E-Book, Deutsch, 445 Seiten
Winter Die Macht des goldenen Blutes
22001. Auflage 2022
ISBN: 978-3-646-60763-5
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
High Fantasy Romance über eine Prinzessin und ihre schicksalshafte Verbindung zum Sohn des Bösen
E-Book, Deutsch, 445 Seiten
ISBN: 978-3-646-60763-5
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
July Winter liebte schon als Kind mythologische Geschichten mit tapferen Helden und verfasste bereits im Alter von acht Jahren ihre ersten kleinen Kurzgeschichten. Während des Studiums der Europäischen Literaturen entwickelte sie die ersten Ideen für ihren eigenen Roman und schuf ihre ganz eigene Fantasywelt - unterstützt von Freunden und Familie sowie epischen Soundtracks und einem großen Pott Kaffee. July Winter lebt mit ihrem Partner in der Nähe von Berlin.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
PROLOG
Ein markerschütternder Schrei hallte durch die zahlreichen Gänge des Schlosses. So hell wie der Klang einer Geige und doch so schmerzverzerrt, dass das alte Gemäuer zu beben begann.
Regungslos verharrte Gawain vor dem Schlafgemach seiner Frau, blickte starr aus dem Fenster und versuchte händeringend, die Fassung zu wahren. So sehr er sich auch bemühte, die Maske eines unerschütterlichen Königs aufrechtzuerhalten, konnte er doch nicht verhindern, bei jedem weiteren Schrei zusammenzuzucken. Gezeichnet von entsetzlichen Qualen hatten diese Laute längst nichts mehr mit der sonst so sanften Stimme seiner Gemahlin gemein.
Arianas Wehen hatten bereits vor Stunden eingesetzt und mit jedem leidvollen Schrei wuchs seine Angst. Er durfte weder sie noch das Kind verlieren. Es war beinahe absurd, denn obwohl es noch nicht einmal geboren war, hing bereits jetzt so viel von diesem jungen, unschuldigen Leben ab. Dieses Kind würde die Herrscherlinie retten und sein adliges Blut ein für alle Mal in die Reihe der Könige aufnehmen. Es würde seinen Namen unsterblich machen.
Es musste überleben.
Mit zitternden Fingern fuhr sich Gawain durch das blonde Haar, nahm einen tiefen Atemzug und richtete den Blick weiter in die Ferne. Die Nacht hatte ihre dunklen Schwingen längst über Aurasis ausgebreitet und hüllte das Land in eine bedrückende Schwärze. Weder das helle Licht des Mondes noch das ferne Glitzern der Sterne waren am Firmament zu erkennen. Nur das unheilvolle Flackern unzähliger Feuerstellen nicht weit vor den Stadttoren durchbrach die Finsternis. Ein Anblick, der Gawain erschaudern ließ. Das Kriegslager des Feindes war nicht mehr weit entfernt.
Salis und seine versklavten Kreaturen waren auf dem Vormarsch. Inzwischen hatten sie den Grenzfluss überquert und die äußeren Mauern der Stadt beinahe erreicht. Obwohl Gawains Soldaten fortwährend versucht hatten, den Feind zurückzudrängen, war es ihnen doch nicht gelungen, sie zum Rückzug zu zwingen. Denn der einzige Weg führte über den silbernen Fluss, direkt in den veterischen Wald. Und dort waren Salis’ Männer im Vorteil. Sie kannten die Tücken, die im undurchdringlichen Dickicht lauerten und wussten um die grauenvollen Kreaturen, die dort hausten und nur darauf warteten, frisches Fleisch zwischen ihre Klauen zu bekommen.
Dieser Kampf glich einem ewigen Spiel, einem unaufhörlichen Kräftemessen, das Gawain auf Dauer nicht gewinnen konnte. Ihm war bewusst, dass Salis diesen Krieg absichtlich in die Länge zog, dass er sich daran ergötzte, wie seine Soldaten mit jedem Tag müder wurden und das Volk in Hoffnungslosigkeit versank. Gawain selbst hatte Ariana, die Prinzessin der Goldenen Stadt, erst vor wenigen Monaten geheiratet und trug seit Kurzem die Krone auf dem Kopf. Er wusste, dass das Vertrauen in seine Fähigkeiten als Herrscher nach wie vor auf die Probe gestellt wurde und längst nicht gefestigt war. Doch Gawain würde nicht aufgeben. Es hieß, solange die Goldene Stadt stand, solange das Herz Aurasis’ schlug, würde das Reich überdauern.
Alles, was er brauchte, war ein glühender Funken, der die Hoffnung neu entfachte. Der den Soldaten neuen Kampfesmut verlieh und seinem Volk einen Weg der Zuversicht offenbarte.
Und jener Funke sollte in dieser Nacht geboren werden. Dieses Kind würde verdeutlichen, dass die Königslinie nicht versagt hatte und sie den Glauben an einen Sieg nicht aufgeben durften. Noch nicht.
Angespannt ballte Gawain die Hände zu Fäusten und hielt an diesem Gedanken fest. Er klammerte sich daran wie ein Ertrinkender an seinen letzten Atemzug.
Erneut schrie Ariana unter Qualen auf, doch diesmal war ihre Stimme so schrill, dass sich der König ruckartig umwandte und auf das Schlafgemach zutrat. Das Herz schlug ihm bis zum Hals. Er konnte den hämmernden Puls bis in die Fingerspitzen fühlen. Mehrere Stimmen wurden laut, hektische Rufe erklangen und dann … Dann wurde es schlagartig still.
Hunderte Gedanken schossen Gawain durch den Kopf, die Gefühle überschlugen sich in seinem Inneren und ließen eine schmerzliche Vorahnung in ihm aufkeimen.
Doch dann hörte er es.
Der helle Schrei eines neugeborenen Kindes zerschnitt die Luft und brachte sein Herz aus dem Takt. Wie von selbst setzten sich Gawains Füße in Bewegung, ehe er die vergoldete Klinke kraftvoll nach unten drückte und über die Türschwelle trat.
Das Erste, was er wahrnahm, war das herbe Aroma verschiedener Kräuter, vermischt mit dem metallischen Geruch von Blut. Trotzdem die Fenster weit geöffnet waren und ein kühler Windzug durch den Raum zog, wurde die Atmosphäre von einer schwülen, feuchtwarmen Luft erfüllt. Arianas Bett befand sich am Ende des Raums, eingehüllt in einen durchscheinenden Baldachin. Die meisten Kissen und Decken waren achtlos zu Boden geworfen worden, während das knisternde Kaminfeuer und unzählige Kerzen die Szenerie in ein flackerndes Spiel aus Licht und Schatten tauchten.
»Haben sie es geschafft?«
Gawains Stimme klang rauer als gewöhnlich. Unsicherheit und Angst spiegelten sich darin wider, während er versuchte, einen Blick auf seine Frau zu erhaschen. Belion, der Leibarzt der königlichen Familie, stand dicht über Ariana gebeugt, ehe er zu ihm herumfuhr und ihn angespannt musterte. Schweißperlen glänzten auf seiner faltigen Stirn, die Erschöpfung stand ihm ins Gesicht geschrieben.
»Sie leben«, verkündete der Arzt, doch lag in diesen Worten ein Unterton, der Gawains Angst von Neuem aufflammen ließ. Besorgt legte er die Stirn in Falten und sah, wie zwei Bedienstete mehrere rotbefleckte Laken zusammenrafften und eine Schale mit blutbesudelten Geburtsinstrumenten hinaustrugen. In diesem Moment schrie der Säugling abermals auf. Hastig stürmte Gawain an das Kopfende des Bettes, schaute in Arianas fahles, von Schmerzen gezeichnetes Gesicht und ließ den Blick zu dem kleinen Bündel an ihrer Brust gleiten.
»Es war eine komplizierte Geburt, die Königin hat viel Blut verloren. Ihr könnt sehr stolz auf Ariana sein. Ich kenne nicht viele Frauen, die solch eine Tortur überleben würden«, erklärte Belion mit gedämpfter Stimme, ehe ein schwaches Lächeln auf seine Lippen trat.
»Ich gratuliere Euch zu einer wunderschönen Tochter, mein König.«
Unfähig, die Gefühle in seinem Inneren zu beschreiben, streckte der junge Herrscher die Hand nach dem Kind aus und bemerkte erst jetzt, wie stark seine Finger zitterten. Auch wenn er insgeheim auf einen männlichen Nachkommen gehofft hatte, würde eine junge Prinzessin doch ebenso ihren Zweck erfüllen. Sie würde den entscheidenden Funken Hoffnung entzünden.
Behutsam strich er seiner Tochter über den Kopf und zog dabei die Decke ein Stück zurück.
»Sie ist verletzt«, stellte Gawain erschrocken fest und besah den blutigen Kratzer hinter ihrem rechten Ohr. Umgehend schoss sein Blick zu Belion, der rasch nach der Decke griff, um das Haupt des Kindes zuzudecken. Dabei entging ihm jedoch nicht das merkwürdige Funkeln, das für den Bruchteil einer Sekunde in den Augen des Arztes aufblitzte.
»Wie ich bereits sagte, war die Geburt sehr schwer. Ich habe die Kleine mithilfe meiner Instrumente holen müssen. Der Kratzer ist nicht weiter tief und wird in den nächsten Tagen verheilen.«
Ein feiner Stich fuhr durch Gawains Brust und vermischte sich mit einem Gefühl, welches er nicht recht deuten konnte. Etwas stimmte nicht, irgendetwas entzog sich seiner Kenntnis. Abermals schaute er in Arianas blasses Gesicht und vernahm ihren schweren Atem. Sie schien derart erschöpft, dass sie nur mit Mühe die Lider offenhalten konnte. Doch als sich ihre Blicke für einen kurzen Moment trafen, erkannte er darin einen Ausdruck, den er noch niemals zuvor so klar und deutlich an ihr gesehen hatte.
Angst.
»Die Königin sollte sich nun ausruhen. Gebt ihr und Eurer Tochter ein wenig Zeit, um sich von den Strapazen zu erholen«, bat Belion eindringlich, doch konnte das aufgesetzte Lächeln seine angespannte Miene nicht überspielen.
»Natürlich. Doch bevor ich gehe, möchte ich meine Tochter einmal im Arm halten«, erwiderte Gawain und griff nach dem kleinen Bündel.
»Mein König, ich weiß nicht, ob …«
Mit einem einzigen vernichtenden Blick ließ Gawain den Arzt verstummen. Er duldete keine Widerworte. Durch die plötzliche Bewegung aufgeschreckt, begann die junge Prinzessin erneut zu weinen und veranlasste den König dazu, sie sanft zu wiegen und sich ein paar Schritte vom Bett zu entfernen.
Langsam trat Gawain an den Kamin heran und zog im Schein des Feuers abermals die Decke ein Stück zurück. Er spürte, wie Liebe und Stolz von ihm Besitz ergriffen, während er das Gesicht seiner Tochter eingehend betrachtete.
»Willkommen,...




