Liebe Besucherinnen und Besucher,
aufgrund unseres Sommerfestes sind wir am 03. September 2026 bis 14 Uhr erreichbar. Am 04. September 2026 sind wir wieder wie gewohnt für Sie da. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
Winter Notärztin Andrea Bergen 1286
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1953-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bitte sag Ja!
E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-7325-1953-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thorstens Stimme ist tief und rau, als er seiner Kerstin die Frage aller Fragen stellt. Gespannt hängt er an ihren Lippen - nie zuvor ist er so aufgeregt gewesen wie in diesem ganz besonderen Moment! Doch bildet er es sich nur ein, oder hat Kerstins schönes Gesicht eben alle Farbe verloren? Und glänzen in ihren Augen nicht sogar Tränen? Mit einem Mal umklammert die Angst mit eisiger Hand sein Herz, das plötzlich weiß, was sie gleich sagen wird: Nein, Kerstin, die er mehr liebt als sein Leben - sie will ihn nicht! Sie weist ihn ab! In diesem Moment geht Thorstens ganzes Glück in tausend Scherben, und etwas bricht in ihm entzwei ...
Er kann nicht ahnen, welch großer Zwiespalt Kerstins Herz zerreißt: Sie kämpft einen verzweifelten Kampf gegen sich selbst - einen Kampf, den sie nur verlieren kann ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kerstin Lange balancierte in der einen Hand zwei Brötchenhälften mit Käse und Schnittlauch, in der anderen hielt sie eine Tasse mit Milchkaffee. Wie so oft war sie spät dran, weil das Bett so wunderbar kuschelig gewesen war und sie ein paar Mal auf die Schlummertaste des Weckers gedrückt hatte. Nun war nicht mehr genug Zeit für ein entspanntes Frühstück. Vorsichtig, um sich nicht die Zunge zu verbrennen, nippte sie an dem heißen Kaffee und schaute dann hoch zur Küchenuhr.
Ihre Großmutter Inge Helmer lachte. »Als du klein warst, hab ich dir so oft gesagt, dass das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist und dass man sich dafür ausreichend Zeit nehmen sollte. Aber wenn ich dich so anschaue, hab ich das Gefühl, ich hätte es dir noch ein bisschen öfter sagen sollen.«
Kerstin schnitt eine Grimasse und musste dann auch lachen. »Ach, Omi. Ich hab so viel von dir gelernt. Aber ich fürchte, was das frühe Aufstehen und gemütliche Frühstücken betrifft, bin ich ein hoffnungsloser Fall. Und dabei hab ich das beste Vorbild dafür vor meiner Nase.«
Obwohl Inge hätte ausschlafen können – so wie immer, seit sie in Rente war –, saß sie bereits putzmunter da, in einem hübschen langen Strickkleid und mit einem leichten Tages-Make-up. Die kurzen weißen Haare hatte sie schick zurechtgeföhnt.
Sie sah so frisch aus, dass man sie locker um zehn Jahre jünger geschätzt hätte. Sie fand, auch als Rentnerin musste man sich nicht gehenlassen. Nun ließ sie sich ihr Frühstück aus Vollkornbrötchen, Müsli und frischem Orangensaft schmecken.
»Das ist halb so wild, solange du das Allerwichtigste nicht vergisst, was ich dir beigebracht habe«, sagte sie.
Hastig biss Kerstin von ihrem Käsebrötchen ab und legte dann fragend den Kopf schief. »Was ist denn das Allerwichtigste?«
»Deiner alten Oma einen Kuss auf die Wange zu geben, bevor du das Haus verlässt«, antwortete Inge schmunzelnd.
»Das könnte ich nie vergessen!« Liebevoll küsste Kerstin Inge auf die Wange.
Die beiden standen sich sehr nahe. Kerstin war bei ihrer Großmutter aufgewachsen, weil ihre Eltern bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen waren, als sie noch ein kleines Mädchen gewesen war. Inge hatte natürlich furchtbar unter dem Verlust ihrer Tochter und ihres Schwiegersohns gelitten, aber sie hatte keine Sekunde gezögert, ihre Enkelin bei sich aufzunehmen. Für Kerstin war sie Oma, Mutter und Vater in einer Person: ihre einzige Familie und wichtigste Bezugsperson.
Das Ticken der Wanduhr erinnerte sie daran, dass sie sich sputen musste, wenn sie pünktlich zur Arbeit kommen wollte. Schnell schob sie sich den letzten Bissen ihres Brötchens in den Mund und spülte ihn mit einem großen Schluck Kaffee hinunter. Dann packte sie ihre Handtasche.
»Übrigens, ich esse heute Abend nicht zu Hause«, fiel ihr dann ein. »Ich komme nach der Arbeit nur kurz heim, um mich frisch zu machen, dann holt Thorsten mich ab.«
Inge lächelte. »Dann muss ich dir ja gar keinen schönen Abend wünschen, denn den wirst du bestimmt haben.«
Über Kerstins Wangen zog sich eine feine Röte, und ihr Herz schlug vor Vorfreude schneller, als sie an Thorsten dachte. Seit zwei Jahren waren sie nun ein Paar, und es waren wohl die besten zwei Jahre ihres Lebens. Sie konnte es kaum erwarten, ihn heute zu treffen. Er hatte angekündigt, sie in ein tolles Restaurant auszuführen.
»Jetzt aber los, husch, husch! Vor lauter Träumen kommst du sonst wirklich noch zu spät«, riss Inge sie aus ihren Träumereien, und schnell machte sich Kerstin auf den Weg zur Arbeit.
***
Inge schmunzelte, nachdem Kerstin eilig durch die Tür verschwunden war. Ihr war nicht entgangen, wie die Augen ihrer Enkeltochter aufgeleuchtet hatten, als sie von Thorsten Merheim gesprochen hatte. Seit sie ihn kennengelernt hatte, war sie richtig aufgeblüht. Er tat ihr gut, das merkte Inge ganz deutlich. Die beiden jungen Leute passten gut zusammen und waren ein bezauberndes Paar.
Während sie sich in Ruhe ihr restliches Frühstück schmecken ließ, grübelte sie über das verliebte Pärchen nach. Zwei Jahre lang waren die beiden nun schon zusammen. Inge fragte sich unwillkürlich, ob sie sich nicht allmählich eine eigene Wohnung oder ein Haus suchen und zusammenziehen wollten. Kerstin lebte immer noch bei ihr, in ihrer kleinen Dreizimmerwohnung.
Inge fand es schön so, sie lebte gern mit ihrer Enkelin zusammen. So hatten sie beide Gesellschaft, konnten sich die Hausarbeit teilen und hatten viel Gelegenheit, miteinander zu plaudern. Ein wenig war es, als wären sie gleichaltrige Freundinnen, und nicht Oma und Enkelin.
Doch so schön und angenehm Inge das Zusammenleben mit Kerstin auch fand – es konnte doch keine Dauerlösung sein! Das Mädchen war nun erwachsen und musste sein eigenes Glück finden und sein eigenes Leben führen!
Natürlich würde es Inge in der ersten Zeit schrecklich schwerfallen, von Kerstin Abschied zu nehmen und allein in der Wohnung zurückzubleiben, die ohne ihre Enkeltochter sicherlich furchtbar leer und still sein würde. Aber es wäre egoistisch, sich für immer an die junge Frau zu klammern. Inge würde schon klarkommen, davon war sie überzeugt. Sie hatte viele Freundinnen und Hobbys.
Um die Lücke zu füllen und sich ans ungewohnte Alleinleben zu gewöhnen, würde sie vielleicht einen Töpferkurs besuchen, mit dem Seidenmalen beginnen oder sich sogar an einen Tanzkurs wagen. Mit Sicherheit würde sie sich mit der veränderten Situation arrangieren können.
Und für Kerstin wäre es gewiss das Beste. In ihrem Alter wollte man doch mit dem Mann zusammenziehen, den man liebte, und vielleicht sogar eine Familie gründen – und sich nicht Tag für Tag um die alternde Großmutter kümmern. Das Mädchen musste auch ein bisschen auf sich selbst achten.
Während sie ihren grünen Tee trank, dachte Inge darüber nach, ob sie Kerstin darauf ansprechen sollte. Dann aber schüttelte sie den Kopf. Gewiss würde sich das in nächster Zeit ohnehin klären, denn so gut, wie es bei Kerstin und Thorsten lief, würde er bestimmt bald um ihre Hand anhalten oder sie fragen, ob sie mit ihm zusammenziehen wollte. Inge beschloss, den Dingen ihre Zeit zu lassen und das Zusammenleben mit Kerstin zu genießen, solange sie noch konnte.
Nach dem Frühstück räumte sie den Geschirrspüler ein und putzte die Arbeitsflächen in der Küche. Als sie gerade fertig war, klingelte das Telefon: Eine ihrer Freundinnen, Hilde Bergen, rief an. Während sie weiter durch die Wohnung wirbelte und Staub wischte, plauderte Inge mit Hilde, und sie tauschten Neuigkeiten aus. Wie fast immer hatte Hilde einiges zu erzählen:
Sie lebte mit ihrem Sohn, einem Kinderarzt, ihrer Schwiegertochter, die Notärztin war, und deren Adoptivtochter zusammen. Da war immer viel los. Interessiert hörte Inge sich an, was im Bergen-Haushalt momentan so vor sich ging, und lachte dann herzlich, als Hilde von den neuesten Eskapaden der Mischlingshündin Dolly erzählte.
»Wir müssen uns dringend wieder mal treffen«, sagte Hilde schließlich. »Von Angesicht zu Angesicht plaudert sich’s doch am schönsten.«
»Nichts lieber als das!«, stimmte Inge fröhlich zu. »Besuch mich doch mal wieder, dann backe ich uns einen Kuchen und koche jede Menge Kaffee.«
»Oh, ja, deinen berühmten Schokoladenkuchen! Und das Rezept musst du mir unbedingt einmal geben. Seit du mir mal ein paar Stückchen davon für meine Familie mitgegeben hast, wünschen sich Werner, Andrea und Franzi, dass ich ihnen auch mal so einen backe«, rief Hilde so begeistert, dass Inge lachen musste.
Nachdem sie sich voneinander verabschiedet und aufgelegt hatten, blickte Inge nachdenklich aus dem Fenster. Es war zwar ein typischer Herbsttag – grau, kühl, windig und verregnet –, aber trotzdem wollte sie nicht auf ihren täglichen Spaziergang verzichten.
»Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung«, sagte sie entschlossen und zog feste, wasserdichte Schuhe und eine wind- und regenabweisende Jacke mit Kapuze an. So ausgerüstet ging sie hinaus und machte an der frischen Luft eine große Runde am Rhein entlang und durch einen Park.
Als sie zurückkam, fühlte sie sich erfrischt. Sie fand es wichtig und sehr angenehm, jeden Tag zumindest kurz an die frische Luft zu kommen. Viele ihrer Freundinnen, die in ihrem Alter waren, gingen kaum noch vor die Tür. Inge fand das schade, denn sie hatte den Eindruck, dass die regelmäßige Bewegung sie fit hielt. Tatsächlich fühlte sie sich jünger, als sie den Jahren nach war.
Aber so schön der Spaziergang auch gewesen war, ein wenig hatte sie doch gefroren. Man merkte allmählich, dass der Winter mit großen Schritten näher kam. Sie rieb sich die klammen Hände. Eine heiße Dusche wäre jetzt genau das Richtige!
Kurz darauf stand sie in der Duschkabine und ließ das Wasser auf sich herabprasseln. Die Wärme des Duschwassers vertrieb die Kälte aus ihren Knochen, und Inge summte ein beschwingtes Lied. Wasserdampf hing in der Luft und ließ den Spiegel beschlagen.
Mit einem großen Handtuch trocknete Inge sich ab, rubbelte ihre kurz geschnittenen Haare ab und schlüpfte in ihre Kleidung. Gut gelaunt wollte sie sich dann auf den Weg ins Wohnzimmer machen. Schwungvoll wirbelte sie herum – etwas zu schwungvoll.
Die Bodenfliesen waren nass vom Wasserdampf. Inges Füße glitten einfach aus, und ein stechender Schmerz schoss durch ihren Knöchel. Vor Schreck und Schmerzen schrie sie auf.
Auf der verzweifelten Suche nach...




