Buch, Englisch, Deutsch, Band HEFT 66, 144 Seiten, PB, Format (B × H): 210 mm x 295 mm, Gewicht: 564 g
Reihe: Camera Austria International
Buch, Englisch, Deutsch, Band HEFT 66, 144 Seiten, PB, Format (B × H): 210 mm x 295 mm, Gewicht: 564 g
Reihe: Camera Austria International
ISBN: 978-3-900508-26-5
Verlag: Camera Austria
Der Realisierung des vorliegenden Heftes stellten wir den internen Arbeitstitel „Tatort“ voran. Tatort bezeichnet einen Schauplatz, der durch die Ereignisse, die sich an ihm zugetragen haben, mit Bedeutung aufgeladen ist. Allerdings geht es hier freilich nicht um dokumentarische Tatortfotografie – Tatorte regen vielmehr zu einer weiterreichenden Spurensuche an, sie fordern uns zur Denkarbeit auf und appelieren an uns, Bewußtseins- oder Erinnerungsarbeit zu leisten. Dabei schießen uns spezifische Bilder durch den Kopf, Bilder, die jedem vertraut sind, Bilder, die sich in unseren Köpfen festgesetzt haben und die uns – auch – emotional bewegen. Wo kommen diese Bilder her, wie sind sie beschaffen und vor allen Dingen: Welche Formen der Übertragung sind prägend für die Herausbildung dieses „visuellen Speichers“, über den sich eine Art von Kollektivbewußtsein manifestiert? Die Künstler, die wir in diesem Heft vorstellen – Thomas Demand, Johan Grimonprez, Joachim Koester und Constanze Ruhm – sowie der Textbeitrag von Diedrich Diederichsen beschäftigen sich mit der Entstehung und dem “Weiterleben” von Tatort-Bildern in der kollektiven Erinnerung beziehungsweise in den Massenmedien. Thematisiert werden also die Mechanismen dieser Prozesse, jene Verkettungen, Verschiebungen und Leerstellen, wie sie etwa die Politik der Berichterstattung, die Formen des Gedenkens oder auch die Erzählstrukturen des Kinofilms prägen. Dabei bewegen sich die vorgestellten Arbeiten ganz bewußt auf dem schmalen Grat zwischen Dokument und Drama, zwischen Fiktion und Realität – sie sind einerseits kritisch / reflexiv, andererseits subjektiv / suggestiv.
Die Grundlage für Thomas Demands fotografische – und neuerdings filmische – Arbeit ist jenes medial vermittelte und kollektiv erinnerte Reservoir an Bildern von spezifischen Tatorten (etwa das „Barschel-Badezimmer“ oder das Führerhauptquartier …) oder auch von banalen, scheinbar bedeutungslosen Orten (Balkone, Garagen …). Diese Orte rekonstruiert Demand aus Papier für seine fotografischen Aufnahmen. In einem Reduktionsprozeß verfolgt er den „Code der Authentizität“, seine Modelle (wie auch seine Bilder) beschränken sich auf die substanziellen Informationen, die notwendig sind, um diesen Ort als Typus- gewissermaßen zwischen dem vermeintlich authentischen Tatort(foto) und dem Allgemeinplatz – zu bauen. Für CAMERA AUSTRIA stellte Demand eine Bildfolge von Stills aus seinem erstem Film „Tunnel“ zusammen – (auch) eine Anspielung auf den Tunnel, in dem Diana starb. Auch Constanze Ruhm arbeitet mit der Entleerung von Bildräumen. Ausgangspunkt für ihre Arbeiten ist jedoch die „Fiktionsmaschine“ Kino. Die Szenen, die sie verwendet und in ihren computergenerierten Arbeiten auf Architektur und Licht reduziert, referieren auf Filme von Jean-Luc Godard oder Francois Truffaut. Die Analyse eines Ausschnitts filmischer Darstellungsweisen gerät dabei zur suggestiven Plattform: Das verwendete Filmmaterial dient ihr als Projektionsfolie für eine zweite (offene) Erzählung, die über eine bereits existierende gelegt wird. Für CAMERA AUSTRIA erarbeitet Constanze Ruhm gerade eine Edition, die sie ab Juli über unsere Redaktionsanschrift beziehen können.




