E-Book, Deutsch, 269 Seiten
Williams The Crusader - The First
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7554-3019-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 269 Seiten
ISBN: 978-3-7554-3019-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die Welt wird von den Crusadern beschützt. Ihre Aufgabe ist es, die Bestien in Schach zu halten, die gemeinsam mit den Menschen die Erde bevölkern. Keenan Protec ist der erste Crusader, der jemals geboren wurde, und er vererbte diese Fähigkeit an alle seine Nachkommen. Zumindest müssen sie nicht ewig leben, im Gegensatz zu ihm. Noch heute ist er auf der Suche nach Glück und Lebensfrieden, die er in letzten elf Jahrtausenden nicht finden konnte. Um das zu erreichen, beschließt er, sein Leben grundlegend zu ändern. Diese Veränderung ist so einschneidend, wie sie nur sein kann. Kann ein Crusader mit einer Bestie glücklich werden, obwohl sie von Natur aus Feinde sein sollten?
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Halifax, Juni 08, 2021 – 1 Uhr mittags
Normalerweise machten die Labortechniker keine Tatortbegehungen, doch als der Fähren-Mörder wieder zuschlug, wurden sowohl Keenan sowie Milford an den Tatort beordert, auch wenn Nathan Ford, ihr Laborleiter, zumindest pro forma protestierte. Warum sie es ansehen sollten, erschloss sich ihnen in dem Moment, als sie auf der Autofähre an das entsprechende Auto herantraten. Sowohl die Ermittler sowie die Forensiker hatten das Massaker angesehen und ihre Arbeit gemacht. Murreau hatte sie beide her zitiert, weil er ebenfalls von ihnen eine Einschätzung wünschte. Außerdem sollte noch ein externer Berater zu ihnen stoßen. Nach ihnen würde der Gerichtsmediziner die Leiche des jungen Mannes abtransportieren. Man merkte dem älteren Mann an, dass ihn das Warten nervte. Er hielt ihr Kommen offensichtlich für unnötig. Aufmerksam umrundete Keenan den Geländewagen älteren Baujahrs. Am Auto selbst gab es äußerlich keine Anzeichen für ein Verbrechen. Der junge Mann auf dem Fahrersitz konnte aber nur als solcher identifiziert werden, weil er nackt am Steuer saß und einzig sein Genitalbereich nicht in Mitleidenschaft gezogen worden war. Der restliche Körper, inklusive des Gesichts, wirkte wie mit Krallen oder scharfen Messern bearbeitet. Als Milford tief einatmete und dabei über die Motorhaube Keenan bedeutungsvoll ansah, wurde diesem klar, dass er und Milford hinzugezogen worden waren, weil der Mörder eine Bestie war. Scheiße! Als sie gerade vom Fahrzeug zurücktraten kam ein Mann mit energischen Schritten übers Fahrzeugdeck. Der Kerl war groß und muskulös, sah aus wie ein Krieger aus guten alten Tagen. Der Eindruck wurde durch sein grimmiges Gesicht verstärkt. Im Grunde machte er genau dasselbe wie Keenan und Milford. Er umrundete das Fahrzeug und nahm dann die menschlichen Überreste in Augenschein. Dann drehte er sich um und ging direkt zum Chief Inspector hinüber. Als er dort ankam, richtete Murreau seine Aufmerksamkeit auf die beiden Labormitarbeiter und winkte sie heran. Mit hochgezogener Augenbraue kommentierte der externe Berater dieses Vorgehen und sah wieder zum Chief Inspector. „Ihren Eindruck, meine Herren“, kam es knapp und präzise von Murreau. Kurz checkte Keenan, ob jemand in Hörweite stand. „Scharfe Krallen. Vermutlich sieben bis acht Zentimeter lang. Die Handgröße ohne Krallen, vermutlich Handschuhgröße zehn. Also ein Mann mit einer Größe von einem Meter achtzig bis einem Meter neunzig“, nach dieser Aussage ließ Keenan Milford übernehmen. „Ich wittere Reptil. Vielleicht ein Wyvern oder Gorgon. Der Geruch ist nicht frisch genug, um festzustellen, was genau.“ Milfords Worte waren ebenso leise vorgetragen wie Keenans davor. Der externe Berater sah die beiden Techniker erstaunt an und ergänzte: „Ich stimme zu. Es sieht nach Werreptil aus. Schlange würde ich ausschließen, aber man weiß nie. Das war keine Nahrungsbeschaffung. Hier spielt Wut und Rache eine entscheidende Rolle. Wenn eine Bestie so agiert, tut sie das, weil sie irgendwann verletzt wurde. Entsprachen die letzten drei Opfer demselben Typ Mann?“ Nickend stimmte Murreau zu: „Gleiche Größe, gleicher Körperbau, gleiche Hautfarbe, gleiches Vorgehen. Trotzdem tappen wir im Dunkeln. Wie kann jemand so etwas durchziehen und dann ohne Spuren zu hinterlassen aus dem Fahrzeug verschwinden?“ Die vier Männer sahen sich ratlos an. „Gibt die Fährroute vielleicht Aufschluss?“, kam es von dem Berater. „Nein. Diesmal war es die Verbindung nach Portland. Die letzten beiden Male waren die Verbindungen nach Dartmouth betroffen und beim ersten Mal die nach Saint John. Es ergibt sich kein schlüssiges Muster.“ Widerwille und Gereiztheit dominierten in der Stimme des Chiefs. „Ich möchte, dass sie drei sich auf dem Revier in einem Besprechungszimmer zusammensetzen und sich intensiv austauschen. Lassen sie keine Spekulation aus. Die leitende Ermittlerin wird zu ihnen stoßen. Sie weiß über unsere Welt Bescheid.“ Keiner der drei anwesenden Männer widersprach dem Chief Inspector. Alle wussten sie, dass er sich später der Presse stellen muss und es gefiel ihm gar nicht, dass er weiterhin keine Ergebnisse vorweisen konnte. Als sich Murreau von der Gruppe trennte, folgten Keenans Augen unwillkürlich der muskulösen Gestalt seines Vorgesetzten. Jedes Mal hatte der Mann, nein diese Bestie, diese Wirkung auf ihn. Noch nie hatte er sich zu einem vermeintlichen Feind hingezogen gefühlt. Eine halbe Stunde später saßen Keenan, Milford, Julia Goldsteen, die leitende Ermittlerin, und der externe Berater im kleinen Konferenzraum und der Projektor warf alle Beweise an die Wand. „Ich bin Keenan Protec“, dann wies er auf seinen Kollegen und ergänzte: „Und das ist mein Laborkollege Milford Gainse.“ „Mein Name ist Julia Goldsteen. Ich leite die Ermittlungen.“ Als letztes stellte sich der externe Berater vor: „Terry Rundel, Crusader.“ Mit dieser letzten Aussage setzte er eine zweite Vorstellungswelle in Gang. „Isegrim“, kam es von Milford. Julia Goldsteen ergänzte: „Initiatus.“ Seit Zeiten der Cäsaren wurde dieser Begriff für Menschen verwendet, die über Bestien Bescheid wussten, sie selbst aber nicht sehen konnten oder zumindest erst, wenn sie sich in der letzten Transformationsstufe befanden. „Crusader“, erklärte Keenan in ruhigem Ton und erntete einen sehr ungläubigen Blick von Terry Rundel. „Crusader? Ernsthaft? Ich hab noch nie einen unserer Art gesehen, der so klein ist. Selbst Frauen mit unserer Veranlagung sind mindestens einen Meter fünfundsiebzig groß.“ Keenan traf selten auf einen seiner Nachkommen, aber immer, wenn es in den letzten Jahrhunderten passierte, erntete er genau diese Reaktion. In Keenans DNA schien sich das Gen für großen Wuchs zu befinden und bei jeder Generation setzte es sich durch. Vor tausend Jahren begann Keenan zu den kleinen Crusaders zu gehören, machte ihm aber bis jetzt keine Probleme. In der Renaissance wurde der Unterschied auffällig und es wurde zum Thema. In diesem Jahrhundert war Terry erst der dritte Crusader, der seinen Weg kreuzte, und er wunderte sich nicht über dessen Reaktion. Schulterzuckend sah Keenan den anderen Crusader an, achtete aber darauf, ihn nicht mit einem Blick herauszufordern. Zwar waren Crusader zivilisierter als Bestien, aber sie waren eher Einzelgänger. Selten traf man mehrere ihrer Art am selben Ort an, als scheuten sie die Konkurrenz oder wollten die Beute nicht teilen. Eine Spur von Keenans archaischer Veranlagung hatte er auch an seine Nachkommen vererbt. Um die seltsame Stimmung zu brechen, erklärte Milford in vermittelndem Ton: „Er ist definitiv ein Crusader und wenn mich jemand fragt, ein sehr starker.“ Innerlich seufzte Keenan bei dieser Aussage. Darauf hätte er gerne verzichtet, denn genau so ein Satz stachelte sein zweifelndes Gegenüber an. „Stark, so, so!“, kam es spöttisch von Terry. Keenan wusste, dass der größere Mann von dieser Nuance ihres Kennenlernens nicht mehr abzubringen war. Er würde sich daran festbeißen und seine Gedanken immer wieder darum kreisen, wie er diese Aussage widerlegen konnte. Grimmig sah Keenan Milford an. Dieser zog sofort den Kopf zwischen die Schultern und entschuldigte sich mit einem kleinen Lächeln. „Okay. Ich schlage vor, dass wir uns jetzt mit dem Fall befassen“, erklärte Keenan. Dann sah er zu Terry auf, der noch immer neben dem Tisch stand. „Wir können uns nach Feierabend irgendwo treffen und es auskämpfen. Ich überlasse dir die Wahl der Waffen. Aber beim ersten Blut hören wir auf!“, kam es entschieden von Keenan. Er hatte Unmengen an Lebenserfahrung. Niemand konnte ihm so leicht das Heft aus der Hand nehmen. Manchmal hatte man nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, aber zumindest wählte Keenan. „Gut!“, mit dieser Bestätigung nahm Terry Platz und deutete auf einen Hinweis an der Wand. „Ich finde es sehr irritierend, dass er keine Spuren außerhalb des Autos hinterlässt. Wie geht das?“ Genau darüber hatte Keenan selbst schon nachgedacht und dafür eine Lösung parat. „Es gibt einen Hexenbann. Er heißt Das unbefleckte Durchschreiten. Der Spruch ist an einen Trank gebunden und jeder, der ihn zu sich nimmt, wird blütenrein bleiben, zumindest für etwa eine halbe Stunde.“ „Das genügt“, kam es nachdenklich von Terry. „Um einen Mann so zuzurichten braucht eine Echse höchstens fünfzehn Minuten, vorausgesetzt, dass es nicht zum Kampf kommt und sie nicht gestört wird.“ „Kein Kampf. Der Tatort würde anders aussehen, wenn es zu einer Handgreiflichkeit käme. Der Blutschwall auf der Frontscheibe zeigt, dass es eine arterielle Blutung war, vermutlich von der durchtrennten Halsschlagader“, ergänzte Julia in abgeklärtem Ton. Als Polizistin in Halifax konnte sie nicht mit so vielen bestialischen Mordfällen in Kontakt gekommen sein und trotzdem wirkte sie nicht erschüttert. Fragend sah Keenan seine Polizeikollegin...




