E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
Wilson JULIE - DIE GÖTTLICHE
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95446-770-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-95446-770-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Paris 1815: Man nennt sie die 'Göttliche Julie', und alle Männerherzen schlagen höher, wenn die bildschöne Julie de Valmé-Ashford in den Spielsalons die Karten austeilt. Doch dann kommt jeder schicksalhafte Abend, an dem sie fluchtartig den Spieltisch verlassen muss, um einer Gefangennahme durch die Schergen des Polizeichefs Fouché zu entkommen. Denn Julies Vater hat für England spioniert, unddarauf steht die Guillotine. Verwegen als Zigeunerjunge verkleidet, wird sie nach einem Diebstahl in letzter Sekunde von einem hochgewachsenen Engländer gerettet, der auf der Suche nach dem verschwundenen Duke of Avon nach Frankreich gereist ist. Auf wundersame Weise sind Julies und Devon Burkes Wege von Stund' an miteinander verknüpft. Stürmische Nächte voll sinnlicher Zärtlichkeiten und eine tiefe Vertrautheit verbindet die liebenden bald. Trotzdem kann Julie nicht an ein glückliches Ende, an ein Leben an Devons Seite glauben. Denn ihr Ruf als Göttin der Spielsalons und die Ächtung ihres Vaters wegen Falschspiels sind der englischen Gesellschaft wohlbekannt. Doch noch liegt die letzte Karte in dem Spiel um Liebe, Glückseligkeit oder Tod nicht offen...
Gayle Wilson hat zweimal den RITA® Award gewonnen. 2000 und 2004 in der Kategorie 'Romantic Suspense Novel'. Im Angesicht, dass sie zweimal den RITA® - Award gewonnen hatte, wurde sie für 50 andere Preise nominiert oder damit ausgezeichnet. Gayle Wilson hat einen Master - Abschluss in Lehramt. Sie arbeitet als Geschichts- und Englischlehrerin. Sie liebt jede Minute, die sie im Klassenzimmer verbringen kann. Sie hat 41 Romane und Novellen bei Harlequin Enterprises veröffentlicht.
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PROLOG
Paris, Januar 1815
„Ihre Einsätze bitte, Gentlemen.“
Ihre Stimme klang melodisch, als sie zu den Spielern sprach, die sich erwartungsvoll um den Tisch geschart hatten. Juliette de Valmé hielt ihre schlanken Finger mit den schockierend lackierten Nägeln einen Moment über den Stapel Pharokarten, um den Männern Zeit zu lassen, ihre Wettbeträge auf den Tisch zu legen.
„Können Sie uns eine Erklärung für dieses Phänomen liefern, meine Liebe? Weshalb kommen wir jeden Abend hier zusammen, um unser Geld an eine Frau mit solch einem erstaunlichen Glück zu verlieren?“, bemerkte ein Stammgast.
„Vielleicht sollten Sie Ihre Einsätze klüger platzieren, dann brauchten Sie Juliette nicht mit so dummen Fragen zu belästigen“, antwortete ein anderer lachend. „Ich kann mir niemand vorstellen, gegen den ich lieber verlieren würde. Mein Herz und mein Geld gehören Ihnen“, schloss er und verbeugte sich höflich in Richtung der hübschen Bankhalterin.
„Ich glaube, Sie haben recht“, meinte sie ironisch und deutete mit einer graziösen Handbewegung auf das Kartenpaar, das sie gerade vom Stapel genommen hatte. Die Spieler am Tisch lachten über ihre Bemerkung und ihr anhaltendes Glück.
„Offensichtlich sind wir alle in derselben misslichen Lage – nämlich so betört, dass wir unsere Verluste in der Hoffnung auf ein reizendes Lächeln, ein freundliches Wort und einen gelegentlichen Gewinn klaglos ertragen, wobei letzteres nicht ganz so wichtig ist“, meinte Baron du Deffand.
„Wie uncharmant, Deffand“, warf ein anderer junger Adeliger ein, der Abend für Abend um einen Platz an diesem besonderen Tisch kämpfte. „Ich persönlich habe kein Interesse daran, hier Geld zu gewinnen“, fuhr er, an Juliette gewandt, fort. „Es ist mir egal, wie viel Louisdor Sie mir aus der Tasche ziehen. Mir genügt es, wenn ich mich an Ihrem strahlenden Glanz weiden darf.“
Julie sah ihn unter halb gesenkten dichtbewimperten dunklen Augen an und meinte unbekümmert: „Die Frage ist nur, ob Sie mich morgen noch ebenso mögen werden, nachdem Sie Ihre Verluste zusammengerechnet haben.“
„Mein Herz gehört Ihnen bis in alle Ewigkeit“, erklärte der Mann und legte die Hand auf die Brust, um seine Ernsthaftigkeit zu unterstreichen.
„Dann kann ich nur hoffen, dass Ihre Bankiers ebenso ehrlich und Ihre Konten ebenso unerschöpflich sind wie Ihre Hingabe, mein lieber Graf“, erwiderte sie und zog seinen Einsatz geschickt heran. Lautes Gelächter auf Kosten des Adeligen erscholl, und ein äußerst eifersüchtiger Spieler, der zu seinem Bedauern an einem anderen Tisch hatte Platz nehmen müssen, bewunderte nicht nur das Glück, die Schönheit, sondern auch Juliettes Schlagfertigkeit.
Das Flackern der österreichischen Kandelaber und der Lärm der Menge, die sich in diesem eleganten Kasino im Pariser Marais-Viertel versammelt hatte, war Juliette de Valmé seit frühester Kindheit vertraut. Die meiste Zeit ihres Lebens hatte sie in dem einen oder anderen Spielsalon verbracht und verstand sehr gut, weshalb manche Menschen diese Räumlichkeiten als Hölle bezeichneten.
Eine aufgedeckte Karte oder eine Drehung des Rouletterads konnte das Seelenheil eines Menschen in arge Bedrängnis bringen. Sie hatte nicht selten Verlierer den Tisch verlassen sehen, wo die Mitstreiter begierig den Zusammenbruch seiner Hoffnungen beobachtet hatten. Nicht wenige hatten ihrem Leben irgendwo in einer schmalen Pariser Gasse ein Ende bereitet, nachdem ihnen die ganze Tragweite ihres Verlustes bewusst geworden war.
Zumindest wurde im Haus ihres Vaters nicht falsch gespielt. Natürlich standen die Chancen immer zugunsten des Kasinos. Aber es gab keine gezinkten Karten, und an den Rouletterädern war nicht herumgepfuscht worden. Ihr Vater legte Wert auf Ehrlichkeit, und sie hielt sich an seine Anweisung, seit sie zunehmend freie Hand in diesem Geschäft hatte, das sie seit drei Jahren führte.
Zum Glück war die Gewinnspanne ausgezeichnet, vor allem jetzt, nach der Niederlage Napoleons. Seitdem gesellten sich immer mehr englische Adelige zu der ausgewählte Schar jener, die Abend für Abend Einlass in das bekannteste Kasino der Stadt begehrten.
Juliette wusste, dass die Beliebtheit des Spielsalons zum großen Teil ihrer Anwesenheit zu verdanken war. Es gehörte zu ihren beruflichen Pflichten nie versiegende gute Laune zu verbreiten, Betrunkene freundlich hinauszukomplimentieren, ganz gleich, welche Rache sie wegen ihrer Verluste schworen, und Bakkarat, Siebzehnundvier sowie Pharo nach jenem geschickten Muster zu spielen, das sie selbst im Schlaf beherrschte.
Sie war sich darüber klar, dass die Herren, sie sich um ihren Tisch versammelten, selten auf ihre schlanken Finger schauten. Es war ihnen gleichgültig, ob diese besondere Geberin einige Taschenspielertricks beim Verteilen der Karten verwendete. Die faszinierten Blicke richteten sich vielmehr auf die schimmernden blauschwarzen aufgesteckten Locken oder auf die dichten Wimpern, die ihre ausdrucksvollen funkelnden Augen betonten, manchmal aber auch verbargen, oder auf die freizügigen Dekolletés ihrer neuen Kleider, die gerade diese Woche von LeRoy, dem berühmtesten Couturier der modischsten Stadt der Welt, geliefert worden waren.
Heute Abend trug Juliette ein leuchtend rotes Kleid, hatte etwas Rouge auf den Wangen verteilt und die Lippen geschminkt, um ihren hellen Teint zu betonen. Jeder Mann im Raum erkannte, dass ihre natürliche Schönheit, ein Erbe ihrer anglofranzösischen Herkunft, durch ein sorgfältig aufgelegtes Make-up verstärkt wurde. Aber es störte niemand. Sie liebten an ihr, was sie bei ihrer eigenen Frau zutiefst verabscheut hätten.
Wie beiläufig, beobachtete Juliette das Treiben an den Tischen im Salon, ohne die Unterhaltung an ihrem eigenen zu vernachlässigen. Seit einigen Minuten bemerkte sie eine Erregung unter ihren Gäste, die sich auf einen gut aussehenden, stark angetrunkenen englischen Adeligen konzentrierten, der hohe Einsätze machte und von einigen Freunden immer weiter angestachelt wurde.
Sie hatte Jeans warnenden Blick bemerkt. Deshalb beendete sie ihr Spiel ohne jede Eile und stand unter den enttäuschten Bemerkungen und nicht allzu ernst gemeinten Vorwürfen der Runde auf und ging zu dem Tisch hinüber.
Der Engländer nahm seine Verluste unbekümmert hin und gab nicht dem Kasino die Schuld an seinem Pech. Aber er war stark betrunken, und ihr Vater wünschte nicht, dass sie einem Spieler, der nicht mehr Herr seiner Sinne war, den letzten Taler aus der Tasche zog.
Deshalb trat sie so nahe an den Mann heran, dass er spätestens durch den Duft ihres teuren Parfüms auf ihre Anwesenheit aufmerksam werden musste. Sie lächelte über sein Erstaunen, so eine charmante Mademoiselle an seiner Seite zu finden, und sah, dass seine Wangen vom Alkoholgenuss leicht gerötet waren. Ein Lamm, reif für die Schlachtbank. Wenn der Narr entschlossen war, sein gesamtes Vermögen zu verlieren, musste er sich einen anderen Spielsalon suchen.
Juliette legte ihre kleine, sorgfältig manikürte Hand locker auf seinen Arm und erkannte, dass das Interesse des Spielers vom Kartentisch rasch zu jener wesentlich angenehmeren Beschäftigung wechselte, die die Reaktion seines Körpers ihm suggerierte.
„Ich kenne ein ruhiges Plätzchen, wo wir allein sein können“, flüsterte sie so leise in akzentfreiem Englisch, dass nur er es hörte.
Er legte seine verschwitzte Hand auf ihre Finger und zog sie charmant, wenn auch ungeschickt an die Lippen.
Ein Wüstling ist er bestimmt nicht, dachte Juliette belustigt und setzte ihren Weg zwischen den Tischen fort. Aus Erfahrung wusste sie, dass der Mann ihr folgen würde. Ohne hinüberzusehen, bemerkte sie die dunkle Gestalt, die auf der anderen Seite des Salons parallel zu ihr mitlief. Jean, dem sie es verdankte, dass sie sich in dieser ausschließlich von Männern beherrschten Welt hatte durchsetzen können, unterstützte ihre Absicht auch jetzt voll und ganz.
Sie waren schon durch die Hintertür in die kühle Abendluft gelangt, bevor der junge Mann merkte, wohin es ging.
„Erinnern Sie sich an die Anschrift, wo Sie wohnen?“, fragte Julie und hörte, dass Jean ebenfalls nach draußen kam.
„Natürlich“, antwortete der Engländer überrascht und überlegte, ob Julie etwa mit ihm aufs Zimmer gehen wollte. Selbst in seinem angetrunkenen Zustand konnte er sich lebhaft vorstellen, was seine Gastgeberin, eine Freundin seiner Eltern, davon halten würde, wenn er eine Dame der Halbwelt mitbrachte, so schön sie auch sein mochte.
„Dann nennen Sie sie dem Kutscher“, verlangte Juliette und drückte ihm eine kleine schwere Börse mit Münzen in die Hand. „Unterrichten Sie außerdem Ihre Freunde davon, dass Sie alle gemeinsam in Zukunft bei uns Hausverbot haben. Falls Sie unbedingt noch den letzten Taler verlieren möchten, muss es anderswo geschehen. Bonsoir, Monsieur, und willkommen in Paris, wo man selten ein zweites Mal Gelegenheit erhält, sich zum Narren zu machen.“
Rasch wandte sie sich ab und überließ den Engländer Jeans bewährten Händen. Sie hörte die besänftigende Stimme des Franzosen, der den sich wehrenden jungen Mann beruhigte, und vergaß den Zwischenfall bald.
Julie kannte kaum ein anderes Leben, sah man von den wenigen Jahren ab, die sie nach dem Tod ihrer Mutter als unglückliches junges Mädchen in einer Klosterschule verbracht hatte. Sobald ihr Vater bemerkte, dass sie dort außer guten Manieren kaum etwas lernte, hatte er sie zu sich geholt und nacheinander eine ganze Reihe von Privatlehrern eingestellt. In seinem Pariser Spielsalon war sie von ihren...




