E-Book, Deutsch, 186 Seiten
Williams Wild Territories VI - Nur Justitia ist blind
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-7665-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 186 Seiten
ISBN: 978-3-7487-7665-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Frustriert muss Jace Jawara erkennen, dass sein Leben im Moment nur aus Schattenseiten besteht. Er hat einen miesen Job, der ihm alles abverlangt, und kein Privatleben. Dabei sehnt er sich sehnsüchtig nach einer Gefährtin oder einem Gefährten. Wie fast allen Raubtierwandlern ist es ihm egal, in welch äußerlicher Verpackung die Liebe seines Lebens daherkommt, aber finden würde er sie jetzt schon ganz gerne. Eine Chance für eine Veränderung bietet sich, als sein Rudel eine neue Kanzlei als Firmenanwälte anheuert. Um effektiv mit den Juristen zusammenarbeiten zu können, muss zumindest ein kleiner Teil der Anwälte in die wahre Natur ihrer Mandanten eingeweiht sein. Daher ist es so üblich, dass das New Yorker-Katzenrudel ein Mitglied in der Belegschaft der neuen Mitwisser unterbringt. Als sein Alpha Jace diese Möglichkeit bietet, greift er sofort zu. Sein Leben kann in der renommierten Kanzlei nur besser werden. Findet der schüchterne Jaguarwandler bei seinem neuen Arbeitgeber wirklich endlich Glück und Zufriedenheit, vielleicht auch privat? Diese Geschichte enthält homoerotische Szenen und ist daher nur für volljährige und aufgeschlossene Leser geeignet!
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Das Rudeltreffen
Am nächsten Morgen loggte Jace sich ins Intranet, das interne Netzwerk von Panthera Enterprises, ein und ermittelte, welche Rudelmitglieder noch nicht zum Rudeltreffen aufs Land gefahren waren. Schnell fand er eine dreiköpfige Luchsfamilie, die ihm einen Platz zum Mitfahren anbot. Entspannt und gut gestimmt kam Jace auf dem „Testgelände für Agrarforschung von Panthera Enterprises“ an. Natürlich diente das riesige Gelände außerhalb des Stadtbezirks nicht der Forschung, sondern ausschließlich als Auslauf- und Jagdfläche für das Rudel. Hierher kamen alle Rudelmitglieder, die laufen, rennen und sich simpel austoben mussten. Jace kam definitiv zu selten hierher. Wenigstens litt er nicht wie viele andere Katzenwandler an Einsamkeit, die mit seiner Tätigkeit einher ging. Viele Katzenarten, wie Löwen und Leoparden brauchten das rege Rudelleben und den Austausch untereinander, um sich wohl und glücklich zu fühlen. Jaguare waren da etwas anders gestrickt. Sie mochten es, einsam herumzustreifen, sich spontan für das eine oder das andere entscheiden zu können, und ihrem Freiheitsdrang ungehemmt nachgeben zu dürfen. Einzig durch eine feste Partnerschaft ließen sie sich einschränken und akzeptierten diese notwendigen Grenzen auch vorbehaltlos. Nach so einem Zweiergefüge sehnte sich Jace mittlerweile extrem. Er wollte eine Beziehung führen, in der er sich aufgehoben und geborgen fühlte aber nicht seine Eigenständigkeit verlor. Wie bei jedem Treffen versammelte sich das Rudel im Freien an dem großen umgestürzten Baumstamm und lauschte den Neuheiten von der Rudelspitze. Es hatte in den letzten Monaten einige Veränderungen gegeben. Heute sollte die Bindungszeremonie zwischen ihrem Alpha und seinem Gefährten stattfinden. Es hatte ganz schöne Wellen geschlagen als sich Leo de Leeuw für einen Fuchsrüden als Partner entschieden hatte. Doch bereits nach dem ersten Rudeltreffen hatte der kleine Canide alle Bedenken ausgeräumt, indem er den zuständigen Beta für Portland eindrucksvoll in seine Schranken gewiesen hatte. Der zweite Beta von New York, Veris Tigris, war nach Alaska umgesiedelt, da er dort seinen Gefährten gefunden hatte und vor zwei Wochen hatte Cole, Jace älterer Bruder, seine Taschen gepackt und war nach Afrika gereist, um dort eine Arbeit als Wildhüter anzunehmen. Also, es gab einige Veränderungen im Rudel. Hinzu kam noch, dass Panthera und zeitgleich das Rudel eine neue Anwaltskanzlei in Dienst genommen hatte und somit die Erklärung abgegeben wurde, dass jedes Rudelmitglied sich bei juristischem Beistand an diese Kanzlei zu richten hatte. Es war viel einfacher, wenn man mit seinem Anwalt offen reden konnte und nicht ständig auf seine Worte achten musste. Abgelenkt und auch desillusioniert stand Jace am Rande der Versammlung und lauschte den Worten von vorne. Er konnte zwar nicht beim Bindungsritual zusehen, wusste aber genau, wie es ablief. Verbunden hatten sich Leo und Chris bereits durch ihre Markierungsbisse, aber heute machten sie es offiziell. Dafür gelobten sie sich vor dem ganzen Rudel Treue und Unterstützung. Das Ganze wurde gekrönt, indem sie sich gegenseitig über die Markierungsbisse leckten und sich dann küssten. Bei Mann und Frau wirkte das natürlich wesentlich romantischer, aber wo die Liebe eben hinfiel. Jace beneidete das Paar. Solch eine Zeremonie war etwas Besonderes, denn sie wurde nur der Führungsriege zu teil. Ein gewöhnliches Rudelmitglied verband sich ausschließlich durch die Markierungsbisse und ließ die Partnerschaft ins Rudelregister eintragen. So romantische Rituale wie Brautkleider, Kirchgänge oder riesige Partys gab es bei reinen Wandlerpaaren nur, wenn sie es sich wünschten oder sie oft mit Menschen interagieren mussten. Kamen Menschen ins Spiel sah die Sache anders aus. Verband sich ein Wandler mit einem Menschen wurde meistens geheiratet um die unwissende menschliche Verwandtschaft zufriedenzustellen. Dass ihr Alpha seinen Fuchs geheiratet hatte war einzig und allein dem Verhalten des Canidenrudels aus Alaska geschuldet. Nur so hatten sie davon überzeugt werden können Chris ziehen zu lassen. Heute gab es enge Bande sowohl privat als auch geschäftlich zwischen den Katzen in New York und den Wolfsartigen in Alaska. Jace suchte noch immer nach der großen Liebe. Natürlich konnte man nicht behaupten, dass er mit seinen gerade einmal vierundzwanzig Jahren keine Chance mehr hätte, fündig zu werden, aber er brachte nicht die optimalen Voraussetzungen mit. Er hatte in seinen Teenagerjahren und als Anfang Zwanzigjähriger ein paar Liebeleien gehabt, aber schnell festgestellt, dass er mehr brauchte als nur eine hohe Kompatibilität. Der Sex war immer gut gewesen, da er recht problemlos Bettgenossen fand, die mit ihm harmonierten, aber für restlos erfüllenden Geschlechtsverkehr brauchte er jemand Dominantes. Er stand nicht auf Schläge, Schmerz oder Demütigung, damit hatte er so gar nichts am Hut, aber im Bett wollte er die Führung abgeben und sich unterwerfen, auch wenn das seiner Raubtiernatur im Grunde gar nicht entsprach. Aber es war nun einmal, wie es war. Niemand konnte aus seiner Haut. In den sonstigen Lebensbereichen bevorzugte er ein Geben und ein Nehmen und das stellte meist ein Problem dar. Viele Menschen und auch Wandler, die von Natur aus dominant waren, konnten es außerhalb des Schlafzimmers nicht ablegen und so kam es unweigerlich zu Reibereien, weil Jace sich das im alltäglichen Leben nicht gefallen ließ. Ganz besonders kritisch war es mit seiner ersten großen Liebe gewesen. Miriam hatte ihn regelrecht am Gängelband geführt und als Jace anfing sich zu wehren, hatte sie tatsächlich versucht, ihn mit Gewalt auf Kurs zu bringen. Doch da kam seine Jaguarnatur durch und beendete ihr Treiben umgehend. Als sich die wesentlich kleinere Servaldame dieser Gegenwehr gegenüber sah, beendete sie ihre Beziehung umgehend, mit der Begründung, dass sich Jace darüber klar werden musste, was er wollte. Man konnte nicht einen dominanten Sexpartner haben, der sich im restlichen Leben nicht dominant gab. Zumindest war das Miriams Ansicht gewesen und Jace hatte lange versucht, ihre Äußerung zu widerlegen, doch bisher war es ihm nicht gelungen. Entweder hatte er das gleiche Ergebnis erzielt oder eine normale Beziehung mit Gleichberechtigung im Bett geführt. Noch hatte er das für sich Passende noch nicht gefunden. Vermutlich hingen seine Bedürfnisse mit seiner etwas eigenartigen Stellung im Rudel zusammen. Große Raubtiere, wie Löwen, Tiger, Leoparden und Geparden hatten normalerweise hohe Ränge inne, bildeten die Elite des Rudels. Selten kam es vor, dass ein Großraubtier mit eher devoter Veranlagung geboren wurde. Solch ein Wandler fand seinen Platz automatisch irgendwo im Mittelfeld oder sogar im unteren Drittel. Nur sehr wenige Wandler hatten ein Problem damit, wenn so etwas vorkam, wussten aber oft nicht, wie sie mit dem entsprechenden Rudelmitglied umgehen sollten. Jace hatte es da etwas leichter, da er als Jaguar eher zum Einzelgängertum neigte, ganz genauso wie sein Bruder Cole, der das Ganze sogar auf die Spitze trieb, indem er „das Mädchen für alles“ des Rudel-Alphas wurde. Jace war im Gro der Wandlergemeinschaft angesiedelt und teilte sich eine Rangstufe mit den Luchsen, Ozelots, Nebelpardern und Wildkatzenarten. Da die oberen Ränge immer das Bedürfnis hatten, Schwächere und weniger Dominante zu unterstützen und zu beschützen fühlte er sich dort wo er war, ziemlich wohl. Nie sah ein Beta oder Offizier in ihm eine Bedrohung und trotzdem konnte er sich besser behaupten als die meisten kleinen Wandlerarten. Jace hatte rein körperlich und geistig die Fähigkeit eines Offiziers, nur kämpfte er simpel und einfach nicht gerne. Er verteidigte sich, wenn er angegriffen wurde, ergriff aber nie selbst die Initiative oder zeigte selten aggressives Verhalten. Wurde aber jemand Schwächeres attackiert wurde Jace regelrecht zur Kampfmaschine. Seine Beschützerinstinkt funktionierte tadellos. Erschrocken registrierte Jace, dass die restliche Zeremonie vollkommen unbemerkt an ihm vorbei gerauscht war und sich alle um ihn herum auszogen. Der große Monatslauf stand auf dem Programm. Schnell streifte er seine Sneakers ab, schlüpfte aus seinem Hemd und schob sich die dunkeln Jeans über die schmalen Hüften. Jace hatte eine gute Figur, aber sie war für einen Wandler außergewöhnlich. Normalerweise brachten Wandler ausgeprägte Muskelpartien mit und hatten eine massive Statur, vor allem wenn sie, wie Jace, über ein Meter neunzig groß waren. Doch der Jaguar war schlank und drahtig. Seine flachen Muskelstränge modellierten Glieder wie ein Balletttänzer sie hatte und seine Hüfte war schmal und sein Hintern klein. Wäre er dreißig Zentimeter kleiner würde man ihn einen Twink nennen. Mit seinen fast neunzig Kilo war er weit entfernt vom hageren, aber auch nicht der bemuskelte Typ. Trotz der Schlankheit wirkte er aufgrund seiner geschmeidigen Bewegungen kein bisschen schlaksig. Viele Wandlerfrauen wünschten sich aufgeblasenere Kerle und unter den menschlichen hatte er selten eine kompatible gerochen. Meist war es auch so, dass eine passende Menschenfrau nicht die nötige Dominanz mitbrachte, die Jace braucht, um glücklich zu sein. Bei den Männern sah die Sache etwas anders aus. Wandlermänner entschieden rein nach der...




