E-Book, Deutsch, Band 142021, 144 Seiten
Reihe: Julia
Wilson Heimliche Liebe auf der Insel des Glücks
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7337-1887-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 142021, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-1887-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Weil er für seine Praxis auf der kleinen schottischen Insel dringend neues Equipment benötigt, willigt Dr. Rory Gillespie widerstrebend ein, in einer Realityshow mitzuwirken. Schon bei der ersten Begegnung mit der temperamentvollen Fernsehmoderatorin Kristie sprühen zwischen ihnen die Funken. Aber ein Arzt aus den Highlands und ein erfolgreiches Glamour-Girl aus Hollywood? Das kann nicht funktionieren, ist Rory überzeugt. Er weiß, dass Kristie schon bald in die USA zurückkehren wird! Wenn er nicht aufpasst, mit seinem Herzen im Gepäck ...
Scarlet Wilson hat sich mit dem Schreiben einen Kindheitstraum erfüllt, ihre erste Geschichte schrieb sie, als sie acht Jahre alt war. Ihre Familie erinnert sich noch immer gerne an diese erste Erzählung, die sich um die Hauptfigur Shirley, ein magisches Portemonnaie und eine Mäusearmee drehte - der Name jeder Maus begann mit dem Buchstaben 'M'. Heute kann Scarlet neben den Kindheitserinnerungen auf über 27 Jahre Berufserfahrung im Gesundheitswesen zurückblicken: Sie hat zum Beispiel als Krankenschwester und Gesundheitsbeauftragte gearbeitet. Ihr angeeignetes medizinisches Wissen nutzt sie jetzt für ihre romantischen Arztromane! Sie vermag es, ihre Figuren individuell anzulegen und durch viele persönliche Details zum Leben zu erwecken, nicht bloß in den Arztromanen, sondern auch in all ihren anderen, vielseitigen Geschichten! Mit ihrem Verlobten und ihren zwei Söhnen lebt sie glücklich an der Westküste Schottlands.
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1. KAPITEL
Mai
So viel Brechreiz konnte nicht normal sein. Vielleicht hatte sie auf dem Flug zwischen Los Angeles und London etwas Falsches gegessen? Das Hühnchen hatte okay ausgesehen. Aber dann hatte sie am Flughafen Heathrow vor dem Abflug nach Glasgow einen riesigen Brownie verputzt.
Sie stöhnte, als sich ihr wieder der Magen umdrehte und der Wellengang sie aus dem Gleichgewicht brachte. Dabei waren sie schon im Begriff, im Hafen von Brodick auf Arran anzulegen.
„War wohl Ihre erste Überfahrt, was?“, fragte eine Frau mitleidig, als sie zur Gangway gingen.
Kristie konnte nicht einmal antworten.
Gerry gab ihr einen kleinen Schubs. „Los, sie haben schon zweimal eine Durchsage gemacht, dass die Fahrer zu ihren Autos gehen sollen. Soll ich lieber fahren?“
Sie schüttelte den Kopf und trank einen Schluck Wasser aus der Flasche, die er ihr gekauft hatte. Armer Gerry! Er hatte die halbe Fährüberfahrt damit verbracht, ihr die Haare aus dem Gesicht zu halten, während sie sich übergab. Er war mehr als doppelt so alt wie sie, schien aber die Reise weit besser überstanden zu haben.
Sie lächelte verzagt. „Das nächste Mal, wenn wir zusammen fliegen, nehme ich, was du genommen hast.“ Er hatte, sobald sie in Los Angeles in den Flieger gestiegen waren, irgendeine Tablette eingeworfen und dann fest geschlafen, bis die Räder auf dem Flughafen Heathrow aufgesetzt hatten.
Er lächelte. „Was soll ich sagen? Jahrelange Erfahrung.“
Er ging vor ihr die Stufen hinunter zum Autodeck. Der Bug der Fähre war bereits offen. Kristie ignorierte die giftigen Blicke der Wartenden, während sie sich einen Weg zum Mietwagen bahnte und sich hineinzwängte.
Die Autos vor ihnen waren bereits losgefahren, als Kristie den ihr fremden Wagen anließ.
Sie zuckte zusammen, als hinter ihr gehupt wurde, und fluchte leise, als sie den Motor abwürgte. „Warum ist hier alles auf der falschen Seite?“
Gerry lachte leise. „Achte auf den Kreisverkehr.“
Sie biss sich auf die Lippe, während sie erneut den Motor anließ. Der Kreisverkehr am Flughafen Glasgow war der reinste Horror gewesen.
„Wo lang?“, fragte sie, als sie endlich von der Fähre rollten und der Autoschlange folgten, die sich zur Straßenkreuzung in Bewegung setzte.
„Links“, sagte Gerry schnell. „Die Praxis und das Krankenhaus befinden sich in einem Ort namens Lamlash, nur ein paar Meilen die Straße hoch.“ Als sie in die Hauptstraße bogen, sah sie, dass Gerry sich in seinem Sitz zurücklehnte. Die Sonne stand schon tief am Himmel. Auf der einen Seite sahen sie viel Grün, auf der anderen das Meer.
„Ich glaube, mir wird es hier gefallen“, sagte er lächelnd.
Kristie blinzelte. Je weiter sie sich vom Fährterminal entfernten, desto ruhiger wurde es. Entlang der Hauptstraße reihten sich ein paar Läden, Pubs und Hotels, aber nach einer Weile ging es auf eine kurvige Küstenstraße.
„Ich habe noch nie so viel Grün gesehen“, sagte Kristie, bemüht, sich von der Landschaft nicht ablenken zu lassen.
Gerry lachte. „Du kommst nicht oft genug raus aus Los Angeles. Zu viel trockene Luft.“
Ein paar Regentropfen fielen auf die Windschutzscheibe. Kristie runzelte die Stirn und versuchte herauszufinden, wo der Hebel für den Scheibenwischer war. Dabei geriet der Wagen in die Mitte der Fahrbahn.
„Achtung!“, rief Gerry, als ihnen ein Auto entgegenkam.
Erschrocken riss sie das Lenkrad herum und fluchte laut.
Gerry schüttelte den Kopf. „Mehrspurige Straßen gibt’s hier nicht. Merk dir das, Kristie. Wir sind auf dem Land.“
Sie kniff die Lippen zusammen und umklammerte das Lenkrad fester, als sich der Regen innerhalb von Sekunden in einen Wolkenbruch verwandelte. Sie lehnte sich nach vorn und versuchte nach oben zu sehen. „Was ist das denn? Vor fünf Minuten schien noch die Sonne.“
Sie wusste, dass sie sich gereizt anhörte. Aber sie war durch den Jetlag todmüde. Sie wollte einen anständigen Kaffee und Zimmerservice. Sie wusste nicht mal mehr, in welcher Zeitzone sie sich befand.
Sie fuhren an einem Schild vorbei. „Was stand da?“, blaffte sie.
„Nach links“, sagte Gerry ruhig.
Sie blinkte und fuhr auf den Parkplatz. Rechts vom Meer stand ein weißes Gebäude. Der Regen prasselte auf die Windschutzscheibe, und die Bäume am Rand des Parkplatzes bogen sich im starken Wind.
Gerry lachte laut, als er ihren entsetzten Gesichtsausdruck sah. „Willkommen in Schottland, Kristie!“
„Sag mir, dass das ein Witz ist.“ Rory blickte zu seiner hochschwangeren Kollegin Magda hinüber, die ihre Beine hochgelegt hatte und sich den kugelrunden Bauch rieb.
Sie seufzte. „Ich habe den Vertrag schon vor zehn Monaten unterschrieben. Bevor ich von der Schwangerschaft wusste.“
„Du hast einen Vertrag unterschrieben, dass in unserer Praxis gefilmt werden darf, ohne das mit mir zu besprechen?“
Sie warf ihm einen bedauernden Blick zu. „Ich habe es mit dir besprochen“, stellte sie klar, lehnte sich zu ihrem Laptop vor und scrollte durch ihre Mails. „Da.“ Sie zeigte auf den Bildschirm. „Oder vielleicht nicht besprochen, aber ich habe dir die E-Mails und Verträge weitergeleitet. Seitdem ist so viel passiert …“
Er wusste, was sie meinte. Im letzten Jahr hatte er nach dem Tod seines Vaters dessen Hausarztpraxis übernommen, in der er vorher nur vertretungsweise ausgeholfen hatte. Der alte Doc war, nachdem man bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt hatte, innerhalb weniger Wochen gestorben. Weil sich für solch einen abgelegenen Ort auf dem Lande so leicht kein Nachfolger fand, hatte Rory die letzten zehn Monate damit verbracht, seine eigene Praxis auf dem schottischen Festland aufzugeben, sein Haus zu verkaufen, den Haushalt seines Vaters aufzulösen und sich an sein neues Leben zu gewöhnen. Kein Wunder, dass ihm diese wichtige Information entgangen war.
Er fuhr sich mit der Hand durchs dichte Haar. „Aber was zum Teufel bedeutet das genau?“
Magda hob entschuldigend die Arme. „Es tut mir leid. Ich wollte letzte Woche mit dir darüber sprechen, als ich ihnen deine Details geschickt habe, aber ich hatte andere Sorgen und bin einfach nicht dazu gekommen.“
Rory schluckte und blickte auf Magdas leicht geschwollene Fußgelenke. Nach sieben Jahren vergeblicher Bemühungen war sie endlich schwanger geworden. Letzte Woche war sie gestürzt und hatte etwas geblutet. Das gesamte Praxisteam war in heller Aufregung gewesen. Er konnte seine Kollegin auf keinen Fall weiterem Stress aussetzen.
Er seufzte und setzte sich auf den Stuhl ihr gegenüber. „Erzähl mir noch mal davon.“
„Es ist eine Fernsehserie. Ein Jahr im Leben eines … Hier geht es natürlich um einen Arzt. Es ist eine amerikanische Produktionsfirma. Sie wollten unbedingt einen Arzt aus Schottland, der auf einer der Inseln tätig ist.“
„Ich wusste gar nicht, dass du ein Reality-TV-Star werden wolltest.“ Er war überrascht, denn es schien gar nicht zu Magda zu passen.
Sie lachte und schüttelte den Kopf. „Reality-Fernsehen? Nie im Leben. Was ich wollte und was wir bekommen …“, sie machte eine spannungsvolle Pause, „… ist ein nagelneues Röntgengerät für die Klinik inklusive Wartungsvertrag.“
„Was?“ Er richtete sich im Stuhl auf.
Sie nickte. „Das ist der Deal.“
Rory runzelte die Stirn. Wie konnte er das verpasst haben? Das Röntgengerät in ihrer kleinen Klinik war alt und überbeansprucht. Sie hatten schon mehrfach vergebens ein neues Gerät beantragt. Solange das alte noch funktionierte – wenn auch unzuverlässig –, würde es wohl nicht ersetzt werden. Mit einem neuen Gerät würden sie weniger Patienten für eventuelle Operationen aufs Festland schicken müssen. Er sah Magda bewundernd an. „Das ist der Grund, weshalb du dich beworben hast?“
Sie grinste und streichelte wieder ihren Bauch. „Gib, so wird dir gegeben. Du weißt, wie ich unscharfe Röntgenbilder hasse. Denk nur mal an all die Fährfahrten, die durch ein neues Gerät überflüssig werden.“
Er nickte. Für ihre Insel mit fünftausend Einwohnern mochten sie gerade ausreichend ausgestattet sein, aber in den Sommermonaten stieg die Einwohnerzahl durch die vielen Urlauber auf mehr als das Vierfache an. Wenn Leute stolperten, ausrutschten oder stürzten, war ein Röntgengerät von unschätzbarem Wert. „Magda, du bist ein Schatz“, sagte er kopfschüttelnd.
„Warte lieber, bis ich dir den Rest erzählt habe.“
„Schieß los!“, meinte er, während er aufstand und sich streckte.
„Sie drehen jeden Monat drei Tage. Du musst nichts Besonderes machen. Sie begleiten dich einfach bei deiner Arbeit. Sie kümmern sich auch um die Einverständniserklärungen der Patienten. Du brauchst nur du selbst zu sein.“
„Drei Tage jeden Monat?“
Sie nickte. „Das ist alles.“
Er kniff die Lippen zusammen. Es klang nicht nach „Das ist alles“ für ihn. Es klang nach drei Tagen, an denen ihm jemand hinterherrennen und ihn ständig mit Fragen nerven würde. Es klang nach drei Tagen, an denen er jedem einzelnen Patienten würde erklären müssen, dass sie gefilmt würden. Mit seinen zügigen Visiten im Krankenhaus, wo er die Krankengeschichte der meisten Patienten kannte, ohne in ihre Akten zu gucken, dürfte es vorbei sein.
„Drei Tage?“ Er konnte seinen Ärger nur schwer unterdrücken. Er war immer sehr auf seine Privatsphäre bedacht. Magda...




