E-Book, Deutsch, Band 2, 424 Seiten
Reihe: Vicious Magic
Winter Vicious Magic: Wilde Biester (Band 2)
22001. Auflage 2022
ISBN: 978-3-646-60896-0
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Urban Fantasy über eine taffe Magie-Agentin und einen undurchsichtigen Drachenwandler
E-Book, Deutsch, Band 2, 424 Seiten
Reihe: Vicious Magic
ISBN: 978-3-646-60896-0
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Linda Winter, 1985 in Deutschland geboren, zog es früh in die Ferne. Nach einem Auslandsjahr in Australien studierte sie Archäologie und Interkulturelle Kommunikation und arbeitete bei den Vereinten Nationen, ehe sie ihre Liebe für das Schreiben wiederentdeckte. Heute lebt sie in ihrer Wahlheimat Wien, reist am liebsten durch die Welt und schreibt fantastische Geschichten für Jugendliche.
Autoren/Hrsg.
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EINE HERZENTSCHEIDUNG
Würde mir der Teufel persönlich anbieten, meine Hirnmasse gegen Stroh zu tauschen – ich würde den Deal annehmen.
»Was genau geschah in den Büschen seitlich des Hume Highway, nachdem du dem Attentäter gefolgt bist?«, stellt Imara Achebe ihre erste Frage.
Hier sitze ich nun auf dem kalten Metallstuhl im Büro unserer neuen gedankenlesenden Direktorin, starre wie hypnotisiert in ihre psychedelischen Silberaugen und mache mir fast ins Höschen. Ich trage ein Kleid aus Goldpailletten und somit kann ich meine nassgeschwitzten Hände nirgendwo abwischen. Jedes Mal, wenn meine Finger, die ich krampfhaft um die Armlehnen kralle, verrutschen, quietscht es durchdringend. Ich muss so dringend pinkeln, dass ich mir bald ins Höschen mache. Doch das alles ist egal. Nur eines ist wichtig.
MEINE GEDANKEN SIND FREI.
»Der Attentäter war zum Teil unter seinem Motorrad begraben«, beginne ich, bemühe mich um eine feste Stimme. »Als ich und …« . »… Agent Bloom ihn erreichten, konnten wir uns gerade noch rechtzeitig hinter einen Felsen retten, ehe eine weitere Nagelbombe hochging. Es war Selbstmord. Der Attentäter war sofort tot. Die S-Agenten kamen kurz darauf.«
»Ist dir etwas Ungewöhnliches an dem Attentäter aufgefallen?« Imara notiert kein Wort von dem, was ich sage. Stattdessen sitzt sie mit ihrer beeindruckenden Größe kerzengerade da und stiert auf mich hinab. Ich fühle mich wie eine Kakerlake vor einem Soldaten mit Springerstiefeln. Es kratzt unangenehm an meiner Schädeldecke und ich habe nicht viel, was ich der Magie der Telepathin entgegensetzen kann. Also mache ich es wie bei Mister Anderson. Ich bleibe bei der Wahrheit.
»Er trug einen speziellen Hightech-Anzug und einen Utensilien-Gürtel mit Waffen«, berichte ich. »Für eine Sirene war er ausgesprochen muskulös. Er erinnerte mich an den Terrakineten im Metroschacht.«
»Ahntest du, dass die beiden Attentate zusammengehören?«
»Mir kam der Gedanke«, antworte ich wahrheitsgemäß. »Richtig begreifen konnte ich es nicht. Organisierte Wilde Magie. Wer denkt denn an so was?« Mein darauffolgendes Lachen klingt, als würde ein Fisch verzweifelt nach Luft schnappen.
Imaras Lächeln wirkt gezwungen. »Ist dir seine Tätowierung aufgefallen?« Ihr Silberblick wird eindringlicher und ich blinzle ein paar Male, um ihm nicht zu verfallen. »Das Zeichen von Magic Legacy?«
.
Ich schlucke angestrengt. »Er war halb vergraben«, wiederhole ich mich. Sie ist weder ein Empath noch ein Lügendetektor. . »Es war dunkel. Ich muss gestehen, ich war an diesem Abend nicht ganz bei mir«, spiele ich meinen besten Trumpf aus.
Millimeterweise wandert Imaras rechte Augenbrauen nach oben, wie eine Raupe, die sich gemächlich zusammenzieht, um vorwärtszukommen. »Du warst angetrunken?«
»Ja«, schießt es aus mir heraus. Ich war nie so froh, vor meinem Boss zugeben zu dürfen, besoffen gewesen zu sein. »Selbstverständlich habe ich eine Fahrtauglichkeitspille genommen«, füge ich eilig hinzu.
»Ist das auch der Grund, warum du die Eisennägel im Club nicht entschärfen konntest?«, hakt sie nach, während ihre Braue wieder nach unten sackt. »Alkohol beeinträchtigt unsere Magie.«
Ich nicke hastig. »Ja. Ja, es war der Alkohol.« Ihre Augen drehen nun so richtig auf. Das Kribbeln unter meiner Kopfhaut wird stärker. . »Und Haemokinese«, stoße ich aus. »Haemokinese hat mich davon abgehalten, meine Magie zu wirken.«
»Haemokinese?« Imara runzelt die Stirn. Die silbernen Strudel verlieren ein wenig ihrer Sogwirkung. Sie betrachtet mich eingehend, sieht dann auf ihren Computerbildschirm, der vor meinen Augen verborgen ist. »Eine seltene Gabe«, sagt sie nachdenklich. »Denkst du, der Attentäter hatte einen weiteren Komplizen?«
»Ich … Ja, das ist anzunehmen.«
Imara notiert sich endlich etwas. Der Stift bewegt sich kratzend über das Papier ihres Notizblocks. Warum nutzt sie keine Tastatur wie normale Leute? Das Geräusch hallt übertrieben laut durch den stillen Büroraum. Wieso schweigt sie? Wenn sie schweigt … denke ich! Ich muss etwas sagen. . Bevor Name durch meinen Kopf geistert.
»Es tut mir leid, ich … ich mache mir große Vorwürfe, Imara.« Ich beuge mich vor. Meine nervösen Pailletten rascheln leise. »Dass ich die Nägel nicht aufhalten konnte«, flüstere ich, muss meine Schuldgefühle nicht mal vorspielen. Ich mir schwere Vorwürfe. »Dass ich die Bombe nicht früh genug erkannt habe.«
Die Direktorin sieht von ihrem Gekritzel auf. »Niemand macht dir einen Vorwurf, Lyssa.« Sie legt den Stift beiseite und faltet ihre Hände. Ihr Silber schimmert ungewohnt sanft. »Es war eine wirre Situation. Ihr wart in Feierstimmung. Du bist dem Attentäter gefolgt und hast ihn gestellt. Das war eine herausragende Leistung.« Sie nickt anerkennend, während ihr Blick wohlgefällig über mich schweift. »Du kannst stolz auf dich sein, Lyssa. Dieser selbstlose Einsatz wird honoriert werden.«
Ich sollte glücklich über ihre Worte sein, Stolz empfinden, stattdessen fühlt sich mein Lächeln verkrampft an. Inzwischen muss ich so dringend aufs Klo, dass ich wünschte, ich würde mehr unter dem Kleid tragen als einen lächerlichen String-Tanga.
Imara greift nach einer Akte, die neben ihr liegt, und schlägt sie auf. Es ist eine Personalakte der MCA. Auch wenn ich den Namen nicht erkennen kann, weiß ich, um wessen Akte es sich handelt. Innerlich sammle ich mich für das, was nun kommt.
Meine Gedanken sind Luft. Ich puste sie weg!
»Wie kam es dazu, dass du Blaze Bloom der Komplizenschaft beschuldigst?«
Wie auf Kommando stellen meine Goldpailletten sich auf. Mein Mund ist staubtrocken. »Ich …«, röchle ich. . »Nun …« . »Er wusste von der Bombe«, platze ich heraus.
»Von der zweiten Bombe, meinst du?«, hakt sie nach, zückt wieder ihren Stift.
Ich nicke. »Es kam mir seltsam vor.« Ich lecke über meine trockenen Lippen, um Zeit zu schinden. »Sie hätte mich getötet und ich verdanke ihm mein Leben, aber … es irritierte mich, dass er davon wusste.«
Es ist keine Lüge. Ich verschweige lediglich den Rest. Jetzt muss mein Gehirn nur mitspielen.
»Als Wandler besitzt Blaze Bloom übernatürliche Reflexe und Sinne«, erklärt Imara mir. »Drachenwandler stehen in der Akademie nicht auf dem Lehrplan, daher ist deine Verwirrung verständlich. Ich nehme an, die Anschuldigung des mehrfachen Mordes und der Mitgliedschaft in einer globalen Terroristenorganisation beruht nicht nur auf dieser ungewöhnlichen Weitsicht deines Kollegen.«
Die Knochen in meinen Fingern schmerzen, so angestrengt umschlinge ich die Metalllehnen. Ich bin zutiefst dankbar, dass das Möbelstück aus Aluminium und nicht aus Edelstahl besteht, sonst säße ich inzwischen auf einem unkonventionellen Designer-Einzelstück mit meinem Namen drauf.
»Er ist geheimnisvoll«, sage ich ausweichend. Das Herz pocht so laut in meinen Ohren, sicher hört Imara es auch. Wenn ich jetzt einen Fehler mache … »Er besitzt radikale Ansichten. Für mich … passte in diesem Moment alles zusammen. Es war eine Kurzschlusshandlung. Ich gestehe, sie war impulsiv und wenig durchdacht.«
»Du bist dir nicht mehr sicher, ob du richtig gehandelt hast?«, bohrt sie nach.
Imara runzelt die Stirn, legt Blaze’ Akte beiseite. »Ich frage noch einmal nach, damit keine Unsicherheiten bleiben. Gibt es einen triftigen Grund, warum du Blaze Bloom der Komplizenschaft an diesem Attentat beschuldigst?«
Ich weiche ihrem gefährlichen Silberblick aus, starre unschlüssig auf die Akte.
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Ich wünschte, ich besäße Lewis’ Abgebrühtheit und könnte meine Gefühle einfach abschalten. Aber ich bin keine Cryokinetin. Ich habe kein Herz aus Eis. Meines ist aus Fleisch und Blut, folgt seinem eigenen Takt und hat eine Schwäche für einen ganz gewissen Drachen, der mich nach...




