E-Book, Deutsch, Band 8, 350 Seiten
Reihe: Sterenholm
Wimmer Bergluftliebe
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8437-3515-5
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebe am Berg: Zwischen Alpenzauber und Herzklopfen
E-Book, Deutsch, Band 8, 350 Seiten
Reihe: Sterenholm
ISBN: 978-3-8437-3515-5
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Karin Wimmer lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Niederösterreich. Seit sie denken kann, sind Bücher ihre treuen Begleiter und Freunde und schon im Teenageralter entdeckte sie auch das Schreiben für sich. Ihre Ideen kommen meist spontan aus alltäglichen Situationen und lassen sie dann nicht mehr los, bis sie sich an den Laptop setzt. Die Liebe spielt in ihren Romanen immer die Hauptrolle. Ihre eigene Leidenschaft gehört ihrer Familie, dem geschriebenen Wort und Schokolade - in etwa in dieser Reihenfolge.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 2
Am nächsten Morgen betrete ich die Firmenzentrale der im perfekt sitzenden, grauen Etuikleid mit schwarzem Gürtel und High-Heels in der gleichen Farbe. Die blonden Haare trage ich zu einem eleganten Knoten hochgesteckt, und in meiner Handtasche stecken meine Unterlagen. Ich ernte fragende Blicke der Angestellten, weil ich für gewöhnlich nur sehr selten hier auftauche, werde aber sofort ins Büro meiner Eltern vorgelassen.
»Eva-Maria, du bist zurück«, ruft meine Mutter erfreut und kommt hinter ihrem Schreibtisch hervor, um mich zu umarmen.
»Ja, seit gestern Abend!« Ich drücke sie kurz an mich.
»Du siehst erholt aus«, bemerkt auch mein Vater mit einem Lächeln, und ich nicke.
»Wussten wir, dass du heute herkommst?«, fragt Mama und deutet Papa, im Terminkalender nachzusehen, doch ich winke ab.
»Nein, tut mir leid, ich habe mich nicht angemeldet. Habt ihr trotzdem für mich Zeit?«
Meine Eltern wechseln einen raschen Blick.
»Natürlich, worum geht es denn?«, fragt Papa.
»Um meine Zukunft!«, komme ich gleich zum Punkt.
»Möchtest du noch ein weiteres Studium beginnen?«, will meine Mutter wissen. Irritiert sehe ich sie an. Meine Mappe wandert von der Tasche auf den Schreibtisch meines Vaters.
»Nein, ich überreiche euch hiermit meine Abschlussdokumente und möchte wissen, welches Büro ihr für mich vorgesehen habt.«
Einige Sekunden lang herrscht Stille.
»Büro?«, wiederholt meine Mutter.
»Ja, du weißt schon, diese Räume, in denen man arbeitet«, scherze ich und sehe von einem zum anderen.
»Hier? In Firma?« Die Augen meiner Mutter werden kreisrund.
Ihre Überraschung trifft mich unvorbereitet, und ich wünsche mir, ich hätte mich gesetzt.
»Natürlich, wofür habe ich denn dieses ganze Gastro- und Hotelleriezeug gelernt?«, stoße ich patziger hervor, als gewollt, und deute auf die Mappe, die immer noch unangetastet vor meinem Vater liegt.
»Na ja, als eine von Gütersloh wird natürlich erwartet, dass du Ahnung davon hast«, beginnt meine Mutter die alte Leier. Das muss ich mir schon seit Jahren anhören.
»Eben!«, erwidere ich, schnappe mir meine Dokumente und wedle damit herum. »Also: Hier bin ich!«
»Wir dachten eher …«, druckst meine Mutter herum und will nicht mit der Sprache herausrücken.
»Woran?«, hake ich nach.
»Daran, dass du deinen Mann in der Führung mal unterstützen kannst, wenn eure Kinder groß genug sind«, erklärt sie. »Der Familienstammbaum muss ja gesichert sein.«
Ich lasse meine Mappe sinken.
»Meinen ?«, wiederhole ich. »Aber ich habe ja nicht mal einen Freund.« In den letzten Monaten hatte ich einfach keinen Kopf für einen Partner. Nicht, dass ich jede Nacht allein im Bett gelegen hätte, aber mein Herz war nicht das Körperteil, das daran beteiligt war. Langsam dämmert mir, dass meine Eltern gar nicht so sehr darauf gehofft haben, dass ich ein Abschlusszeugnis vom Studium mitbringe, sondern einen Mann. Diese Information muss ich erst mal sacken lassen.
»Oliver macht sich als mein Stellvertreter sehr gut«, stellt mein Vater nach einem Räuspern in den Raum. Es dauert eine Weile, bis ich verstehe, was er gesagt hat.
»Und dadurch qualifiziert er sich auch dafür, den Familienfortbestand mit eurer Tochter zu sichern?«, fasse ich zusammen. Meine Mutter ringt kurz nach Worten.
»Na ja, er ist ein charmanter, aufmerksamer Mann, zielstrebig und fügt sich gut in unser Unternehmen ein. Wieso also nicht auch in die Familie?«
Wut kocht in mir hoch.
»Falls es euch entgangen ist: Die Nächste im Familienstammbaum bin ich! Und da ihr es verabsäumt habt, weitere – möglicherweise männliche – Kinder zu bekommen, bin es, auf die ihr euren Fokus lenken solltet, und zwar nicht als Brutkasten für die nächste Generation, sondern als Zukunft für die Firma!«, fauche ich.
»Eva-Maria!«, tadelt mich meine Mutter, doch mein Vater hält meinem Blick stand.
»Du stehst hier und stellst Ansprüche auf Firma, dabei hast du nicht den geringsten Schimmer von der Materie.«
»Ich stelle keine Ansprüche, ich will einen Platz im Familienunternehmen. Für das ich eine lange und harte Ausbildung durchlebt habe.«
»Papperlapapp!«, wischt er mein Argument vom Tisch. »Alles graue Theorie, von der Praxis hast du keine Ahnung. Jede Praktikumsbestätigung hast du bekommen, ohne auch nur einen einzigen Finger dafür krumm zu machen.«
»Im letzten Jahr habe ich alles ordnungsgemäß absolviert!« Es ist, als wollten meine Eltern nicht sehen, dass ich die Kurve letztlich ja noch bekommen habe.
»Ja, im Management. Aber davor hast du dich vor allem gedrückt!« Donnernd saust die Faust meines Vaters auf die Tischplatte, doch ich bleibe davon unbeeindruckt.
»Ich will ja auch nicht als Zimmermädchen hier anfangen, sondern dich und Mama in der Leitung unterstützen«, halte ich trotzig dagegen. Mein Vater holt tief Luft, doch meine Mutter legt ihm die Hand auf die Schulter.
»Eva-Maria, lässt du uns bitte kurz allein? Du hast eine geschäftliche Anfrage gestellt, die dein Vater und ich besprechen müssen. Auch wenn wir deine Eltern sind, bewirbst du dich hier und heute ja für einen Job in unserer Firma.«
Ich bin überrascht, dass sie ihre Ruhe wiedergefunden hat, während Papa und ich die Nerven verloren haben und der Streit eskaliert ist. Aber ich weiß mich angemessen zu verhalten.
»Natürlich!«, antworte ich deshalb und ziehe mich mit einem Nicken zurück.
Im Wartebereich vor den Büros nehme ich mir einen Becher Wasser aus dem Spender, der dort bereitsteht. Durch eine offene Tür sehe ich Oliver Dorner, der eben einen Stapel Unterlagen an seine Sekretärin weitergibt. Er hebt kurz grüßend die Hand. Wir haben uns schon bei einigen Firmenevents unterhalten und finden uns sympathisch – mehr nicht. Obwohl ich mir gut vorstellen könnte, dass er vielleicht doch noch irgendwelche versteckten, aber sehr tiefen Gefühle für mich entdecken würde, wenn man ihm in Aussicht stellt, die Firma als Schwiegersohn zukünftig zu leiten. Aber allein dieser Gedanke verursacht mir Übelkeit. Als wäre ich eine nutzlose weibliche Erbin eines Königreichs, für das nun ein geeigneter König gefunden werden muss. Aber was das betrifft, können sie mich mal! Ich töte meine Drachen selbst und auf dem von Gütersloh-Thron sitze als Nächste ich! Angriffslustig werfe ich einen Blick auf die Bürotür, hinter der sich meine Eltern beraten, und die sich prompt öffnet. Ich folge dem Winken meiner Mutter und sehe meinen Vater auffordernd an, als ich vor dem Schreibtisch stehe.
»Nun, ich gebe zu, dass unser Gedanke mit Oliver vielleicht ein wenig zu weit ging«, räumt er gleich zu Beginn ein und stimmt mich damit etwas milder. Immerhin hat er in den Kalender gesehen und entdeckt, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben.
»Aber«, holt er mich zurück in die Wirklichkeit, »du wirst sicher verstehen, dass ich etwas skeptisch bin, was deine Motivation betrifft. Immerhin hat sich deine Begeisterung für die Gastronomie und Hotellerie während deiner gesamten Ausbildung ja sehr in Grenzen gehalten.«
Abwartend sehe ich ihn an, bereit für seine Entscheidung.
»Da du kein einziges Grundpraktikum absolviert hast, wirst du diese zuerst nachholen. Du lernst von der Pike auf, was es bedeutet, in einem Restaurant und Hotel zu arbeiten, ehe ich dich in die Führungsebene hole. Ich glaube dir, dass du dich im Management von gehobenen Häusern auskennst. Aber du musst auch die Sicht der Angestellten kennen. Das sind meine Bedingungen.«
Ungläubig lache ich auf und sehe zu meiner Mutter, hoffend, dass sie grinst und sich alles als Scherz herausstellt. Doch ihr Blick ist ernst.
»Du willst also, dass ich in unseren Restaurants kellnere?«, stoße ich hervor, doch er schüttelt sofort den Kopf.
»Nein! Ich will, dass du dir einen Job suchst. Allein und ohne Hilfe durch mich und unsere Kontakte. Du sollst kellnern, kochen, putzen und an der Rezeption stehen, so wie deine Mutter und ich das in unserer Ausbildung auch getan haben. Du musst verstehen, dass dies die Eckpfeiler sind. Wenn sich ein Gast nicht wohlfühlt, weil das Zimmer nicht sauber ist oder das Essen nicht schmeckt, oder das Servicepersonal unfreundlich ist, sind das Ausschlussgründe, dass er je wiederkommt. Wenn im Management eine Werbemaßnahme floppt, dann ist das für das Unternehmen schlecht, aber die Gäste kommen trotzdem. Unsere Angestellten im direkten Gastkontakt sind wertvoll. Das, was sie tun, ist wertvoll und anstrengend. Es war ein Fehler von mir, dir die Praktika zu ersparen, so konntest du das nie lernen. Aber das holst du jetzt nach. Egal wo. Die Sommersaison über wirst du arbeiten, danach sprechen wir über deinen Eintritt in die Firma«, schließt er seine Ausführung und ich sinke auf einen...




