Wilson | Sag mir nur, dass du mich liebst! | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Romana

Wilson Sag mir nur, dass du mich liebst!


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-3607-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Romana

ISBN: 978-3-7515-3607-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie ist zauberhaft! Obwohl er immer noch um seine Frau trauert, ist Arzt Joe Lennox hingerissen von seiner Kollegin Lien. Während seiner Arbeit in einer Klinik in Vietnam kommen sie einander näher. Doch was wird sein, wenn Joe nach sechs Monaten
wieder zurückmuss nach Schottland?



Scarlet Wilson hat sich mit dem Schreiben einen Kindheitstraum erfüllt, ihre erste Geschichte schrieb sie, als sie acht Jahre alt war. Ihre Familie erinnert sich noch immer gerne an diese erste Erzählung, die sich um die Hauptfigur Shirley, ein magisches Portemonnaie und eine Mäusearmee drehte - der Name jeder Maus begann mit dem Buchstaben 'M'. Heute kann Scarlet neben den Kindheitserinnerungen auf über 27 Jahre Berufserfahrung im Gesundheitswesen zurückblicken: Sie hat zum Beispiel als Krankenschwester und Gesundheitsbeauftragte gearbeitet. Ihr angeeignetes medizinisches Wissen nutzt sie jetzt für ihre romantischen Arztromane! Sie vermag es, ihre Figuren individuell anzulegen und durch viele persönliche Details zum Leben zu erwecken, nicht bloß in den Arztromanen, sondern auch in all ihren anderen, vielseitigen Geschichten! Mit ihrem Verlobten und ihren zwei Söhnen lebt sie glücklich an der Westküste Schottlands.

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1. KAPITEL


Auf dem Papier hatte es so ausgesehen, als würde die Reise ewig dauern, aber für ihn war der Tag blitzschnell vergangen.

Zeig deinem kleinen Jungen einen Teil der Welt, aus dem er neue Erinnerungen mitnehmen kann. Das hatte seine Mutter gesagt, als sie ihm das Flugticket nach Vietnam überreicht hatte.

Sie hatte recht gehabt, das hatte Joe gleich gewusst. Und sie hatte ihm damit auch den entscheidenden Anstoß gegeben.

Danach ging alles fast wie von selbst. Er hatte die benötigten Impfungen organisiert, seine Arbeit abgeschlossen, gepackt, einer Agentur seine Hausschlüssel übergeben und sichergestellt, dass seine Post zu seinen Eltern geschickt wurde.

Als er schließlich im Flugzeug saß, war er erschöpft und bereit für eine Auszeit. Aber seine innere Unruhe legte sich nicht, und er verspürte ein merkwürdiges Magenflattern. Es war lange her, dass er wegen etwas aufgeregt gewesen war. Dieses Gefühl kannte er fast nicht mehr.

Regan genoss den Flug. Voller Begeisterung schaute er sich Filme an, aß die Snacks, die man ihnen servierte, und schlief viel. Sein Sohn war ein wirklich toller Reisegefährte.

Jetzt, da sie kurz vor der Landung auf dem Flughafen von Hanoi waren, starrte Regan verwundert auf die grüne Landschaft. „Sieht aus wie zu Hause“, sagte er mit einem Lächeln.

Joe spürte einen Stich in seinem Herzen. Bei dieser Reise ging es darum, das Leben weiterzuleben, das war ihm klar. Innerlich war er bereit dazu, doch bisher hatte er noch nicht die notwendigen Schritte unternommen. Immer wieder, sei es durch eine Handbewegung oder einen Blick, erinnerte Regan ihn an Esther.

Nie würde er darüber hinwegkommen, dass sie es nicht sehen konnte. Dass sie diesen Moment nicht mit ihnen teilen und stolz auf ihren kleinen Sohn sein konnte. Ihr Sohn, der ein aufgeweckter, mutiger Junge geworden war.

Joe beugte sich nach vorn und sah ebenfalls aus dem Fenster. Eigentlich hatte er erwartet, eine Stadt zu sehen, doch jetzt schien es so, als wäre die Landebahn in Hanoi genauso grün wie die in Glasgow. Vielleicht würde es hier ja vertrauter sein, als er gedacht hatte.

Der Flughafen war voller Menschen. Joe hielt Regans Hand fest, als sie die Passkontrolle passierten und ihr Gepäck in Empfang nahmen. Ein Mann in einem weißen Hemd und weiter Hose lehnte an einer Säule und hielt ein Pappschild in der Hand:

Dr. Joe Lennox und Sohn

Um sie herum herrschte lautes Sprachgewirr. Joe konnte nur hoffen, dass der Mann wenigstens ein bisschen Englisch sprach.

„Dr. Joe?“, fragte der Mann.

Joe nickte und der andere streckte seine Hand aus. „Ich bin Rudi und werde Sie ins May Man Krankenhaus bringen.“ Er griff nach dem Gepäck und ging rasch auf den Ausgang zu. „Sie sind aus Schottland?“, fragte er über die Schulter hinweg.

Joe nickte erneut und zog Regan hinter sich her, wobei er sich bemühte, mit dem Mann Schritt zu halten.

„Ich kenne alle Ihre Fußballmannschaften. Was ist Ihr Lieblingsverein?“

Joe lachte. Alle sprachen über Fußball, wenn sie erfuhren, dass er aus Schottland kam.

Regan war müde und lehnte sich auf dem Rücksitz des Wagens an Joes Schulter. Der Verkehr war hektisch. Offensichtlich fuhr man in Hanoi vor allem Motorroller oder Motorrad.

Zweifel überkamen Joe. Was sollte er tun, wenn es seinem Sohn hier nicht gefiel? Doch dann musste er wieder an seine verstorbene Frau denken. Sein Junge hatte ihre Abenteuerlust geerbt, bestimmt würde er die neuen Erfahrungen genießen.

Nach einer halben Stunde erreichten sie die Hauptstadt. Joe staunte über das Gedränge in den Straßen. Außerdem kam ihm Hanoi sehr bunt vor. Sie fuhren an einer Reihe von Läden mit roten, blauen und gelben Markisen vorbei, umgeben von ohrenbetäubendem Verkehrslärm.

Vor den Geschäften hatten Straßenhändler ihre Stände aufgestellt und boten ihre Waren feil. Ein bisschen erinnerte ihn das ganze Chaos an die Barrowlands in Glasgow. Er lächelte.

Der Fahrer machte sie auf Sehenswürdigkeiten aufmerksam, als sie durch den Ba-Dinh-Bezirk und dann durch das französische Viertel fuhren. Die Villen im Kolonialstil waren elegant und hoben sich stark von dem Vorort ab, durch den sie als Nächstes kamen. Hier gab es keine Touristenläden mehr, die Armut war offensichtlich. Auch das erinnerte Joe an zu Hause, denn er hatte ein paar Jahre lang als Allgemeinarzt in einer der ärmsten Gegenden Glasgows gearbeitet.

Schließlich hielt der Wagen vor einem zweistöckigen Haus im französischen Kolonialstil, das ein wenig heruntergekommen aussah. Über dem Eingang hing ein Schild: May-Man-Krankenhaus. Der Fahrer stieg aus und öffnete ihnen lächelnd die Tür. Joe nahm den schlafenden Regan auf den Arm und trat auf die Straße. Warme Luft schlug ihnen entgegen.

Neugierig sah er sich um. Bestimmt war auch dies einmal ein Viertel für Reiche gewesen, doch seine besten Tage lagen offensichtlich weit zurück. An den Fassaden der Häuser blätterte die Farbe ab, die Fensterläden hingen schief. Nur das Schild über der Tür des Krankenhauses war neu.

Als Joe, gefolgt vom Fahrer mit ihrem Gepäck, die Doppeltür zum Eingang aufstieß, schlug ihm Vertrautes entgegen.

Der Geruch von Desinfektionsmittel, eingebettet in leises Stimmengewirr und das Geräusch hastiger Schritte. Unwillkürlich lächelte er.

Genau das hatte er vermisst. Schon als kleiner Junge hatte er Arzt werden wollen, und in den letzten sechs Monaten … Joe schluckte. Ja, natürlich hatte er gearbeitet. Aber er hatte es nicht genossen, nicht wie sonst.

Obwohl er nichts über dieses Krankenhaus wusste, fühlte es sich richtig an, hier zu sein.

Eine Frau kam auf ihn zu und sprach ihn an: „Kann ich Ihnen helfen?“

Er nickte. „Ja, ich bin mit Nguyen Van Khiem und Nguyen Van Hoa verabredet“, erklärte er. „Den beiden Ärzten, die die Klinik leiten.“

Ihr Blick fiel auf den kleinen Jungen auf seinem Arm, und sie blinzelte erstaunt. „Oh“, sagte sie.

Eine Sekunde lang schauten sie einander nur an, und Joe sah die Überraschung in ihrem hübschen Gesicht. Offensichtlich hatte sie etwas anderes erwartet. Während er ihr dunkles Haar, ihre großen Augen und das dezente Make-up betrachtete, fiel ihm auf, dass auch er eine ältere Person erwartet hatte. Schließlich hatte seine Mutter gesagt, dass das Krankenhaus von einem älteren Paar mit mehr als fünfzig Jahren Berufserfahrung geleitet wurde.

„Sie müssen der neue Arzt sein“, sagte die Frau. „Khiem und Hoa haben angekündigt, dass Sie heute ankommen würden.“ Sie betrachtete den Jungen auf seinem Arm. „Und das ist bestimmt Regan, oder?“

Joes Neugier war geweckt. Wer war diese Frau? Sie reichte ihm kaum bis zu den Schultern, hatte ihr dunkles Haar straff zurückgebunden und trug eine pinkfarbene Bluse und eine schwarze Hose.

Sie streckte ihm die Hand entgegen. „Ich bin Lien, eine der Ärztinnen hier im Krankenhaus. Dang Van Lien“, setzte sie hinzu, als er sie fragend anschaute. „Aber alle nennen mich Dr. Lien.“

Er nickte ihr zu und versuchte, sich zu merken, dass man hier den Nachnamen zuerst nannte. Ihr Händedruck war warm und fest. Das gefiel ihm.

„Khiem und Hoa mussten leider geschäftlich verreisen. Es tut ihnen sehr leid, dass sie Sie nicht begrüßen können. Kommen Sie bitte mit.“ Sie bückte sich und packte die Griffe der beiden Trolleys, bevor er sie davon abhalten konnte.

„Ist alles okay?“, fragte er verunsichert. „Wohin sind sie denn gefahren?“

„Sie mussten zu einem Noteinsatz in einem anderen Krankenhaus, wo mehrere Ärzte erkrankt sind. Es liegt einige hundert Kilometer von hier entfernt, und sie werden ein paar Wochen weg sein.“ Lien führte ihn aus dem Gebäude und zeigte auf die drei dahinter liegenden Bungalows. „Das sind die Unterkünfte für das Krankenhauspersonal.“

Neugierig betrachtete Joe die Häuser und stellte fest, dass jede Eingangstür eine andere Farbe hatte.

Lien führte ihn zu einem Bungalow mit einer blauen Tür, stieß sie auf und knipste das Licht an. Dann griff sie nach einem Schlüssel, der an einem Haken neben der Tür hing, und reichte ihn Joe.

„Hier, bitte.“

Auch wenn der Bungalow längst nicht so groß wie sein Haus in Schottland war, wirkte er sehr gemütlich. Im Wohnzimmer standen ein kleines rotes Sofa und ein Tisch mit zwei Stühlen, dahinter lag die Küche. Lächelnd zeigte Lien ihm die zwei Schlafzimmer. Über den Betten hingen Moskitonetze. Außerdem gab es ein kleines Badezimmer.

Joe gefiel das Haus sofort, es machte ihm nichts aus, dass es ein bisschen eng war. Er legte Regan vorsichtig auf dem Bett ab und vergewisserte sich, dass das Moskitonetz bis zum Boden reichte. Dann zögerte er kurz, griff in Regans Koffer und holte das gerahmte Foto von Esther heraus. Wenn sein Junge aufwachte, sollte er als Erstes etwas Vertrautes sehen.

Eigentlich waren es zwei Bilder, auf dem einen hielt sie Regan auf dem Arm und strahlte in die Kamera. Das war ein Jahr vor ihrer Leukämiediagnose gewesen. Auf dem zweiten waren sie alle am Strand, und der Wind blies ihr eine blonde Locke ins Gesicht. Joe betrachtete das Foto einen Moment lang, dann stellte er es behutsam auf das Nachtschränkchen.

„Kann ich noch...



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