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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Wilson In den Armen des besten Freundes
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-3608-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
ISBN: 978-3-7515-3608-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nach dem Tod seiner Eltern soll Duc deren Klinik für Bedürftige in Vietnam übernehmen. Dabei wollte er doch Karriere als Chirurg machen! Einziger Lichtblick ist seine beste Freundin Viv, die ihn begleitet. Aber woher kommt auf einmal dieses Knistern zwischen ihnen?
Scarlet Wilson hat sich mit dem Schreiben einen Kindheitstraum erfüllt, ihre erste Geschichte schrieb sie, als sie acht Jahre alt war. Ihre Familie erinnert sich noch immer gerne an diese erste Erzählung, die sich um die Hauptfigur Shirley, ein magisches Portemonnaie und eine Mäusearmee drehte - der Name jeder Maus begann mit dem Buchstaben 'M'. Heute kann Scarlet neben den Kindheitserinnerungen auf über 27 Jahre Berufserfahrung im Gesundheitswesen zurückblicken: Sie hat zum Beispiel als Krankenschwester und Gesundheitsbeauftragte gearbeitet. Ihr angeeignetes medizinisches Wissen nutzt sie jetzt für ihre romantischen Arztromane! Sie vermag es, ihre Figuren individuell anzulegen und durch viele persönliche Details zum Leben zu erwecken, nicht bloß in den Arztromanen, sondern auch in all ihren anderen, vielseitigen Geschichten! Mit ihrem Verlobten und ihren zwei Söhnen lebt sie glücklich an der Westküste Schottlands.
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5. KAPITEL
Vivienne hatte sich bereit erklärt, ihn zum Anwalt zu begleiten. Sie trug eine blassgrüne langärmelige Bluse, einen dunklen Rock und hochhackige Pumps – ein Outfit, in dem er sie nur selten sah. Als sie aus dem Wagen stieg und ihre langen roten Locken dabei wippten, wandten viele Passanten die Köpfe. Mit jedem Schritt lenkte sie die Aufmerksamkeit auf ihre schmale Taille, ihre schwingenden Hüften und ihre Brüste.
Duc ging langsamer und verdrängte diese Gedanken. Es lag nur an der Aufregung. Normalerweise sah er Vivienne mit anderen Augen.
Als sie zu ihm kam und ihn am Arm berührte, stieg ihm der Duft ihres Orangenblütenshampoos in die Nase. „Ist das in Ordnung für dich?“, erkundigte sie sich besorgt.
Duc atmete tief durch. „Ich habe ja keine andere Wahl. Meine Eltern und ich … hatten nur nie die Gelegenheit, über derartige Dinge zu sprechen.“ Regungslos stand er da. Die schwüle Luft war heute besonders drückend.
Lächelnd hakte Vivienne den kleinen Finger der rechten Hand in seinen. „Freunde fürs Leben“, flüsterte sie.
Ihre Worte bestärkten ihn. „Freunde fürs Leben“, wiederholte er, bevor er sie die Stufen hinauf in die Kanzlei führte.
Der Anwalt erwartete sie bereits. „Es freut mich, Sie kennenzulernen, Dr. Nguyen. Es tut mir nur leid, dass es unter solch traurigen Umständen ist. Ich habe Ihre Eltern lange gekannt. Mein Name ist Henry Quang.“ Er hatte einen leichten amerikanischen Akzent.
„Haben Sie immer hier in Hanoi gearbeitet?“, fragte Duc.
Henry Quang schüttelte den Kopf. „Ich habe auch Kanzleien in Washington und New York.“ Dann deutete er auf die Stühle vor seinem Schreibtisch. „Bitte setzen Sie sich.“
Ducs Magen krampfte sich zusammen. Das hier erschien ihm alles so endgültig. In der letzten Woche hatte er fast die ganze Zeit wie in einer großen Blase gelebt und damit gerechnet, dass seine Eltern jeden Moment durch die Tür kommen würden. Hier in der Kanzlei wurde ihm nun bewusst, dass er sich mit den Tatsachen abfinden musste.
„Sie sollten vielleicht wissen, dass meine Eltern und ich nie wirklich Gelegenheit hatten, über ihre … Pläne zu sprechen.“
Der Anwalt nickte ernst. „Das ist nicht ungewöhnlich. In gewisser Weise haben Sie Glück.“ Als ihm klar wurde, was er gesagt hatte, schüttelte er schnell den Kopf und hob die Hand. „Damit wollte ich nur sagen, dass Ihre Eltern alles geregelt haben, weil sie die Verantwortung für drei Krankenhäuser getragen haben.“
Duc atmete ein wenig auf. Vielleicht hatte er sich umsonst Sorgen gemacht. „Okay.“
Vivienne lächelte ihn leicht gezwungen an. Vielleicht war er als Einziger im Raum nervös.
Der Anwalt breitete vor Duc einige Unterlagen auf seinem Schreibtisch aus. „Es gibt mehrere Immobilien. Die drei Bungalows auf dem Gelände des May Man, das Krankenhaus selbst. Das zweite Krankenhaus in Trà Bong und das dritte in Uong Bi. Außerdem haben Ihre Eltern mehrere andere Immobilien besessen. Ein Apartment in der Nähe des May Man, ein kleines Haus in Südfrankreich und ein Apartment in Canary Wharf in London.“
Duc nickte. Darüber wusste er Bescheid.
„Natürlich gehen all diese Immobilien in Ihr Eigentum über, Dr. Nguyen.“
Duc wirkte überrascht. „Alle?“
„Ja, als Khiems und Hoas Sohn und Erbe sind Sie der Einzige, der in ihrem Testament bedacht ist.“
Duc schluckte. „Aber was ist mit der Leitung der Krankenhäuser? Dafür müssen sie doch irgendwelche Vorkehrungen getroffen haben.“
Henry Quang nickte angespannt, bevor er einen Ordner unter seinem Schreibtisch hervorzog. „Ja, sie haben zahlreiche Anweisungen gegeben. Sie betreffen in erster Linie praktische Angelegenheiten wie Lieferungen, Vorräte, Konten, Gehaltszahlungen.“ Mitfühlend lächelte er. „Es ist alles ziemlich kompliziert.“
Bemüht, das Rauschen in seinen Ohren auszublenden, beugte Duc sich vor. „Aber ich dachte …“, er fuhr sich durchs Haar. „… sie hätten langfristige Vorkehrungen für die Krankenhäuser getroffen. Ich dachte an ein Gremium oder eine Aufsichtskommission.“
Der Anwalt schüttelte den Kopf. „Vielleicht hatten sie gehofft, Sie würden es sich anders überlegen? Oder, wie Sie sagten, sie hatten so etwas nicht vorhergesehen und angenommen, sie hätten genug Zeit, um entsprechende Vorkehrungen zu treffen.“
Beinah unverfroren sah er Duc an. „Als ich sagte, Ihre Eltern hätten alles geregelt, meinte ich, dass Sie überhaupt ein Testament abgefasst haben.“ Dann hielt er den Ordner hoch. „Hierin finden Sie fast alle nötigen Informationen, die sie für die Leitung der Krankenhäuser benötigen.“ Er lehnte sich zurück, die Hände auf dem Schreibtisch. „Die Abwicklung, die Überschreibung der Rechte und so weiter wird einige Zeit in Anspruch nehmen, wahrscheinlich mindestens sechs Monate. Bis dahin werden Sie keine grundlegenden Veränderungen vornehmen oder …“, demonstrativ zog er die Brauen hoch, „… Verkäufe tätigen dürfen.“
Ein Schauder lief Duc über den Rücken. Das konnte alles nicht wahr sein. „Und was ist mit Personalfragen? Ich habe keinen Gynäkologen. Wenn ich nicht über die entsprechenden Rechte verfüge, kann ich vermutlich keine Stellenanzeigen schalten, oder? Und was ist mit den Konten und Gehaltszahlungen? Sollen die Angestellten etwa ohne Bezüge arbeiten?“
Lächelnd schüttelte der Anwalt den Kopf, während er einige Unterlagen zusammenschob. „Nein, natürlich nicht. Es gibt gesetzliche Regelungen für derartige Situationen. Ihre Eltern hatten eine Übereinkunft mit der Regierung getroffen, in strukturschwachen Gegenden die medizinische Versorgung zu gewährleisten. Das erlaubt etwas …“, er verzog das Gesicht, „… Flexibilität.“
Das Atmen fiel Duc schwer. „Das ergibt Sinn“, murmelte er.
Nun förderte der Mann weitere Unterlagen zutage. „Sie können Mitarbeiter einstellen, um die medizinische Versorgung weiterhin zu gewährleisten.“
Duc schüttelte den Kopf und wartete, ob der Anwalt noch etwas sagte, was allerdings nicht geschah. „Ich soll also sechs Monate warten, bis alles geregelt ist? Ich kann hier nicht bleiben. Ich habe in dem Lehrkrankenhaus, in dem ich in Philadelphia im Rahmen eines Programms tätig war, alles liegen und stehen lassen. Wenn ich nicht zurückkehre, werde ich wahrscheinlich nie wieder in irgendein Programm kommen.“ Panik stieg in ihm auf.
Der Anwalt wirkte perplex. „Ich denke, man wird Verständnis für Sie haben, wenn Sie sagen, was passiert ist. Und es wird noch andere Programme geben.“
„Sie klingen wie ein typischer Anwalt, der keine Ahnung hat, wie hart der Konkurrenzkampf im Krankenhaus unter Ärzten ist“, konterte Duc scharf.
Henry Quang ignorierte seine Bemerkung und schob ihm einige Unterlagen sowie einen Stift zu. „Ich brauche einige Unterschriften von Ihnen.“
Duc verspannte sich und wurde wütend. Im nächsten Moment spürte er eine Hand auf dem Knie. Als er sich zu Vivienne umwandte, sah er, wie angespannt sie wirkte. Offenbar kostete es sie große Mühe, sich zu beherrschen. „Was ist, wenn ich mich weigere?“
Unmerklich zog der Anwalt die Brauen hoch. „Dann bekommen Ihre Mitarbeiter kein Gehalt. Das Krankenhaus erhält keine Lieferungen mehr, und die Konten werden eingefroren.“
Duc riss ihm den Stift aus der Hand, um drei Dokumente zu unterzeichnen. Es war furchtbar stickig im Büro. Er musste unbedingt an die frische Luft. Ohne sich zu verabschieden, verließ er den Raum und eilte die Treppe hinunter, wobei er Viviennes Schritte hinter sich hörte. Doch als er in das helle Sonnenlicht trat, merkte er sofort, dass es hier draußen genauso heiß war wie im Büro.
„Duc!“, rief Vivienne hinter ihm, während sie ihm die Hand auf den Arm legte. „Was war da drinnen gerade los?“ Ihr Haar begann sich in der feuchten Luft zu kräuseln. Sie presste die Lippen zusammen.
„Ich habe gerade meine Karriere begraben“, erwiderte er, während er sich umblickte. „Komm mit.“ Dann nahm er ihre Hand und führte Vivienne über die Straße zu der Filiale einer bekannten Coffeeshopkette. Die klimatisierte Luft drinnen tat unglaublich gut. Nachdem sie Kaffee und Kuchen geholt hatten, setzten sie sich in eine Nische in der Ecke.
Duc nahm seine Krawatte ab und öffnete den obersten Hemdknopf. Auch Vivienne öffnete den obersten Knopf ihrer Bluse. Prompt fiel sein Blick auf ihre schmale Goldkette.
Ohne nachzudenken, berührte Duc den zarten Schmetterlingsanhänger mit den winzigen blauen Turmalinen. „Die trägst du immer noch?“
Vivienne berührte ebenfalls den Anhänger. „Natürlich“, bestätigte sie scharf.
Er hatte ihr die Kette vor einigen Jahren zum Geburtstag geschenkt. Er hatte sie zufällig in einer Shoppingmall in Chicago entdeckt und spontan gekauft, weil die Turmaline ihn an ihre blauen Augen erinnerten. Noch am selben Tag hatte er sie ihr geschickt. Im Vorjahr hatte Vivienne scherzhaft bemerkt, dass ihr noch nie ein Mann Schmuck geschenkt hätte. Und bis zu diesem Moment hatte er das völlig vergessen.
Lächelnd ließ Duc die Hand sinken. „Du hattest mir erzählt, dass dir noch nie ein Mann Schmuck geschenkt hat.“
Einige Sekunden lang blickte Vivienne ihn starr an. Vermutlich nahm sie genauso wie er wahr, wie...




