E-Book, Deutsch, Band 17, 313 Seiten
Reihe: GALAXIS SCIENCE FICTION
Wilson GALAXIS SCIENCE FICTION, Band 17: VAMPIRE AUS DEM WELTRAUM
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7487-0149-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Geschichten aus der Welt von Morgen - wie man sie sich gestern vorgestellt hat.
E-Book, Deutsch, Band 17, 313 Seiten
Reihe: GALAXIS SCIENCE FICTION
ISBN: 978-3-7487-0149-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Craigie sagte: 'Und hier ist noch eine.' Es war ein dunkelhaariges Mädchen, jünger als das erste. Es mochte einmal hübsch gewesen sein, aber die Gesichtszüge waren eingefallen. Es war das Gesicht einer Toten. Jedes Gebäude stand für sich. Carlsen kamen sie wie eine Ansammlung ägyptischer Grabstätten vor. Insgesamt waren es dreißig. In jedem lag ein Schläfer: acht ältere Männer, sechs ältere Frauen, sechs jüngere Männer und zehn Frauen, deren Alter sich zwischen achtzehn und fünfundzwanzig bewegt haben mochte. 'Aber wie sind sie in diese verdammten Dinger hineingekommen?' Murchison hatte Recht; es gab keine Türen. Sie gingen um die Gebäude herum und untersuchten jeden Zoll der Glasoberfläche. Sie war nahtlos. Auch die Dächer, die aus halb transparentem Kristallglas bestanden, schienen fest mit dem Glas verbunden oder verschmolzen zu sein. Vampire aus dem Weltraum von Colin Wilson (* 26. Juni 1931 in Leicester; ? 5. Dezember 2013 in St. Austell) erschien erstmals im Jahr 1976 und wurde 1985 von Tobe Hooper unter dem Titel Lifeforce - Die Tödliche Bedrohung verfilmt - in den Hauptrollen: Steve Railsback, Peter Firth, Frank Finlay, Mathilda May und Patrick Stewart. Vampire aus dem Weltraum erscheint in der Reihe GALAXIS SCIENCE FICTION aus dem Apex-Verlag, in der SF-Pulp-Klassiker als durchgesehene Neuausgaben wiederveröffentlicht werden.
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Erstes Kapitel
Lange bevor sie sie sahen, erfassten ihre Instrumente die gewaltige Silhouette. Das war zu erwarten gewesen. Was Carlsen verwunderte, war, dass, als sie nur noch tausend Meilen entfernt waren und die Bremsraketen ihre Geschwindigkeit auf siebenhundert Meilen pro Stunde reduziert hatten, sie noch immer nicht zu erkennen war. Dann sah sie Craigie durch das Kristallglas des Beobachtungsfensters als Schattenriss gegen die Sterne. Die anderen verließen ihre Plätze, um sie zu betrachten. Dabrowsky, der Chefingenieur, sagte: »Noch ein Asteroid. Wie sollen wir ihn diesmal nennen?« Mit zusammengekniffenen Augen - das grelle Sternenlicht blendete ihn - schaute Carlsen aus dem Beobachtungsfenster. Als er den Analysator betätigte, liefen symmetrische, grüne Linien über den Kontrollschirm; durch die Schnelligkeit ihrer Annäherung waren sie nach oben hin verzerrt. »Das ist kein Asteroid. Er besteht durch und durch aus Metall.« Dabrowsky kam zur Kontrolltafel zurück und starrte auf den Schirm. »Was könnte es dann sein?« Das Summen der Atommotoren war bei dieser Geschwindigkeit kaum lauter als das einer elektrischen Uhr. Sie gingen zurück an ihre Plätze und beobachteten, wie das größer werdende Objekt immer mehr Sterne verdeckte. Während des vergangenen Monats hatten sie neun neue Asteroiden untersucht und in die Sternkarten eingetragen; nun sagte ihnen der Instinkt des erfahrenen Weltraumfahrers, dass sie es hier mit etwas anderem zu tun hatten. Bei zweihundert Meilen Distanz war die Silhouette klar genug erkennbar, um alle Zweifel zu beseitigen. »Es ist ein Raumschiff«, bekannte Craigie. »Aber um Himmels willen, wie groß ist es denn?« Im leeren All, wo es keine Bezugspunkte gibt, konnten Entfernungen trügerisch sein. Carlsen drückte die Computertasten nieder. Dabrowsky, der ihm über die Schulter sah, meinte ungläubig: »Fünfzig Meilen?« »Das ist unmöglich«, erklärte Craigie. Dabrowsky schlug heftig auf die Tasten und starrte das Resultat an. »Neunundvierzig Komma sechs vier Meilen. Fast achtzig Kilometer.« Das schwarze Objekt füllte das Sichtfenster jetzt aus. Dennoch waren selbst auf diese Entfernung keine Einzelheiten zu erkennen. Lieutenant Ives sagte: »Es ist nur ein Vorschlag, Sir - aber wäre es nicht besser zu warten, bis wir Antwort auf unseren Funkspruch zur Basis erhalten?« »Das würde noch einmal vierzig Minuten dauern.« Die Basis war der Mond, zweihundert Millionen Meilen entfernt. Ein Funkspruch, der sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegte, würde dreiundzwanzig Minuten brauchen, um dort anzulangen, und eine Antwort noch einmal dreiundzwanzig Minuten. »Ich würde gern näher herangehen.« Die Motoren schwiegen nun. Sie trieben mit fünfzig Meilen pro Stunde auf das Raumfahrzeug zu. Carlsen schaltete die gesamte Innenbeleuchtung aus. Allmählich gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit, und sie sahen die grauschwarzen Metallwände, die das Sonnenlicht aufzusaugen schienen. Als sie noch ein paar hundert Meter entfernt waren, stoppte Carlsen die Hermes. Die sieben Männer drängten sich um das Sichtfenster. Durch das dicke Kristallglas, das so durchscheinend wie klares Wasser war, konnten sie die Seitenwand des Schiffes sehen. So weit das Auge reichte, ragte sie wie ein eiserner Felshang über ihnen auf. Nach unten zu schien sich die Wand bis in den gähnenden Abgrund des Alls fortzusetzen. Sie waren alle an Schwerelosigkeit gewöhnt, doch diesmal brachte sie der Blick nach unten aus dem Gleichgewicht. Ein paar traten unwillkürlich vom Fenster zurück. Auf diese Entfernung war eindeutig zu erkennen, dass das Schiff ein Wrack war. Hundert Meter weiter rechts war ein drei Meter großes Loch in die Schiffsplatten geschlagen worden. Der Suchscheinwerfer zeigte, dass das Metall sechs Zoll stark war. Als der Lichtstrahl langsam über die Schiffswände wanderte, konnten sie weitere tiefe Beulen und kleinere Meteoreinschlagslöcher sehen. Steinberg, der Navigator, meinte: »Es sieht aus, als hätte es einen Krieg mitgemacht.« »Möglich. Aber ich glaube, die Schäden rühren größtenteils von Meteoren her.« »Dann muss es aber ein regelrechter Sturm gewesen sein.« Sie betrachteten das Schiff schweigend. Carlsen sagte: »Entweder das, oder es befindet sich schon sehr lange Zeit hier.« Niemand musste fragen, was er meinte. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Raumschiff von einem Meteor getroffen wird, ist etwa ebenso groß wie die Gefahr, dass ein Schiff im Atlantik ein treibendes Wrack rammt. Um diesen Schiffsrumpf so übel zuzurichten, wären Tausende von Jahren erforderlich gewesen. Craigie, der schottische Funker, bemerkte: »Mir gefällt das Ding nicht. Es hat etwas Verruchtes an sich.« Den anderen erging es offenbar ebenso. Carlsen sagte fast gleichgültig: »Es könnte die größte wissenschaftliche Entdeckung des einundzwanzigsten Jahrhunderts sein.« In der Aufregung und Anspannung der letzten Stunde war keinem dieser Gedanke gekommen. Mit dem telepathischen Gespür, das sich zwischen Menschen im All zu entwickeln scheint, erfassten nun alle, was in Carlsens Kopf vor sich ging. Dieses Ereignis konnte sie berühmter machen als die ersten Menschen, die auf dem Mond gelandet waren. Sie hatten ein Raumschiff entdeckt, das eindeutig nicht von der Erde stammte. Damit stand außer Frage, dass es intelligentes Leben in anderen Sternsystemen gab. Das Geräusch vom Funkgerät ließ sie auffahren. Es war die Antwort von der Mondbasis. Die Stimme gehörte Dan Zelensky, dem Kommandanten. Offenbar hatte ihre Nachricht schon Furore gemacht. Zelensky sagte: »Okay. Umsichtig Vorgehen und Radioaktivitäts- und Weltraumvirentests machen. Sobald wie möglich Bericht erstatten.« In der herrschenden Stille konnten alle die Worte hören. Ebenso hörten sie Craigies Antwort, die Carlsen diktierte. Craigies Stimme klang brüchig vor Erregung. »Hier ist ein eindeutig fremdes Raumfahrzeug, fast fünfzig Meilen lang und fünfundzwanzig hoch. Es sieht aus wie ein riesiges, am Himmel schwebendes Schloss. Es ist unwahrscheinlich, dass Leben an Bord ist. Vermutlich befindet es sich mindestens schon ein paar hundert Jahre hier. Wir bitten um Erlaubnis, es untersuchen zu dürfen.« Die Botschaft wurde in einminütigen Intervallen ein halbes dutzendmal wiederholt; selbst wenn die meisten von statischen Störgeräuschen des Weltalls unverständlich gemacht wurden, würde eine wahrscheinlich durchkommen. Während der Stunde, in der sie auf Antwort warteten, stieß die Hermes sanft gegen das unbekannte Schiff. Sie aßen Büchsenrindfleisch, das sie mit schottischem Whisky hinunterspülten; die Aufregung hatte sie hungrig gemacht. Wieder meldete sich Zelensky persönlich, und auch seiner Stimme war die Erregung anzumerken. »Bitte ergreift alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen. Und für den Fall, dass eine Gefahr droht, bereitet euch auf sofortige Rückkehr zur Mondbasis vor. Wir empfehlen euch, keinen Versuch zu machen, an Bord zu gehen, bevor ihr euch nicht ausgeschlafen habt. Ich habe mich mit John Skeat von Mount Palomar unterhalten, und er gesteht, dass ihn die Sache verblüfft. Wenn dieses Ding fünfzig Meilen misst, hätte man es schon vor zweihundert Jahren entdecken müssen. Langzeitbelichtungsaufnahmen zeigen in diesem Teil des Himmels nichts von so einem Körper. Bevor ihr also an Bord geht, bitte alle möglichen Tests durchführen.« Obwohl die Botschaft ihnen nichts sagte, was sie sich nicht selbst schon wussten, lauschten sie ihr aufmerksam und spielten sie noch mehrmals ab. Das Leben im Weltall ist einsam und langweilig; nun plötzlich, so spürten sie, standen sie im Mittelpunkt des Universums. Auf der Erde würden ihre Nachrichten jetzt auf allen Fernsehkanälen übertragen werden. Vor zwei Stunden hatten sie begonnen, Geschichte zu machen. In London war es jetzt sieben Uhr abends. Die Männer der Hermes lebten nach Greenwicher Zeit; auf diese Weise hielten sie eine Art Kontakt aufrecht. Es war bereits abzusehen, dass die allgemeine Erregung ihren Höhepunkt überschritten hatte und die Spannung im Verlauf des Abends weiter abflauen würde. Carlsen gab Whisky aus, jedoch nicht so viel, um die Männer betrunken zu machen; er wollte das Wrack nicht mit einer verkaterten Mannschaft betreten. Zusammen mit Giles Farmer, dem Schiffsarzt, manövrierte Carlsen die Hermes so, dass ihr Notausstieg gegenüber dem drei Meter großen Meteoreinschlagsloch zu liegen kam. Ferngesteuerte Roboter entnahmen Proben kosmischen Staubs aus dem Innern des Wracks. Die Weltraumvirentests verliefen negativ. (Seit dem Desaster der Ganymede 2113 waren sich Raumfahrer der Gefahren, die sie vielleicht mit auf die Erde einschleppten, nur zu bewusst.) Leichte Radioaktivität wurde gemessen, keine größere jedoch, als von kosmischem Staub, der den periodischen Ausbrüchen tödlicher Strahlung solarer Stürme ausgesetzt war, zu erwarten gewesen wäre. Von Robots aufgenommene Blitzlichtaufnahmen zeigten einen riesengroßen Raum, dessen Abmessungen schwer abzuschätzen waren. In seinem letzten Tagesbericht, bevor er sich schlafen legte, erwähnte Carlsen, er glaube, das Schiff müsse von Riesen gebaut worden sein. Es war eine Bemerkung, die er später einmal bedauern sollte. Allen fiel das Einschlafen schwer. Carlsen lag noch wach und fragte sich, wie sein restliches Leben wohl aussehen würde. Er war fünfundvierzig, norwegischer Abstammung und mit einer hübschen Blondine aus Älesund verheiratet. Verständlicherweise hatte sie nichts für diese sechsmonatigen Forschungsexpeditionen übrig. Nun sah es so aus, als könnte aus seiner Rückkehr zur Erde vielleicht...




