmütig an. Ich schlage

Die Augen nieder auf das weiße Tuch

Und tippe sinnend mit dem Tafelmesser.

Die Vogelscheuche



  "Doch das tote Haupt,

  Blut- und feuerbedeckt,

  Wild und drohend dort am Zweig

  Richtend aufgesteckt, -

  Lautlos gellt sein Schrei

  In die heiße Welt des Lichts:

  Nichts von dem war mein,

  ›Nichts und ewig Nichts!

  Sah die Sonne nur

  Kochend in heißem Hof,

...



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