E-Book, Deutsch, 350 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
Winter Modehaus Haynbach – Momente des Glücks
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-1640-6
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 350 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
ISBN: 978-3-7517-1640-6
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die erfolgreiche Familiensaga geht weiter!
Deutschland, 1959: Gigi flieht vor einer unglücklichen Liebe zu ihrer besten Freundin Mabelle Haynbach. Diese versucht Gigi abzulenken, indem sie sie in die Arbeit im Modehaus einbindet.
Als die beiden Frauen Kleider in einem Filmstudio abliefern, begegnet Gigi Leo Fürst. Sie verfällt dem erfolgreichen Schauspieler mit Haut und Haar. Die beiden freunden sich an und verbringen ein paar schöne gemeinsame Stunden. Doch da Leo sie auf Abstand hält, zieht sie sich zurück. Nie wieder möchte sie unglücklich in einen Mann verliebt sein.
Stattdessen begleitet sie Viktoria Haynbach als Dolmetscherin auf eine Geschäftsreise nach Italien. Deren italienischer Geschäftspartner zeigt deutliches Interesse an Gigi. Sie fühlt sich geschmeichelt. Doch hat ihr Herz Leo Fürst wirklich schon vergessen?
Der 4. Band der mitreißenden Familiengeschichte um das Modehaus Haynbach.
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
Elaine Winter ist ein Pseudonym der Autorin Ira Severin, die schon als Kind gerne Geschichten erfunden hat. Sie studierte Germanistik und Anglistik, probierte sich in verschiedenen Jobs in der Medienbranche aus und kehrte bald zum Geschichten erfinden zurück. Inzwischen ist sie seit mehr als zwanzig Jahren Autorin und hat den Spaß am Erdenken schicksalhafter Wendungen und romantischer Begegnungen bis heute nicht verloren. Sie schreibt auch unter dem Pseudonym Luisa von Kamecke.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1
Rue de Passy, Paris, 16. Arrondissement, Mitte Mai 1959
Langsam tauchte Gigi aus einem tiefen, traumlosen Schlaf auf. Sie rekelte sich, spürte die glatte, kühle Seide des Lakens auf ihrer Haut und schlug mit einem tiefen Atemzug beide Augen weit auf. Etwas war anders als sonst.
Hastig strich sie sich mit der flachen Hand über Bauch und Brüste. Sie war nackt unter der Decke. Erst in diesem Moment kam die Erinnerung zurück. Ein heißes Glücksgefühl stieg in ihr auf. Ganz langsam wandte sie den Kopf, voller Angst, es könnte wieder nur ein Traum gewesen sein.
Aber sie hatte nicht geträumt. Neben sich auf dem Kissen sah sie den glänzenden dunkelbraunen Schopf und nahm gleichzeitig den vertrauten Duft nach seinem herben Rasierwasser wahr. Limone und frisches Holz – wie sehr sie dieses Aroma liebte!
Ganz still lag sie da, während sich das Glück in ihrem Körper ausbreitete wie ein Schwall sonnenwarmes Wasser. Endlich! Gigi zwinkerte die Freudentränen weg, die ihren Blick trübten. So lange hatte sie darauf gewartet und längst nicht mehr geglaubt, ihr Traum könne in Erfüllung gehen.
Es kribbelte sie in den Fingerspitzen, ihm die Haare aus der Stirn zu streichen, damit sie sein schlafendes Gesicht sehen konnte. Das Gesicht des Mannes, den sie schon so lange liebte und bewunderte und für den sie alles sein wollte und nicht nur ein biegsamer, schlanker Körper, an dem seine Kleider gut zu Geltung kamen.
Doch sie wollte ihn nicht wecken, sondern noch ein bisschen länger diese verzauberten Momente des Staunens genießen.
Ein kurzer Blick zum Wecker auf dem Nachttisch machte ihr klar, dass Luc wahrscheinlich noch ein oder sogar zwei Stunden schlafen würde. Er stand niemals vor neun Uhr auf, oft deutlich später, und im Atelier sah man ihn kaum jemals vor elf. Für ihn waren die Nachmittags- und Abendstunden die Zeit, wenn ihm die Ideen für seine wunderbaren Modelle kamen. Elegante Roben, in denen Frauen teure Restaurants, Theateraufführungen und Bälle besuchten. Edle Kleider, in denen jede Frau zur Königin wurde.
Langsam streckte Gigi einen Fuß unter der Decke hervor, dann den zweiten, richtete sich auf und schlüpfte aus dem Bett. Das Luc-Guérin-Modell, das sie am Abend zuvor getragen hatte, lag auf einem Cocktailsessel in der Ecke. Sie konnte sich nicht erinnern, ob Luc oder sie es so achtlos dorthin geworfen hatte.
Auf Zehenspitzen huschte sie durch den Raum, nahm vom Kleiderständer in der Ecke einen Bügel, hängte das mit schillernden Pailletten bestickte nachtblaue Kleid darüber und strich es zärtlich glatt. Dann erst schlüpfte sie in Lucs Morgenmantel. Sie schloss die Augen und genoss das Gefühl, dass er den seidengefütterten Mantel sicher schon auf der bloßen Haut getragen hatte. Nun umgab sie sein Duft von Kopf bis Fuß. Es war der Himmel! Fast so, als würde er sie mit seinen Armen und Beinen umschlingen – so wie in der vergangenen Nacht ...
Ein letzter Blick hinüber zum Bett, wo Luc immer noch ruhig schlief, dann verließ sie sein Schlafzimmer. Nebenan im Salon ging sie barfuß über den chinesischen Seidenteppich zu der kleinen Sitzecke, wo das elfenbeinfarbene Telefon stand. Dort ließ sie sich in einen der beiden Sessel fallen und schaute versonnen lächelnd hinüber zu der riesigen Couch. Sie war mit Leder in einem hellen Cognacton bezogen und wie alles, womit Luc sich umgab, von erlesener Schönheit.
Wie oft hatte sie neben ihm hier gesessen, um sich eine Fernsehsendung anzuschauen oder Musik zu hören. Manchmal hatten sie auch einfach nur geredet. Dann schwärmte Luc ihr von neuen Stoffen und Mustern vor und beschrieb ihr seine Ideen für die nächste Kollektion.
In mancherlei Hinsicht lebten sie schon lange wie ein Paar. Und nun endete ihre Beziehung nicht mehr vor der Schlafzimmertür, und sie würde auch keine traurigen Abende mehr verbringen, wenn Luc mit anderen Frauen ausging.
Sie griff zum Telefonhörer. Leise surrend drehte sich die Wählscheibe, als sie die Nummer wählte, die sie auswendig kannte. Dann lauschte Gigi dem Klingelzeichen im fernen Deutschland. Sie wusste, dass Mabelle um diese Zeit meistens allein am Frühstückstisch saß. Sylvie war schon auf dem Weg in die Schule, und wenn ihr Mann Claus seine Stieftochter nicht im Wagen mitnahm, fuhr er noch früher am Morgen in seine Schreinerwerkstatt.
Mabelle meldete sich nach dem dritten oder vierten Klingelzeichen. Es gab im Schloss ihrer Vorfahren immer noch Dienstboten, aber längst nicht mehr so viele wie in früheren Zeiten. Deshalb erwischte Gigi die Freundin häufig selbst am Telefon und musste sie nicht erst herbeiholen lassen. Sie konnte hören, wie Mabelle hastig schluckte, nachdem sie ihren Namen genuschelt hatte.
»Ich störe dich beim Frühstück«, stellte Gigi fröhlich fest. Die Freundschaft mit Mabelle war im Laufe der Jahre so eng geworden, dass jede von ihnen die andere jederzeit anrufen konnte, ohne sich entschuldigen zu müssen.
»Hmhm«, machte Mabelle, die im Gegensatz zu Gigi keine Frühaufsteherin war. »Du klingst seltsam. Ist alles in Ordnung?«
Gigi lachte hell auf und presste sich gleich darauf die Hand vor den Mund. Sie wollte Luc nicht wecken. Aus Erfahrung wusste sie, dass er schlecht gelaunt war, wenn er nicht genug Schlaf bekam. Und da dies ein wundervoller Tag für sie beide werden sollte – ihr erster Tag als richtiges Paar –, wünschte sich Gigi, dass es Luc so gut ging wie nur irgend möglich.
»Es ist alles in allerschönster Ordnung«, sagte sie mit gesenkter Stimme in die Muschel des Telefonhörers. »Und wenn ich nicht sofort darüber sprechen kann, platze ich vor Glück.«
»Dann bestehe ich darauf, dass du auf der Stelle redest.« Offenbar hatte Gigis Ankündigung die Freundin munter gemacht, jedenfalls klang ihre Stimme so.
»Luc und ich ...«, fing Gigi an und wusste plötzlich nicht weiter.
»Du bist mit ihm im Bett gelandet«, sagte Mabelle nach einer Weile. Sie klang kein bisschen begeistert. »Nach all den Jahren ist es nun also doch passiert.«
»Woher weißt du das?«
»Ich weiß, dass du es dir schon immer heimlich gewünscht hast. Da du mich nun also zu früher Stunde mit einer aufregenden Nachricht über dich und Luc anrufst ...« Den Rest des Satzes ließ die Freundin in der Luft hängen.
»Freust du dich denn nicht für mich?« Aus dem Fenster sah Gigi hinaus in den kleinen Garten, den man durch die hohen Glastüren von Lucs luxuriöser Erdgeschosswohnung aus betreten konnte.
Eine Weile herrschte Schweigen in der Leitung. »Natürlich freue ich mich, wenn du glücklich bist, Gigi. Allerdings weiß ich auch, dass Luc dir seit fünf Jahren erklärt, er sei kein Mann für eine feste Beziehung, aber du wärst seine eine und einzige Muse. Mehr wollte er dir nicht geben. Und mehr brauchtest du angeblich nicht.«
»Aber jetzt hat er es getan. Wir waren gestern Abend zusammen aus und haben anschließend eine märchenhafte Nacht miteinander verbracht.« Unvermittelt stieg Angst in Gigi auf, und sie schluckte heftig, um das unbehagliche Gefühl zurückzudrängen.
Mabelle schwieg ein bisschen zu lange, bevor sie sagte: »Luc hat schon sehr viele Nächte mit sehr vielen Frauen verbracht.«
»Das mit ihm und mir ist etwas anderes«, erwiderte Gigi, nachdem sie den Kloß in ihrem Hals hinuntergeschluckt hatte. »Die anderen sind immer nur für eine Nacht da. Nur selten für zwei oder drei, dann verschwinden sie auf Nimmerwiedersehen. Ich dagegen bin schon sehr lange in Lucs Leben und werde auch bleiben. Deshalb ist es vollkommen anders.«
Mehr als fünf Jahre, seit er sie nach ihrer Flucht vor ihm und ihren Gefühlen aus Deutschland zurückgeholt hatte, lebte Gigi in ihrer kleinen, eleganten Wohnung ein Stockwerk über Lucs Zuhause. Täglich sahen sie sich im Atelier, oft war sie zu Gast in seinem Wohn- und Esszimmer. Manchmal hatte er sie eingeladen, ihn zu einer Abendeinladung oder einem Restaurantbesuch zu begleiten. Sie teilte sein Leben, und deshalb hatte es etwas zu bedeuten, dass sie zum ersten Mal eine Nacht miteinander verbracht hatten.
»Es ist nur so, dass er dir immer wieder und wieder erklärt hat, er wolle keine feste Beziehung.« Während sie sprach, war Mabelles Stimme immer leiser geworden, so als würde sie das, was sie sagte, am liebsten nicht aussprechen.
Warum ließ sie es dann nicht? Gigi fand es vollkommen überflüssig, dass die Freundin sie an diese Dinge erinnerte. Sie wickelte sich das Telefonkabel so fest um den Zeigefinger der linken Hand, dass es wehtat.
»Entschuldige«, sagte Mabelle nach einer Weile, als Gigi immer noch schwieg. »Ich möchte nur nicht, dass er dich wieder verletzt.«
»Ich weiß, dass du es gut meinst.« Gigi unterdrückte einen Seufzer. »Aber es war so romantisch und schön in dem kleinen Tanzlokal – wie sollte das keine Bedeutung haben? Nur wir zwei, ohne irgendwelche Bekannten. Wir haben Champagner getrunken und getanzt. Eng und langsam. Und dann hat er mich geküsst ...«
»Du...




